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Wie ich vom Niegärtner zum Kleingärtner wurde

Gedanke zum Thema Erinnerung


von MiSo

Der Kleingärtner, nach meinem heutigen Erkenntnisstand ein besonderes Individuum, welches nicht nur gerne in der Erde buddelt, sondern auch gerne baut und das Gespräch über den Gartenzaun sucht. Für sein Selbstwertgefühl ist es schließlich wichtig das Gleichgesinnte seine kleingärtnerischen Erfolge in Form von schönen Äpfeln, Tomaten, leckeren Erdbeeren, gesunden Kräutern, wunderschönen Blumen und vielem mehr bestaunen und bewundern. Die Krönung seiner saisonalen Arbeiten bekommt er, wenn andere nach den Tricks und Wegen fragen, die ihn zu seinen Erfolgen geführt haben. Für Nichtkleingärtner ist es aber auch immer wieder interessant wie denn der Einzelne zu dem wurde was er jetzt ist, also der Maulwurf auf seiner Scholle.

Es ist ganzgleich, ob ein Garten klein oder groß ist.
Was die Möglichkeit seiner Schönheit betrifft, so ist seine Ausdehnung so gleichgültig,
wie es gleichgültig ist, ob ein Bild groß oder klein, ob ein Gedicht zehn oder hundert Zeilen lang ist.
Hugo von Hoffmansthal


Wenn jemand nie einen Kleingarten gemocht hat, dann war ich das wohl und jetzt will ausgerechnet solch ein „Niegärtner“ seine Gartenweisheiten weitergeben und über den Garten etwas schreiben. Na ja, über den Garten ist vermutlich auch schon wieder etwas verwegen, ehr wie man zum Kleingärtner wird, ohne dass man es je wollte und was sich daraus entwickeln kann. Woher sollte ich also Weisheiten nehmen, die ich zu Papier bringen könnte. Klar, nur aus der eigenen Erfahrung.

- in den 50’ern und 60‘ern -

Aber beginnen wir doch wie üblicher Weise ganz am Anfang. Im Jahr 1958 wurde unterhalb einer alten Arbeiterkleingartenanlage zusätzliches Land für die Erweiterung dieser Anlage zur Verfügung gestellt. Mein Vater, der durch den seinen, in Punkto Kleingarten etwas vorbelastet war, endschloss sich frühzeitig eine dieser Parzellen zu pachten. Und da ist er schon, der wesentliche Unterschied auf dem Weg zum Kleingärtner, denn im Gegensatz zur damaligen Spontanentscheidung meines Vaters benötigte ich dafür ganze 60 Jahre.
Im zarten Alter von 5 Jahren begann für mich also das Zeitalter Kleingarten. Natürlich fand ich dies damals sehr interessant, öffnete sich doch für mich und meinem Bruder, ein großer Spielplatz wo wir auch noch fast nichts falsch machen konnten. Also was will man mehr, wenn man buddeln, klettern und toben kann und die Eltern sich wegen viel gärtnerischer Erschließungsarbeiten kaum um einen kümmern konnten. Vielleicht dachten wir damals schon, dass dieser Garten etwas tolles sei.
Was es alles zu tun gab konnten wir nicht mal erahnen und wann aus dem Feld ein Garten geworden ist ebenso wenig. Vermutlich vergingen einige Jahre bis wir in unserem Tun eingeschränkt wurden und sich die vorrangig spielerischen Tätigkeiten plötzlich in zielführende Tätigkeiten umwandelten.  Ja meine Mutter hatte sogar solche Ideen, dass wir nicht alles Grüne mehr aus der Erde ziehen durften, sondern nur was sie wollte, was bei uns natürlich auf völliges Unverständnis traf.

„Glück besteht in der Kunst, sich nicht zu ärgern, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,
sondern sich zu freuen, dass der Dornenbusch  Rosen trägt.“
Arabisches Sprichwort

Langsam machte die allwochenendliche, mehrfache Wanderung in den Garten auch keinen Spaß mehr, denn indessen hatte ich auch den Spaß am runden Leder entdeckt, wodurch Vaters gärtnerische Arbeiten in den Hintergrund rückten. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch er vermutlich noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass jemand eines Tages diesen Garten übernehmen sollte.
Was wir damals noch gar nicht sahen, war zum Beispiel der Erholungsfaktor. Als die zu erbringenden Arbeiten im Garten übersichtlicher wurden, wurde auch Zeit frei für gärtnerisches Nichtstuhn. Plötzlich kamen Oma und Opa nicht mehr nur zum Arbeiten, sondern auch zum Spielen und Quatschen, oder es wurden Geburtstage oder sonstiges gefeiert. Parallel dazu entwickelten aber auch wir uns weiter und der Garten unserer Eltern wurde immer uninteressanter für uns, es sei denn es gab mal die bereits erwähnte Feier oder eben einfach nur eine Bratwurst. Was das Gute dabei war, wir wurden auch kaum als Arbeitskraft gebraucht, denn das Gärtnerische konnten sie ganz allein bewältigen. Sollte es dann doch mal passieren das wir gebraucht wurden, waren es mehr arbeiten bei baulichen Maßnahmen.
Im nächsten Gartenzeitraum eröffneten sich plötzlich ganz, neue Betätigungsfelder. Die Sparte baute ein Gartenheim, veranstaltete Gartenfeste, es entstand also ein neues Miteinander. Ich „durfte“ meinen Eltern einmal im Jahr für 4 Wochenenden bei der Gartenheimbewirtschaftung helfen, sprich ich wurde zum Freizeitkellner und was man kaum glauben will, es machte sogar Spaß.

- in den 70’ern und 80‘ern -

Diese Zeit war auch die, der wiederbeginnenden ersten baulichen Veränderungen im Garten. Vermutlich aus platztechnischen Gründen hatten sich Mutter und Vater entschlossen das Gartenhaus zu erweitern, wofür ich aus heutiger Sicht sehr dankbar bin. Neben Vater und Opa war natürlich auch ich bei den nun anfallenden Bauarbeiten eine willkommene Arbeitskraft, da mein Bruder zum Zwecke seiner Lehre sich 2 Jahre vor mir aus Aue verabschiedet hatte. Ich denke jeder den es genau so erging, der wird sich erinnern, dass sich die Begeisterung dafür allerdings in Grenzen hielt, da die Zeit schließlich vom fröhlichen, gerade beginnenden Jugendleben abging. Für die darauffolgenden 5 Jahre spielte der elterliche Garten erstmal gar keine Rolle mehr, da mich Ausbildung und der Dienst am Volke heimatfern hielten. Auch danach gab es für den Garten wenig Chancen mich für sich zu gewinnen, denn was in dieser Zeit gärtnerisch so ablief, lief an mir völlig vorbei, weil vollkommen uninteressiert.
Indessen sind wir Mitte / Ende der 70’er Jahre angelangt und die Situation der Gartennutzung begann sich für mich erneut ganz langsam zu ändern. Die Betonung liegt aber wirklich auf langsam.
Zunächst galt es die gerade erst neu entstandene eigene kleine Familie zum laufen zu bekommen, was heißt, das eigene unabhängige Leben völlig umzustellen. Der Garten rutschte langsam wieder etwas ins Blickfeld, allerdings ohne eine gärtnerische Eigennutzung im Blick zu haben. Wir erinnerten uns an früheres gewesenes. Noch immer suchten die Vereinsoberen der Gartenanlage Willige zur Heimbewirtschaftung. Waren es Ende der Sechziger meine Eltern, begaben wir uns nun in diese Fußstapfen und eröffneten für Jahre das Gartenheim immer am 1. Mai für ca. 6 Wochen. Wie gesagt der Garten selbst spielte dabei überhaupt keine Rolle, ehr der zusätzliche Verdienst für den zweiten Urlaub im Jahr. Ganz nebenbei waren wir dabei auch Partner für Paare die gewillt waren sich zukünftig kleingärtnerisch zu betätigen, denn die Bewirtschaftung des Heimes war bei der Bewerbung um einen Kleingarten nicht unbedingt von Nachteil.
Was für uns neu war, war für die Generation vor uns natürlich längst zur Normalität geworden, also rückten dort schon wieder andere Gedanken ins Blickfeld. Was müsste sich im Garten ändern, wenn Einestages Enkelkinder auftauchen, worauf natürlich schon sehnsüchtig gewartet wurde, waren wohl Fragen die sich verständlicher Weise bei ihnen auftaten. Ideen wurden erdacht und geboren und als diese eigentlich bereits beschlossen waren, wurde auch ich einbezogen oder besser über den Beschluss informiert und schon konnte wieder einmal ans Werk gegangen werden. Die neuste Idee war leicht nach zu vollziehen, schließlich war es ein Projekt für die Zukunft. Ich hatte arbeitsbedingt Zugang zu Materialien sowie entsprechenden Werkzeugen und was fast noch wichtiger war, zu Transportmitteln, um das Projekt zügig zu realisieren. Also rückte bedingter Weise der Garten wieder in den Fokus, wie gesagt nicht als Maulwurf, sondern ehr als Bauarbeiter.
Das eigene Kind war klein, Opas und Omas Ideen dagegen groß, schließlich sollte sich die Enkel ja mal im Garten gut erholen können. Also Plan für eine Terrassenüberdachung erarbeiten, Materialien zusammentragen, antransportieren und dann frisch ans Werk. 

„Unkraut ist alles, was nach dem Jäten wieder wächst.“
Mark Twain

Um es vorweg zu nehmen, der Bau war erfolgreich und hält zuverlässig bis heute.
Wie war am Anfang gleich noch die Fragestellung?  Wie wird man zum Kleingärtner? Wie gesagt, die Einen sind fast von klein auf begeistert und können es kaum erwarten das sie irgendwann in der eigenen Erde buddeln können oder das selbst angebaute ernten, verarbeiten, einwecken oder einfach nur verschenken können. Die Anderen brauchen etwas länger. Sie werden langfristig, ähnlich dem hohlen Stein, den der stete Tropfen zu schaffen machte, immer wieder mit den verschiedensten Methoden hin zur Gartenerkenntnis geschupst. Ihnen wird immer mittels Kleinigkeiten vermittelt, wie schön es ist dieses kleine Stück Grün zu besitzen.  So ging es auch mir, langsam fand der Erholungsfaktor Einzug in meinen Kopf. Zur Erholung gehört natürlich, auch eine entsprechende, freizeitliche Ernährung. Sprich, wenn man schon im Garten herumlungert und nicht die Zeit mit jäten oder ähnlichem vergammeln will, braucht Mann eine brauchbare Außenküche, sprich einen ordentlichen Grill. Natürlich wird sowas selbst gebaut und wenn man gerate auf Arbeit Umbauarbeiten hat, wo entsprechende Materialien freigesetzt werden, gilt es schnell zu handeln. Wie also könnte sich eine alte Feldschmiede in einen Grill umwandeln, oder zumindest ein Teil davon werden? Lösungen wurden gesucht und gefunden, der Schmiedeofen antransportiert und natürlich ohne Blasebalg verbaut. Ein entsprechendes Dach sollte den künftigen Grillmeistern und dessen Grillgut etwas Schutz bieten.  Dem Erholungsfaktor war wieder ein Mosaiksteinchen hinzugefügt. Grillen, ist übrigens neben dem klassischen Gärtnern, eine der meistausgeübten Tätigkeiten von Männern im Kleingarten. Auf unseren neu gebautem Grill war jetzt genug Platz, so dass bei Besuch aus der Hauptstadt auch keiner hungern musste. Gut, die neue Generation hatte noch nicht das Alter, um viel Platz auf dem Rost zu beanspruchen, dieser konnte dafür umso mehr für die Herrn der Zwischengeneration, also meinem Bruder und mir, genutzt werden.
Wie gesagt, der Erholungsfaktor rückte für uns in den Vordergrund. Für die Kinder gab es allerdings viel zu entdecken, was unsere Tochter auch deutlich machte und so Interesse für den Garten zeigte. Interesse ist vielleicht etwas hoch gegriffen, eigentlich war es für das Kind nur ein großer Spielplatz mit Planschbecken, Sandkasten, Schaukel und natürlich Blümchen. Da flogen Bienchen, Vögel und Schmetterlinge von Blüte zu Blüte und Baum zu Baum. All das gab es zu erkunden und zu erfragen, wodurch der Garten zusehends an Bedeutung gewann.
Wie einst bei uns, war das natürlich für die Jüngsten ein Quell des Lernens und des Spielens.

Wie aber ging der Weg weiter, der Weg vom „Niegärtner“ zum ernsthaften Kleingärtner? Zunächst änderte sich, trotz des großen Interesses des Kindes, nichts am persönlichen Desinteresse, der kleingärtnerischen Nutzung des Objektes. Nichtsdestotrotz war immer für etwas Arbeit gesorgt, wenn wir in Opas grüner Oase erschienen. Pinsel, Kelle oder Schubkarre standen immer bereit, so dass der Vater vom Großvater im Garten eine Arbeit bekam und die Mutter ganz nebenbei von der Großmutter systematisch in der Gartenarbeit unterwiesen wurde. Das Kind konnte sich so frei nach Lust und Liebe selbstverwirklichen. So gingen viele Jahre ohne eine gärtnerische Weiterendwicklung ins Land. Problematisch war dies nicht, denn wie man sieht hatten die Gartenbesitzer die Sache voll im Griff und sogar noch Muse zum pausieren. Aus meiner Sicht bedurfte das kleingärtnerische Anwesen keine Fremdhilfe, ausgenommen in der Zeit wo auch die Gärtner einmal lieber im Urlaub waren. Bei den Vertretungstätigkeiten hatte ich jedes mal die Chance meine Unfähigkeit nachzuweisen. Bis auf das regelmäßige und zuverlässige Bewässern ist mir dies auch ab und an gelungen.
Ein markantes Beispiel gefällig? Gerne, denn nach einem Urlaub vermisste meine Mutter die Montbretien und fand diese auch nach Jahren nicht mehr wieder. Vermutlich hatte ich sie bei meinen Erdbearbeitungsmaßnahmen als unnütz und somit überflüssig empfunden und sie schlicht entsorgt. Bewiesen wurde dies jedoch nie, was mich deshalb bis heute an meiner Tat zweifeln lässt.

Diese und vermutlich ähnliche Ereignisse schienen auch den letzten Hoffenden davon zu überzeugen, dass ich als Kleingärtner absolut ungeeignet bin. Parallel zur Erkenntnis meiner Unfähigkeit, ging natürlich auch das normale Leben weiter. Das Kind entwickelte neue Interessen und es änderte sich bekanntlicherweise einiges durch politische Ereignisse Ende der achtziger Jahre.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:
„Auch wenn man am Gras zieht, wächst es nicht schneller.“

- ab den 90‘ern -

Durch meine berufliche Veränderung und parallel dazu die Intensivierung meiner ehrenamtlichen Tätigkeit, stand der Garten überhaupt nicht mehr zur Diskussion. Glücklicher Weise ging aber auch unser Vater zu dieser Zeit in Rente und hatte nun ohne Ende Zeit für sein Hobby.
Aber wie es manchmal so ist, kommt es plötzlich anders als man denkt. Da der Wein in meinem Berufsleben einen neuen und bedeutenden Raum einnahm, tat sich plötzlich eine neue Verbindung zum Kleingarten auf. Ich hatte Weinreben zur Verfügung und kam auf die Idee davon welche im Garten anzupflanzen. Ich war selbst Schult, aber eben auch interessiert. Was machte meine Mutter, sie nahm die Chance beim Schopf und meinte das ich natürlich welche pflanzen könne, mich aber auch darum kümmern müsse. Und da war es, das neue Problem, denn nun hatte ich mich in eine Zwickmühle begeben. Das pflanzen der Rebstöcke war nicht das Problem, das verheerende war, das ich aussuchen konnte wohin. Da mir natürlich, ein kleiner Weinberg verwehrt blieb, brauchte ich andere Überlegungen. Zum Beispiel eine Pergola, genug Beispiele habe ich ja bei meinen vielen Weingebietsreisen sehen können. Ich schaute also und fand einen geeigneten Standort und was durfte ich, richtig, ja ich durfte sie sogar selbst bauen. Das also war der Startschuss zur familiären, langsamen Heranführungsaktion an den Garten.

„Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner“
- Oskar Kokoschka -

Den ersten Winter erlebte meine Pergola 1996. Danach dauerte es wirklich nicht lange und sie war völlig zugewachsen. Eingefleischte Kleingärtner beobachteten mein Tun mit großer Skepsis und mein Vater musste sich schon fast rechtfertigen für meine Idee. Wein, bei uns im eiskalten Erzgebirge, gut wenn es dann mal wieder richtig Winter würde, wäre das ja eine Frage. Die Bedenken konnte ich aber ganz gut zerstreuen, denn es gibt auch in bekannten Weinbaugebieten durchaus Kälteeinbrüche. Egal, es wird versucht und mittels Plastetrauben konnte ich den nicht überlegenden Gartenfreunden, bereits im Juni pralle Ernteerfolge präsentieren. Also es wachsen auch im Erzgebirge Trauben und sogar gelbe und rote an einer Rebe. Vermutlich ist das auf unsere Radonrückstände in der territorialen Atmosphäre zurück zu führen.
Ich jedenfalls, kam den mir von meiner Mutter übertragenen Aufgaben nach und hegte und pflegte meine inzwischen auf 37 Stück angewachsenen Weinreben. Fehler beim Beschneiten begleitete meine „Weinbaulehre“ genauso wie die ersten Ernteerfolge.
Einher mit diesen Anbauerfolgen ging der schleichende Prozess der zunehmenden Übernahme von helfenden Arbeiten, schließlich wurden Mutter und Vater ja auch nicht jünger. Noch hegte ich aber keinen Gedanken an einer perspektivischen Gartenübernahme, also die Entwicklung zum Kleingärtner lag nach wie vor noch in den Windeln.

So langsam ging ich aber auf die 60 zu und meine Eltern auf die 80, vermutlich, ohne dass ich es so richtig merkte. Nein, natürlich war ich mir dessen bewusst und da ich mein langjähriges Hobby auch sukzessive zurückfuhr, merkte ich das meine freie Zeit zusehend mehr wurde. Die Aufenthaltszeiten im Garten wurden zunehmend mehr, vor allem, weil ich auch immer mehr helfen musste. Die Helfertätigkeiten führten aber auch zu einer Zunahme von eigenen Gedanken was man eventuell verändern könnte und müsste, um einfach die Bearbeitung der ca. 350 qm Anbaufläche zu erleichtern. So rückte ein Hochbeet in die Überlegungen, wie auch die Umwandlung einer gemischten Beetfläsche in ein reines mini Kartoffelfeld. 

Komischerweise brauchten meine Eltern immer weniger auf mich einwirken, um das Interesse am Garten zu schüren. Die Erkenntnis das man einmal nach dem Berufsleben und weniger ehrenamtlicher Tätigkeit auch noch eine Beschäftigung haben sollte, um nicht vorzeitig zu verblöden, nahm bei mir immer mehr Raum ein. Dass ich mich dabei über Reparatur -und Bauarbeiten, praktische Erweiterungensmaßnahmen und beginnenden gärtnerischen Arbeiten immer mehr zum typischen Kleingärtner entwickelte, war ein schleichender Prozess.

„Der kürzeste Weg zur Gesundheit ist der Weg in den Garten“
Gärtner Pötschke

Nun ist es also passiert, ich fühle mich als Kleingärtner. Ich wälze Gartenkataloge, säe und ziehe Pflanzen vor. Ich erkannte das ein kleines Gewächshaus für die Tomaten das richtige wäre und das in der Wasserbevorratung eine Verbesserung notwendig wäre. Meine Mutter bewertete dies schnell mit entsprechender Freude und versuchte meinen Vater zur Gartenübergabe zu bewegen, allerdings noch ohne mein Wissen.                                   
Während mein Vater mit zunehmender Zufriedenheit meine Ideenumsetzungen verfolgte, ich irgendwie permanent am werkeln war, fanden wir auch manche Minute zum gärtnerischen fachsimpeln. Und da wir dabei auch ab und an ein Bierchen vernaschten und ein Würstchen verdrückten kam auch der Erholungseffekt zurück.

Was einst vor über 60 Jahren begann wurde im Jahr 2017 vollendet. Mein Vater vollzog die Staffelstabübergabe und war emotional sichtlich gerührt als er mir im November den Garten offiziell übergab. Für den symbolischen Betrag von 1 Euro war ich nun der neue Pächter unseres alten Gartens.
War es einst der Blick nach vorn, bei dem völlig klar war das ich niemals zum Kleingärtner würde, so ist es heute bei manchem Abend am Gartenfeuer der Blick zurück, mit der Analyse des vergangenen.
Ich glaube unsere Gartenvorderen wären stolz auf uns, würden sie sehen, dass und wie wir ihr Gartenerbe fortführen und wir sind dankbar für die geleistete Gartenarbeit über viele Jahrzehnte.

„Zu hegen und zu pflegen sei bereit,
das Wachsen überlass der Zeit“
- deutsches Gartensprichwort –

Anmerkung von MiSo:

Im Original sind die einzelnen Abschnitte mit Bildern komplettiert. Die Sprichworte zwischen den einzelnen Abschnitten sollen das Ganze etwas auflockern.
Persönlich interessiert mich, ob mein kleines "Werk" lesbar ist und auch eine gewisse Unterhaltung bietet.
Ich bin kritikempfänglich!


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Sätzer (77) (27.01.2021)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 28.01.2021:
Ja, das sehe ich genauso. Den peinlichsten Fehler hat Uwe netterweise nicht genannt, es ist ein schrulliger, alter, kluger Mann, der durch die Gärten streift, ein "Komischer Weiser".

Antwort geändert am 28.01.2021 um 13:58 Uhr
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MiSo antwortete darauf am 28.01.2021:
Danke für den freundlichen Hinweis, ich habe es geändert und auch anderes, was ich gefunden habe, bzw. worauf ich hingewiesen wurde.
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Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 28.01.2021:
Was ich gerade sehe: Zwischenüberschriften beginnt man üblicherweise mit einem Majuskel.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (29.01.2021)
Hofmannsthal (sic!) falsch zitiert UND seinen Namen falsch geschrieben!

"endwickeln" ?
"in den 50’er und 60‘ern"?
"üblicher Weise"?
"endschloss"?

usw. usf, , dies nur aus einem kleinen Teil!

Bitte über jeden Text wenigstens die RS-Prüfung drüberlaufen lassen - dies ist hier offenbar nicht geschehen. Der Leser dankt.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (01.02.2021)
"Pinsel, Kelle oder Schubkarre" sind in der Mehrzahl, sofern kein Artikel beigestellt ist, daher geht "stand immer bereit" nicht, sondern es muss "Pinsel, Kelle oder Schubkarre standen immer bereit" heissen. Oder eben "ein Pinsel, eine Kelle oder eine Schubkarre stand immer bereit".
Gebetsmühlenhaft wiederhole ich auch gerne hier nochmals, dass "€" schlechter Stil ist, sondern man "Euro" auschreibt.
"Beschneiden" ist zwar ein Verb, aber in seiner substantivierten Form ("beim Beschneiden") natürlich nicht mehr.
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Thomas-Wiefelhaus
Kommentar von Thomas-Wiefelhaus (08.02.2021)
Mir haben in erster Linie die Dinge, Erkenntnisse, Sprichworte, gefallen, bzw. ich fand sie recht spannend, die zwischen dem Text standen.

Würde vermutlich selber mehr die lustigen oder spannenden Ereignisse, Erlebnisse, Geschichten erzählen, die in einen Garten im Laufe der Jahrzehnte passieren.

Am Anfang hat mir die Aufzählung schöne Erdbeeren, Kräuter usw. nicht so gefallen, weil ja gleich jeder selber bei einem Garten daran denkt. Besser wäre entweder weniger ... oder mehr ... welche Arten von Erdbeeren ... wie unterscheidet sich ihr Geschmack? Dann würde es wieder für mich spannend.

Die Rechtschreibung kommt für mich am Schluss, wenn der Text steht, dafür gibt es gute Programme, die besser sind als Word.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (10.02.2021)
Hallo? Ist da noch jemand?
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (27.02.2021)
Das war's schon, Dieter.
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