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Von armen Wanderpredigern, einer Laienbewegung und deren Verfolgung

Essay zum Thema Glaube


von Bluebird


(von Bluebird)
Danach wählte Jesus zweiundsiebzig weitere Jünger aus und schickte sie immer zu zweit in die Städte und Dörfer, die er später selbst aufsuchen wollte.  Er sagte zu ihnen:
Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter aussendet, die seine Ernte einbringen. Geht nun und denkt daran: Ich schicke euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. Nehmt kein Geld, keine Tasche und keine Schuhe mit.  ...
Wenn ihr in eine Stadt kommt, in der euch die Leute bereitwillig aufnehmen, dann esst, was man euch anbietet. Heilt die Kranken und sagt allen Menschen dort: Jetzt beginnt Gottes Reich bei euch.

Es dürfte vermutlich dieser Bibeltext gewesen sein, der John Wyclif zur Aussendung von Laienpredigern bewogen hat. Sie zogen zu zweit barfüßig und in einfache Gewänder gekleidet durchs ganze Land, nur mit einem Wanderstab in der Hand:
Was Essen, Trinken und ein Quartier für die Nacht betraf, so verließen sie sich ganz auf die Freundlichkeit der Menschen. Mit sich trugen sie Abschriften von Wyclifs Predigten und Flugblättern. Sie hatten den Auftrag, überall, wohin sie kamen, ... die Mißstände der Kirche anzuprangern und die rechte Botschaft Christi zu verkünden. ( aus „Frühling im Mittelalter“ /M. Vasold)

Diese poor priests waren beim Volk außerordentlich beliebt und gewannen in ganz England schnell viele Anhänger.
    Weniger beliebt waren diese volkstümlichen Laienprediger  bei den offiziellen Kirchenvertretern. Mal abgesehen davon, dass Laien das Predigen und Lehrengrundsätzlich  verboten war, entwickelte sich diese Laienbewegung zu einer ernsthaften Bedrohung für die Macht der katholische Kirche in England.
  Und dauerte es dann auch nicht lange, bis sie in schwere Bedrängnis gerieten: 
Sie wurden als Häretiker verfolgt; viele widerriefen, doch andere gingen in den Untergrund, wo sie in kleinen Gruppen während des ganzen 15. Jahrhunderts fortbestanden. ... Für breites Aufsehen sorgte 1410 die Verbrennung des Handwerkers John Badby am Pfahl. Badby weigerte sich, den lollardischen Lehren abzuschwören.

Gedankenimpuls:
Da wo viel Unterdrückung ist, gibt es auch viel Widerstand und Aufbegehren!


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Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (27.08.2020)
Papst Lucius III. amtierte vom 1.9.1181 bis zum 25.11.1185 und kann daher nach menschlichem Ermessen keinen Kirchenbann über die Lollarden des 14. Jhdts. ausgesprochen haben.
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Bluebird meinte dazu am 27.08.2020:
Da muss ich dir allerdings Recht geben ... es hat sich dann wohl um Papst Urban VI. gehandelt
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Graeculus antwortete darauf am 27.08.2020:
Ich gelange zu einer zu einer Verurteilung von bestimmten Lehrsätzen in John Wyclifs Schrift "De civili dominio" durch Papst Gregor XI. im Jahre 1377.
Im Jahre darauf brach das Große Schisma aus, und die konkurrierenden Päpste hatten andere Sorgen.
Die Bekämpfung der Lollarden nach Wyclifs Tod 1384 war daher eher eine Sache des englischen Klerus.
Der Lollarde Nicholas Hereford hat gegen seine Exkommunikation durch Erzbischof Courtenay vergeblich an Papst Urban VI. in Rom appelliert.
Der andere Papst in Avignon war nicht damit befaßt, weil England der römischen Obödienz folgte.

(Meine Grundlage: Malcolm Lambert: Ketzerei im Mittelalter. Häresien von Bogumil bis Hus. München 1981)
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Bluebird schrieb daraufhin am 28.08.2020:
Ja, es ist möglich, dass ich da was durcheinander gebracht habe
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Kommentar von Aha (53) (27.08.2020)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Bluebird äußerte darauf am 27.08.2020:
Es war wohl Papst Urban VI. ... muss besagte Stelle aber noch mal neu suchen
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Aha (53) ergänzte dazu am 27.08.2020:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Graeculus meinte dazu am 27.08.2020:
Das "Mißverständnis" des Gebotes der Feindesliebe ist der christlichen Tradition fast durchgängig eigen. Schon Augustinus sprach von einer "barmherzigen Grausamkeit", Luther später von einer "scharfen Barmherzigkeit": Besser ist es, wenn ein Ketzer durch das irdische Feuer zur Umkehr bewegt wird, als wenn er im ewigen Feuer der Hölle schmort. Das geschieht also alles aus Liebe!
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Bluebird meinte dazu am 27.08.2020:
Das alles hat mit dem NT herzlich wenig zu tun ... sicher gibt es biblisch so etwas wie eine Pflicht zur apologetischen Wachsamkeit seitens der Kirche/Gemeinden ... aber das legal letzte Mittel wäre der Ausschluß aus der Gemeinde/Kirche ... aber Folter und Hinrichtungen, das geht eigentlich gar nicht!

Antwort geändert am 27.08.2020 um 18:19 Uhr
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Graeculus meinte dazu am 27.08.2020:
Daß das auf irgendwelche Ansichten Jesu zurückgeführt werden kann, denke auch ich nicht. Ebenso bezweifle ich, daß er eine neue Religion begründen wollte - eher das Judentum reformieren.
Sich der Zwangsmöglichkeiten des Staates zu bedienen, lag damals weit hinter dem Horizont.

Andererseits nehme ich auch nicht an, daß diese Entwicklung sich zufällig - oder unter "satanischem" Einfluß - vollzogen hat. Kirchenväter (Augustinus! Laktanz!) im Dienste des Antichristen?
Daß Augustinus nicht gänzlich unchristlich denkt ("barmherzige Grausamkeit"), kann man m.E. sehen, wenn man sich bewußt macht, daß es nicht christlich ist, einen anderen Menschen den Weg in die Hölle gehen zu lassen; davon muß er schon aus Nächstenliebe abgehalten werden. Auch der Standpunkt "Der Zweck heiligt die Mittel" ist nicht gänzlich unchristlich, sondern stammt aus der christlichen Tradition.

Würde ich an den Teufel glauben, müßte ich fragen, wieviel Teufel in den Christen steckt.
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Bluebird meinte dazu am 27.08.2020:
Ja, das ist auf jeden Fall eine gute Frage ... wenn man "Christen" durch "Christentum" ersetzt ... "Seid wachsam!" war eines der Worte Jesu
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Die Geschichte des Christentums.
Veröffentlicht am 27.08.2020, 5 mal überarbeitet (letzte Änderung am 28.08.2020). Textlänge: 323 Wörter; dieser Text wurde bereits 124 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 30.09.2021.
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