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32 - Werrentheim bei NachtInhaltsverzeichnis34 - Kriegsrat

33 - Gegen den Verstand, gegen die Natur

Erzählung zum Thema Dunkelheit


von TrekanBelluvitsh

Was bisher geschah:
Grafschaft Werrentheim 1768: Eine Bestie geht um. Erik von Berensiel hat den Auftrag, dem Einhalt zu gebieten. Bei den meisten Einwohnern der Grafschaft ist er nicht sehr willkommen. Anhand der Berichte von und mit Hilfe von Doktor Himmelblau findet er heraus: Die Bestie ist höchstwahrscheinlich ein Mensch. Dann schlägt sie wieder zu. Das Opfer ist Helene Ümmler, die Stiefmutter des ersten Opfers. Das "gesunde Volksempfinden" treibt die Menschen aus Werrentheim dazu, eine alte Frau als Hexe verbrennen zu wollen. Erik wendet sich gegen sie.




Da blieb der Mann stehen. Er verspürte keine Lust, als erster an diesem Abend dem Gevatter Tod zu begegnen. In der Menge verstummten ebenfalls Viele. Man war zusammengekommen, um einen lustigen Tod zu beschauen, nicht, um ihn selbst zu finden. Eine Patt war entstanden.

Das einer aus dem Haufen eine Arkebuse mitgebracht hatte, war Erik entgangen. Vorsichtig schlug der mitsamt seiner Waffe einen großen Bogen außerhalb des Scheins der Laternen und Fackeln und stand kurz darauf einige Schritte abseits, außerhalb von Eriks Blickwinkel. Es war kein Veteran, aber die Entfernung betrug weniger als dreißig Schritte. Er stand gerade noch im Halbdunkeln und zielte ins Licht. Weil er keine große Erfahrung mit Feuerwaffen hatte, musste er sich sehr darauf konzentrieren, was er tat. Schließlich war er soweit und drückte ab. Ein ohrenbetäubender Schuss krachte über das Feld. Doch kurz bevor er feuerte waren zwei Männer aus der Menge zu ihm geeilt. Der Schütze war so mit seiner Waffe beschäftigt gewesen, dass er sie weder kommen sah noch hörte. Und selbst wenn dem so gewesen wäre, kaum hätte er gedacht, was dann geschah. Mit vereinten Kräften drückten die Beiden mit den mitgebrachten Forken den Lauf gen Himmel. Die Kugel flog in die Nacht. Dann schlugen sie den Schützen nieder, warfen die Arkebuse fort in die Dunkelheit und gesellten sich zu Erik. Erst später erfuhr dieser, dass es sich bei ihnen um Answald Horn und Filibert Stapelhölzer handelte, die beiden besten Freunde von Trudwin Ümmler. Sie wussten, was Erik für diesen getan hatte und hielten darum zu ihm.

Das Murren des Mobs wurde lauter, aber auch unsicherer. Nun hatten sie schon drei gegen sich und ihrerseits einen weiteren Mann verloren. Die Hexe brannte immer noch nicht. Es musste etwas geschehen. Kleine Grüppchen von Männern sammelten sich. Die Frauen und Kinder zogen sich ein Stück in Richtung Werrentheim zurück. Das Gelächter im Mob wurde lauter. Die Siegessicherheit kehrte zurück, zumal Answald Horn und Filibert Stapelhölzer ob ihres Handelns bei weitem nicht so sicher schienen wie Erik von Berensiel.

Schließlich kamen zwei Dutzend weitere Männer und sie waren bewaffnet. Einige aus der Menge lachten böse in Eriks Richtung. Es war nicht schwer, die Mordlust herauszuhören. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass es Moritz von Werrentheim, der Strohkarl und mehrere Knechte waren. Das Blatt hatte sich gewendet. Niemand wollte eine regelrechte Schlacht, schon gar nicht gegen die Leute vom Schloss. Die Sache würde bald ein Ende haben.

Langsam ließ Erik seinen Blick über die Menge gleiten. Dann lud er ruhig und mit geübten Handgriffen seine Pistole nach. Er steckte sie zurück, schwang aber das Entermesser. Dann trat er mehrere Schritte vor.
"Seid froh, dass ich euch daran hinderte, diese Schandtat zu vollbringen", rief er laut. "Ein Unglück für diese arme Frau und auch für euch wäre es gewesen. Denn dafür hättet ihr in der Hölle schmoren müssen."
Schweigende Zustimmung breitete sich aus.
"Macht das Kreuzzeichen!", forderte Erik sie auf. Die Meisten kamen dem, wenn auch nur zögernd, nach. Einige verschränkten trotzig die Arme vor die Brust.
"Macht das Kreuzzeichen!", rief Erik noch einmal und noch einmal lauter. Dabei schwang er erneut das Entermesser.
Jetzt bekamen es auch die Letzten mit der Angst zu tun. Zumal sie von hinten angestoßen wurden. Der Mann, der vor ihnen stand war irre und adelig. Besser sich nicht mit ihm an legen. So kamen auch die Letzten Eriks Aufforderung nach.
"Zwischen euch und dieser Frau steht nun das Kreuz, dass ihr mit euren eigenen Händen geschlagen habt. Sich an ihr zu vergehen ist eine Todsünde. Geht und bereut! Geht!"

Es dauerte einige Augenblicke, dann machten die Ersten kehrt und verschwanden. Nicht lange darauf traten alle den Heimweg an. Jol Anders war nirgendwo zu erblicken. Er hatte sich schon vorher leise davongemacht. Einige Köpfe drehten sich nach allen Seiten und suchten ihn. Obwohl sie ihn nicht fanden, wagte es keiner zu schimpfen.

Erik wartete, bis die Menge sich verlaufen hatte. Erst dann bestieg er die Stute. Er beobachtete, wie die Leute vom Schloss unter Moritz‘ Führung sich der alte Frau annahmen. In der anbrechenden Dunkelheit bemerkte niemand, dass er am ganzen Körper zitterte. Er hatte genau gewusst, was er tat. Die Anspannung wich jedoch nur langsam. Er hielt den Griff des Entermessers so fest er nur konnte. Niemand konnte erkennen, dass die Knöchel seiner Hand weiß durchschienen. Er wusste, dass es falsch war, doch zu gerne hätte er seine Klinge Blut schmecken lassen, den ein oder anderen des Mobs in Stücke gehackt.

Die alte Frau hatte die ganze Zeit nicht einen Ton von sich gegeben, weil sie geprügelt worden war. Mal ließ sie den Kopf hängen, mal hob sie ihn. Ihre Kleider und ihre Haare wirkten noch abgerissener als zuvor. Sie hatte die Augen geöffnet, doch ob sie bei Bewusstsein war, vermochte niemand zu sagen. Auf jeden Fall schien es so, als habe sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr bemerkt, was mit ihr geschah. Das konnte ein Segen sein. Das würden die kommenden Tage würden zeigen.

Der Strohkarl band sie vorsichtig los und hob sie vom Tisch. Dabei packte er die Frau nicht hart an, bemühte sich fast zärtlich um sie. Schließlich machte sich der ganze Trupp auf den Rückweg zum Schloss. Auf Eriks ausdrückliche Anweisung zogen sie durch den Ort. Einzeln und in kleinen Grüppchen standen die Menschen da, blickten verschämt auf, oder wagten es gar nicht zu schauen. Es waren fast nur Frauen und Kinder. Die Männer hatten sich verkrochen. Aus der Goldenen Hirschkuh klangen raue Stimmen nach draußen. Zwischen den Häusern des nahen Stadtrands glaubte Erik den Schatten des Rufus Wadewitz’ ausmachen zu können. Das konnte allerdings auch eine Sinnestäuschung sein.



Maja kümmerte sich um die alte Frau. Erst jetzt erfuhr Erik, dass sie ihre Nichte war. Als die Frau in dem Hexenwald vor Erik plötzlich aufgetaucht war, hatte sie sogar bedrohlich gewirkt. Nun war sie einfach nur alt und gebrechlich. Das Leben allein im Wald hatte ihr nicht gut getan. Der Doktor Himmelblau wurde gerufen und kümmerte sich gut um sie, so dass sie schließlich erwachte. Als sie Maja sah, huschte ein Lächeln über das alte, zerbrechliche Gesicht. Doch dann erblickte sie Erik. Hass stieg in ihr auf und entstellte ihre Gesichtszüge.
"Fort von hier, fort! Ich habe Dir doch gesagt, Du hast hier nichts zu suchen! Du bist schlecht und was Du tust ich schlecht. Du bringst das Gleichgewicht durcheinander, weil Du die Natur beherrschen willst. Fort! Fort mit Dir!"

Keiner wusste damit etwas anzufangen. Auf die eindringlichen Bitte des Doktors, verließ Erik die Kammer. Auf dem Hof traf er Moritz, der mit zwei Männern dort stand.
"Was sollen wir mit den beiden machen?", fragte er. "Sie fürchten sich, nach Hause zu gehen."
Erik überlegte nur kurz. "Bringt sie bei dem Gesinde unter. Sie werden schon recht haben mit dem, wie sie ihre Nachbarn einschätzen. Lasst sie so lange bleiben, wie sie möchten. Sie haben es tausend Mal verdient."
Answald Horn und Filibert Stapelhölzer lächelten Erik dankbar an.



- Fortsetzung folgt -

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

13 - Volksempfinden

Arkebuse - Vorläufer der Muskete. Hohes Gewicht und schwer zu bedienen.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (31.07.2020)
Nicht zum ersten Mal wird mir bei deinen Erzählungen bewusst, dass du viel von der Psychologie dr Furcht verstehst,
Deine Erzählung bietet Gelegenheit, mittelalterliches Leben einschließlich des Aberglaubens zu präsentieren.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 31.07.2020:
Ja, ich traue meinen Mitmenschen scheinbar Vieles zu, vor dem sich das Fürchten lohnt.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (19.08.2020)
Eine spannend geschilderte Machtprobe!
Die offensichtlich verwirrte "Hexe" gibt auch mit neue Rätsel auf.
TT
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 19.08.2020:
Ja, mutig (bis zur Dummheit?) ist Erik schon.
Bei solchen Ereignissen fallen die Teile eben nicht alle gleichzeitig aus der Schachtel wie bei einem Puzzle.
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32 - Werrentheim bei NachtInhaltsverzeichnis34 - Kriegsrat
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Bestie.
Veröffentlicht am 31.07.2020. Textlänge: 1.242 Wörter; dieser Text wurde bereits 57 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.09.2020.
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