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Exekutor

Erzählung zum Thema Abrechnung


von Mondscheinsonate

Nachdem ich viel von dem Süchtigen erzählt habe, der noch nie irgendetwas im Leben geschafft hat und das auch gar nicht will, weil ihm der Ehrgeiz fehlt und die Angst vor dem Versagen überhand nahm, stellt sich eine letzte Frage, die wäre: Stell dir vor, du hast so ein Kind? Wo du täglich Angst haben musst, dass die Polizei mit einer Festnahmeanordnung vor der Tür steht oder das Krankenhaus anrufen könnte? Jeden Tag Bauchweh und Angst und was viel Schlimmer ist, die vielen Fragen, was man falsch gemacht hat?
Ich kann die Gedanken doch nachvollziehen, ich hatte sie auch als Tochter. Es war schon schlimm, dass die Mutter keinen Schulabschluss hatte, so bekam sie nur Stellen als Verkäuferin. In meinem Taufschein steht, dass sie Dipl. Krankenschwester sei, sie wurde aus der Schwesternschule fortgejagt, wegen ihrer Hypochondrie - sie ließ ständig Blut fallen, ja, zu Boden, die wertvollen Konserven, und behauptete, sie hätte Lähmungserscheinungen, nur, damit ihr Vater kam, um sie zu trösten. Dieses Vaterproblem nervte langsam die Direktion und sie schmissen sie hochgradig hinaus. Außerdem kam Geltungsdrang hinzu und Aufmüpfigkeit. Wenn meine Mutter nicht im Mittelpunkt stand, wurde sie aggressiv. Auch erwischten sie sie mit einem Joint im Zimmer, das brachte das Fass zum Überlaufen.
Nun, in meinem Taufschein wurde also gelogen, anscheinend erzählte sie dies auch meinem jungen Vater und die Kirche wollte damals keine Dokumente. B. erzählte auch seiner Freundin, dass er die Höhere technische Lehranstalt abgeschlossen hätte, anscheinend wollte er mit einer peinlichen Lüge neu beginnen und, das ist nur eine Vermutung, er glaubte das wirklich, redete sich Erfolg ein, und meine Mutter erzählte ihre Diplomierung auch überall herum. Ein Wahnsinn eigentlich, das ist kaum aus Distanz zu erzählen, aus dem Grund, dass ich jetzt die letzten 10 Jahre Tag und Nacht gelernt habe und viele Tränen in Ausbildungen, Mehrzahl, gesteckt habe und diese Münchhausens gehen mit Lügen hausieren, unvorstellbar.
Nun, sie konnte nur als Verkäuferin arbeiten, denn Sekretärin wäre ihr nie in den Sinn gekommen, etwas anderes sowieso auch nicht und es war mir als junges Mädchen schon unerträglich zu sehen, dass sie alle drei Monate die Stellen wechseln musste, weil sie immer wieder betrunken in die Arbeit kam und bald hatte sie alle Geschäfte in der Innenstadt durch und begann das Spiel in anderen Bezirken. Und, jedesmal nahm sie Dinge mit, bezahlte sie nicht, nein, sie stahl sie nicht, sondern meinte, sie bezahle diese am Ende des Monats, tat es aber selten und so häuften sich, zusammen mit anderen lebenstechnischen Schulden, enorme Summen zusammen.
Wenn sie also länger nicht nachhause kam, so marterte ich meinen Kopf mit Fragen, ob die Polizei nun kommen würde oder das Krankenhaus anrufen könnte, allerdings zumeist kam der Exekutor, der Zwangsvollstrecker, den kannte ich schon und diese Scham war unerträglich. Irgendwann machte sie einen Offenbarungseid, das heißt, sie gab amtlich an, dass sie nichts hätte und wurde auf das Existenzminimum gepfändet.
Wenn man bedenkt, sie bekam sehr hohe Alimente, Kindergeld und Gehalt oder Arbeitslosengeld, so war das viel Geld, aber am dritten des Monats hatte sie nichts mehr.
Ich ging zu Nachbarn um Essen betteln oder aß dann überhaupt bei meiner Freundin und ihre Mutter konnte gar nicht gut kochen, aber ich war so dankbar, dass ich alles aufaß, was man mir gab. Ja, Dankbarkeit lernte ich recht früh, deshalb reagierte ich auch extrem empfindlich auf B.s Idiotensatz, diese verlogene Liebeserklärung, wo mich nur ein Satz zutiefst traf, dass er "noch nie so eine liebe Person in seinem Leben hatte", denn ich kochte permanent und brachte im Tupperware, verschaffte einen Job und gab Geld her und ja, ich machte das aus Liebe, aber so etwas als selbstverständlich nehmen, das war mir zuviel, denn ich bin heute noch der Elisabeth dankbar, der Mutter meiner Freundin, die es aus Nächstenliebe tat. Nichts, nämlich gar nichts, im Leben ist selbstverständlich.

Der Exekutor kam dann nicht mehr, klebte keinen "Kuckuck", wie es im österreichischen Volksmund heißt, auf Möbelstücke, das ist ein amtliches Siegel für die Zwangsversteigerung, und ich hatte täglich Angst, dass sie mir meinen Hund wegnehmen könnten und brachte meine Habseligkeiten zu meiner Freundin.
Ja, die Mutter hatte dann immer Glück, sie rief ihren Papa an und der bezahlte, sozusagen "5 vor 12".
Und, der Großvater löste auch ihre Pfandscheine aus und behielt sich irgendwann den Schmuck, es reichte auch irgendwann einmal.

Was macht sowas mit einem Menschen? Täglich Angst im Bauch haben, überhaupt, wenn sich der Schlüssel im Schloss drehte, man sich dachte, wie sie denn heute aufgelegt sein würde und regelrecht aufatmete, wenn sie nicht da war und das als Kind.
Und, mit B. war es genauso, man hatte stets Angst im Bauch, wusste nicht, ob er heute nicht wieder aggressiv reden würde? Ich schob dann das Bier regelrecht hin, dann wurde er friedlicher, auf Wein aggressiver oder depressiver.
Vielleicht habe ich das gebraucht, denke ich jetzt aus Distanz, vielleicht musste ich abschließen, aber eines weiß ich jetzt mit Gewissheit, dass ich das nie wieder will. Vorallem keine Angst im Bauch.

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