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Echt, wir waren schon bescheiden, früher

Bericht zum Thema Kinder/ Kindheit


von eiskimo

Wenn bei uns Besuch kam, – das war selten - gab es Schnittchen: Eine Tortenplatte mit Edamer, eine mit Cervelat-Wurst. Kam der Besuch zum Kaffee, wurde gebacken. Meine Mutter machte ihren bewährten Apfelkuchen, gedeckt, oder sie belegte Tortenböden mit Einmach-Obst aus dem Garten. Eins der Kinder durfte den Tortenguss verstreichen (und den Rest aufschlecken!), ein anderes wurde zur Konditorei geschickt mit der großen Glasschüssel und hatte für zwei Mark, manchmal auch für drei, Sahne zu holen. Im Wohnzimmer wurde das Seltmann-Weiden Geschirr aus dem Vitrinenschrank genommen, der Tisch auf volle Länge ausgezogen und die gute Decke ausgebreitet... Der Gedanke, fertigen Kuchen aus der Konditorei anzubieten, der wäre bei uns nie gekommen. Für meine Mutter wäre das der Offenbarungseid gewesen, im Klartext: Die kann nicht backen. Und haushalten auch nicht...
Ich weiß nicht, wann genau der Luxus seinen Einzug nahm. Irgendwann Anfang oder Mitte der 60er Jahre,  da kamen zu den Schnittchen Kartoffelchips dazu und Erdnussflips. Wir setzten nach Rezeptur aus der HörZu eine Bowle an.  Die Kinder mussten Spargelröllchen herstellen und Käsewürfel aufpieksen mit kleinen Plastik-Sticks. Die hatten Muster und oben eine Verdickung – natürlich wurden die am Ende alle wieder eingesammelt und gespült.
Sonntags kamen auch schon mal die Verwandten zum Essen. Anlass war Kinderkommunion, ein runder Geburtstag oder Papa wollte seine neue Musiktruhe vorstellen, eine von Braun... mit zwei echten Schallplatten!  Da wurde wieder der Tisch auf volle Länge ausgezogen. Meine Mutter hatte Schweinebraten gemacht mit viel Päckchen-Soße und dazu Kartoffeln. Nach dem Essen wurde geraucht. Papa ließ eine Schallplatte laufen, der alle andächtig zuhörten. Dann mussten wir Spazieren gehen. Am Ende kam das Ritual des Familienfotos, schon allein, weil alle mal ordentlich mit den Sonntagssachen angezogen waren und auch ordentlich frisiert – Papa zelebrierte das mit seiner Agfa-Box, und wehe, eins der Kinder machte da den Affen.
In der 70er Jahren trumpften die ersten Nachbarn mit einem Party-Keller auf. Darin eine echte Bar mit Starschnitten aus der Bravo oder Reklametafeln für Bier. Decken und Wände waren mit Eierkartons „schallgedämpft“, denn es gab zu den Plattenspielern veritable Lautsprecher-Boxen an den Wänden. Es wurde nicht nur üppig getrunken und geraucht, es wurde auch getanzt. Twist und anders Neumodisches. 
Meine Eltern hatten keinen Party-Keller. Sie rauchten auch nicht. Aber auf dem Wohnzimmertisch stand bei uns immer eine edel verzierte Dose mit Zigaretten.... für Besuch. Und wir hatten auch passend dazu Aschenbecher und Feuerzeug. 
Gegrillt wurde damals nie. Kartoffelfeuer, das gab es aber sehr wohl. Da gingen wir nach der Kartoffel-Lese noch einmal über den Acker und holten uns, was da liegengeblieben war. Papa machte ein zünftiges Feuer, und wir Kinder durften in der Glut die erbeuteten Kartoffeln garen.
Gegessen wurde „auf der Hand“, ungewaschen. Am Ende stanken wir auch entsprechend, das gehörte einfach dazu. Spätestens am Samstag danach aber wurde reichlich Wasser heiß gemacht in dem im Keller gelegenen Kessel und wir bekamen eine Vollreinigung in der Zinkwanne, da passten immer zwei Kinder rein. Im Winter wurde das mit dem Baden nicht ganz so genau genommen.  Wie gesagt: Wir waren bescheiden.
Wenn ich heute Familinfeiern mitmache, vermisse ich sagar ein bisschen die Ruhe, die Klarheit und Einfachheit des Ablaufs, wie ich sie früher erlebt habe.

 
 

Kommentare zu diesem Text


tueichler
Kommentar von tueichler (31.10.2020)
Lieber Eiskimo,

Das erinnert mich doch stark an meine Kindheit, auch wenn etwas später und im anderen Teil Deutschlands. Ich erinnere mich gut an die Sonntage, an denen Besuch kam, auch meine Mutter hat dann gebacken, auch ich bin zum Konditor und habe, wenn keine Sahne im Haus war, für 2 Mark Schlagsahne geholt. Das Kaffeetrinken lief dann so ab, dass erst Kuchen gegessen wurde, der, nach Möglichkeit selbst gebacken war, und dann die Erwachsenen ihre Gespräche führten, derweil die Kinder im Garten Unfug trieben.
Manchmal, und das war für mich immer übel, gab es, wenn wir eingeladen waren, noch Abendbrot. Dazu wurde der immer unvermeidliche saure Bohnensalat gereicht. Nie habe ich etwas so verabscheut, wie den Bohnensalat. Und meine Tante, die selbigen wohl außerordentliche gut konnte, nötigte uns Kinde immer, noch was zu nehmen. Dazu kam, dass auf den Schnittchentellern immer Cervelat oder Salami, weniger Käse, viel Ei und Ganz viel Frischkäse zu finden war. Die Ermahnung der Eltern war Ann immer, nicht nur die ‚gute‘ Wurst zu essen, sondern den anderen auch etwas zu lassen - was ja Unsinn war, da jeder sich nehmen konnte, was er wollte. Kurz, ich war immer ganz froh, wenn die Besuche oder Einladungen um waren.
Nach der Wende verebbte das etwas, die Partykeller gab es, auch die Rezepte aus den einschlägigen Magazinen - ich erinnere mich an die Philadelphiatorte, die nie fehlen durfte - aber nach und nach drehte der Focus von sonntäglichen Gemeinsamkeiten auf Anrufe, bei denen über die Erfahrungen der letzten Busreise (gern auch nach Spanien) referiert wurde. Dann gab es noch eine Zeit lang Ansichtskarten, bis schlussendlich Fotos via Internet getauscht wurden.
Sosehr ich auch damals bei den Bohnensalat gemault habe, sosehr fehlt mir doch heute die strukturierte Gemeinschaft, in der man damals lebte.
Dennoch bin ich froh darüber, wie die Dinge heute sind, ein wenig Nostalgie mag erlaubt sein.

VG,

Tom
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eiskimo meinte dazu am 01.11.2020:
Hallo, Tom!
Deine Rückmeldung ist toll - ich habe mich intensiv hinein gedacht in diesen Bohnensalat und, ja klar, auch in die Philadelphia-Torte. Es sind schöne Erinnerungen, und sie helfen uns, den heutigen Lebensstandard halbwegs maßvoll zu verkraften.
nostalgische Grüße
Eiskimo
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AZU20
Kommentar von AZU20 (01.11.2020)
Vieles erinnnert mich an mein Jugendleben. LG
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Kommentar von Agnete (01.11.2020)
das hast du sehr genau und belebend erzählt. ja, die Schnittchen, mit Gürkchen, wohlgemerkt. darum brauchte man damals noch große Servierplatten. Wer WMF hatte, der war wer.
Ja, man kaufte teure Aschenbecher als Statussymbol aus Marmor, auch wenn keiner rauchte.
Ich kenne das alles von zuhause und manchmal empfinde ich es als Verlust, dass man heute aus Schlürfbechern trinkt, keine Platten mehr macht, weil Butterbrote asi sind irgendwie. Das waren keine Butterbrote. das waren Kunstwerke- sogar mit Salzstangen!
Heute sind alle anspruchsvoll, aber mal ehrlich, wer kann denn heute noch einen leckeren Schweinebraten selber machen inkl. Sauce (ohne Tüte)? Ich schon.
Sehr gerne habe ich in Erinnerungen geschwelgt, llieber Eiskimo.
LG von Agnete
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eiskimo antwortete darauf am 01.11.2020:
Ich schwelge mit Dir, liebe Agnete! Der Schweinebraten aus Deiner Zauberküche, das wärs!
Danke für Deinen höchst anregenden Kommentar!
Eiskimo
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eiskimo
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Veröffentlicht am 31.10.2020. Textlänge: 531 Wörter; dieser Text wurde bereits 61 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 27.02.2021.
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