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Kritikerschelte zum Zweiten. Boettcher, Wenzel, Willibald, Achter Zwerg. Lotta. Minidrama.

Text


von Willibald

(Laufender Dialog über WhatsApp-Video-Kamera, surreal getönt)




B. Boettcher:
Mich beschäftigt die einzigartige Sprache, die prosaische Fähigkeit, sich unverwechselbar und eigentümlich auszudrücken, den Mut aufzubringen, gegen Konventionen zu verstoßen und dabei die Trägheit des Lesers außer Acht zu lassen und dennoch einigermaßen verständlich zu wirken.
Und das Surrealistische und Wunderbare in einem Text sind oft die Stellen, die niemand versteht, weil der Leser nie gelernt hat, anders zu denken. Wir werden dazu erzogen, geradeaus gegen eine Wand zu laufen, und jeder hält dies für normal. Niemand kennt sozusagen die runden Ecken im Universum.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, ein großartiger Text ist ein vom Autor beabsichtigter Schnupperkurs für Leser und Kritiker, die noch auf Tuchfühlung sind mit der neuen kompromisslosen, epochalen und bewusstseinserweiternden neuen deutschen Literatur.
Die deutsche Literatur stagniert seit Thomas Mann und hat sich seitdem nicht wirklich weiterentwickelt, weil es seitdem keine neuen Visionäre mehr gab. Die wichtige und so genannte deutsche Nachkriegsliteratur hat uns in Wirklichkeit nicht weitergebracht, sondern jahrzehntelang im Gedanken und in unserer Schöpfung und Fantasie erheblich blockiert.
Deshalb bin ich froh, einen Text lesen zu dürfen, der alle Gräben aufbricht. Das ist nix für Anhänger von dieser Ulla Hahn, für diese geflashten Oberstudienräte. Nur ein bisschen weniger beschränkt als die - Pfui Deibel - Altphilologen mit ihrem klassischen Tunnelblick.

Wenzel:
O Gott! Die deutsche Literatur stagniert seit Thomas Mann und hat sich seitdem nicht wirklich weiter entwickelt, weil es seitdem keine neuen Visionäre mehr gab?
Hurra! Jetzt weiß ich das auch mal! Hätte mir das blöde Germanistik-Studium dann ja ersparen können.
Aber im Ernst: wie kommst Du denn darauf? Hast Du solch einen guten Überblick über „die deutsche Literatur” seit 70, 80 Jahren? Was sind, bittschön, „Visionäre”? Und wohin würdest Du Namen packen wie Hans Henny Jahnn, Hans-Erich Nossack, Matthias Kessler, Andreas Drescher oder Joachim Zelter? Ganz abgesehen davon, dass die Literatur schon immer etwas Globalisiertes war, dass sich Entwicklungen von anderswo auch auf die deutsche Literatur niedergeschlagen haben und wie der Wind oder die radioaktive Strahlung nicht an einer Grenze haltmachen. Borges, Cortázar, Krasznahorkai, um nur mal ein paar Namen zu nennen, haben die Prosa des 20. Jahrhunderts wenn auch nicht „verändert” oder „revolutioniert”, so doch reformiert, dem neorealistischen Trivial-Terror etwas entgegengesetzt, das zugleich auch den Avantgarde-Duktus der Symbolisten und Surrealisten als läppische Oberflächenpolitur, als totgerittenes Pferd enttarnt hat. Wenn das keine „Visionen” waren, stilistisch ebenso wie inhaltlich, weiß ich auch nicht.
Die deutsche Literatur stagniert seit Thomas Mann und hat sich seitdem nicht wirklich weiter entwickelt, weil es seitdem keine neuen Visionäre mehr gab?
Na gut. Ich war mit solchen Urteilen auch mal schnell bei der Hand. Der große Vorteil ist, dass man mit 45 erst dem Höhepunkt der kulturellen Kompetenz entgegensieht und ein wenig vorsichtiger und skeptischer wird, auch was den eigenen Tellerrand angeht.


B. Boettcher:
Deinen Tellerrand möchte ich erst gar nicht kennenlernen, weil mir dieser doch ziemlich unsicher und an einen Rand nahe einer Klippe erinnert.

Namen wie Hans Henny Jahnn, Hans-Erich Nossack, Matthias Kessler, Andreas Drescher oder Joachim Zelter, welche du großmundig erwähnst, bedeuten mir überhaupt nichts. Und ich würde sie auch nirgendwo hinpacken, weil sie mir absolut nichts sagen.

Gegenfrage: Habt ihr etwa deswegen Germanistik studiert? Lach!

Einen Namen hast du allerdings beiläufig am Rande erwähnt, nämlich Borges, doch scheint mir, dass du nicht den leisesten Schimmer davon hast, was du da erzählst. Denn Borges zielt genau auf das ab, woraus ich hinaus will. Nämlich eigenständige, surrealistische, demokratische und freie Kunst. Und keine konzerngesteuerte Kunst-Fabrikatur, wo der Schriftsteller nur noch ein Werkzeug der Manager ist. 
Ich rede übrigens ausschließlich von der deutschen Literatur. Und diese ist nun mal seit 1933 faktisch tot, weil es danach nur noch die so genannte Trümmer- und Nachkriegsliteratur gab.
Böll, Lenz und Grass, immerhin zwei Literaturnobelpreisträger, haben nun mal  fast ausschließlich, über oder von den Nachwirkungen des 2. Weltkrieges geschrieben. Das ist unrelevante politische, äh gesellschaftsgeschichtliche, Trümmerliteratur, die heute keinen  Schwanz mehr interessiert!
Okay, Patrick Süsskind hat mit seinem "Parfüm" einen kleinen Welterfolg gehabt, aber das ist doch nicht die Literatur, über die ich hier rede.
Mich interessiert doch weder Thomas Mann oder all die nach ihm gefolgt sind, weil wer von der jüngeren Generation liest denn schon solch alte Schinken, die quasi im Regal verfaulen!
Ich rede von einer neuen Vision, einer Imagination und von einer Revolution, die sich nicht von außen durch mächtige Konzerne leiten lässt, sondern die von Innen kommt.
Gab  es in deinem Germanistik-Studium eigentlich ein Seminar darüber, wie die großen Verlagsgruppen die kleinen Verlage nach und nach schlucken?
Viel schlimmer noch, denn wer Verlage schluckt, der macht und bestimmt auch Kultur.
Und Kultur wiederum sind auch Bücher und die jeweiligen Autoren, die davon letztendlich anhängig sind.
Was steht denn ausschließlich in den Regalen der Buchhandlungen? - Die Belletristik und Trivialliteratur, wie Harry Potter oder Rosamunde Pilcher. Und wieso? - Weil sich Scheiße nun mal gut verkauft!
Und was ist mit den anderen, den ernsthaften und wirklich guten Schriftstellern?
Amen den Armen!

Wenzel:
Wir sollten uns siezen.
Wäre besser, Herr Boettcher, weil ...

B. Boettcher
(ihn unterbrechend, im Habitus von Klaus Kinski):
Ich bin bekanntlich der Zorn Gottes.
Die Erde, über die ich gehe, sieht mich und bebt.
Die Tiere, Häuser und Meere  erzittern allesamt.
Die Gischt. die Gischt, die Gischt.
(Wischt sich den Mund ab.)

Wenzel:
O Gott, schon wieder dieses Rumbelfern,.
"Rumbelfern", schwaches Verb, ohne Ablaut. Starker Spondeus,
ein Wohlgefallen für Fachkompetenzen wie Heidrun und Lotta,
dieses Verbum.
(seinem Satz nachsinnend, dann sich einen Ruck gebend)
Ich nehme  mein Gebiss besser doch  wieder heraus aus der Schublade?

Willibald:
(ruft aus dem Hintergrund):
Ich hab da was in meinem Zettelkasten gefunden. Ein fulminantes, recht unbarmherziges Essay des österreichischen  Poeten Franz Joseph Czernin, eine Kritik von 1995 an Durs Grünbeins Gedichtband 'Falten und Fallen'.

Wenzel:
(Das Gebiss einsetzend)
Lies vor!

Willibald:
(postiert sich neben Wenzel vor der WhatsApp-Video-Kamera)
• Ein Schriftsteller hat sich der Literaturgeschichte sowohl zu bemächtigen als auch zu unterwerfen.
• Verkürzt er dieses Sich-Bemächtigen auf bestimmte Formen des Sprachgebrauchs (siehe unten), so unterwirft er sich der Geschichte unwillkürlich.
• Man soll Genetiv-Metaphern, anthropomorphisierende Vergleiche, Allegorien nicht unreflektiert gebrauchen.
• Man darf das Vertraute eines bestimmten traditionellen Begriffs des Poetischen nicht blindlings in Anspruch nehmen.
• Ein Schriftsteller hat auf der Höhe der Zeit zu sein.
• Man darf nicht ohne nachzudenken eine überkommene Gestik bzw. Satzrhetorik, in der bestimmte vergangene Epochen oder auch Schriftsteller anklingen, übernehmen (etwa den Hymnenton Rilkes oder die Manierismen Benn'scher Machart).
• Bezeugungen humanistischer Bildung oder Gelehrsamkeit haben, sofern sie keine nachvollziehbare strukturierende Funktion besitzen, zu unterbleiben.
• Das gleiche gilt für den - den Eindruck von Modernität erzeugen sollenden - blindwütigen Gebrauch von Termini aus der Wissenschaftssprache.
• Der Unterschied zwischen eigentlicher und übertragener Bedeutung darf nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
• Die Freiheit vom Metrum und damit vom Fall und der Anzahl der Silben pro Zeile hat aus einer bestimmten Notwendigkeit zu stammen. Es muss einen erkennbaren Grund haben, warum eine Zeile dort gebrochen wird, wo sie gebrochen ist.
• Der Gebrauch von großen Worten ist zu vermeiden, denn das, was durch sie evoziert wird, ist meist diffus, blass und konturenlos. Es darf nicht bloß benannt, es muss dargestellt, dem Begriff muss Leben eingehaucht werden.
• Der Dichter muss aufs Ganze gehen.

Wenzel und B. Boettcher:
(unisono)
Jaaa! Das ist es.

Achter Zwerg:
(ruft aus dem Hintergrund)
Verspielte Narren seid ihr allesamt!

Willibald:
Verspielte Narren sind wir allesamt.
(nimmt das Handy mit der geöffneten WhatsApp-Videokamera, ein Bild voller Bilder erscheint)



Lotta:
(hat sich zugeschaltet)
Und während dieser langen, bunten Reise
erlernte Stück für Stück ich beispielsweise
mein eignes Bild vom Wesen dieser Welt.

B. Boettcher:
(schnappt nach Lotta und nach Luft)
Das ist rauschegoldengeliges Lyrisieren. 
Das ist verdeckte Elfenlyrik, 
träumerische Entrückung getarnt als Selbstverortungsreflexion.
Pseudomässig.
Sowas von  Du-Kacka -Du-Lyrik.

Wenzel und Willibald:
(lächelnd zu B. Boettcher)
Das ist  allesbeherrschende Einfältigkeit.
Entfaltet  auf erbebender Erde.

 
 

Kommentare zu diesem Text


LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (19.03.2020)
Grünbein würde wohl ebenso zustimmen.
Allerdings beabsichtigt die Manguetti kein Schreiben für all diejenigen, die sich anmaßen, ein allgemeingültiges Urteil für jedermann darüber abzugeben.
Mit Engeln und Elfen kennt sie sich nicht aus, dagegen aber mit der Einfalt. Von Origami-Dichtung hält die Alte nicht so viel.



(Mir liegt privat eine Promotion über Grünbein vor, daher die Mutmaßung s. o. Die Widmung auf der ersten Seite lässt mich stets grienen.)

Die Einfache
diesen Kommentar melden
LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (19.03.2020)
Das Gedicht und das Nichts: über Anthropologie und Geschichte im Werk Durs Grünbeins

Kann man googeln

Kommentar geändert am 19.03.2020 um 14:17 Uhr
diesen Kommentar melden
Willibald meinte dazu am 19.03.2020:
Dank an Lotta für den Dank an Hartmut für den Kasten Bier.

greetse
ww
diese Antwort melden
LottaManguetti antwortete darauf am 19.03.2020:
diese Antwort melden
AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (20.03.2020)
Lieber Willibald,
ich kann Herrn Boettcher nur unterstützen.
Thomas Mann ist und bleibt der master of the universe. - In FFM gibt es einen Prof, der seit Jahrzehnten nur Mann-Seminare gegeben hat. Zuletzt mit Parkinson - und es hoffentlich noch immer tut. Gott schütze!
Wären da nicht der große Borges und die anderen genannten Jungs (bis auf Grünbein, den kann ich nicht leiden), könnte man wirklich vermuten, es gäbe kein Später und bloß ein Hinterher.
Dem ist nicht so, wenngleich es natürlich qualitative Abstriche zu vermerken gibt ... gaaanz kleine. *hüstel.

Der8. quiekt dazwischen: Das interessiert jetzt kein Schwein!
M e i n Metrum folgt jedenfalls grundsätzlich einer Notwendigkeit. Im letzten Gedicht beispielsweise dem Sang des Meeres.

Na und? fragt sich Willibald. Ist nicht schon der Anschein eines (un)auffällig geordneten Textes "allesbeherrschende Einfältigkeit?"

Kann sein.

Lächelnde Grüße
derObige

(2. Kasten abgeschnappt?)
diesen Kommentar melden
Willibald schrieb daraufhin am 20.03.2020:
Dear Heidrun, feine Anmerkungen von 8. und Heidrun.
Habe es schon mal gepostet, aber hier einfach nochmal:

Who's Afraid Of The Big Bad Wolf (1933)
Songtext : Ann Rondell & Frank Churchill;
Version Barbara Streisand, Max Raabe u.a.

Ein Lied der Warnung vor Müßiggang, gerade auch jetzt, man sollte halt lesen und poetisieren und all das:

Who's afraid of the big bad wolf
The big bad wolf
The big bad wolf
Who's afraid of the big bad wolf
Tra la la la la]

Long ago there were three pigs
Little handsome pigs
For the big, but very big, very bad wolf,
They did not give three figs (Feige)

Number one was very gay
And he built his house with hay (Heu)
With a hey hey toot he blew on his flute
And he played around all day

Now number two was fond of jigs (Volkstanz)
And so he built his house with twigs (Zweige)
Hey, diddle diddle he played on his fiddle
And danced with lady- pigs

Number three said: "Nix on tricks,
I shall build my house with bricks!"
He had no chance to sing or dance,
'Cause work and play don't mix

Ha, ha, ha, the two little do-little pigs
Just winked and laughed Ah! Woo!
Who's afraid of the big bad wolf
The big bad wolf
The big bad wolf

Who's afraid of the big bad wolf
Tra la la la la

Came the day when fate did frown (Stirnrunzeln)
And a wolf blew into town
With a gruff huff puff, he puffed just enough
And the hay house fell right down!
[Laughing]

One and two were scared to death
Of the big bad wolfy's breath
All the hair of your chinny chin I'll blow you in
And the twig house answered “yes”

No one left but number three
To save that piglet family
So when they knocked, he fast unlocked
And said “come in with me”

Now they all were safe inside
But the bricks hurt wolfy's pride
So, he slid down the chimney and oh by Jiminy
In a fire he was fried

[Oh oh oh, the three little free little pigs
Just winked and laughed... Ah! Woo!]

Who's afraid of the big bad wolf
The big bad wolf
The big bad wolf

Who is afraid of the big bad wolf
Tra la la la la
Tra la la Tra la la
Tra la la la la la la la la la la!

Who's afraid of the big, big, big, big, big
Bad woooooooooooooooooooolf!

 Barbara Streisand: Wooolf

grinning greetses
ww

Fragen zum 2. Kasten kann dir der hier (nicht) beantworten:



Antwort geändert am 20.03.2020 um 15:00 Uhr
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