Novemberblau

Lyrischer Prosatext

von  Moja

Vor einem großen Spiegel in schwarze Wolle gehüllt steht Anke, während Ute geschickt Nadeln steckt. Weich fällt der Stoff an ihr herunter. Die weißen Ornamente umranken sie fester. Russisch sieht sie aus, sind sich alle im Atelier einig. Anke, eine schwarzweiße Matroschka. Im hohlen Innern, das sie mehr außen fühlt, klappern kleine warme Figuren, die sie auch ist. Der Spiegel zeigt ihr eine Birke, Eiskristalle auf Kohlen. Schnee spricht. Als Anke den Mantel ablegt, und die heikle Frage nach dem Preis stellt, treibt aus der Hochstaplerin die Lebenskünstlerin. Und etwas haftet am Gewand, das nicht novemberblau ist, das Ute aufhebt wie eine Katze und in beide Arme schmiegt.

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Kommentare zu diesem Text

Sätzer (77)
(01.02.21)
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 Moja meinte dazu am 01.02.21:
Dankeschön und lieben Gruß, Sätzer!
Moja
Hilde (62)
(01.02.21)
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 Moja antwortete darauf am 01.02.21:
Freue mich, lieben Gruß an Dich!
Moja

 Regina (01.02.21)
Auf alle Fälle fantasievoll.

 Moja schrieb daraufhin am 01.02.21:
Danke, Regina!
Lieben Gruß,
Moja
Stelzie (55)
(01.02.21)
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 Moja äußerte darauf am 01.02.21:
Vielen Dank, liebe Kerstin, freue mich,
liebe Grüße auch an dich,
Moja

 EkkehartMittelberg (01.02.21)
Hallo Moja, im nächsten November passe ich aber auf, dass ich das Novemberblau erwische. Eine ungefähre Vorstellung habe ich dank deines Textes ja schon. :)
Liebe Grüße
Ekkii

 Regina ergänzte dazu am 01.02.21:
Da ist der Abendhimmel dunkelblau.

 Moja meinte dazu am 01.02.21:
Ja, so ein sanftes dunkles Blau, Regina, und an manchen Tagen ist besonders novembrig-blau, Ekki, wenn du einen Zipfel erwischst.

Liebe Februargrüße,
Moja

 GastIltis (01.02.21)
Liebe Monika,
apropos Russisch und Birke: Mein Großvater mütterlicherseits war im WK I in Russland. Er kam bis an die Beresina. Meiner Mutter hatte er auf Birkenrinde etwa im Briefformat zum Geburtstag einen Glückwunsch gesandt. Dass da ein schwarz-weiß-roter Streifen eingeflochten war, erwähne ich nicht aus Vaterlandsliebe, schon gar nicht, um reichsdeutsch zu wirken, sondern nur der Vollständigkeit halber. Du hast die seltene Gabe, manchmal Emotionen zu wecken.
LG von Gil.

 Moja meinte dazu am 02.02.21:
Lieber Gil,
erstaunlich, was für Assoziationen manchmal aufgerufen werden, Deine ergeben wieder eine ganz eigene Geschichte, die ich mir sehr gut vollstellen kann, ich ahne die bewegenden Umstände dieser außergewöhnlichen Liebespost.

Dankend sende ich Dir einen dämmrigen Februargruß
(mein Blick aus dem Fenster), Moja
wa Bash (47)
(01.02.21)
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 Moja meinte dazu am 02.02.21:
Möglich, ich sehe bei einem - Hauch Türkis auf dem kristallinen Atem von Frostnächten - etwas helles klirrend Kaltes aufblitzen, das muss an den Buchstaben - t, k, s - liegen.

Als ich den Wollmantel sah, er war von einem nebligen warmen blaugrauen Farbton, dachte ich spontan: Novemberblau. Das Wort wirkt auf mich weich, anschmiegsam beim Sprechen, auch war November, ein Nachmittag, bewölkt, gedämpftes Licht und Geräusche - und ich wollte so einen Mantel, ich suche immer noch danach...
Agnete (66)
(01.02.21)
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 Moja meinte dazu am 02.02.21:
Das hast Du gut fühlbar erfasst, liebe Agnete. Dankeschön!
Lieben Gruß, Moja

 harzgebirgler (02.02.21)
multiple personlichkeiten sind sehr ambivalent
doch ist davon immer nur eine präsent im moment.

lg
harzgebirgler

 Moja meinte dazu am 02.02.21:
besser die Matroschkas ineinander steckenzulassen,
Danke & Gruß, Moja
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