Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Jadefeder (21.09.), Gedankenwelten (17.09.), AutortamerYazar (15.09.), RufusThomas (14.09.), AnnyGrey (11.09.), Quoth (10.09.), AngelWings (01.09.), Mapisa (28.08.), Nimmer (28.08.), Fidel (27.08.), wurstbrot123 (27.08.), suedfriesland (25.08.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 605 Autoren* und 70 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 15.044 Mitglieder und 438.607 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 22.09.2020:
Hymne
Gedicht, das in gehobener, frei rhythmischer Sprache seinen Gegenstand - nahezu - religiös besingt
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Takeko Nakano von Prinky (13.07.20)
Recht lang:  Die Herrin der verlorenen Träume von Mondsichel (1175 Worte)
Wenig kommentiert:  Chance von SimpleSteffi (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Loblied. von franky (nur 87 Aufrufe)
alle Hymnen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:
best german underground lyriks
von Eolith
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil jeder Anfänger als "Schreiber" eine Chance verdient hat." (Marie-N)
30 - Auf dem TischInhaltsverzeichnisPeter Stump und mein Roman "Die Bestie"

31 - Eine andere Bestie

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Grafschaft Werrentheim 1768: Eine Bestie geht um. Erik von Berensiel hat den Auftrag, dem Einhalt zu gebieten. Bei den meisten Einwohnern der Grafschaft ist er nicht sehr willkommen. Anhand der Berichte von und mit Hilfe von Doktor Himmelblau findet er heraus: Die Bestie ist höchstwahrscheinlich ein Mensch. Dann schlägt sie wieder zu. Das Opfer ist Helene Ümmler, die Stiefmutter des ersten Opfers.




Erik zog sich zurück. Er musste nachdenken. Er musste begreifen, was geschehen war, was er gesehen hatte.  Einiges verwirrte ihn. Darum empfand er die Enge seiner Kammer bald als bedrückend. Er verließ sie und wanderte im Schloss umher. Dabei beobachtete er die Bedienstete des Grafen, wie sie ihre Aufgaben verrichteten. Umgekehrt folgten deren heimliche Blicke auch ihm. Seine Schritte hallten von den Steinböden wieder. Er betrachtete die Galerie der längst vergangenen Herren von Werrentheim. Jeder schien ihm selbst in Stein mehr Entschlossenheit auszustrahlen, als es ihr Nachfahre tat. Doch das lag vermutlich daran, dass alle schon lange tot waren und darum nicht in Gefahr gerieten, sich mit Problemen auseinandersetzen zu müssen. Und zumindest Volkher der Gläubige hätte bestimmt eine Lösung gewusst, die Erik verabscheut hätte. Werrentheim war nicht anders als andere Herrschaften im Land. Nur gab es hier eine Bestie.

Auf der Terrasse angekommen, blickte er auf die Wälder zu seinen Füßen. Das, was geschehen war, rührte sie nicht. Was der Mensch tat, rührte sie nicht. Sie standen da, majestätisch, uralt, ein Stück einer Welt, die es nicht kümmerte, was um sie herum Grausames geschah. Warum auch? Ein menschliches Leben raste dahin. Es war kein Wunder, dass es an den Schnittpunkten zu Konflikten kam.


"Sind das Bissspuren?"
"Ich wusste doch, das Ihr ein gescheiter Mann seid, Herr von Berensiel. Ja, dass sind Bissspuren. Mächtige Bissspuren. Ein kräftiger Kiefer hat sie ihr beigebracht. Kein Luchs, kein Fuchs, keine Wildkatze."
"Ein Wolf?"
"Ja, ein Wolf, das glaube ich auch."



Wo die Schuld des Menschen lag, war nicht schwer auszumachen. Aber war der andere Teil der Welt hier wirklich unschuldig?


"So etwas habe ich schon einmal auf dem Schlachtfeld gesehen."
"Meine ich auch, ganz eurer Meinung. Man hat ihr in den Kopf geschossen. Große Wucht. Und die Kugel flog weiter. Liegt wohl irgendwo im Wald. Hoffnungslos, sie zu suchen. Aus nächster Nähe würde ich sagen."



Das ergab keinen Sinn. Wölfe konnten nicht schießen und Menschen konnten keine Bissspuren eines Wolfes hinterlassen. Es sei denn… nein, nichts. Oder etwas doch? Nein? Womöglich?

Auf einer Bank aus Stein richtete Erik sich mit seinen Gedanken ein, blieb hier den ganzen Tag. Amarant kam vorbei, um sich mit ihm zu unterhalten. Sie merkte allerdings bald, dass er ganz woanders war. Er hörte kaum, was sie sagte, seine Antworten waren fahrig und er nickte an den ganz falschen Stellen. Weil sie sich unbeobachtet wähnte, gab sie ihm einen sanften Kuss auf die Stirn und ließ ihn allein. Erik schaute ihr noch nicht einmal nach, als sie ihn verließ. Seine Gedanken gingen stattdessen zurück. Vor einigen Jahren hatte er im Auftrag des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln die Stadt Bedburg besucht. Er sollte den Wahrheitsgehalt im Fall des Peter Stump ermitteln, der im Jahre 1589 hingerichtet worden war. Es kam Erik seltsam vor, solche Geschichten anders zu behandeln als das, was sie seiner Meinung nach waren: Geschichten. Außerdem gab es nach knapp 180 Jahren wohl kaum noch verlässliche Zeugen, wenn das Wort verlässlich hier überhaupt jemals angemessen gewesen war.

Peter Stump war vor Gericht angeklagt worden, sich mit Hilfe eines vom Teufel geschaffenen Gürtels in einen blutrünstigen Werwolf zu verwandeln, Menschen und Tiere anzufallen, sie zu töten und auszuweiden. Der Mann war für schuldig befunden und auf grausige Art gerichtet worden. Und wo man gerade dabei war, hatte man seine Tochter Belle Stump und seine Gevatterin Katharina Trompin gleich mit verbrannt. Das alles hätte heute mehr interessiert. Doch wussten die Menschen aus der Gegend von Köln seit Neustem zu berichten, dass Reisenden ein Werwolf auflauerte und sie zwang, ihn ein Stück des Weges zu tragen. Diese seltsame Gestalt sollte der Wiedergänger Peter Stump sein und wurde Stüpp genannt. Die ängstlichen Gemüter erinnerte sie an einen Aufhocker.

Also begab Erik sich nach Bedburg. Indes stellte sich bald heraus, dass der magische Gürtel aus Teufelshand abhanden gekommen war. Sein Meister hatte ihn sich zurückgeholt, wusste ein Gerichtsdiener zu berichten. Natürlich. Des weiteren stellte sich heraus, dass kein Schriftstück und kein Mensch mit Bestimmtheit auszusagen vermochte, wie der Stump mit der Gevatterin Trompin verwandt war. Mal hieß es, sie sei sein Eheweib gewesen, dann hielt man sie für seine Schwester, seine Base, oder die Frau seines Bruders. Das in den Gerichtsakten zu lesen war, Stump sei ein verzogen Einzelkind gewesen, war so bedeutungslos wie der ganze Fall ungeheuerlich. Erstaunlicherweise wurde der Hingerichtete in verschiedenen Schriftstücken nicht Stump, sondern Stubbe genannt. Manche Chronisten hatten sogar beide Namen verwendet, nur zur Sicherheit, und betonten doch, nur die reine Wahrheit niederzuschreiben. All das ließ Erik zweifeln. Nicht an der Tatsache, dass ein Mann und zwei Frauen hingerichtet worden waren. Nein, dafür gab es genug Berichte, denen er Glauben schenkte. War dies zur Gänze seltsam genug, so gab es eine Sache, die in Eriks Augen all das als abergläubischen Hokuspokus entlarvte. Denn als er die namentlich bekannten Opfer des sogenannten Werwolfs von Bedburg durchging und versuchte, Angehörige zu ermitteln – in der Hoffnung, das die noch Näheres zu berichten wussten, das nicht in den Papieren stand -, fanden sich von jenen keine Verwandten mehr in der Stadt und Umgebung. Auch auf den Friedhöfen lag niemand begraben, der gleich oder ähnlich hieß. Daraus konnte ein aufmerksamer Beobachter nur den Schluss ziehen, dass solche hier nie gelebt hatten, ergo auch nicht gemordet werden konnten. Der Segen von Mutter Kirche, der all jenen zu Teil geworden war, die an der Aufklärung des Falls beteiligt gewesen waren, änderte nichts daran. Hier war mehr Erfindung als Wahrheit im Spiel gewesen.

All dies hatte Erik in einem Brief an den Kurfürsten und Erzbischof von Köln festgehalten. Nur war solches nicht das gewesen, was der erwartete. Man zahlte den versprochenen Lohn ohne ein Wort des Dankes. Anschließend versenkte man das Schreiben tief in der bischöflichen Kanzlei. Allein entdecke es dort jemand und ließ es dem Herausgeber eines rheinischen Monatsjournal zukommen. Der zitierte eifrig und zum Ärger so mancher Oberen, den Erzbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels eingeschlossen, daraus. Dass auch der Herzog von Klaestedt nicht begeistert war, verstand sich. Ganz offensichtlich hatte man einen echten Werwolf gewollt, um die Menschen bei der Stange von Mutter Kirche und der Obrigkeit zu halten. Die Einsicht, dass der Mensch der Menschen Wolf ist, wie schon Thomas Hobbes festgestellt hatte, war nicht erwünscht.




- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

13 - Volksempfinden

Der Fall Peter Stump und das Verfahren gegen ihn und die beiden Frauen ist historisch belegt, ebenso wie seine mythische Wiederkehr als Stüpp.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (28.07.2020)
Ich fürchte, die andere Bestie wird kein Licht in die Geschichte bringen. Alles scheint sich gegen Eric von Berensiel verschworen zu haben. Doch das ist der Spannung nicht abträglich
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 28.07.2020:
Wie jedes Lebenwesen, versucht er, etwas aus seinem Leben vor dem Jetzt etwas zu finden, dass ihm nun weiterhilft.
diese Antwort melden
LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (28.07.2020)
dass der Mensch der Menschen Wolf ist


ist für mich die zentrale Aussage deines Romans.


Lotta
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 28.07.2020:
Nicht nur Erik ist belesen...
diese Antwort melden
TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (18.08.2020)
Dem Wolf hat der Mensch über Generationen ein schauerliches Image angetan.
Zeit für Rehabilitierung!

TT
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 18.08.2020:
Ein beträchtlicher Teil der deutschen zittert heute noch. Aber wenn wir Glück haben, werden die an der nächsten Kreuzung von einem freiheitsliebenden Pkw überfahren.
diese Antwort melden

30 - Auf dem TischInhaltsverzeichnisPeter Stump und mein Roman "Die Bestie"
TrekanBelluvitsh
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 28.07.2020. Textlänge: 1.101 Wörter; dieser Text wurde bereits 44 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.09.2020.
Lieblingstext von:
franky, LottaManguetti.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Dunkelheit Werrentheim Roman
Mehr über TrekanBelluvitsh
Mehr von TrekanBelluvitsh
Mail an TrekanBelluvitsh
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 10 neue Erzählungen von TrekanBelluvitsh:
74 - Bericht über den Tod von Reinald Swindeg 73 - Und der Plan ging nicht auf 71 - Verfolgung 70 - In der Dunkelheit 69 - Was geschah 72 - Die Bestie 66 - Das Schweigen der Wahrheit 65 - Der Hauptmann, der eine und der andere 59 - Am Ende 56 - Der andere Sturm
Mehr zum Thema "Dunkelheit" von TrekanBelluvitsh:
73 - Und der Plan ging nicht auf Die Bestie 74 - Bericht über den Tod von Reinald Swindeg 72 - Die Bestie 71 - Verfolgung 69 - Was geschah 70 - In der Dunkelheit 68 - Was einen überkommt 67 - Zwei im gleichen Takt 66 - Das Schweigen der Wahrheit 65 - Der Hauptmann, der eine und der andere 64 - Von vorne 62 - Nächtlicher Besuch 63 - Maja und die Dunkelheit 61 - Wasser
Was schreiben andere zum Thema "Dunkelheit"?
Auf dem Nachhauseweg (Serafina) Unschein (RainerMScholz) Nachtraumgedanken (Ralf_Renkking) Dunkle Welt (regenfeechen) Das Licht (BerndtB) interrupted transmission, borderlined somewhere (DanceWith1Life) Fidibus (Isaban) still (Stelzie) Zeitgefühl (Isaban) Licht (Xenia) und 95 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2020 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2020 keinVerlag.de