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Frau Nikitsch

Erzählung zum Thema Erinnerung


von Mondscheinsonate

Im vierten Stock wohnten die Frau Jagitsch, die ihrem Mann mit der Schrotflinte nachschoss, ihn allerdings nicht traf, man sah noch die Kugeleinschläge an der Eingangstüre, da war sie schon längst alt, dann die Frau Nikitsch, über die ich erzählen werde und die Frau Siebert sowie wir. Man kannte jeden im Haus, allerdings gab es ein paar Leute, die sind es wirklich wert, dass man ihre Geschichten erzählt, denn manche waren legendär. So wie der Herr Schalk, der uns Kindern immer mit dem Hitler drohte, wenn wir nicht leise waren und wir bekamen immer totale Angst, dass der Herr Hitler kommen würde, obwohl wir gar nicht wussten, wer das war oder die Karin mit Jimmy dem Hund, die 20 Jahre lang an der Vet.Med studierte, bis sie endlich fertig wurde und dann umfiel und starb. Die Manja, die mit 14 ihr erstes Kind bekam oder die Frau Hess, die alte Nazilieder in der Nacht sang, wenn sie zuviel Schnaps getrunken hatte, das hörte man durch den ganzen Bau oder die Frau Boresch, die so dick war, dass sie kaum in den Aufzug passte und immer ihren dünnen Mann im Schlepptau hatte und wenn der Aufzug kam und ich daneben stand, wollte ich sie vorausfahren lassen, weil sie so dick war und - es kam etwas hinzu - sie stank nach Urin, sie brunzelte förmlich und dann sagte sie: "Komm, Mädl, du passt auch noch hinein" und ich stand eingezwängt in Höhe ihres Busens und ihrem Mann und es brunzelte derart, dass ich irgendwann kollabierte, allerdings auf ihren Busen, war wirklich bewusstlos, das muss man sich vorstellen, wegen dem starken Uringeruch (brunzeln!), aber wenigstens war ich eingezwängt und fiel nicht zu Boden.
Frau Nikitsch allerdings sah man nie, sie war schon sehr alt, aber man hörte sie und eigentlich sahen sie nur die Polizisten, aber ich fange lieber von vorne an. So ging es jede Nacht, dass sie das Fenster öffnete und in die Sterngasse "Hilfe! Polizei! Hilfe!" rief, man hörte sie bis in die Salvatorgasse, so laut schrie sie. Dann verständigten besorgte Nachbarn die Polizei und die gingen der Stimme nach, fanden sie auch und läuteten bei ihr an. Sie öffnete und fragte: "Was machen' s denn Sie hier? Aber, wenn' s schon da sind, dann kommen' s rein, ich hab einen Kaffee für Sie!" und die Polizisten leisteten Folge und traten ein, tranken bei ihr einen Kaffee und fuhren wieder. Das ganze Spektakel ging jede Nacht so, jede, monatelang. In der Zeit musste die Frau Nikitsch irgendwann gar nicht mehr rufen, weil die Polizei kam freiwillig und trank bei ihr Kaffee, immer zwischen 22 und 23 Uhr in der Nacht. Ja, da kam die Funkstreife, parkte sich ein und ging zu Frau Nikitsch Kaffee trinken. 

Irgendwann kam die Funkstreife nicht "einfach so", weil so viel zu tun war und Frau Nikitsch musste wieder schreien, da kam sie dann, weil jemand anrief und es ihre Pflicht war nachzusehen und irgendwann, eines Tages war es verdächtig still und am nächsten Tag auch und das beunruhigte die Nachbarn so, dass viele anriefen, tatsächlich, man wartete schon, dass die Frau Nikitsch schreien würde, so zwischen 22 und 23 Uhr, aber sie schrie nicht und es kam auch keine Funkstreife "einfach so", da haben sie dann eben angerufen, so viele Leute, man sagte, sogar das Kloster in der Salvatorgasse, der Pfarrer rief an, er sorgte sich und da kam die Polizei und Frau Nikitsch machte nicht auf, da riefen sie den Richter an und weckten ihn auf oder hatte er Bereitschaft, ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall holten sie sich eine Genehmigung, dass sie die Tür öffnen durften, die Frau Nikitsch hatte keine Verwandte mehr und der Herr Rat war auch ganz besorgt, genehmigte die Wohnungstüröffnung und da kam dann der Hausmeister, der hatte einen Haken, da konnte er aufsperren, einen Dietrich, und dann sperrten sie auf und da lag die Frau Nikitsch tot im Bett und da waren alle traurig, obwohl keiner die Dame wirklich kannte, weil irgendwie war das doch traurig, so vor dem offenen Fenster zu sterben, noch bevor sie rufen konnte.

 
 

Kommentare zu diesem Text


franky
Kommentar von franky (03.08.2020)
Sei froh liebe Mondscheinsonate, dass du bei dem Uringestank nur Ohnmächtig geworden bist und nicht kotzen musstest, das hätte dann schon ärgere Folgen gehabt.
Mir gefällt dein lockerer Stiel, wie du solche Geschichten erzählen kannst.

Liebe Grüße

Von Franky
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Mondscheinsonate meinte dazu am 03.08.2020:
Danke!
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Mondscheinsonate
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Veröffentlicht am 02.08.2020, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.08.2020). Textlänge: 681 Wörter; dieser Text wurde bereits 34 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 30.08.2020.
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