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07 - Beim König und beim KanzlerInhaltsverzeichnis09 - Der Weg

08 - Am falschen Tisch

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Seit 1766 geht in der Grafschaft Werrentheim eine Bestie um. 1768 will der König etwas dagegen unternehmen.




Einige Wochen später…

"Hallo, meine lieben Freunde!"
Mit einem breiten Grinsen kam Jol Anders in die Goldene Hirschkuh. Er hob seine mächtige Pranke zu einem Gruß, der keiner war. Die anderen nickten ihm in der Hoffnung zu, an diesem Abend verschont zu werden.
"Man, war das eine Plackerei heute", lachte Anders. Jeder wusste, dass er sich, wie er es nur allzu gerne tat, einen blauen Montag gemacht hatte. Statt zu arbeiten hatte er in der Sonne gelegen und mit seiner rauen Stimme den Mägden nachgerufen und das zumeist nicht auf schickliche Art und Weise. Doch niemand wagte es, ihn zurechtzuweisen, weil jeder alle Knochen heil behalten wollte.
Es war noch früh am Abend und die Dunkelheit kroch nur langsam über den Himmel. Das Licht des Tages war noch nicht zur Gänze verbraucht. Dennoch waren in der Goldenen Hirschkuh schon alle Laternen entzündet. Alle bis auf eine…

Jol Anders blickte sich um. Er hatte wie meist Geld in den Taschen, aber das machte ihm nichts aus. Er würde schon jemanden finden, dem er mit einer freundlichen Aufforderung das ein oder andere Bier abpressen konnte.
"Dieses dumme Bauernpack schlottert doch vor Angst, wenn sie mich nur sehen und das ganz zu Recht, denn jeden von ihnen kann ich mit einem Hieb ins Jenseits befördern", dachte er zufrieden. Er war der König der Goldenen Hirschkuh und daran würde sich frühestens etwas ändern, wenn er ein alter Greis war.
Jede Menge bekannte Gesichter wandten sich ab, als er seinen Blick weiter durch den Schankraum schweifen ließ. Stühle kratzten über den klebrigen Boden. Es wurde gehustet, angestrengt geplaudert und die Ausdünstungen von zu vielen Menschen auf zu engem Raum lagen in der Luft. Was Anders nicht bemerkte. Er war das gewohnt und roch selbst auch nicht nach Rosenwasser. Er erblickte einen jungen Burschen mit einem hübschen Mädchen, auf das er schon lange ein Auge geworfen hatte. Er wollte sich schon einladen lassen - von dem Burschen zum Bier und dem Mädchen zu… na, man wusste ja nie -, da bemerkte er in einer Ecke die eine Laterne, die nicht brannte. An dem langen Tisch unter ihr saß ein Kerl, den er noch nie in der Schenke gesehen hatte. Durchreisende waren noch besser. Neugierig geworden ging er auf ihn zu.

Der Mann saß in dem verheimlichenden Zweilicht des vergehenden Tages und dem fernem Laternenlicht, löffelte seine Suppe und schien sich nicht besonders für das, was um ihn herum vorging, zu interessieren. Genau konnte man das jedoch nicht sagen, denn er trug einen dunklen Mantel, dessen Kapuze er über den Kopf gezogen hatte. Doch selbst so sah er mager aus. Ein leichte Beute, dessen war Jol Anders sich sicher.
"Hallo, Fremder", sagte er.
Der Angesprochene hob den Kopf nicht. Stattdessen führte er den Löffel ein weiteres Mal zum Mund oder dorthin, wo unter der Kapuze der Mund sein musste.
"Bist du taub?"
Jol Anders war sogleich gereizt. Er drückte seine Fäuste derart heftig auf die Tischplatte, dass der Teller hüpfte, und lehnte sich vor, dem Fremden entgegen.
"Ich kenne Dich nicht," begann der Fremde ruhig, "und um ehrlich zu sein, möchte ich jemanden wie Dich auch gar nicht kennenlernen, sondern einfach meine Suppe zu Ende essen. Guten Abend."

Da lachte Jol Anders auf. "Was sind denn das für Manieren? Wo kommst Du denn her? Hier bei uns ist man freundlich gegen jeden und alle. Und darum geben Fremde hier auch einen aus, wenn sie in ein Gasthaus kommen. Ist so Sitte hier."
"Ich bin nicht von hier", murmelte der Fremde „Und da wo ich herkomme, ist das alles andere als eine Sitte."
Er hob den Kopf und schlug die Kapuze zurück. Zum Vorschein kam ein Falkengesicht mit Hakennase und tiefliegenden Augen mit kämpferischem Glanz. Sie funkelten gefährlich. Doch dafür hatte Jol Anders schon längst das Gefühl verloren. Der Mann hatte nicht ein Haar auf dem Kopf und auf den ausgeprägten Wülsten über den Augen waren keine Brauen.
"Ich schlage vor, Du suchst dir jemand anderen, mit dem du spielen kannst. Oder Du zahlst dein Bier heute Abend einfach mal selbst. Das wäre doch was!"

Die Worte des Fremden knallten wie ein Peitschenhieb durch den Schankraum. Sämtliche Gespräche erstarben. Die Flammen in den Laternen flackerten. Alle Augen richtete sich gespannt auf die beiden ungleichen Duellanten. Die Beobachter wussten, wie dieser Zweikampf ausgehen würde. Die Frage war nur, wie Andres den Fremden für seine Frechheiten bestrafen würde. Das ob hingegen war sicher. Und das beunruhigte niemanden, nein, sie schauten sogar mit einer gewissen erleichterten Genugtuung zu, denn zumeist begnügte sich Anders mit einem Opfer am Abend. Damit waren die Zuschauer aus dem Schneider. So mancher grinste still vergnügt.
"Du hast ein ganz schön freches Mundwerk für einen Auswärtigen." Jol Anders sah den andern böse an. Der schien nicht beeindruckt zu sein. Er interessierte sich mehr für die Suppe auf dem Tisch, als für den Riesen vor dem Tisch. Einige Augenblicke vergingen und es geschah nichts.
"Ich werde Dir zeigen, wie wir hier mit einem so vorlauten Schwein wie Dir umgehen!"
Jols leicht zu entflammender Geist wurde von Zorn erfasst. Seine Nüstern blähten sich auf und seine Unterlippe zitterte. Dann beugte er sich herab. Die Gesichter der Männer waren kaum mehr eine Handbreit voneinander entfernt. Der Augenbrauenlose konnte Anders Mundgeruch nicht entgehen. Endlich schaute er den anderen an.
"Nur zu", sagte er.

Wie der Fremde so schnell aufgesprungen war, konnte sich keiner erklären. Die Meisten schworen, sie sahen nichts, weil es nicht zu sehen gab. Doch von einem Augenblick auf den nächsten lag Jol Anders auf dem Boden. Er ächzte und stöhnte. Auf ihm lag der umgestürzte Tisch und die Suppe, die auf seinem Gesicht verschüttet war. Der Fremde kniete ebenfalls auf ihm. In der Hand hielt er ein Entermesser und zielte mit der rauen Klinge - offensichtlich viel benutzt - auf die Kehle des schnorrenden Raufbolds. Woher die Waffe gekommen war, vermochte niemand zu sagen. War all das Zauberei?
"Das wird Dich Benehmen lehren… mit ein wenig Glück!", zischte der Fremde und ließ den Griff der Waffe auf die Schläfe von Anders niederfahren. Der grunzte einmal laut. Dann lag er bewusstlos da und rührte sich nicht mehr.

Der magere Mann erhob sich und ließ das Entermesser in dem knielangen Mantel verschwinden. Er zog die Kapuze wieder über den Kopf und griff nach seinem Bündel Es hatte die ganze Zeit auf der Bank neben dem Tisch gelegen. Bevor er die Goldene Hirschkuh verließ, ging er zur Theke und drückte dem Wirt einige Geldstücke in die Hand.
"Gute Suppe", sagte er und seine Lippen deuteten unter der Kapuze ein Lächeln an. "Für die Unordnung, die ich angerichtet habe. Und damit ihr keine Unannehmlichkeiten bekommt, könnt Ihr den Raufbold, wenn er wieder zu sich kommt, auf meine Kosten durch den Abend bringen. Das müsste ausreichen."
Damit verschwand er aus dem Gasthaus. Lange Zeit war es dort mucksmäuschenstill. Die meisten Anwesenden fragten sich, ob sie gerade ein Gespenst gesehen hatten.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

04 - Junker Erik von Berensiel


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (27.06.2020)
Man sagt, dass jeder irgendwann seinen Meister findet. Das zu Jol Anders,
Der geneigte Leser sucht jetzt die Verbinung zu der Bestie. Aber er ist sicher, dass der versierte Erzähler sie finden wird. Die Spannung leidet jedenfalls nicht dadurch, dass er sich in Geduld fassen muss,
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 28.06.2020:
Ja, wer sich ganz oben in der Nahrungskette wähnt, fürchtet den Gegner nicht. Oder: Der Amthor geht so lang zum Augustus bis der spricht: "Philipp, Philipp, gib mir meine Millionen zurück!" Da bricht dann auch so mancher Krug, Brunnen hin oder her.

Antwort geändert am 28.06.2020 um 00:58 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (28.06.2020)
Raue Zeiten, raue Sitten, aber prall voll mit unterhaltsamen Leben!
TT
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 28.06.2020:
So ist es. Und in welchem Gasthaus bekommt man heute noch einen gute Suppe?
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07 - Beim König und beim KanzlerInhaltsverzeichnis09 - Der Weg
TrekanBelluvitsh
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 27.06.2020, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 29.06.2020). Textlänge: 1.143 Wörter; dieser Text wurde bereits 39 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 31.07.2020.
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