6 - In einem richtigen Leben

Erzählung zum Thema Beziehung

von  Moja

Seit diesem Tag hatte Elke merkwürdige Zweifel, sie spürte, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie dachte darüber nach, kam jedoch zu dem Schluss, dass es nicht nur an Tariq lag. Sie fragte sich ernsthaft, warum sie sich im Ausland besser fühlte als in ihrer Heimat. Warum sie mit ihrer Arbeit unzufrieden war und unbedingt wieder im Ausland arbeiten wollte. Und fand keine Erklärung. Allein ihre Herkunft privilegierte sie zu reisen. Sie war gut ausgebildet, die Welt stand ihr offen, so schien es ihr. Ihrem Antrag auf ein befristetes Aufenthaltsvisum und eine Arbeitserlaubnis würde stattgegeben werden. Sie musste nur nachweisen, dass sie für ihren Unterhalt selbst aufkam, die Gebühren entrichten und Steuern zahlen. Seit sie Tariq kannte, dachte sie nicht mehr so oft darüber nach, ins Ausland zu gehen. Vielleicht sollte sie hierbleiben und sich eine Arbeit suchen, die sie mehr erfüllte, überlegte sie.

Wenn Tariq alleine war, überkamen ihn düstere Gedanken. Er beklagte sich über das Wetter, trübe Wolken bedrückten ihn, bei Regen verließ er nicht das Haus. Wiederkehrende Alpträume, seine ganze Existenz quälten ihn, in wenigen Monaten lief sein Aufenthaltsstatus ab.
Er fuhr nun seltener nach Berlin und fürchtete sich während der Zugfahrt vor den Kontrollen, den Fahrschein stets griffbereit. Der Chef der arabischen Bäckerei gab ihm immer öfter frei, kürzte seine Stunden und den Lohn. Was sollte aus ihm werden?
„Nur Schwierigkeiten“, meinte er, „das ist immer so. Ich vermisse dich.“ Elke schwieg lange am anderen Ende der Leitung. Ich vermisse ihn auch, dachte sie, diese Beziehung führt zu nichts. Sie wollte ihm keine Hoffnungen machen und schon gar nicht heiraten.
„Ja, rede ich denn mit einer Kaffeetasse?“, fragte er, als sie noch immer schwieg. Trotzdem nahm sie nach einigem Zögern die Einladung zu seinem Geburtstag an. Er klang zu traurig, Elke versprach zu kommen.

Dann begannen ihre schlechten Träume. Im Traum befand sie sich in der Kleinstadt, in der Tariq lebte, der Ort war anders, dunkler, ihre Mutter war da, suchte nach etwas, und sie war ein kleines Kind, sie irrten umher, bis es keinen Weg mehr gab. Alles war grauenhaft und unheimlich. Und so ging es weiter, noch schlimmere Träume stellten sich ein, sie bekam Angst vor jeder Nacht. Und erst jetzt fiel ihr ein, an sich selbst zu denken, ihre eigenen Verletzungen zu überprüfen. Sie versuchte sich zu erinnern, an die Momente in seiner Stadt, an die Bedrückung, die sie empfunden hatte, die sie von ihm forttrieb. Was war es, was sie nicht begriffen hatte? Plötzlich erinnerte sie sich an eine Fahrt mit den Eltern…

(Auszug) -  Fortsetzung folgt -

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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (03.10.20)
hallo Moja, ich würde mich von meinen Träumen warnen lassen. Ich bin gespannt, ob es Schäume sind.
Liebe Grüße
Ekki

 Moja meinte dazu am 04.10.20:
Das würde ich auch, lieber Ekki

Moja grüßt und dankt!

 TassoTuwas (04.10.20)
Hallo Moja,
die Zerrissenheit dieser jungen Frau kann man nicht besser beschreiben.
Was soll sie glauben, was will sie glauben.
Ich bin gespannt
Liebe Grüße
TT

 Moja antwortete darauf am 04.10.20:
Dann kann ich ja beruhigt weiter dran arbeiten, lieber TT.
Danke für Dein ausdauerndes Lesen, Kommi und Empfehlung!

Liebe Grüße,
Moja
Al-Badri_Sigrun (61)
(04.10.20)
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 Moja schrieb daraufhin am 04.10.20:
Liebe Sigrun,

ich schreibe erst einmal weiter, ob ich alle Folgen veröffentlichen werde und den ganzen Hintergrund aufkläre, darüber bin ich mir noch unschlüssig, vielleicht gebe ich mir einen Ruck

Lieben Gruß,
Moja
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