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03 - Die erste JagdInhaltsverzeichnis05 - Heimweg

04 - Ein elender Ort

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Grafschaft Werrentheim, im Jahre des Herrn 1766...
Dorothea Baum wird während eines Spaziergangs von der Dunkelheit überrascht und etwas Bösem verfolgt. Nur mir Mühe und Not entkommt sie.
.



Grafschaft Werrentheim, im selben Jahr, einige Monate später…

"Wenn ich so eine hässliche Frau wie Du hätte, würde ich auch bis spät in die Nacht auf dem Feld ackern."
Der Mann, der das sagte, lachte laut los und die anderen Gäste in der Goldenen Hirschkuh lachten mit ihm. Wenige, weil sie amüsiert waren, die meisten, weil sie Angst hatten. Aber da sie das Gasthaus weiter besuchen wollten, empfahl es sich zu lachen. Und alle wollten wiederkommen.

Die Goldene Hirschkuh war das meistbesuchte Gasthaus in Werrentheim, was daran lag, dass es das einzige in der Stadt war. Die Auswahl war also nicht sehr groß. Dabei musste man schon von hier sein, um Werrentheim überhaupt für eine Stadt zu halten. Es war nur wenig größer als ein Dorf und die wenigsten Häuser waren aus Stein errichtet. Es gab hier nichts, was sich mit den richtigen Städten im Reich wie Köln oder Nürnberg messen konnte. Die Straßen waren nicht befestigt, sondern festgetrampelte Wege, die bei heftigem Regen nahezu unpassierbar werden konnten. Es gab kein Theater, keine Bibliothek und nur eine Kirche. Wen es durch Zufall hierhin vertrieb, blieb zumeist nicht lange und viele, die hier leben mussten, träumten von fernen Ländern. Besonders war nur das Schloss, welches auf einem Hügel über der Stadt thronte. Es war der Sitz der Grafen von Werrentheim, die von Witzbolden, aufgrund des Geruchs, der ständig über dem Ort lag, gerne als "Schweinefürsten" verspottet wurden.

So konnte es nicht verwundern, dass die Goldene Hirschkuh kein besonders einladendes Gasthaus war. Die Decke im Schankraum hing tief herab, war hie und da schief und  hatte dunkle Flecken vom offenen Feuer. Tische und Stühle waren schwer und grob gezimmert, weil sie auch denen widerstehen sollten, die Streit suchten. Der Boden klebte mehr als er es sollte, von all dem, was hier verschüttet wurde. Die vielen Laternen, welche den Schankraum beschienen, taten all dem auch nicht gut, denn sie zeigten nur Elend. Aber es war der einzige Ort, der ein wenig Abwechslung vom harten Alltag versprach, denn die meisten Männer waren Bauern oder Knechte.

Darum kam auch Jol Anders hierher. Er verdingte sich als Knecht und und war nicht besonders gut darin. Doch er maß über 6 Fuß, hatte Hände wie Wagenräder und niemand im Umkreis von zwanzig Meilen war kräftiger als er. Weil er das wusste, war er unverschämt und angriffslustig. Dabei brauchte es nicht viel, um seinen Zorn zu entfachen. Besser man legte sich nicht mit ihm an. Darum lachten alle Gäste.

"Hast ja wohl keine andere mehr abbekommen, was?", höhnte Jol Anders weiter. "Ja ja, man muss halt nehmen, was man so bekommt. Aber keine Sorge, mein kleiner Freund, die erste hast Du ja auch schon unter die Erde bekommen. Mit etwas Glück schauen die beiden sich ja demnächst gemeinsam die Radieschen von unten an, was?"
Er lachte weiter, als hätte er einen tollen Witz zum Besten gegeben. Gerne trieb Jol seine Späße mit den Verheirateten. Ihn wollte keine Frau anrühren. Es hieß, dass er sich bereits die eine oder andere mit Gewalt gefügig gemacht habe.

Der Mann, den er verhöhnte, hieß Trudwin Ümmler und wie alle anderen im Schankraum war er Jol Anders nicht gewachsen. Zwar hatte er von der Feldarbeit kräftige Schultern, Arme und Hände. Der Bauch, den er vor sich hertrug, machte ihn allerdings ziemlich unbeweglich. Also lächelte er nur gequält und versteckte sein Gesicht hinter einem Bierkrug, auch wenn er den schon vor einer ganzen Weile geleert hatte. Die zwei Freunde, die bei ihm saßen, taten es ihm nach, obwohl sie eigentlich froh waren, dass sie an diesem Abend, wie es schien, verschont blieben.

"Na, komm schon, Trudwinlein", dröhnte Anders von der Theke zu den drei Freunden herüber, die an einem Tisch ein Stück weit entfernt saßen. "Zieh nicht so ein Gesicht. War doch nur Spaß. Wir sind doch Freunde, oder? Gute Freunde sogar. Und Freunde geben Freunden auch mal einen aus, gell?"
Das war keine Frage. Es war auch keine Bitte. Der Wirt zapfte einen Krug voll Bier und stellte ihn vor Anders auf die Theke, noch bevor Trudwin Ümmler mit einem gezwungenen Lächeln nickte. Danach hatte er für den Rest des Abends Ruhe.

Das Dumme an dem Spott war, dass Anders noch nicht einmal unrecht hatte. Ümmlers erste Frau war bei der Geburt seines einzigen Kindes gestorben. Aber das Mädchen, Ida hieß es, brauchte schließlich eine Mutter und irgendjemand musste auch das Haus besorgen, während er mit dem Knecht auf den Feldern arbeitete. Also hatte er Helene, eine Magd von einem Nachbarhof geehelicht, die keine besondere Schönheit, aber freundlich und von zupackender Natur war. Genau das, was Trudwin Ümmler benötigte. Es stellte sich jedoch recht schnell nach der Hochzeit heraus, dass es ihr Lebensziel gewesen war, einen Bauern mit eigenem Hof - mochte der auch noch so klein sein - zu heiraten. Als sie dieses erreicht hatte, wurde sie griesgrämig und tat jeden Tag einen Handschlag weniger, als es nötig gewesen wäre. Zu allem Unglück war sie auch der kleinen Ida kein guter Ersatz für die verstorbene Mutter. Nur ihre Lautstärke steigerte sich kontinuierlich mit der Zeit. So machte es Trudwin auch nichts aus, dass sie das Bett nicht mehr mit ihm teilte.

Der Bauer war ein herzensguter Mensch. Es dauerte nicht lange, bis er sich gegen Idas Stiefmutter nicht mehr durchzusetzen vermochte. Also schuftete er tagaus tagein auf den Feldern, nur damit er seiner zweiten Frau nicht begegnen musste. Er hätte sie längst genommen und irgendwo im Wald ausgesetzt, wenn das Kind nicht gewesen wäre. Trudwin dachte, eine schlechte Mutter sei besser, als gar keine.

Einmal in der Woche saß er mit seinen zwei besten Freunden, Answald Horn und Filibert Stapelhölzer, in der Goldenen Hirschkuh beisammen. Die drei Männer hatten sich kaum Neues zu erzählen. Alle drei waren Bauern und deren Leben war eintönig. Ein Pflug blieb ein Pflug, ganz gleich wie oft man von ihm erzählte. Zumeist saßen sie also stumm beieinander und würfelten. Kam durch Zufall einmal der Herr Pfarrer Rufus Wadewitz vorbei, ließen sie den Knobelbecher schnell verschwinden. Oft kam das nicht so oft vor. Der Wadewitz liebte mehr den guten Wein des Grafen, als das, was in der Goldenen Hirschkuh als Bier ausgeschenkt wurde.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

02 - Opfer


 
 

Kommentare zu diesem Text


TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (22.06.2020)
Sehr lebendig beschriebene Gasthausszenerie.
Jetzt kann spekuliert werden, wie das mit den vorherigen Episoden zusammen laufen wird!
TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 22.06.2020:
Oh, das ist einfach zu erklären... einige Dutzend Teile später.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (22.06.2020)
Doppelklick, unterstreicht das Obige

Kommentar geändert am 22.06.2020 um 09:24 Uhr
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 22.06.2020:
Doppelklick?  Really Big Chickens
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LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (22.06.2020)
Eine Geschichte, die ich auch in Buchform lesen würde. Besonders fallen mir die besonderen Namen der Handelnden auf!
Toll!

Lotta
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 22.06.2020:
Ach ja, Bücher...

Tatsächlich stecke ich einigen Gehirnschmalz in Namen. Schön, wenn das bemerkt wird.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (22.06.2020)
Hallo Trekan, man meint,du hättest zu der damaligen Zeit gelebt und die Schänke sowie die Bauern beobachtet. Du hast die Charaktere und ihre derben Witze anschaulich geschildert. Im Handlungsablauf haben wir es mit einem Ritardando zu tun, ohne das ein guter Erzähler keine neue Spannung erzeugen kann.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 22.06.2020:
Naja, ich kenne mich ja in Geschichte ein wenig aus. Und wir alle kennen ja, die Verhältnisse in den Mietkasernen des 19. Jhd. Dabei gab es ja einen Grund, warum die Menschen dort wohnten und auch blieben. Entgegen dem, was die "Land-und-Scholle-Folklore" uns - teilweise bis heute - wissen machen will, war das Leben auf dem Land zu dieser Zeit noch ent­beh­rungs­reicher. Da war oft das einfache Überleben nicht gesichert und das nicht nur für die, die man verallgemeinernd gerne als "sozial Schwache" bezeichnet. Das bedeutet dann aber auch, dass es 100 Jahre vorher auch nicht zum besten stand...

Natürlich will ich Spannung erzeugen. Das ist ein Roman und kein Protokoll der Mitgliederversammlung des "FC Kleingeist Karlsruhe".

Wenn es aber so von dir gelobt wird, nun ja, dafür bin ich durchaus empfänglich.
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03 - Die erste JagdInhaltsverzeichnis05 - Heimweg
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 22.06.2020. Textlänge: 1.056 Wörter; dieser Text wurde bereits 47 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 07.08.2020.
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