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Innerer Monolog zum Thema Abrechnung


von Mondscheinsonate

So fand und finde ich meine Ruhe stets in der Literatur, denke ich, und meine Sehnsucht beschränkt sich hauptsächlich nach Stille in empfindsamen Zeiten. Ich hatte keine Einbunkerung, keine Auszeit durch die Regierung auferlegt bekommen, sondern musste dem Geldverdienen nachgehen, selbst, als ich eine Mail vom Rektor bekam, der schrieb, dass in dem Raum, in dem ich mich befunden hatte, eine Kranke war, so meinte der Vorgesetzte, das sei jetzt 15 Tage her, ich könne das getrost ignorieren, mir war mulmig und ich machte den Fehler, mir wochenlang den Hass und Terror anzusehen, das Denunziantentum, alles ging mir derart nahe, dass ich sieben Kilo abnahm bis ich zu mir selbst sagte, dass ich die Schnauze voll habe und ich las mir die Unfähigkeit der Menschen mit ihrer Angst richtig umzugehen nicht mehr durch, keine Sekunde mehr, die Unfähigkeit die Ruhe und Stille zu nützen, um sein eigenes Leben zu überdenken, anstatt sich über das Leben anderer Menschen aufzuregen und sich stundenlang im Netz darüber auszulassen.

Eigentlich war das Ausschlaggebende ein Unfall eines jungen 21 Jährigen, der abstürzte, dort im Klettergarten und auf der Intensivstation lag. Die Leute schrieben, dass er den Hubschraubereinsatz zu zahlen habe (sowieso!), er sterben soll, weil er den (fiktiven, es könnte ja eintreten!) armen alten Menschen ein Intensivbett wegnimmt, das wäre nur die korrekte Strafe für solche Menschen, die das Gemeinwohl gefährden. Es geht solchen Schreibern niemals um das Gemeinwohl, sondern nur um sich selbst, der junge Mann nahm den Schreibern ein Bett weg, das war der Gedanke, getarntes Ich und nur Ich, das ertrug ich nicht mehr und nachdem meine Schwester mit dem alten Nachbarn von Straßenseite zu Straßenseite,  es waren sieben Meter dazwischen, plauderte und jemand sie vom zweiten Stock aus fotografierte, hielt ich es gar nicht mehr aus und ging also vormittags meiner Arbeit nach, weil ich musste und danach fuhr ich nachhause, stürzte mich in Rechtsgeschichte für die Prüfung, erkannte im Biedermeier das Denunziantentum wieder, so auch in der Bach'schen Ära (Österreich), besser bekannt unter dem Namen Neoabsolutismus, und den Polizeistaat, las "Die Psychologie der Massen" von LeBon und unterließ Vergleiche mit dem Nationalsozialismus, wenngleich das aufkommende Wort "Blockwart" doch auch in den Sinn kam und sich im Inneren festigte, aber Vergleiche schienen mir eher mit dem Biedermeier passend, zumindest in Österreich und mit dem Wissen beruhigte ich mich, denn der Mensch wird sich nicht ändern, niemals, so schob ich diese Gedanken beiseite und nahm mir die Zeit für mich, die ich am Nachmittag hatte und las endlich Bücher für die ich nie Zeit hatte, mir diese nicht nahm, dicke Wälzer und abends sprach mich "Ulysses" in den Schlaf und Viktor Frankl, der meinte, dass jeder von uns sein Auschwitz hätte, der Satz erschütterte mich zunächst, weil unsere kleinen Probleme diesem gewichtigen Satz doch nicht gerecht werden können, aber bei näherer Betrachtung verstand ich ihn. Es ging mir zunehmend besser, von Tag zu Tag und ich dachte über Grundrechte nach, also verfassungsgesetzlich gewährleistete subjektive Rechte und über meine große Abwehr, ja, innerliche Abwehr gegen diese Hassreden seitens der Obrigkeit und der Untertanen, war von Anfang an im Widerstand, wenngleich ich niemals das Virus negierte, nur den Umgang damit und beantwortete die Frage, die sich meine Freundin und ich schon als junge Mädchen gestellt hatten nun mit einer Gewissheit, ob wir im Nationalsozialismus brav die Hand zum Himmel erhoben hätten, wir wussten es nie, aber heute wissen wir, dass wir es getan hätten, um unser Leben zu schützen, aber niemals der Ideologie gefolgt wären, uns einlullen ließen. So diskutierten wir stundenlang über die Rhetorik, Presseberichte, die Lächerlichkeiten, Polizeistrafen und vieles mehr, wir haben dann, nach der ersten Schockstarre, keine einzige Sekunde unseren Verstand abgedreht, hielten unseren Abstand und wuschen uns die Hände, während man las, dass der Kanzler der Heiland sei, Gott möge ihn beschützen oder die, die sich an nichts halten, sollen sterben wie in Italien! Das waren die, die aus Angst jeder Ideologie folgen, so werden wir niemals sein, das machte mich glücklich. Und, nachdem ich die großen Erzählungen der Weltliteratur gelesen hatte, was mich wieder geistig in einen Normalzustand versetzte, nahm ich "Momo" zur Hand, ich muss zu meiner Schande gestehen, das las ich noch nie. Mich regt jetzt nichts mehr so schnell auf. Definitiv nicht. Somit hatte das Ganze für mich persönlich auch eine gute Seite.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (06.07.2020)
Ist das fiktiv?
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Mondscheinsonate meinte dazu am 06.07.2020:
Ich wünschte, das wäre es gewesen.
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (06.07.2020)
Lesen als Ablenkung, zum Abschalten, die Welt draußen lassen... und dann tun sich dabei immer wieder neue Fragen auf, die uns ziemlich unsanft in die Realität zurückschleudern. Das Leben ist grausam, der Text gefällt mir auch durch die Länge einiger Sätze sehr gut

Liebe Grüße
Kerstin
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Mondscheinsonate antwortete darauf am 06.07.2020:
Ganz lieben Dank!
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Kommentar von Aha (53) (06.07.2020)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 06.07.2020:
Ich bin jetzt erstaunt. Corona und kein Gefühl?
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Aha (53) äußerte darauf am 06.07.2020:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (06.07.2020)
Ein gutes Bespiel für das, was Literatur leisten und was sie nicht leisten kann.
Liebe Grüße
Ekki
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Mondscheinsonate ergänzte dazu am 06.07.2020:
Lebensrettend war das. Flucht!
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Jedermann
Kommentar von Jedermann (11.07.2020)
Ziemlich dicht gepackt hast du hier deine Gedanken und Relexionen; ein wenig anstrengend beim Lesen!
Aber das Bild entsteht, die Coronazeit macht es uns bewußt: Angst kann Aggression hervorrufen; unverhoffte Macht kann zu Missbrauch führen und Demokratien sind leicht auszuhebeln!
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Mondscheinsonate meinte dazu am 11.07.2020:
2020 ist auch anstrengend, man kann es gar nicht anders machen ohne zu zeigen wie es war und ist. Dank dir. Was die Demokratie angeht, so geht es ja weiter, Milliarden werden ausgegeben, ohne Volksbefragung. Bedenkt man, dass nun jeder in Österreich 38.000 Euro Schulden hat, so ist das ein starkes Stück. Ach, da gäbe es noch viel zu sagen.

Antwort geändert am 11.07.2020 um 22:20 Uhr


Antwort geändert am 11.07.2020 um 22:20 Uhr
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