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Peter Stump und mein Roman "Die Bestie"Inhaltsverzeichnis33 - Gegen den Verstand, gegen die Natur

32 - Werrentheim bei Nacht

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Grafschaft Werrentheim 1768: Eine Bestie geht um. Erik von Berensiel hat den Auftrag, dem Einhalt zu gebieten. Bei den meisten Einwohnern der Grafschaft ist er nicht sehr willkommen. Anhand der Berichte von und mit Hilfe von Doktor Himmelblau findet er heraus: Die Bestie ist höchstwahrscheinlich ein Mensch. Dann schlägt sie wieder zu. Das Opfer ist Helene Ümmler, die Stiefmutter des ersten Opfers.




Aber das, was in Werrentheim geschah, war anders. Die Toten waren echt. Eine Leiche hatte Erik mit eigenen Augen gesehen. Doktor Himmelblau hatte alle gesehen. Sein Urteil war, wie seine Berichte, vertrauenswürdig. Es gab Verwandte, die um die Toten trauerten. Dabei verging die Bestie von Werrentheim sich erstaunlicherweise nicht an irgendwelchem Vieh. Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder und Hühner schienen nicht nach ihrem Geschmack zu sein. Sicherlich, die Leichtgläubigen mochten auch hier den Teufel, oder, je nach Fasson, Gott am Werke sehen. Für Erik und seine Untersuchung war das kein Ergebnis, das akzeptabel war. Hier mordete jemand, der seine Opfer wie ein Wolf reißen konnte. Außerdem erschoss er sie mit Pulver und Blei, wie kein Wolf es jemals konnte. Das alles ergab wenig Sinn.

Tief in Gedanken versunken saß Erik auf der Bank aus Stein. Irgendwann bemerkte ihn sogar der Kastellan und brachte ihm frische Limonade. Die Schatten wanderten über die Terrasse. Aus dem Ort klang Glockengeläut zum Schloss auf dem Hügel empor. Erik beachtete es nicht. Eine Elster ließ sich auf den Steinplatten nieder und beobachtete eine ganze Zeit lang den bewegungslos Dasitzenden. Nach einer Weile fand sie ihn nicht mehr interessant, ging ein paar Schritte und flog davon. Der Wind war eingeschlafen. Eriks Verstand war wach, verschob so manchen Einfall und Ideen von hier nach dort und wieder zurück. Weiter brachte ihn das nicht. Dieses Ding, die Bestie, entzog sich ihm, selbst in Gedanken.

Das Zwielicht der Abenddämmerung schwang bereits das Zepter, als es geschah. Von irgendwo kam Moritz von Werrentheim auf die Terrasse geeilt, außer Atem und bleich im Gesicht.
"Erik! Erik! Sie tun es!", rief er schon von Weitem.
"Was tun sie?" wollte der wissen und schaute den anderen verwundert an.
Moritz vertat keine Zeit damit, zu Atem zu kommen. "Die B-bestie… alle sind… sind verrückt geworden… Hexe… die Hexe… sie glauben… t-tatsächlich… die Hexe… ist doch keine… Scheiterhaufen!"
Wie vom Blitz getroffen sprang Erik auf. "Wo?", wollte er nur wissen.
"Hint… Hinte-r… hinter Werrentheim… vom Schloss aus ge…  puh…! gesehen."
"Hör mir jetzt genau zu, Moritz: Schnapp dir den Strohkarl und nehmt auch alle Knechte mit, derer ihr habhaft werden könnt. Nehmt Dreschflegel, Forken, Knüttel, was auch immer. Dann macht ihr euch auf den Weg. Ich reite voraus. Ich brauche eure Hilfe! Eilt euch!"

Moritz nickte und drehte sich um. Erik überholte ihn. Er flitzte in seine Kammer und bewaffnete sich. Zuvor überprüfte er, ob die Pistolen geladen waren. Dann rannte er zum Stall. Aus Gewohnheit nahm er die Stute. Sie war indes ein kluges Tier, schien genau zu wissen, was wann getan werden musste. Ihre übliche Gemütlichkeit war verflogen. Pferd und Reiter flogen den Schlossberg hinunter. Die Bäume blieben wie finstere Gesellen am Wegesrand hinter ihnen zurück. Als Erik nicht ganz den Fuß des Hügels erreicht hatte, erkannte er über den Dächern von Werrentheim den Schein von Feuer. Darauf hielt er zu. Im Ort strebten immer noch Menschen in Richtung der lodernden Flammen. Erik brüllte sie an, wie er es im Kriege so oft getan hatte und tatsächlich hielten die Meisten inne, begriffen, oder bekamen es einfach mit der Angst zu tun und kehrten um. Alle taten das jedoch nicht. Einige grinsten gar boshaft.

Schließlich hatte Erik den Ort durchquert. Eine gespenstische Szenerie breitete sich vor ihm aus. Die Landschaft stieg leicht an und viel Volk war zusammengekommen. Es wurde geschimpft, gegröhlt und gelacht. Einige trugen Laternen, manche Fackeln. Erster Nachtnebel zeigte sich. Schwarze Schatten malten den Hintergrund, verbargen den Rest der Welt samt dem Verstand. Die Bäume hatten aufgehört zu rauschen, als begriffen sie, was, gegen die Natur, hier geschehen sollte. Auf der Kuppe des flachen Hügels war ein Pfahl errichtet worden. Aus der Entfernung betrachtet schien es, als sei er gerußt. Dies war nicht sein erster ritt bei so einem Feste. An ihn war. auf einem niedrigen Tisch stehend, eine alte Frau gefesselt. Der Pfahl war mit mit Reisigbündeln umgeben. Das war der Scheiterhaufen. Die Frau sollte verbrannt werden.

Auf einen leichten Druck mit den Schenkeln hin beschleunigte die Stute noch einmal. Erik saß auf ihrem Rücken und schwang sein Entermesser. Dabei schrie er so laut er nur konnte. Sein Gesicht war verzerrt, war das einer Nemesis aus den tiefsten Abgründen des Zorns. Ohne Rücksicht ritt er seine Attacke auf die Menschen. Um nicht über den Haufen geritten zu werden, spritzten sie auseinander. Aus den Augenwinkeln sah Erik einen Mann, der Kleidung nach ein Nachtwächter, der von zwei anderen Männern gehalten wurde. Obwohl das kaum nötig war. Er war verprügelt worden und geschwächt. Sein Gesicht war arg zugerichtet.

Das Gejohle des Mobs verwandelte sich in panisches Gekreische. Als ob der Himmel Eriks Tun gutheißen würde, sandte die Sonne einen letzten Strahl ihres Lichtes und in dem blitzte die Klinge auf. Manche erzählten noch Jahre später, so sehr, dass es blendete. Erik war derart erregt, dass er für einen Augenblick glaubte, das Gesicht seines toten Bruders in der Menge zu erkennen. „Das hätte dem gefallen“, dachte er für einen Augenblick bitter. Schließlich fasste er einen Mann ins Auge gefasst. Dieser hatte verfilzte Haare, trug schäbige Kleider und eine Fackel in der Hand, mit der er auf den Scheiterhaufen zuging. Er wollte ihn entzünden. Wie von selbst änderte die Stute die Richtung und hielt auf ihn zu. Erik holte mit dem Entermesser aus und als er den Mann erreicht hatte, schlug er zu. Der metallene Korb um den Griff der Waffe traf den anderen am Kopf. Wie vom Blitz getroffen sank der zu Boden. Mit einem Satz war Erik aus dem Sattel und landete neben dem Niedergeschlagenen. Er versicherte sich, dass dieser so schnell nicht mehr aufstehen würde, dann trat er dessen Fackel aus. Ein Stöhnen ging durch den zusammengelaufenen Haufen. Erik blickte auf. Bestimmt hundert Menschen hatte er gegen sich. Er hatte keine Angst. Auch wenn das eine Dummheit war. In der Rechten hielt er das Entermesser und mit der Linken zog er eine seiner doppelläufigen Pistolen. Tatsächlich wichen die Leute ein wenig zurück.

"Zurück mit euch, ihr Gesinde!l", schrie er. "Zurück in die dunklen Höhlen, aus denen ihr gekrochen seid. Mörder! Brandstifter, Lügner und Nichtsnutze! Meint ihr tatsächlich, ihr dürftet richten, als gäbe es keinen König? Was wird Gott dazu sagen? Gibt es in der Bibel auch nur eine Stelle, in der steht Greift zu den Fackeln!, auf die ihr euch berufen könnt?"
"Sie ist eine Hexe!", brüllten mehrere im Chor. Die Masse bewegte sich hin und her und dann vorsichtig zwei Schritte vorwärts. Das Spektakel wollten sie sich keiner entgehen lassen. Das bedeutete aber nicht, dass einer sich zuerst mit Erik einzulassen gedachte.
"Eine Hexe? Tatsächlich? Hat unser Herr Jesus Christus auch nur einmal von Hexen gesprochen? Nein, das tat er nicht. Weil er wusste, dass es solche nur in den Köpfen der Dummen und Gottlosen gibt. Wollt ihr euch tatsächlich in die lange Reihe der verdammenswerten Menschen einreihen und Dummes zu Mörderischem werden lassen? Ist gar ein neuer Heinrich Kramer unter euch?"

"Geht uns aus dem Weg", knurrte eine unsichtbare Stimme. Der dazu gehörende Mann war nicht zu sehen, doch Erik war sich sicher, dass sie die von Jol Anders war. Mehrere helle Frauenstimmen unterstützten ihn, ebenso wie ein mannigfaches Grunzen. Schließlich teilte die Menge sich und ein Mann kam auf Erik zu. Er war fast so groß wie Jol Anders, wenn auch eher dick als kräftig und zeigte das böses Grinsen der weinerlichen Faulpelze. Als er keine zehn Schritte mehr entfernt war, schoss Erik. Die Kugel ging kaum einen handbreit über den Kopf des Angreifers. Erst stockte der, doch dann grinste er weiter.

"Du kannst uns nicht alle erschießen, Auswärtiger. Jetzt hast du nur noch eine Kugel und deine zweite Pistole. Wir aber sind Hunderte" - eine maßlose Übertreibung - "und werden, wenn es sein muss, dich zu der Hexe stellen. Also machst du lieber den Weg frei, wenn dein herrschaftlicher Arsch noch den Morgen sehen will."

"Da magst Du recht haben. Meine Chance stehen wirklich nicht gut. Aber wenn ihr gegen mich angeht, werden mich nicht wenige begleiten, mir sogar vorausgehen. Die verbliebene Kugel im Lauf dieser Pistole trägt deinen Namen, Ungläubiger, und sie wird sich tief in deine Brust eingraben. So ist es gewiss: Deine Freunde werden später noch viele Biere auf dein totes Wohl leeren."



- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

13 - Volksempfinden

Heinrich Kramer (1430 - 1505), auch bekannt als Institoris, alleiniger Verfasser des "Hexenhammers".


Der nächste Teil folgt am Freitag


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (29.07.2020)
Der Aberglaube ist ein ebenso gefährlicher Feind wie die Bestie selbst. Eric hat es also mit mindestens zwei Gegnern zu tun.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 30.07.2020:
Ja, die Gegner werden nicht weniger...
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (18.08.2020)
Nichts Neues unter der Sonne.
Den Menschen drängt es nach Entertainment, da muss man nehmen was die Zeit hergibt!
TT
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 18.08.2020:
WSNSH*


*Werrentheim sucht ne Superhexe
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 29.07.2020. Textlänge: 1.437 Wörter; dieser Text wurde bereits 46 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.09.2020.
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