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Der Idiot - Dostojewski

Beschreibung zum Thema Buch/ Lesen


von Mondscheinsonate

Nun, ich bin den Idioten von Dostojewski fast durch, mir fehlen noch zwei Stunden, aber ich kann jetzt schon Reich-Ranicki zitieren: "Nein, meine Herrschaften, ich habe es nicht gerne, wenn der Held eines Romans ein Idiot ist!"
Damit könnte ich jetzt schon schließen, aber so einfach ist es nicht und ich nehme sowieso an, dass er, Reich-Ranicki, an den Idioten im Dostojewski dachte, als er den Seitenhieb auf viele viele Bücher richtete. Völlig ungerecht, teilweise, aber in dem Fall wohl gerechtfertigt, aber dennoch, was sagt das über meine Psyche aus, dass ich einen wahrheitsliebenden, gutmütigen und lieben Mann nicht ertrage? Papperlapapp, lassen wir das!
Es war kein Vergnügen, das kann ich euch sagen, diesem Menschen zu folgen, jedoch würde ich es jedem empfehlen, denn, wie auch schon in "Schuld und Sühne" oder "Verbrechen und Strafe", wie es jetzt korrekterweise heißt, erzählt Dostojewski mit derartiger Erzählkraft, dass es mir den Atem raubte und er hielt ständig den Spannungsbogen aufrecht, zeichnete die Figuren detailliert, sodass man sich oft selbst ertappte, dass man eine Abneigung gegen eine dumme Person entwickelte, die man nur entwickeln kann, wenn man sie persönlich kennenlernt, ja, sogar das Gefühl bekommt, sie persönlich zu kennen und genauso verhält es sich mit dem Wohlgefallen an einer Person.
Das, zeitweilige Ansprechen des Autors an den werten Leser, macht die Geschichte noch besser, so tauchte ich, um vom "man" ins tatsächliche "ich" zu wechseln, obwohl "man" wäre sicherlich auch nicht falsch, so kann ich mir doch vorstellen, dass es jeden hineinziehen könnte, wenn es nur gewollt wäre, egal, also, in die Geschichte, nach Petersburg zurück, in dem ich schon zuvor in "Schuld und Sühne" war, und während ich las, hatte ich auch die Bilder vor mir, denn ich war selbst schon dort, was mir ein doppeltes Vergnügen verschaffte.

Wenngleich der Held des Romans ein Idiot ist, was er schließlich nur im gesellschaftlichen Sinne ist, da die feinen Damen und Herren die Wesenszüge des Protagonisten befremdend fanden, weiter nichts, er war ein Epileptiker, ich fand das ebenso, es nervte mich alles an ihm zutiefst, so sind die restlichen Figuren, bis auf den unsäglichen Hippolyt, alle äußerst interessant und ich war traurig, als der General verstarb, noch dazu so unehrenhaft, sehr traurig, und ja, ich weiß schon, wie es ausgehen wird, leider, das Ende ist schließlich bekannt, dennoch möchte ich noch einer Lizaveta Prokofyevna und ihren Gören folgen, auch noch hören, wie es mit Gavril Ardalyonovich Ivolgin weitergeht und die Schönheit Anastassya Filippovna im Fallen betrachten.
Was für ein Buch! Ich entwickelte eine Hass-Liebe, muss ich gestehen und ein Fürst von diesem Kaliber, würde in unserer Gesellschaft geistig vernichtet werden, das wage ich zu behaupten.
Oh ja, Dostojewski trieb im Idioten seine Eitelkeit an die Spitze, mit Formulierungen, die ihresgleichen suchen und philosophischen Gesprächen, die teilweise äußerst von oben herab waren, jedoch bemerkenswert. "Der Idiot" ist ein hochintelligenter Liebesroman und ein fein gezeichneter Gesellschaftsroman, das muss ich bemerken.
Ein Lesevergnügen in sprachlicher Hinsicht, aber, ich schließe schlussendlich doch mit meinem Anfangszitat.

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (19.03.2021)
Eine wunderbare Buchbesprechung, der ich nur zustimmen kann.
LG
Ekki
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Mondscheinsonate meinte dazu am 19.03.2021:
Mochtest du den Typen auch nicht? Meine Güte, der nervt mich außerordentlich! Ich fand, übrigens, die Kritik an der katholischen Kirche äußerst nachdenkenswert, vorallem mutig, im Kontext der Zeit, in der das Buch geschrieben worden ist.
Dankeschön!
LG MS

Antwort geändert am 19.03.2021 um 21:45 Uhr
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EkkehartMittelberg antwortete darauf am 20.03.2021:
Ja, mir ging es wie dir, aber keine Frage, dass Dostojewski mit dieser Figur der korrupten Gesellschaft einen Spiegelvorhalten wollte.
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RainerMScholz
Kommentar von RainerMScholz (19.03.2021)
...dass man eine Abneigung gegen eine dumme Person entwickelte, die man nur entwickeln kann, wenn man sie persönlich kennenlernt...
Da würde ich sofort widersprechen, eigentlich entwickelt man schon aufgrund der Beschreibung eine Abneigung, die, im besten Fall, ein Leben lang hält, auch wenn man nie eine solche Person zu Gesicht bekäme, was nicht passieren wird; aber man pflegt ein anderes Gefühl dafür, quasi weniger geduldig, etwas unrussischer, wie eingedeutscht, quengelig österreichisch, endgültiger.
Grüße,
R.
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Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 19.03.2021:
Oh, da muss ich dir eventuell recht geben, auch, wenn ich es jetzt mal stehenlasse, weil doch jeder von uns eine andere Vorstellungskraft besitzt.
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FRP
Kommentar von FRP (19.03.2021)
Der "Idiot" ist weder ein Idiot, und schon gar nicht ist er dumm, er steht im Punkto Intelligenz, Ethik und Moral turmhoch über allen anderen Figuren des Buches, und er würde auch turmhoch über den meisten Menschen unserer heutigen Gesellschaft stehen, die nur ihre eigene Idiotie spiegeln, wenn sie ihn einen Idioten nennen. Er ist kindisch-naiv, aber auch ein wahrhaftiger und echter Mensch, der - natürlich - scheitern muß. Idiotisch ist es eher, wie die gesamte Familie der Aglaja am Ende auf einen polnischen Hochstapler herein fällt. Und MRR, der "Joseph und seine Brüder" offenbar nie gelesen hat, hätte auch ab und zu ein paar Ohrfeigen (verbale) verdient.
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Mondscheinsonate äußerte darauf am 19.03.2021:
Nun, ich weiß, dass der Idiot KEIN Idiot ist, er nervt mich dennoch, das ist rein subjektives Empfinden, vielleicht, weil er zu gut ist, für diese Gesellschaft, ja, sogar Welt. Wenngleich, niemals dumm ist, im Gegenteil, hochinteressant ist, was er von sich gibt, ist m.A. nach das "zu Gute" auch irgendwann mal nicht mehr zu ertragen. So imponierte mir doch der starke Auftritt auf der Yepanchin'schen Gesellschaft. So hätte ich mir den Fürsten stets gewünscht: klug, lieb, aber auch energisch. Vorallem schon, welch Frechheiten Aglaya, die rotzfreche Göre, von sich gab und der Fürst in verliebter Seeligkeit schwelgte - verzeih, ich kenne seine Empfindungen und finde das wenig prickelnd.
Und, was Mann angeht, den ertrage ich kaum, der schrieb keinesfalls für mich, das gebe ich zu, auch, wenn ich in der Achtung der intellektuellen Leserschaft mit dieser Beichte sinke.
LG MSS
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (20.03.2021)
Ilma Rakusa schreibt in ihrem Nachwort (Piperausgabe):
"Myschkin ... nie lächerlich, ist schön durch seine Unschuld. Er ist anziehend und zugleich befremdlich für die, die in ihm den reinen Toren sehen und sich plötzlich durchschaut fühlen, die ihn verachten und durch seine Demut und Großmut aus der Fassung geraten, die ihn lieben und durch seine höhere Liebe überfordert sind. Myschkin ist der stillste von Dostojewskis Reolutionären (!)."

Dies ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt.
Dostojewski schildert nichts anderes als einen, der die Welt zum Guten verändern will. Oder muss. Der zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist - lange vor Einbruch des Spätkapitalismus und der sog. Freien Marktwirtschaft. ---

Du hast uns eine interessante Besprechung geliefert. Vielleicht eine Rarität.

Mit herzlichen Grüßen
der8.
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Mondscheinsonate ergänzte dazu am 20.03.2021:
Dankeschön. Ich habe das Buch gestern beendet und finde es überflüssig, dass Dostojewski am Schluss noch "weitererzählt" hat, ein Ende in der Wohnung Rogoschins wäre sehr viel stärker gewesen.
Im Übrigen, ich denke, alles, was zu viel in eine Richtung geht, wird mühsam auf Dauer.

Ich möchte inhaltlich hinzufügen, dass es hochinteressant ist, dass der Autor stets in der direkten und indirekten Rede betonte, dass der Fürst "zwar ein Idiot sei, allerdings von Verstand".

Antwort geändert am 20.03.2021 um 09:55 Uhr
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Mondscheinsonate meinte dazu am 20.03.2021:
Verzeiht, ich möchte noch hinzufügen, dass ich finde, dass die Frauenfiguren in dem Buch sehr stark gezeichnet worden sind. Die wirklichen Nebenfiguren waren zwar klischeehaft schwach, zart und von reinem Gemüt, aber die Hauptfiguren durchaus energisch, stark und emanzipiert. Die Szene als Anastassya Filippovna mit der Reitgerte ins Gesicht schlug war doch großartig, wenngleich Gewalt sicher nicht die Lösung ist.
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AchterZwerg meinte dazu am 20.03.2021:
Zur Verknüpfung mit der Revolution möchte ich einwenden, dass Dostojewski bis zu seinem Tode unter geheimdienstlicher "Aufsicht" stand.
Er war mit Alexander Herzen bekannt und Mitglied des revolutionären Petraschewski-Kreises, mit Fourier und Saint-Simon bestens vertraut ...
Ich denke, die Umwandlung (zeitweise auch Zerschlagung) der damaligen Gesellschaftsordnung war sein Lebensthema. (!)
Die Akzeptanz der Mittel hierfür hat sich natürlich im Laufe seiner Lebensjahre verändert.

Liebe Grüße
der8.
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Mondscheinsonate meinte dazu am 20.03.2021:
Sehr interessant!
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linkeln
Kommentar von linkeln (20.03.2021)
Ja du hast recht. Mich stören die vielen unterschiedlichen russischen Namen, aber es ist ein Genuss Dostojewski zu lesen.
lg
linkeln
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Mondscheinsonate meinte dazu am 20.03.2021:
Daran gewöhnte ich mich, weil Dostojewski jedem einzelnen Namen ein markantes Gesicht gab.
Mein nächstes Monsterprojekt ist ab heute Abend "Krieg und Frieden", wo bekanntermaßen unendlich viele Namen vorkommen. Ich gestehe, ein wenig Angst kommt auf. 😂
Aber, daneben lese ich "Die Brüder Karamasow", die mich auch sofort in den Bann gezogen haben. Ich bin jetzt süchtig geworden.

Antwort geändert am 20.03.2021 um 11:40 Uhr
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irakulani
Kommentar von irakulani (20.03.2021)
Eine wirklich interessante Buchbesprechung! Und viel Spaß bei dem bevorstehenden "Projekt" )

L.G.
Ira
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Mondscheinsonate meinte dazu am 20.03.2021:
Ich muss da "litererarisch" unbedingt einen Nachtrag setzen, das Buch beschäftigt mich enorm. Das ist seltsam, "Schuld und Sühne" beseelte mich am Schluss, aber der "Idiot" wühlte mich auf und das zeigt, dass es eine enorme, nachklingende Kraft hat.
Dank dir!
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