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02 - Dorothea BaumInhaltsverzeichnis04 - Ein elender Ort

03 - Die erste Jagd

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Grafschaft Werrentheim, im Jahre des Herrn 1766...
Dorothea Baum wird während eines Spaziergangs von der Dunkelheit überrascht. Außerdem ist ihr etwas Böses auf den Fersen
.




Sie rannte los, wusste nicht wo hin, blieb stehen, blickte sich um und ihre Augen weiteten sich mit Schrecken. Ihr Verfolger – ein Verfolger war es ohne Frage - war nur noch halb so weit entfernt, wie noch kurz zuvor und er kam schnell näher. Wie gebannt blieb sie stehen und blickte dem Angreifer in die gierig leuchtenden Äuglein und den weit aufgerissenen Rachen. Erst als er nur noch wenige Schritte von ihr entfernt war, erwachte sie aus ihrer Starre. Das Ding drückte sich vom Boden ab und kam auf sie zugeflogen. Da sprang Dorothea gewandt zu Seite, so wie sie es von den Vorstellungen gewohnt war. Dieses Wesen, dass damit gerechnete seine Beute zu fassen, landete unkontrolliert auf dem Boden, überschlug sich und verlor für einen Moment die Orientierung, jaulte irritiert und ungehalten. Dorothea nutze das und rannte los. Wie immer war sie barfuß - ihr Vater verschwendete keinen Groschen zu viel für ein Mädchen - und schnell wie der Wind. In einiger Entfernung stand ein einsamer Baum und den wollte sie erreichen. Doch die Jagd war noch nicht vorüber. Hinter sich vernahm sie wieder das wütende Knurren des Jägers, dem es offensichtlich gar nicht gefiel, dass sein erster Angriff ins Leere gegangen war. Sie wollte sich umdrehen, abschätzen, wie weit der andere noch entfernt war, aber sie fühlte mehr als dass sie es wusste, das wäre ihr Tod gewesen. Immer wieder trat sie mit ihren nackten Füssen auf kleine spitze Steine und der Schmerz durchzuckte sie jedes Mal. Aber sie widerstand ihm. Erst später, als sie das Lager erreichte sah sie, dass ihre Sohlen blutig waren.

Sie schlug einen Haken nach rechts, vom Baum weg. Hinter ihr war wieder das wütende Schnauben ihres Verfolgers zu hören, der, wegen seines riesigen Körpers, nicht so flink wie sie war. Nun wagte sie es, sich im Laufen umzublicken. Der Jäger hatte wieder Geschwindigkeit aufgenommen und es war eindeutig: Er war schneller als sie. Mit Geschwindigkeit würde sie ihn nicht besiegen können, sondern verlieren müssen. Sie wurde etwas langsamer und ließ ihn näher kommen. Als er auf Sprungdistanz herangekommen war, stieß er sich ab und Dorothea tat erneut das, was sie während einer Nummer vollführte, wenn ihr Bruder leere Fässer von einem hohen Gestell aus auf sie zu kullern ließ: Sie warf sich zu Boden, machte den Rücken rund und rollte nach links. Dies tat sie sehr elegant, nur das es in der Dunkelheit niemand sah und es auch keine Rolle spielte, denn dies war keine Vorstellung.

Wieder landete die Gestalt mit einem lauten Geräusch unsicher auf dem Boden, ohne seiner Beute habhaft geworden zu sein. Zwar fiel sie dieses Mal nicht um, aber jetzt war Dorothea die Schnellere. Sie, die vermeintliche Beute, sprang auf und erreichte den Baum als Erste. Nichts an ihm hing tief herab, aber das machte ihr nichts aus. Behände kletterte sie den glatten Stamm empor, erreichte einen Ast, packte ihn und hangelte sich weiter nach oben. Die Zweige bogen sich kaum, war sie doch leicht wie eine Feder. Sie spürte ihr Herz schlagen und zitterte am ganzen Körper. Verängstigt blickte Dorothea nach unten. Das Wesen erreichte den Baum und schaute zu ihr hinauf. Augen funkelten in einem bösen Gelb und das Knurren klang bis zu ihr herauf. Der Gestank nach verfaultem Fleisch war stärker als zuvor. Dann rammte das Ding seinen Kopf gegen den Stamm. Dorothea spürte nichts davon, zuckte jedoch zusammen. Schweiß rann an ihrem Körper herab und einmal glaubte sie, dass ihre nassen Hände abrutschen und sie hinunterfallen würde. Sie packte kräftig zu. Noch ein Mal schlug ihr Verfolger seinen mächtigen Kopf gegen den Baum. Es schien ihm nichts auszumachen. Das all das jedoch keinen Erfolg zeigte, machte ihn noch wütender. Eine säuerliche Bedrohung stieg zu Dorothea empor. Und obwohl sie jetzt schon einige Zeit auf dem Baum saß, ging ihr Atem immer noch schnell. Ihre Hände zitterten und sie wollte schreien, brachte aber keinen Ton hervor. Wie lange würde sie oben sitzen bleiben müssen? Sie schaute wieder herab in die funkelnden Augen des Angreifers. War sie hier überhaupt sicher? Er stellte sich auf und kratzte am Stamm. Panisch kletterte Dorothea höher. Zweige peitschten in ihr Gesicht und zerkratzte ihre Wangen. Auch ihre Fußsohlen rissen weiter auf und kleine Tropfen Blut fielen zu Boden. Der Verfolger hielt kurz inne, schnupperte und brummte zufrieden. Dann versuchte er sich wieder an dem Stamm.

Irgendwann hielt Dorothea inne. Sie war jetzt soweit nach oben in der Krone des Baumes gelangt, dass das Blattwerk ihr den Blick zum Boden fast vollkommen verwehrte. Der Ruf einer Eule beunruhigte sie. Eine Windböe fuhr ins Geäst und ließ die Blätter geräuschvoll rascheln. Und dann glaubte sie ein leises, aber unerwartetes Geräusch zu vernehmen. Was da am Boden war, verstummte sofort. Nach einer Weile folgte ein zweiter Laut, der nicht hierhin gehörte. Der Belagerer verschwand aus ihrem Blickfeld, tauchte aber nach einer Weile wieder auf, als er in Richtung Wald lief, den Dorothea von ihrer hohen Position recht gut einsehen konnte. Was sie dort erblickte, ging nicht mit rechten Dingen zu.

Lichter tanzten am Waldrand entlang. Sie waren plötzlich aufgetaucht, kamen außer Sicht, waren wieder da. Mal schienen sie gewaltig zu sein, dann schrumpften sie, wuchsen wieder, nur damit sich wieder Schatten vor sie schieben konnten. Dann schienen die Lichtpunkte in der Erde zu verschwinden, tauchten an einem andern Ort wieder auf, ohne das klar war, wie sie dorthin gekommen waren. Sie wurden erneut heller und beleuchtenden für einen Augenblick etwas, das wie eine Rute aussah oder einer der Stangen ähnelte, mit denen das fahrende Volk seine Zelte aufbaute. Nur schien sie stachelig zu sein. All das konnte jedoch auch eine Sinnestäuschung sein, denn zu schnell wandelten sich die Lichtpunkte zu Streifen und Kreisen und irgendwann waren sie wie die Schatten dann gänzlich verschwunden.

Dorothea blieb noch über eine Stunde auf dem Baum sitzen und wagte es nicht sich zu rühren. Schließlich kletterte sie langsam tiefer. Sie musste ihren ganzen Mut zusammennehmen, um das letzte Stück auf den Boden zu springen. Gehetzt blickte sie sich um. Nichts rührte sich, wenn sie auch wegen der nun vollkommenen Dunkelheit kaum etwas erkennen konnte. Sie lauschte, aber auch die Geräusche, die an ihr Ohr drangen, kamen ihr vertraut vor: Grillen, Nachtvögel und ein Fuchs, der nicht weit von ihr durchs hohe Gras schnürte. Und dann begann sie zu laufen. Sie lief so schnell, wie sie nur konnte. Niemand folgte ihr. Bäume, Sträucher, ebenso Büsche, Blumen und Sträucher wurden zu einer schattenhaften Masse. Mehr als einmal griff eine Schlinge oder ein Farn nach Dorotheas Fuß oder wollte sie am Arm festhalten. Doch sie ließ sich nicht aufhalten, riss sich – so glaubte sie – jedes Mal los, wehrte jeden Angreifer so ab und irgendwie fand sie den Weg zum Lager. Dort, vollkommen ausgepumpt, angekommen, wollte sie berichten, was geschehen war, aber sie kam nicht zu Wort. Ihr Stiefvater, der sich wie allen anderen große Sorgen gemacht hatte, schrie sie die halbe Nacht lang an. Am nächsten Tag zog man weiter.



- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

02 - Opfer


 
 

Kommentare zu diesem Text


susidie
Kommentar von susidie (20.06.2020)
Es gruselt wieder. Ich sperr' jetzt mal lieber die Tür zu....man weiß ja nie...
Gute Nacht, Su
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 20.06.2020:
Ja, davon zu lesen ist bestimmt lustiger als dabei zu sein...
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susidie antwortete darauf am 20.06.2020:
Lustig ist hier der falsche Ausdruck, weil viel zu "mitnehmend"...
Und "Dabeisein ist alles" ziehe ich gar nicht in Betracht
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (20.06.2020)
Der Autor zieht alle Register des Schauerromans; dynamische Verben für die packende Handlung, emotionale Adjektive und Adverbien, Tempuswechsel zwischen langen und kurzen Sätzen. Hinzu kommen raffinierte Wechsel der Illumination und der Perspektiven von dem Baume . Sprachlich meisterhaft!
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 20.06.2020:
Danke.
Ich hatte was vor Augen. Und davon ist wohl etwas angekommen. *freu*
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (20.06.2020)
Gut, dass sie der Bestie entkommen ist!
Es kann also weitergehen
TT
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (21.06.2020)
Lieber Trekan,

Ekki hat bereits das Wichtigste zum Genre gesagt, dessen "Vorgaben" du geschickt und locker ausführst.

Es ist gar nicht so einfach, den Chimären der Nacht ein angemessenes Gesicht zu verleihen: gruselig (dem Genre entsprechend), aber eben nicht überfrachtet.

Anerkennende Grüße
der8.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 21.06.2020:
Hey, die hat doch gar kein richtiges Gesicht!
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02 - Dorothea BaumInhaltsverzeichnis04 - Ein elender Ort
TrekanBelluvitsh
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 20.06.2020, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 22.06.2020). Textlänge: 1.180 Wörter; dieser Text wurde bereits 42 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.08.2020.
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