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01 - Das Ende einer langen SucheInhaltsverzeichnis03 - Die erste Jagd

02 - Dorothea Baum

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Grafschaft Werrentheim, im Jahre des Herrn 1766…

Dorothea Baum war das erste Opfer. Indes nur beinahe. Sie entkam. Viele Menschen wären am Leben geblieben, hätte man ihrem Bericht glauben geschenkt, ja, ihn überhaupt wahrgenommen. Das tat aber niemand, was zwei Gründe hatte. Zunächst hielt man sie für eine Zigeunerin und Zigeuner waren dafür bekannt, nicht die Wahrheit zu sagen. Das wusste damals jeder und hat sich bis heute nicht geändert. Natürlich war sie keine Zigeunerin, sondern gehörte zum fahrenden Volk. Aber wie sollte das jemand begreifen in einer Welt, in der selbst jene, die sich für gebildet und gottgehorsam hielten, nicht in der Lage waren, Gott als Gott und den Teufel als den Teufel zu erkennen. Der zweite Grund war, dass sie als schwachsinnig galt. Einer solchen Person schenkte niemand Gehör, schon gar nicht, wenn sie von einem eigenartigen Vorfall berichtete hätte. Sie wusste ja noch nicht einmal, was um sie herum vor sich ging, geschweige denn was sie sagte. Die Geschichte allein hätte man als schieren Unsinn abgetan, also warum ihr glauben? Die Wahrheit wäre ans Tageslicht gekommen, wenn sie denn nur jemand gefragt hätte.

Die Leute, mit denen sie im Dorf war, wollten am nächsten Morgen weiterziehen. Am Nachmittag hatten sie die letzte Vorstellung gespielt. Die Einkünfte waren mager gewesen, aber man musste schließlich das nehmen, was man bekam. Dorothea zog alleine los, um einen Spaziergang zu machen. Sie war sechzehn Jahre alt. Als junges Mädchen hatten die anderen Kinder sie „dürre Bohnenstange“ gerufen. In den letzten beiden Jahren war sie zu einer schönen jungen Frau geworden. Jedoch benahm sie sich, als wäre sie immer noch sieben Jahre alt. Dennoch oder gerade deshalb war sie freundlich gegen jeden und wenn sie doch einmal eine kindliche Wut überkam, war diese genauso schnell wieder verflogen wie gekommen. Aller Hader war schnell vergessen und sie schmiegte sich gerne an die Menschen, die sie mochte. Dorothea war Artistin und erfreute die Zuschauer außerdem mit kleinen magisch scheinenden Kunststücken. Sie schlug Rad, verbog und verknotete ihre Arme und Beine und hatte auch schon zaghafte Versuche als Seiltänzerin unternommen. Diese besonderen körperlichen Fähigkeiten retteten ihr Leben.

Sie wanderte, zufrieden mit sich und der Welt, über duftende Wiesen voll wilder Möhren, Hornklee und Bocksbart. Sie mied die Wälder so gut es ging und pfiff ein neues Lied, dass ihr von ihrem Bruder am letzten Abend beigebracht worden war. Sie war so unbekümmert fröhlich, dass sie zunächst nicht wahrnahm, wie die Dämmerung begann, den Tag langsam zu vertreiben. Es war schon spät, als sie der Dunkelheit gewahr wurde und erschrak. Im Hellen würde sie den Heimweg nicht mehr schaffen, was für sie mehr ein  Gefühl, denn ein Gedanke war. So wandte sie sich um und beschleunigte ihre Schritte. In der Ferne meckerten Schafe und Dorothea war sicher, auch einen Ziegenbock auf derselben Wiese auszumachen. Ihr Blick war scharf, so dass sie mehr erkannte, als die anderen. Angst hatte sie vor der Dunkelheit nicht, obwohl man nie wissen konnte, was alles in der Finsternis lauerte. Statt dessen fürchtete sie die Worte ihres Stiefvaters, der lospoltern und brüllen würde, auch wenn sie nie verstand, was er eigentlich wollte, immer wenn er mit hochrotem Kopf und erhobener Hand vor ihr stand. Das die anderen ihn dann auch fürchteten, war ihr kein Trost.

Da ihre Gruppe nur eine Woche an diesem Ort gewesen war, kannte Dorothea sich nicht gut aus. Sie ging über eine Wiese und kam an einen Weg. Dieser führte in einiger Entfernung direkt in einen Wald. Dorothea hielt dies für den schnellsten Weg nach Hause. Sie glaubte sich erinnern zu können, dass im Wald eine Weggabelung wartete. Wie sie sich dort entscheiden musste, wusste sie nicht. Würde sie um den Wald herumlaufen, käme sie auch ans Ziel, soviel war ihr klar. Auf der linken Seite war jedoch kein Ende der hohen Bäume abzusehen, während sie rechts nach einer Weile aufhörten und sie eine aus Bruchstein errichtete Mauer erblickte. Sie wählte diese Richtung. ES kam ihr so vor, als triebe der Wind die Dunkelheit hinter ihr her. Große Eile trieb sie vorwärts. Als sie die Mauer endlich erreicht hatte, stieg sie hastig darüber. Einige lose Steine gaben nach und fielen herab. Ein Loch entstand. Dorothea bekam ein schlechtes Gewissen, denn sie wusste, dass Bauern solche Mauern als Schutz gegen Wildschweine errichteten. Also machte sie sich daran, sie langsam wieder aufzurichten. Nach einer Weile hielt sie inne, als sie den Ruf einer Eule über dem Zirpen der Grillen vernahm. Erschrocken stellte sie fest, dass es schon nahezu vollständig dunkel war. Sie wandte sich von der Mauer ab, um sich nun endgültig auf den Heimweg zu machen. Es war bereits sehr spät.

Ungefähr die Hälfte des Feldes hatte sie hinter sich gebracht, als Laute an ihre Ohren drangen. Von einem wilden Tier konnten die kaum stammen. So dachte sie. Sie ähnelten dem Geräusch, dass sie verursacht hatte, als sie die Mauer einriss. Sie kamen aus Richtung des Waldrandes. Zunächst erkannte sie nichts, als sie sich umwandte und schaute. Dann glaubte sie eine Bewegung wahrzunehmen. Zu rufen getraute sie sich nicht, weil sie langsam Angst packte. Sie sah zwei Lichtpunkte, die sie zunächst für Glühwürmchen hielt. Doch diese beiden bewegten sich eigentlich zu langsam und vor allem zu gleichmäßig. Einige Augenblicke später vernahm sie ein leises Schnauben. Ein Hauch von verfaultem Fleisch lag in der Luft. Da war etwas Großes, Böses keine sechzig Schritte von ihr entfernt!




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

02 - Opfer


 
 

Kommentare zu diesem Text


TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (19.06.2020)
Gelungen.
Sowohl die Milieu- als auch Szeneriebeschreibung lassen sich in einem Fluss lesen!
TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 19.06.2020:
Danke.
Ereignisse sind ohne den Hintergrund - von Personen und der Landschaft - ein Fall für eine Nachrichtensendung.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (19.06.2020)
Gekonnte Charakterisierung der Dorothea Baum, kriminaltechnische und zugleich sitmmungsvolle Schildrung der Landschaft, allmähliche Steigerung der Spannung auf die unheimliche Erscheinung hin
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 19.06.2020:
"Das Sein bestimmt das Bewusstsein."

Das war bestimmt literarisch gemeint.
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01 - Das Ende einer langen SucheInhaltsverzeichnis03 - Die erste Jagd
TrekanBelluvitsh
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 19.06.2020, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 19.06.2020). Textlänge: 895 Wörter; dieser Text wurde bereits 42 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.08.2020.
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