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von LotharAtzert

Des Himmels Weg ist ohne Günstlingsgeist,
gibt ewig dem, der sich als gut erweist.
Lao Dse -  Tao Te King, Kapitel 79

18. 09. 2020
Das meiste in meinem Leben läuft kompensativ ab. Warum das so ist, wollte ich mir lange nicht eingestehen.
Angefangen hat es - für ein Kind nicht eben "kindgerecht" - mit Lebensüberdruss. Und mit zunehmendem Alter dieses als den Weg zu Gott betrachtend. Woher die Schwermut kam, als Kind konnte ich es nur ahnen: die "Welt", zumindest die Menschenwelt mit ihrer Lautstärke und den Wichtigkeits-Posaunisten war einfach zu grob für den "zartbesaiteten" (- mein Erzeuger) Knaben, der lieber auf den Wind in  Bäumen hörte, welcher unablässig den Weg zu einer Juweleninsel flüsterte.
Die Spielkameraden lachten darüber und eben dieses Lachen, in dem nichts Unbefangenes, nichts Neckendes mehr schwang, sondern eine übertragene Falschheit schon von den Eltern her, die  wir die "schlecht getarnte Schadensfreunde" nennen, stieß mich ab. Natürlich hab ich denen nie wieder was vorgetragen.

Das hatte zur Folge, sobald ich dann im entsprechenden Alter war und ein schönes Mädchen sah, statt mich ihm empfehlenderweise zu nähern - die Groben waren immer einen Schritt voraus, ergriffen sie wie ihre Beute - etwa so zu denken: Der Weg der Fleischeslust führt nicht dorthin, wo meine lieben Geisteslehrer anzutreffen wären. Ja, ich wusste instinktiv, an welchem Verhalten sie zu erkennen sein würden. Und ohne Lehrer (Vor-Bilder) ist der Weg in unsicheren Zeiten schwer.
Als ich beim ersten Besuch im Frankfurter Zoo innerlich verstarb, vor all den Eingesperrten, da sah ich's bestätigt - dieser Planet ist verflucht. Zum Angaffen Wesen einsperren, gibt es Abscheulicheres?
Monster glotzten Affen an und fühlten sich überlegen.

Als mir die Werke der Daoisten Lao Dse und Dschuang Dse begegneten, begann das Herz vor Freude loszurasen: das wollt ich lesen! Das war das Leben, das auch in mir lag! Übrigens kam der Tipp von echten Grobianen, was mich nachdenklich machen sollte über Jahre hinweg. Denn wenn das Gute vom Bösen überbracht werden kann,  könnte der böse Überbringer doch das Rettende bringen. so macht es ein abschließendes Werten von Gut und Böse unmöglich. Ja, Friedrich Hölderlin hats den Deutschen einst überbracht: "Wo Gefahr ist, da wächst auch das Rettende".

Das treibt der Mars im 7. Haus aus mir heraus. Freiwillig hätte ich das niemals artikuliert. Frei-Willig, ein Vital-Wort, Die Himmelsordnung ist das All in einem und ebenso das Eine in allem.
Hier im Westen tut man sich - trotz Hölderlin - schwer mit einfachen Wahrheiten. Man fordert statt dessen Beweise. Man fordert Beweise für das Währende, während es  an dem Fordernden vorüberzieht. Der Beweiseforderer, das ist halt der, dessen Mars ihn das austreiben läßt. Der Beweisbaum im Beweisbaumforst sozusagen.

Denn wenn das Gute vom Bösen überbracht werden kann, so macht es ein abschließendes Werten von allem unmöglich. Die Liebe zu allem - alles andere ist unvollkommen.
Nur die Liebe zu allem ist vollkommen. Der Rest verweht. O wie wunderbar geordnet ist Himmel.


Damals brauchte ich mir meine Feigheit nicht eingestehen und konnte ihr, getarnt unter dem Deckmantel des Glaubens an Gott, einen überzeugenden Anstrich verleihen, während ich mich nach meiner vorgestellten Geliebten verzehrte. Sie war so und so. Ja, ich, oder genauer meine Leidenschaft erschuf mir meine 8. Haus-Göttin - Hekate.
Als ich sie dann in Fleisch und Blut zu sehen wähnte und mich einfach nicht getraute, sie anzusprechen, nannte ich es "Entsagen" und ging traurig und dennoch mit stolz geschwellter Brust einher, ja ich war der Hage-Stolz in Person: Sie hätte meine behagliche Imposanz ja auch von sich aus bemerken können, sie war wohl nicht die Eine.

Im Tao te king las ich dann:
"Des Himmels Weg ist ohne Günstlingsgeist,
gibt ewig dem, der sich als gut erweist."
Der Stolz ließ mich vereinsamen, und Einsamkeit ist Leiden. So kam zur Feigheit noch diese hinzu. Einsam, stolz, feige. Es war derart, daß es mir mit einem mal selbst auffiel, wie lächerlich ich mich benahm, christlich bigott, mit den seltsamen Plausibilitäten und Attitüden. Ich war der Hahn ohne Korb. wurde krank, wieder gesund, wieder und wieder flohen die Hennen - und das brachte mich eines Tages zu den vier edlen Wahrheiten des Buddhas.

Yin und Yang sind immer verbunden und immer nur kurz geeint auf Erden, im Tao, dem Sinn. Yin, das Empfangende und Yang das Schöpferische. Als der tibetische Buddhismus dann nach China kam, brachte der den weiblichen Buddha Kuan Yin mit, was eigentlich in ihrer Sprache Chenresig, DER Große Barnherzige" heißt. Sein Wesen ist Allbarmherzigkeit - aber die mythische Abteilung der Taoisten erkannten darin ihre alte Himmelsmutter Kuan Yin, DIE Allbarmerzige - und es gab keinen Grund für die Vajralehrer, dagenen auch nur den leisesten Einwand zu erheben: Allbarmherzigkeit ist allgegenwärtig - man muß  nur hinsehen, dh. das Elend in Samsara ertragen lernen und das Allbarmherzige mit ganzer Kraft verehren. Denn wie das Sprichwort sagt:
"Durch Verehrung bringt man selbst einen Hundeknochen zum Leuchten".


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von blackdove (37) (02.10.2020)
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LotharAtzert meinte dazu am 02.10.2020:
Ach du hast es drauf, mich um den Finger zu wickeln, wie man so sagt.
Danke vielmals Venustäubchen

kurze Kurzanalyse zum mehr Fische: Meine Anlage (Fische) ist ein Neptun in 7 in der Waage. Das 7. plus Waage ist a. das Bewußtsein allgemein und b. das Bewußtsein von Ausgewogenheit im Besonderen - Schönheit, weil Venus hier das Sagen hat. Und Harmonie, weil sie die Tochter von Venus und Mars ist - Schönheit und Kraft in Gestalt als Harmonie.
Neptun, das Himmelsprinzip, tiefer wird der Meergott den Sinnen der Menschen nicht entgegen kommen, als bis ins 7. Haus hinab. Hier hat er es elend schwer, wahrgenommen zu werden: das hinter der Erscheinung leuchtende Dreifach-Prinzip bleibt den meisten Menschen zeitlebens verborgen und wir müssen uns gefallen lassen, an "sowas zu glauben" vorgeworfen zu bekommen.
Und wer aufmuckt, wird zwar heute nicht mehr gekreuzigt, aber ernst genommen wird unsereiner auch nie! Macht nichts. Keine Macht macht nichts. Jesus, das ist ein Kalauer.

Hieraus entwächst alle Melancholie des Steinbocks: mit Ungeliebtem vereint zu sein und von Geliebtem entsprechend getrennt.
Das fängt schon mit dem Vater an. Der junge Steinbock erwartet den Himmelsvater - und dann kommt so ein Menschlein heraus - da hat kein Vater der Welt eine Chance, den jungen Bock zu erziehen und das pflanzt sich Jahrzehnte lang fort.
Vielleicht nehme ich das in Teil 2 auf.

Wer mich nicht ernst nimmt, soll mich halt erika nehmen.

A riffi dertschi
Lothar

Antwort geändert am 02.10.2020 um 17:39 Uhr
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blackdove (37) antwortete darauf am 03.10.2020:
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LotharAtzert schrieb daraufhin am 03.10.2020:
Bei den Überzeugern muß ein Pluto dazukommen. Saturn-Pluto ist das Meißeln in Stein zB. (Die mosaische Gesetzestafel) Ansonsten will der Steinbock nicht überzeugen, sondern bleibt dem Prinzip treu, auch gegen den Rest der Welt, wenn es sein muß. Es ist immer der Pluto, der Zwang ausüben läßt, manipuliert, indoktriniert usw.

Steinbock ist auch der kranke Vater. Als meiner starb, hatte ich Schuldgefühle, auch meiner Tochter gegenüber, der ich nie ein guter Vater war (auch wenn das netterweise von ihr so nicht bestätigt wird).

Wir hatten das Thema Verbunddeutung schon mal: Hat man seine Sonne in Fische, Wassermann oder Steinbock, so ist der ganze Verbund wichtig: in der Kindheit die Fische, später der Wassernann und am Lebensende ist der Steinbock am vorherschenden. Selbstverständlich ist eine Gegenrichtung auf einer anderen Ebene auch zu betrachtenswert.
Danke

Weil Erika zu Ernst passt. Anette geht auch.
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blackdove (37) äußerte darauf am 05.10.2020:
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LotharAtzert ergänzte dazu am 06.10.2020:
Möchtest du wissen, was eine Fischesprache (nach Döbereiner) ist?
- Latein.
Altgriechisch sei Wassermann und Altdeutsch Steinbock, womit ich sehr einverstanden bin.
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blackdove (37) meinte dazu am 06.10.2020:
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Kommentar von harzgebirgler (02.10.2020)
des himmels wege, deucht mich, sind längst krumme
und wer auf die nur baut ist leicht der dumme.

beste abendgrüße
henning
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LotharAtzert meinte dazu am 03.10.2020:
Bauen wir auf festen Grund.
Ganzes bleibt jedoch stets rund.

Danke und einen Morgengruß inzwischen
Lothar
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Kommentar von Aha (53) (02.10.2020)
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LotharAtzert meinte dazu am 03.10.2020:
Das freut mich wirklich sehr, Aha. Danke auch fürs Lieblingstext.

Gruß
Lothar
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Veröffentlicht am 02.10.2020, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.10.2020). Textlänge: 800 Wörter; dieser Text wurde bereits 309 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.09.2021.
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