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Kahl

Kurzprosa zum Thema Alleinsein


von Lluviagata

Mittlerweile bin ich mit der linken Braue fertig. Während mein Blick durch den Garten schweift, fühle ich, dass sie kahl wird wie der alte Nussbaum. Es ist kalt an diesem letzten Oktobertag, und die Wiese hinterm Haus lädt kaum mehr zum Sitzen ein. Suchend ertaste ich nur noch winzige Härchen; ich kann sie nicht mehr fassen und beginne in Ruhe die andere Braue zu bearbeiten; ich habe alle Zeit der Welt.

Du hattest keinen Begriff von Zeit, als du, aufgeregt vom Spiel mit dem Nachbarshund, nach Hause rennen wolltest. Das Auto noch weniger, und so nahm es deine Kopfhaut gleich mit.

Wir Menschen brauchen keine Haare, haben den größten Teil deshalb abgelegt. Wir bekleiden unsere Blöße, weil wir sonst frieren würden. Wir sprechen, wenn wir uns freuen, wenn wir uns fürchten oder zornig sind. Wir waschen uns mit Wasser. Katzen hingegen plustern ihr Fell auf, wenn sie erschrecken oder wenn sie dem Feind mit Größe imponieren wollen. Sie wälzen sich oft in Pflanzen oder unsichtbaren Sekreten und sind extrem wasserscheu. Dafür lecken sie sich mit großer Sorgfalt sauber. Noch nie hab ich erlebt, dass Katzen schlecht riechen. Menschen schon.

Oft laufe ich durchs Haus und schimpfe über deine Haare, obwohl ich weiß, dass es deine Natur ist, sie zu verlieren. Du frisst, was wir essen, obwohl ich mit allen Arten von Futter versuche, dich davon abzubringen und du weiter angesprungen kommst, wenn ich einen Joghurtbecher öffne, hörst es von überall, kommst angerannt und hüpfst mit einem Satz auf den Tisch.

Wir springen nicht auf den Tisch und haaren uns selten, egal, ob Oktober ist oder Frühling. Wir essen an unseren Tischen und legen unsere Haare dahin, wo wir sie immer hinlegen, unabhängig davon, was der Kalender sagt, derweil du gern aus deinem sauberen Napf frisst und zwei Drittel des Tages mit Schlafen, den Rest mit Putzen, Jagen und Spielen verbringst. Du trägst lebendige Mäuse nach Hause, die mich aus der Fassung bringen. Ich habe Angst, schreie, bis Robert sie wegschafft, obwohl ich weiß, dass Du mich füttern willst. Romantiker meinen, dass das Dankbarkeit ist. Du aber hast das Interesse an deiner Beute schon verloren und gehst zu deinem Futternapf.

Wartend sitzt du auf der Torsäule, weil du eher als andere weißt, dass ich nach Hause komme, läufst mir hinterher, vor mir her, dass ich über dich stolpere und deshalb manchmal trete. Dann schreist du kurz und streichst mir schon wieder um die Beine, während ich mich an die tausend Mal bei dir entschuldige. Du legst dich zu mir, wenn ich mich ausruhe und leckst mir manchmal übers Haar und über die Brauen, bis ich kichernd aufstehe, denn dann stehst auch du auf. Ganz oft sprichst du mit mir, verziehst dein Gesicht, zwinkerst, legst die Ohren an, und ich verstehe dich, weiß, was du sagen willst. Ich höre dich, wenn du vor der Schlafzimmertür jammerst und drehe mich auf die andere Seite. Du legst dich auf meine Hand, wenn ich schreiben will, läufst über die Tastatur und beschreibst eine ganze Seite mit einem oder zwei Buchstaben, so dass ich dich herunterhebe, bis du mich, noch ehe ich Luft geholt habe, schon wieder mit deinem laut schnurrenden Dasein schier zur Verzweiflung bringst. Ich kann es nicht beschreiben, wie sehr ich dich liebe.

Während ich mein Gewicht auf das andere Knie verlagern muss, zupfe ich über meiner Schläfe weiter, lege mein Haar Strähne um Strähne auf deinen misshandelten Körper. Es ist kalt. Es duftet nach dem heimkehrenden Herbst, einer Essenz aus Gräsern und fruchtbarer Erde. Dieser Geruch, er ist unnachahmlich. Man sagt, dass Mumien, wenn sie an das Licht gebracht werden, zu Staub zerfallen, und nur ihr Haar zeugt noch von ihnen. Mit der letzten Handvoll Erde kommt der Abendnebel, und meine Tränen finden nichts mehr, woran sie sich festhalten können.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (14.04.2021)
Diese lieben, auto-dummen Tiere! Es ist zum Verzweifeln.
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (15.04.2021)
Wir Menschen sind die Könige in "wenn er weiß, dass sie weiß, dass er weiß, dass sie weiß, dann macht er es bestimmt mit Absicht, damit sie nicht weiß, was er weiß, wenn sie nicht weiß, was er weiß,doch wenn sie es weiß, dass er weiß dann...". Das ist kompliziert. Und es ist anstrengend. Bei Tieren ist es einfacher. Sie wissen - je nach Art und Gattung - zwar zuweilen, dass ich weiß, was sie weiß und sie weiß was ich weiß, doch das ist es schon. Das ist einfach. Und entspannend. Und auch eine bestimmte Weise auch erholsam. Doch die Wahrheit ist: Wir Menschen brauchen beides, um zumindest die Grundlage für das zu haben, was wir "Glücklichsein" nennen.
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Lluviagata
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Veröffentlicht am 14.04.2021. Textlänge: 628 Wörter; dieser Text wurde bereits 86 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.05.2021.
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