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Chez Michou oder da, wo es einfach schmeckt

Erzählung zum Thema Genuß


von eiskimo

1. Kapitel: Was hinter einer tollen Speisekarte steckt
Das Hotel-Restaurant „Chez Michou“ liegt in Burgund nahe der alten Römerstadt Autun im 240-Seelen-Dorf  Le Moulinet-en-Morvan.
Forstwirtschaft und Viehzucht prägen das weite Landschaftsbild. Wenn man die D 980 von Autun aus hoch fährt in die Hügel, die den kleinen Fluss Arroux säumen, dann kreuzt man nach exakt zehn Kilometern die D 378, auf der man ins Dorf hinein fahren könnte.
Unübersehbar an dieser Kreuzung aber steht „Chez Michou“ - ein großes schmuckloses Wohnhaus, weiß gestrichen, davor ein paar Sonnenschirme auf einer Kies-Terrasse. Früher einmal Poststation auf dem Weg nach Paris, ist es jetzt nicht einmal mehr Hotel. Denn Autun ist seit den 70er Jahren bedeutungslos geworden und zu weit weg; das Dorf stirbt wie so viele Dörfer in Frankreich, weil es auf dem Land einfach keine Arbeit mehr gibt, und die Kultur-Touristen kommen in diese Ecke Burgunds– wenn überhaupt - nur aus Versehen. Seit Jahren schon hat keiner mehr das Hotel-Schild beim Wort genommen, und deswegen hat man es einfach hängen lassen.
Sandrine und Eric Delprat, beide jetzt schon gut um die 50,  hatten also denkbar ungünstige Voraussetzungen damals, vor 15 Jahren,  um ausgerechnet in Le Moulinet ein Restaurant zu übernehmen, das Gewinn abwerfen sollte, zumal Erics Schwestern Lulu und Véro mit auf die Gehaltsliste mussten, Lulu dabei eingeschränkt mit leichter Trisomie 21.
Die Vier haben es aber so gut gemacht, dass „Chez Michou“ nun regelrecht brummt und dass es mit Fug und Recht im Autunois als das ultimative Restaurant gilt, wo man für sein Geld „reichlich und lecker den Teller voll kriegt“.
Spezialität von Küchenchef Eric: Tête de Veau à la sauce Ravigote (Kalbskopf und Senfsoße) – dieses  Gericht allein könnte den Betrieb und damit Kellnerin Sandrine am Laufen halten.  Was aber auch enorm zieht, ist mittags das Menu du Jour, das für unschlagbare 13 Euro Vor- und Hauptspeise, dazu Wein, Kaffee, Käse und Dessert bietet. Abends zeigt Eric dann, dass er  „auch feinere Speisen kann“, und auch Sandrine trägt dann ein feineres Outfit.
Der täglich gut gefüllte Parkplatz vor „Chez Michou“ zeigt jedenfalls, dass es in dieser totgesagten Gegend tatsächlich positives Leben gibt. Und sollten in der Küche Eric, assistiert von Véro, mal keine positiven Ergebnisse hinkriegen, dann gewänne spätestens Sandrine mit ihrem rustikal-herzlichen Charme alle Sympathien. Perfekt organisiert und mit dem Auge fürs Wesentliche lenkt sie nicht nur die Einsätze ihrer Helferin Lulu, sondern schafft fast alleine die Bedienung von 20 hungrigen Mittagsgästen... stets mit ein  paar passenden persönlichen Worten für jeden Tisch.

2. Kapitel: Dienstag ist Ruhetag

„Chez Michou“ hat längst den Status erreicht, unabhängig zu sein von Reisewellen und Urlaubsperioden, von Ernte- oder Schlachtzeiten, und selbst die Möbelmesse des Morvan Ende September, letztes größeres Ereignis in der Region, die hätten Eric und seine drei Damen nicht nötig, um ausgelastet zu sein. Belastungsspitzen sind bei ihnen eindeutig der Samstag Abend und Sonntag Mittag. Da kommen die Familien und Vereine, die etwas zu feiern haben oder einfach dem Wochenende etwas mehr Glanz verleihen möchten, und die wollen dann natürlich die feinere Küche, gerne „à la carte“, gerne auch mit dem etwas teureren Mercurey- oder Maconnais-Wein, den Eric da bereit hält.
Montags spendieren die Vier dann, was von den beiden Großkampftagen übrig geblieben ist. Die Stammgäste freuen sich, denn das Menu du Jour kann dabei oft noch einmal seinen eh schon hohen Standard übertreffen. Nicht, was die Menge angeht – da ist eine Steigerung nicht möglich. Aber in puncto Auswahl: Jakobsmuscheln, Lamm-Hirn, Zander oder Frosch-Schenkel, die tauchen da durchaus einmal als Überraschung auf dem Teller der Sparsamen auf.
Das freut natürlich die Stammgäste, von denen einige offenbar schon zur Familie gehören. Es sind alleinstehende ältere Männer, die selber gar nicht mehr kochen oder es auch gar nicht können.  Der stets fein gekleidete Marcel zum Beispiel, der immer schon um 11.30 Uhr erscheint und wie selbstverständlich beim Eindecken der Tische hilft. Der Witwer war in Autun beim Crédit Agricole angestellt und hat das viel zu große Haus der Eltern in Le Moulinet geerbt. Er bringt stets „Le Journal“ mit, die Tageszeitung des Départements Saône et Loire, die dann im „Chez Michou“  an der Theke ausliegt. Denn das ist in französischen Lokalen auf dem Land absolut die Regel: Es gibt eine Theke mit Bar-Betrieb, also eine Art Kneipe am Eingangsbereich zum Restaurant. Manchmal ist so eine Bar auch Bureau de Tabac, also das Lädchen, wo die Leute ihre Zigaretten und Briefmarken kaufen. Bei Sandrine und Eric ist das nicht der Fall, aber die Theke ist natürlich da, und sie ist die wichtigste Anlaufstelle für die Stammgäste. Marcel kriegt da seinen Apéritif, und wenn Not am Manne ist, hilft er dort Sandrine auch beim Bierzapfen oder Wein Nachfüllen – ein Hygiene-Zertifikat des Gesundheitsamtes wird in Le Moulinet nicht verlangt.
Spätestens um Zwölf taucht auch Jacky in seinem abgewetzten Blaumann auf. Der große, schwergewichtige Altbauer ist optisch ein totaler Kontrast zu dem schmächtigen Marcel, aber die beiden – man kann es unschwer hören – verstehen sich bestens. Und sie gehen sofort auf Sendung – prompt ist Leben in der Bude. Der Durchgang zur Küche, die hinter der Theke beginnt, ist offen. Also wird Koch Eric lautstark mit einbezogen in die Konversation. Und wenn es ihm mit seinen Worten einmal besonders wichtig erscheint, erscheint er auch direkt im Raum, eine dampfende Pfanne in der Hand oder die Küchenkräuter schwingend. Auch Véro muss mindestens einmal kurz an die Theke, um mit den Herren die üblichen Küsschen zu tauschen.
Ab Zwölf tauchen dann auch die ersten Mittagsgäste auf, die von Sandrine nach zweierlei Plan verteilt werden. Diejenigen mit wenig Zeit platziert sie vorn im Kneipenraum, an einer Tischreihe für maximal zehn Leute. Das sind meist Arbeiter, die von nahen Baustellen oder aus ihren Ateliers heran gefahren kommen, manchmal auch Geschäftsleute. Die kriegen große gemeinsame Schüsseln und Platten, und es ist fast so wie bei Muttern. Das Tagesmenü hängt auf einer Schiefertafel an der Wand aus, neben den Porträts der Formel-1-Piloten aus den 80er Jahren. Die wurden einmal vom Foto abgemalt und die Wasserfarben sind längst verblichen. Echte Fans der Rennsport-Szene werden Alain Prost, Ayerton Senna und vielleicht Michael Schumacher erkennen. Eine Uhr, deren Zeiger aus Löffeln und Gabeln gefertigt sind, rundet das Kneipen-Interieur ab.
Im Nachbarraum, dem eigentlichen Restaurant, geht es vornehmer zu. Da gibt es farblich passende Servietten, individuelle Menükarten und an der Decke einen großen Ventilator. Die Tische sind schon mit Brotkorb und Wasserkaraffe bestückt, deren Größe variiert je nach Zahl der vorgemerkten Gäste. Und die kommen dann in kleinen Pulks, füllen den Raum, und es wird laut.! Oft geht noch das Telefon, wenn schon die ersten Gruppen Platz genommen haben.
Spätestens um 12.30 Uhr ist der Kneipen-Bereich dicht besetzt mit denen, die spätestens um Zwei wieder im Job sein müssen. Durchweg Franzosen. Jüngere Männer oft. Hungrig. Unkompliziert. Sie wollen nur gut essen. Dass sie da in ihren oft ziemlich dreckigen  Arbeitsklamotten erscheinen – Nebensache.
Ganz anders jene Gäste, die von Sandrine im eigentlichen Restaurant platziert werden. Auch Franzosen. Auch hungrig. Aber die haben Zeit. Meist sind es ältere Semester oder Rentner-Ehepaare, durchaus wohlbeleibte, die sich durchaus ein bisschen schön gemacht haben für diesen Anlass.
Was beiden Gruppen gemein ist: Es sind Überzeugungstäter. Alle wissen, warum sie „Chez Michou“ gewählt haben. Und alle verlassen das Lokal mit dem wohligen Völlegefühl, dass ihre Wahl die richtig gewesen ist.

Anmerkung von eiskimo:

Ist, wenn alle Sinnesfreuden gegeben sind, noch Verbrechen möglich?
Dieser Krimi ist vielleicht gar keiner. Es wird aber einen nächsten Gang geben und rote Flüssigkeit dazu....


 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (01.07.2020)
Ich würde den Text sofort mit "Das Hotel-Restaurant..." beginnen, alles davor ist völlig überflüssiges Geplapper.
Ab "Das Hotel-Restaurant..." gerne gelesen.
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eiskimo meinte dazu am 01.07.2020:
Hab ich so umgesetzt, musste Dir Recht geben.
cu
Eiskimo
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