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Erzählung


von minze

Wir sind baden am See, ich bin schon schwanger, wir schwimmen raus zum Steg. Yann und Sylvie bleiben am Ufer liegen, mit Bier. Ich wäre gerne nackt im freien Wasser, ich stelle es mir schön vor mit meinem Babybauch. Und davon abgetrennt wächst eine leise Vorstellung von dir im Wasser, mit mir, ohne Badesachen. Die wird später immer wieder aktualisiert. Du bist oft mit dem Kopf unter Wasser. Ich mag das fastblinde und kühle Gefühl um die Augen und die Schläfen herum. Schade, dass wir kein Bier auf dem Steg haben, wir setzen uns nicht, aber wie die Kinder ziehen wir uns mehrmals hoch und springen dann. Du prustest dein Lachen heraus, bist rot vor Freude. Ich würde mich gerne auf den Steg legen oder wir könnten darauf sitzen und auf den See sehen. Du siehst meinen Bauch so gar nicht an, dass ich glaube, du nimmst ihn verstohlen wahr. Dein Blick weicht mir häufig aus und trotzdem siehst du hin, bemerkst Einzelheiten, Schmuck oder einen Insektenstich, ganz unspezifisch. Manchmal fängst du Sätze an und räusperst dich, verschluckst sie, da geht es mir ähnlich angespannt, vielleicht ein bisschen aufgeregt. Als ich viel später bei eurer Halloweenparty bin, ist es ziemlich kühl. Ich habe da abgestillt und wir sind in wilder Partylust, du hast großes Zeug aufgefahren, Licht, die Anlage, ein überzeugendes Outfit. Du sagst zu mir Mann, ich bekomm steife Nippel, so hinreißend siehst du aus. Oder ist das die Kälte? - Komm rein! Und ich glaube, zeitgleich müssen sich meine hinstellen und pulsieren, aber dann ist dein Willkommensgruß auch so komisch, dass ich denke, ich habe mich verhört. Ich lache darüber. Du winkst uns eilig herein. Dieses Unbeholfene hat sich zwischen uns geschlichen. Richtig zu fassen bekomme ich dich, wenn wir uns umarmen, zur Begrüßung, zum Abschied. Da halte ich richtig was an mich, umgekehrt auch. Es ist nicht zu lang, es ist ein richtiger Kontakt, rein und bemessen an unserer Zuneigung füreinander.

Diese Geschichte mit Schwangerschaft und Kind sorgt bei dir für Irritationen, du musst dich damit auseinandersetzen, auch wenn es nicht dein Thema war. Wir teilen es ungebrochen, weil unser Kennenlernen auf die ersten Monate meiner Schwangerschaft fällt. Sylvie und du seid ungeplant mitschwanger, wir gehen fast jedes Wochenende miteinander aus oder wandern. Es fällt mir später schwer, bei deinem Schwall von Ideen, was wir noch alles zusammen tun und erleben müssen, nein zu sagen. Der Drive lässt aber trotzdem nicht nach, wir spielen uns auch zu fünft aufeinander ein. Beim Milchstau, als mein Baby zehn Tage alt ist, bin ich geflasht von diesen harten Volleybällen, die ich vor mir habe. Den ganzen Tag überlege ich, ob ich ein Photo mache oder ob diese Erfahrung nur in meiner Erinnerung Platz hat – entscheide mich gegen einen abgelichteten Beweis meines einmaligen Pornobusens. Ihr kommt spontan zum Pizzaessen und Erstkontakt mit Joscha. Ich belege noch die Pizza, Yann ist duschen und ich rufe euch zu, ihr könntet das quengelnde Kind zu euch nehmen. Du näherst dich Joscha wie einem Tier, vor dem du Angst hast, aber dass du irgendwie anfassen musst – wofür auch immer. Ich komme schnell dazu. Euer Fokus liegt bis dahin gar nicht auf meinen Brüsten, aber ich bin so von ihnen eingenommen, dass ich unvermittelt Sylvies Hand zu ihnen führe. Und da schaust du mich erstmals ganz direkt an, mit offenen Augen, und ein Moment hält die Zeit an. Ich bin erhitzt. Sofort merke ich die gebrochene Intimität und lasse Sylvies Hand wieder los.

Ab und an schreiben wir uns, über Themen, die wir kaum vertiefen, wenn wir uns sehen. Ich muss mit etwas in mir auskommen. Mit deinem engagierten und erhitzten Gesicht. Ich bin im Sommer der Schwangerschaft zu schnell Auto gefahren, in der Autobahnbaustelle. Daher muss ich mich für einen Monat ohne Führerschein entscheiden, meine Wahl trifft den Dezember, da arbeite ich kaum. Ich fahre mit dem Bus zum Geburtsvorbereitungskurs, das ist mit Umsteigen und Warten verbunden. Es schneit ein wenig, ich notiere ein Gedicht an dich. Es verschwindet kurz nach dem Milchstau, wohin erinnere ich nicht. Ich sehe noch ein, zwei Bilder und dieser leichte Schnee, wenn ich daran zurückdenke.

Wenn wir mit Joscha anfangs unterwegs sind, meide ich einen offenen Blick auf mein Dekolleté, was eigentlich schade ist, weil ich mich dann öfter abwenden muss beim Stillen. Yann ist häufiger mit euch auf Konzerten, das Wandern bleibt, du bietest dich an, Joscha zu tragen. Aber ich habe nicht das Gefühl, er sei bei dir aufgehoben. Als er anfängt, zu laufen, gehst du mit ihm kleine Wege voran und wirfst ihn in die Luft. Er hat ja Grübchen bekommen! Ich sage dir, dass er die schon immer hat. Sylvie fragt mich, ob ich gespürt habe, dass es ein Junge wird. Wie mein Gefühl ist, für das zweite Kind. Sie interessiert sich auf so eine spirituelle Art und Weise. Als Buddhistin. Die Geburt spirituell zu besprechen, die Ekstase,die Überwindung des Körperlichen, das liegt mir. Sonst breche aus diesen Gesprächen aber oft aus. Denn es ist schwierig, meine drängenden Fragen darauf herunterzubrechen, als es anstrengender wird mit dem Trotzen, mit dem Eigenwerden von meinem Kind. Nach wie vor gehen wir jeden Samstag in den Revoluzzer, Bar und Café, Yann und ich - mit Joscha. Joscha bestellt bald sein eigenes Apfelschorle, er wird so schnell groß. Er vertauscht gerne die Etiketten der Spirituosen, die da verkauft werden. Mittlerweile sind wir vertraut mit dem Eigentümer, er hat Nachsicht. Sylvie kauft einmal einen Gin, den Joscha unerlaubt geöffnet hat. Wir lachen alle darüber. Jetzt laufen Yann oder ich Joscha hinterher. Manchmal streiten wir darüber, verdeckt, aber die blöde Stimmung danach ist offensichtlich, steht im Raum. Sie findet keinen Luftschacht, keine Nische in diesem kleinen Laden. Joscha ist zielstrebig – man braucht eine ähnliche Durchsetzungskraft oder muss es locker handhaben. Was wann im Revoluzzer angesagt ist, ist schwer für mich auszumachen. Deswegen ist es auch gut, dass wir uns abwechseln. Und wir entwickeln die stille Übereinkunft, den anderen in seiner aktuellen Methode zu lassen. Wenn ich nicht dran bin, konzentriere ich mich auf mein Getränk und versuche Gespräche. Joscha wirft seine Schuhe unter den Sessel und setzt sich kurz hin, wenn wir kommen. Dann stromert er herum und singt laut. Ich meide jetzt deinen Blick. Er sieht manchmal schon entsetzt aus. Ich weiß nicht, ob es ein amüsiertes, ironisches Entsetzen ist oder ob ein Ärgernis zur Unbeholfenheit dazukommt.

Einmal sagst du Er kommt wieder. Nehmt euch in Acht Das erschüttert mich. Ich entziehe mich. Dieser Anfang, diese Szene im See, verschwimmt. Yanns Nähe zu euch beiden ist ungebremst. Sylvie und ich haben mal ein langes Gespräch über Krisen und Höhen. Ich traue mich endlich, an den sensiblen Stellen nachzuhaken. Meine Nachfragen berühren sie. Sie wird offener, ich bleibe offen, bei ihr. Als ihr mal bei uns seid, spielst du eine ganze Weile Fußball mit Joscha. Er springt immer wieder zu dir hin, er steht auf dich. Gleichzeitig betritt er nicht deinen sensiblen Bereich, wenn wir im Revoluzzer sind oder ähnlich unterwegs – die Verbindung muss von beiden Seiten erhalten werden, ich glaube, er hat ein Gefühl dafür. An diesem Nachmittag läuft es gut mit den Kindern, wir sind entspannt, haben einen lauen Abend vor uns mit Sommerparty, Yann macht langsam den Grill klar. Sylvie und ich trinken Crémant. Ich sage ihr, dass ich viel freizügiger mit den Kindern bin. Ich irre mich etwas in den Begriffen – aber das Wort "verwöhnen" ist auch so abgegriffen. Ich kaufe, biete vieles an, was meine Eltern in meiner Kindheit bewusst vermieden haben. Ich war immer überzeugt von meiner bescheidenen Erziehung. Sylvie runzelt die Stirn und lacht gleichzeitig. Ihre Eltern waren damals sehr jung und lebten in Hamburg, sie ist außerdem viel älter als ich. Ich stelle mir die Verhältnisse anders vor, als bei mir damals im Schwäbischen. Joscha trinkt jetzt total oft Limo. Und momentan jeden Nachmittag ein Eis. Ich lasse meine Schultern hängen, spüre richtig das Gewicht. Sylvie lacht einfach weiter Ach, ich finde Eis im Sommer immer richtig! Sie isst selbst kein Eis. Wir sind immer beim Crémant oder Gin Tonic im Sommer. Ich sehe das Kind in ihr, das befreit mich. Manchmal will es aus mir herauspurzeln: dass ich dich toll fand, aber dann weiß ich nicht, wozu.

minze
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Veröffentlicht am 23.07.2020, 28 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.08.2020). Textlänge: 1.362 Wörter; dieser Text wurde bereits 61 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 10.08.2020.
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