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Romeo und Jule ( II )

Kurzgeschichte zum Thema Theater


von klausKuckuck


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«Es war die Nachtigall und nicht die Lerche …»

Die Regieassistentin Jule Hubbes wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Rolle war ein Brocken, an dem hatte sie zu schlucken. Mit aufgeblendeter Taschenlampe war sie langsam auf die Bühne gekommen. Hatte begonnen, die Rolle der Julia durchzuspielen. Regisseur Hümmelich hatte ihr eingeschärft: «Du lernst sämtliche Rollen, vom Bruder Lorenzo bis zur Julia, man kann nie wissen, ob jemand ausfällt, und egal, wer, du übernimmst! Für die Männerrollen gehst du mit der Stimme einfach runter!»
Die nächtliche Stille wirkte beruhigend auf die Regieassis­ten­tin.­ Der Pförtner hatte sie hereingelassen, sie könne ungestört üben, hatte er gesagt, das Haus sei leer. Die Texte hatte Jule alle im Kopf, hatte während der Proben von ihrem Platz aus auch sämtliche Rollen in Gedanken immer schon mitgespielt, und jetzt wollte sie im Originalbühnenbild die Balkon-Szene noch einmal durchprobieren, die der Regisseur in einem Fiat 500 spielen ließ. Und da stand er auch, der Fiat 500. Und davor hockte der Kollege Puffelmuder.
«Puffi, was machst denn du hier?»
«Die Lerche war‘s, die Tagverkünderin …»
«Es war die Nachtigall … was redest du denn da!»
«Was ich rede? Ich rede Shakespeare! Da guck sie dir an: Herrmann Hümmelichs Rostlaube 500! Guck sie dir genau an! Da hinein werde ich mich jetzt setzen und auf den verschlissenen Sitzen allmählich verröcheln!»
«Puffi, was ist denn mit dir los, bist du betrunken?»
«Was mit mir los ist? Ich werde tot sein! Verstehst du? Erstickt! Und morgen Abend, wenn die Rotgelockte hier an dieser Stelle ihre Liebesszene anfangen will, und sie reißt die Autotür auf, na, dann wird sie dem Publikum doch erst einmal erklären müssen, warum ihr da eine Leiche entgegenkommt.»
«Puffi, was redest du für einen Unsinn! Dass es dich so getroffen hat, macht mir Angst. Aber so ist das nun einmal beim Theater, irgendwann bist du aussortiert. Dann gehst du zum Fernsehen oder suchst dir eine Laienspielgruppe, wenn du weiter dabei sein willst. Nicht wahr, ich versteh‘s doch, dass dir erst einmal die Sicherung durchbrennt, das versteh ich. Aber ein Kerl von deinem Format, Puffi, der lässt sich doch nicht unterkriegen! Weißt du was, du gibst mir jetzt Stichworte, wir gehen die Balkonszene einmal durch, wir beide, den Romeo hast du doch früher selbst einmal gespielt, oder? Hast du in der Kantine doch erzählt! Den Text hast du drauf, also machen wir das jetzt, es wird dir gut tun!»
«Ach, Kindchen, du bist ein Schatz. Aber warum denn du? Du und die Julia? Die spielst du doch gar nicht, oder?»
«Nein … ja … nur wenn die Neue … die ……»
«Dieses rot gelockte Hennengehirn?»
«Puffi, das hat sie nicht verdient. Sie strengt sich doch an. Ja, sie wird die Julia spielen. Und nur, wenn sie ausfallen sollte, wäre ich dran. Wenn! Aber sie ist rundum gesund, da ist alles in Ordnung, sie fällt nicht aus.»
«Wenn das so ist – warum willst du dich dann mit einer Rolle herumquälen, die du niemals spielen wirst?»
«Ich muss vorbereitet sein für den Fall dass. Der Chef will es so. Dann müsste ich übernehmen.»
«Aha … ja … für den Fall dass! Aha …»
«Worüber denkst du nach, Puffi?»
«Ich denke, wir sollten die Szene jetzt probieren.»
«Im Dunkeln?»
«Ja. Wir hocken uns auf den Boden und legen los. Tja … und solltest du morgen Abend als Julia … ich meine, solltest du wieder Erwarten zum Einsatz kommen, dann wirst du diesem Esel von Regisseur erklären, dass du nur auf einer leeren Bühne spielst. Versprichst du mir das? Vielleicht ein paar Stühle. Na, und meinetwegen ein paar Goldstreifen, die vom Schnürboden herunterhängen, mehr wirst du ihm nicht zugestehen. Seinen Müll muss er wegräumen! Andernfalls wirst du nicht spielen! Versprichst du mir das?»
«Ach, Puffi, du bist süß, ja, natürlich, ich versprech‘s. Aber dazu wird es doch gar nicht kommen. Fangen wir an? Julia sagt:
Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.»

«Die Lerche war‘s, die Tagverkünderin!
Die Nacht hat ihre Kerzen ausgebrannt,
Der muntre Tag erklimmt die dunstgen Höhn …»

Die Regieassistentin Jule Hubbes kam schon bald aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kaum hatten beide die Balkon-Szene durchgearbeitet, drängte Puffelmuder darauf, weiterzuspielen. Er konnte gar nicht genug bekommen. Sie spielten den Anfang des Stücks, die Fechtszenen auf Veronas Straßen, sie hockten im Dunkeln nebeneinander auf dem Bühnenboden und arbeiteten sich durch die Handlung bis hin zur Sterbeszene im letzten Akt. Puffelmuder – Jule fühlte es – er war als Schauspieler nie so ehrlich und schlicht und überzeugend gewesen, wie er es in dieser Nacht war. Sie spürte, er nahm Abschied vom Theater. Auf eine ganz besondere Weise. Wie nur ein ganz Gro­ßer­ es ­hinbekommen konnte. All sein Gedröhne, mit dem er die Kollegen auf der Bühne manchmal genervt hatte, all die wortverspielten Schnörkeleien, die er sich in den langen Jahren seines Theaterlebens mit Lust geleistet hatte, all das gab es auf einmal nicht mehr. Jule spürte in dieser Nacht eine rätselhafte Nähe zu diesem Schauspieler mit dem unmöglichen Namen Puffelmuder, eine Vertrautheit mit diesem alten Theaterrhinozeros. Indem sie ihm zuhörte, verliebte sie sich in seine Stimme, gewöhnte sich an seinen Atem, spürte seine Hand, mit der er sie gar nicht berührte. In dieser Nacht offenbarte sich der Regieassistentin Jule Hubbes das Geheimnis des Theaters.
Als sich beide am nächsten Morgen am dösenden Pförtner vorbeigeschlichen hatten, nahm Puffelmuder seine junge Kollegin in den Arm. Er sagte: «Ich drück dir die Daumen, Kindchen. Jetzt hab ich noch etwas zu erledigen, und dann leg ich mich schlafen.»

Es war Abend geworden. Wo blieb Happy Henna, die Darstellerin der Julia? Um Punkt 18 Uhr hätte sie in ihrer Garderobe sitzen müssen. Um 19 Uhr war sie noch immer nicht im Theater erschienen.
Um 19.30 Uhr wurde nach der Regieassistentin gerufen, sie sollte einspringen, aber sie weigerte sich. Auf einer Müllhalde wolle sie nicht spielen. Der Regisseur erlitt einen Nervenzusammenbruch. Kam aber rechtzeitig wieder auf die Beine, um auf Jules Wunsch die Bühne leer räumen zu lassen. Ein paar Stühle sollten die Dekoration ersetzen, Jule hatte es so verlangt, ein venezianisch anmutender Goldstreifen flatterte vom Schnürboden herunter. Dann gab Regisseur Hümmelich das Stück zur Improvisation frei, flüchtete sich in ein Stoßgebet, der Vorhang ging hoch – und es wurde ein rauschender Erfolg. Vor allem für Jule Hubbes. Mit ungezählten Bravos wurde sie zur Königin des Abends ausgerufen.
Im Zuschauerraum, in der letzten Reihe, hatte der alte Puffelmuder gesessen. Während sich der Applaus zu immer neuen Bravorufen hochschaukelte, tippte Puffelmuder unbemerkt eine SMS an die örtliche Feuerwehr in sein Handy: «Achtung, rot gelockte Rockröhre im Heizungskeller des Theaters eingeschlossen, kann jetzt befreit werden!»

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von indikatrix (23.04.2021)
Den Traum haben wohl schon einige Theaterleute geträumt....
Liebe Grüße,
Indikatrix
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klausKuckuck meinte dazu am 25.04.2021:
Du hast recht: Ohne das Träumen sind Theaterleute nicht überlebensfähig.
Gruß Klaus

Antwort geändert am 25.04.2021 um 23:24 Uhr
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Kommentar von Mondgold (24.04.2021)
Sehr, sehr gelungen und äußerst charmant. Ein Genuss - Dankeschön!
LG MO
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klausKuckuck antwortete darauf am 25.04.2021:
Dankeschön, Mondgold. Das "charmant" gefällt mir.
Gruß Klaus
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LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (25.04.2021)
Lautauflachender Applaus von mir!

Kommentar geändert am 25.04.2021 um 19:41 Uhr
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klausKuckuck schrieb daraufhin am 25.04.2021:
Das ist doch was, danke!
Gruß Klaus
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