Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Blickfang (01.06.), PandaOfLove (28.05.), kreativschlachten (27.05.), TheTramp (27.05.), raffzahn (25.05.), FurySneakerFreak (23.05.), LuiLui (21.05.), MadEleine (13.05.), DominiqueWM (04.05.), XtheEVILg (03.05.), Konkret (29.04.), JorLeaKan (25.04.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 616 Autoren* und 70 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.988 Mitglieder und 435.972 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 03.06.2020:
Symbolgedicht
Symbolismus meint die Verwandlung von Realitätselementen in Bildzeichen (Symbolen), so muss beim Symbolgedicht das... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Die Stürme rollen ... von buchtstabenphysik (21.05.20)
Recht lang:  Les gladiateurs von Roger-Bôtan (378 Worte)
Wenig kommentiert:  Ersatzbefriedigung von tigujo (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  der Verlust der Blume von Augustus (nur 37 Aufrufe)
alle Symbolgedichte
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

hautsterben
von W-M
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich M's und P's Tochter bin" (theatralisch)

Wenn Zahlen zu Gesichtern werden

Tagebuch zum Thema Erschöpfung/ Müdigkeit


von Stelzie

Heute ist Tag 4 meiner arbeitsfreien Tage in Folge. Heute kann ich sagen, ich bin zuhause angekommen. Nein, ich war nicht weg. Nur noch nicht zuhause angekommen.
Es ist lange her, dass ich länger als einen Tag frei hatte. Das war vor der Kündigung der Kollegin, die einen besseren Job gefunden hatte. Einen Job ohne Wochenenddiensten und Schichtarbeit. Dafür mit Firmenwagen.
Das war vor der  Quarantäne der Kolleginnen, die sich testen ließen und positiv waren.
"Kein Problem, ich kann arbeiten. Ist so am sinnvollsten, da muss nicht erst jemand anderes geholt werden." Wer hätte auch geholt werden sollen? Ich habe keine Symptome. Mir gehts gut. Ich bin da.
Nach meinen Endlosnachtschichten habe ich einen Tag frei. Zwei wären auch schön. Mal sehen... ja es werden zwei freie Tage. Am ersten Tag fühle ich mich wie ein Läufer nach einem Marathonlauf. Meine Beine schmerzen. Außerdem bin ich müde, kann nicht schlafen und verbringe den Tag in einer Art Dämmerzustand. Ich verordne mir täglich eine Stunde frische Luft. Nach den Spaziergängen habe ich eine recht heftige Sehnsucht nach meinem Bett.
Ich huste recht häufig und habe einen seltsamen Druck auf der Lunge. Ist schon merkwürdig, was die Psyche mit einem machen kann!

Die Menschen applaudieren und feiern uns als Helden. Ich fühle mich überhaupt nicht heldenhaft, freue mich aber trotzdem. Wahrscheinlich brauchen wir unsere Helden ebenso wie unser Feindbild.
Am zweiten Tag erhalte ich eine Nachricht aus der Klinik. Ich habe noch einmal zwei Tage frei. Die Quarantäne ist für einige Kolleginnen vorbei.

Ich sehe kaum Nachrichten und doch erreichen mich die Zahlen. Heute bekamen diese Zahlen Gesichter.
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um mit dem Beten zu beginnen. Ich bin nicht gläubig. Die beiden Männer aus unserem Ort, die in diesem Moment um ihr Leben kämpfen, schon.

Inzwischen hat sich ein neues Wort in meine Gedanken eingenistet. Es heißt Triage. Ich hoffe, zu diesem Wort wird es niemals Gesichter geben.

 
 

Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (03.04.2020)
Ja,
in einigen Berufen wird viel ertragen und seine "Helden" enden nicht selten auf der Trage. Dafür müssen sie sich nicht um Aktien sorgen, kennen Banker aber von Mahnbescheiden her.
Insgesamt gibt sich die Arbeitswelt mit ihren sozialen Kontakten also ordentlich sortiert.

Herzliche Grüße
der8.
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:

Auf der Trage enden wir alle irgendwann... Aber erst später!

Ich danke dir ganz herzlich.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Sätzer
Kommentar von Sätzer (03.04.2020)
In deinem Beruf bist du extrem gefordert. Ich drück dir die Daumen, dass du den Horror durchstehst. Die Welt ist nicht mehr das, was sie war und wird es vermutlich länger bleiben.
LG Sä
diesen Kommentar melden
Stelzie antwortete darauf am 03.04.2020:
Ich danke dir. Und ja... vermutlich hast du recht. Uns wird nichts anderes übrigbleiben, als uns mit den Gegebenheiten zu arrangieren...

Danke auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
eiskimo
Kommentar von eiskimo (03.04.2020)
Was Du schreibst, liebe Stelzie, ist eine wichtige Ergänzung zu den distanzierten Statements der Experten. Vielleicht ist deine Sicht der Dinge sogar die wichtigere. Sonst arrangieren wir uns in der Abgeschiedenheit, denn sterben, das tun ja nur die anderen.
Viel Kraft und Mut wünscht Dir
Eiskimo
diesen Kommentar melden
Stelzie schrieb daraufhin am 03.04.2020:
Danke, lieber eiskimo. Ich kann nur meine Sicht beschreiben. Meiner Meinung nach sind zu viele "Experten" unterwegs und jeder darf seinen Senf dazugeben. Manchmal nervt das einfach nur.

Vielen Dank, auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Jo-W.
Kommentar von Jo-W. (03.04.2020)
sehr beeindruckend deine Worte-einen lieben Gruß-Jo
diesen Kommentar melden
Stelzie äußerte darauf am 03.04.2020:
Danke, auch fürs Empfehlen, lieber Jo.

Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Fuchsiberlin
Kommentar von Fuchsiberlin (03.04.2020)
Bewegend und nachdenklich machend. Mir fehlen weitere Worte ...

Liebe Grüsse
Fuchsi
diesen Kommentar melden
Stelzie ergänzte dazu am 03.04.2020:
Danke... und du darfst gern wortlos sein. Solange die Kaspargeschichten weitergehen ist alles gut.

Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (03.04.2020)
Dieses Verfahren gibt es ja schon sehr lange. Meistens zu Kriegszeiten. Macron hat's erkannt.
P.S.:
"Sinnvoll" ist auch im Superlativ ein Adjektiv!
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Danke Dieter. Ich meine, auch bei Katastrophen, wie zum Beispiel Zugunglücken wird ebenfalls "triagiert". Zumindest von den Ersthelfern vor Ort.

Bleib gesund!
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Moja
Kommentar von Moja (03.04.2020)
Bin sehr berührt von Deinem Text, liebe Stelzie,
ich wünsche Dir Gesundheit und viel Kraft zum Durchhalten,
schlag kräftig mit den Flügeln und bleib munter,

Moja
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Danke liebe Moja, genau das werde ich tun.

Danke auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Graeculus
Kommentar von Graeculus (03.04.2020)
Gut, auch sowas hier mal zu lesen. Eine spezielle und sehr wichtige Perspektive.
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Es gibt für mich einfach zu viele "Experten" die alles mögliche von sich geben. Wie soll man sich da orientieren? Ich kann die Dinge nur so beschreiben, wie ich sie erlebe, lieber Graeculus. Die Menschen hinter den Zahlen finde ich sehr wichtig. Die Zahlen selbst sind einfach nur Zahlen.

Ich danke dir sehr, auch für deine Empfehlung und Favorisierung.
Bleib gesund!
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Al-Badri_Sigrun
Kommentar von Al-Badri_Sigrun (03.04.2020)
Liebe Kerstin,

du hast die Corona-Krise aus dem Blickwinkel der Helfer sehr eindringlich beschrieben.

Vermutlich gehörst du zu den Pflegekräften, die täglich bis zur Erschöpfung arbeiten.

Bei Überlastung eine Auswahl treffen zu müssen, wer eine Intensivbetreuung bekommt, ist ein Alptraum-Gedanke. Noch haben wir dieses Extrem nicht in Deutschland. Hoffen wir, dass es weltweit einen spürbaren Rückgang des Virus gibt!

Ich wünsche dir alles Gute und bleib gesund!

Herzlichst
Sigrun
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Danke liebe Sigrun.
Die Erschöpfung merkt man tatsächlich erst nach der Arbeit. Solange man dabei ist, fühlt man sich niemals schlecht oder will es einfach nicht wahrhaben.

Bleib auch du gesund.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (03.04.2020)
Hallo Kerstin, ich finde es wunderbar, dass du bei deiner hohen Belastung noch Zeit für kreative Texte findest, vor allem für solche, die einen zu wenig beleuchteten Blickwinkel darstellen.
Liebe Grüße
Ekki
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Danke lieber Ekki, ich denke, hier ist das Schreiben auch ein bisschen Therapie.

Danke auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Kommentar von Ralf_Renkking (03.04.2020)
Als besonders heftig empfinde ich Deinen vorletzten Absatz und meine, daraus sogar einen Anflug von Verbitterung zu lesen.

Ciao, Frank

Kommentar geändert am 03.04.2020 um 17:27 Uhr
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Du meinst das Gebet? Vielleicht resultiert ja die Verbitterung daraus, dass ich nichts weiter tun kann (ich kann sehr schlecht untätig sein) und außerdem noch aus der Tatsache, dass es so gottesgläubige Menschen erwischt hat, die einfach nur liebenswert sind.

Ich danke dir auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
wa Bash
Kommentar von wa Bash (03.04.2020)
da kann man sich nur bedanken, dass es euch gibt... also, danke
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 03.04.2020:
Das ist schon erst einmal bei mir angekommen und ich gebe es sehr gern auch weiter.

Ich danke dir auch.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
BeBa
Kommentar von BeBa (03.04.2020)
Hallo Stelzie,

ein tiefgehender Text. Daumen hoch dafür. Und für die Arbeit, die ihr tagtäglich leistet.
Meine Frau arbeitet in der Altenpflege. Schon irritierend, dass gerade diese unterschätzten und unterbezahlten Berufe es sind, auf die es jetzt ankommt.
Daraus müssen (!!!) Schlüsse gezogen werden!

Kommentar geändert am 03.04.2020 um 21:58 Uhr
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 04.04.2020:
Danke du Lieber!
Deiner Frau wünsche ich auf jeden Fall auch viel Kraft und Durchhaltevermögen.
Das Schlimmste was ich übrigens in Bezug auf meinen Beruf gehört habe war die Bezeichnung "niedlich".

Liebe Grüße in das Frühlingswochenende 🌷
Kerstin
diese Antwort melden
Teichhüpfer
Kommentar von Teichhüpfer (03.04.2020)
Das ist Selbständig, Kerstin.
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 04.04.2020:
Das ist es, Jens. Dankeschön und bleib gesund.

Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Kommentar von Sin (55) (04.04.2020)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 05.04.2020:
Niemals
diese Antwort melden
AvaLiam
Kommentar von AvaLiam (09.04.2020)
liebe Kerstin...

vorab: ich bin sooooooooooo froh, dass meine Tochter jetzt ihre Traumausbildung angefangen hat und seit Mitte März keine Krankenschwester mehr ist.
Denn die Zustände in dem Krankenhaus, in dem sie gearbeitet hat waren schon vor der Pandemie unerträglich, unwürdig und nicht zu vertreten gegenüber den Patienten und dem Personal.
Mit dem Monat März hat sich eine Lage, die als nicht mehr zuspitzbar galt, deutlich verschärft.

Da sie noch im Verteiler gelistet ist, erhält sie weiterhin Einsatzpläne, Änderungen, Anordnungen und ja, auch den Notfallplan für die Coronakrise (beschlossen 2012!!) .

Ich hatte mich interessehalber mit genau jenem auseinandergesetzt und allein, diesen zu lesen, verschaffte mir ein so grausames und beklemmendes Gefühl... Nicht wichtig genug zu sein, zu alt zu sein, zu krank, um von medizinischer Hilfe versorgt zu werden... AUSSORTIERT zu werden...

Ich kenne einige Kräfte in der medizinischen Versorgung.
Oft sortieren sich unter den Kräften Menschen aus, die dem Anspruch ihrer Tätigkeit moralisch nicht mehr gerecht werden können und zerreißen an den Entscheidungen, die sie treffen und Zuständen, die sie aushalten müssen.
Ich finde das sehr traurig und bedenklich, da genau JENE ihren Beruf mit Motivation, Überzeugung und Menschlichkeit leben.

Sollte die Umsetzung der Triage tatsächlich nötig werden, bin ich mir sicher, dass im Anschluss noch weniger Menschen in der Pflege bzw. in der medizinischen Hilfe arbeiten.

Und so hoffe ich, genau so inständig wie du, dass es dazu nicht kommen wird.

Du und deine Arbeit habt meinen vollen Respekt! Bleibe in diesem Wirken genau die, die du bist... diese Kraft wünsche ich dir von ganzem Herzen.

liebe Grüße - Ava
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 09.04.2020:
Danke für deinen schönen Kommentar, liebe Ava.
Ich arbeite sehr gern in meinem Beruf. Würde ich das nicht, wäre er wahrscheinlich in vielerlei Hinsicht kaum zu ertragen.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden
Willibald
Kommentar von Willibald (16.04.2020)
Grüß dich, Kerstin, habe diesen Text gefunden, als ich deine Filmkolumne gelesen hatte.
Ich bin froh darüber, dass du therapeutisch (für dich und uns) schreibst und wie du schreiben kannst.

greetse

Kommentar geändert am 16.04.2020 um 15:38 Uhr
diesen Kommentar melden
Stelzie meinte dazu am 16.04.2020:
Dankeschön Willibald, mich freut vor allem, wenn meine Texte die Leute hier erreichen.

Vielen Dank auch für deine Empfehlung.
Liebe Grüße
Kerstin
diese Antwort melden

Stelzie
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Veröffentlicht am 03.04.2020, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 03.04.2020). Textlänge: 316 Wörter; dieser Text wurde bereits 208 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 02.06.2020.
Lieblingstext von:
AvaLiam, Lluviagata, Graeculus, Al-Badri_Sigrun, BeBa.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Mehr über Stelzie
Mehr von Stelzie
Mail an Stelzie
Blättern:
voriger Text
nächster Text
zufällig...
Weitere 5 neue Tagebücher von Stelzie:
Der Gast Die Schlange HDR, HDR10, 4K Pixel Precise Ultra, Bonanza und Die Waltons Sommergedanken Mein aktuell-politischer Stallhase
Mehr zum Thema "Erschöpfung/ Müdigkeit" von Stelzie:
Kurzurlaub
Was schreiben andere zum Thema "Erschöpfung/ Müdigkeit"?
Panikattacken. (franky) Tag 11 - Pusteblume (Serafina) Meer (Xenia) Wurzelwerk (Ralf_Renkking) Last night (Xenia) nachtschicht (AchterZwerg) Anchonie (Serafina) leben und so (AndereDimension) Im Aquarium 2 (Xenia) thrill oder still (eiskimo) und 45 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2020 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2020 keinVerlag.de