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Seid immer trunken ( 3 )

Kurzgeschichte zum Thema Rausch


von klausKuckuck

«Und ich auch!» wurde gerufen. Büddenpuhl zuckte zusammen. Sah unvermittelt einen Anderen auf sich zukommen. Einen mit einer dicken gelben Nase. Auch ihn erkannte er sofort. Wieder war er es selbst. Er selbst in papageienhafter Aufmachung. – «Du erinnerst dich an mich?» forschte der Gelbe. «Hattest damals den Zirkusclown in dir entdeckt. Wolltest die Welt auf den Kopf stellen, Jan Büddenpuhl, weißt du noch? Hattest mich fix und fertig in deinem Schädel und gedachtest mich am Tag des alljährlichen Familientreffens herauszulassen, erinnerst du dich? Die Familie erschrecken! In Verrücktheiten schwelgen! Damals warst du so etwas wie ein Provokateur im Anfangsstadium! Und Provokateur auf Lebenszeit wolltest du später einmal werden – so jedenfalls hattest du es geplant. Und ich war Teil dieses Planes. Aber dann hast du dich gedrückt! Leider! Ich endete in der Mottenkiste. Tja. Darunter habe ich natürlich gelitten. Bis heute. Und deshalb sage ich es dir unverhohlen ins Gesicht: Du solltest mich endlich herauslassen, du bist es mir schuldig!»
«Und mir erst recht!» – Diese Stimme! – Büddenpuhl lief jäh ein Schauer über den Rücken. Diese einschmeichelnde Stimme! Er erkannte sie sofort. Seine Stimme war es. Sie kam aus einer anderen Zeit. Einer wunderbaren Zeit. Er hatte diese Stimme nie vergessen können. Sie klang noch immer in ihm nach! Und jetzt kam sie auf ihn zu! – «Du weißt, wer du hättest sein können? Damals? Zusammen mit mir? Du erinnerst dich an Rosa Helene?» – Büddenpuhl erinnerte sich sofort. – «Denkst du noch an das Muttermal auf ihrer linken Pobacke? Das wir auf der Liegewiese im Schwimmbad entdeckt hatten? Du und ich? Weißt du noch, was wir ihr damals versprochen haben? Du und ich! Der Liebe unseres Lebens, wie wir sie genannt haben? Wir hätten den Himmel für sie erobern können, wenn du mich damals von der Leine gelassen hättest. Wenn du dich aus deiner Krämerseele herausgeschält hättest, Jan Büddenpuhl, damals in jener Nacht, die auf den Tag im Schwimmbad gefolgt war. Denkst du noch manchmal an jene Nacht mit Mond? Rosa Helene hatte uns hinters Haus gelockt, sie küsste dich, weil du dich zu einem Kuss nicht entschließen konntest. Sie küsste dich ein zweites Mal, sogar herausfordernder – da aber hat deine Krämerseele unvermittelt Alarm geschlagen. Du hast Rosa Helene das Abenteuer verweigert, auf das sie gehofft hatte. Hast gekniffen. Und mir, dem Eroberer in dir, hast du einen Tritt gegeben, Jan Büddenpuhl, wolltest mich und Rosa Helene nicht in dein Leben hineinlassen. Eine Frechheit, findest du nicht? Eine Frechheit dir selbst gegenüber! Und Rosa Helene gegenüber! Hast sie niemals wiedergesehen seit jener Nacht mit Mond, nicht wahr? Sie hat dein Kneifen damals als Demütigung empfunden. Ist dir davongelaufen. Eine Demütigung, die du endlich wiedergutmachen solltest. Das bist du ihr schuldig!»
«Wiedergutmachen solltest!» klang es jetzt wie ein Echo von überallher. «Das bist du uns schuldig!» wurde gerufen.
«Du kannst selbstverständlich hier oben bleiben, Jan Büddenpuhl», war im gleichen Augenblick zu hören, «du kannst bleiben und dir hier oben ein himmlisches Langzeiteckchen einrichten, denn du hast dir den Himmel verdient! Weiß Gott, ja! Dein Erdendasein, wie du es hier vorgetragen hast, taugt nämlich nicht für die Hölle!»
Büddenpuhl überlief es heiß. Wider seinen Willen rieb er sich die Hände. Wie war das? Er durfte bleiben? Durfte sich im Himmel einquartieren? Niemand würde ihn daran hindern? Er hatte sich den Himmel verdient – war ihm das gerade offenbart worden?
Dann aber … dann sah er sie! Sah sie plötzlich alle auf sich zukommen. Der Gerichtssaal war auf einmal voll von ihnen. Und es wurden immer mehr. Alle mit seinem Gesicht. Alle kamen jetzt auf ihn zu. Bedrängten ihn. Stupsten ihn an. Schoben ihn vor sich her. Und sie riefen: «Es ist dein siebzigster Geburtstag, Jan Büddenpuhl! Ein Weilchen könntest du da unten noch herumfuhrwerken, meinst du nicht auch? Könntest einen von uns mit nach unten nehmen, dafür würde deine Zeit noch reichen!» Alle riefen es jetzt. Alle mit seiner Stimme: «Nimm mich mit, Jan Büddenpuhl!»
Und eine Glocke läutete. Das Jenseits ließ wieder die Glocken läuten. Büddenpuhl hätte gern Halleluja gerufen: Glockengeläut zu seinem Einzug in die Ewigkeit, wie feierlich! – «Ich will aber nicht!» rief er. «Ich will nicht mehr nach unten! Ich habe mir den Himmel verdient, verdammtnochmal!»
Und sie schubsten ihn weiter vor sich her und riefen: «Mit einem von uns solltest du es noch einmal versuchen, Jan Büddenpuhl! Egal mit welchem! Such dir einen aus! Den Zirkusclown, wenn du willst! Den Schwimmbadcasanova! Such dir einen aus! Mit ihm zusammen wirst du unten deinen letzten Anlauf machen! So ist es beschlossen! Gerichtsbeschluss! Dein letzter Anlauf! Damit du dich demnächst mit einem verhandelbaren Schicksal hier oben sehen lassen kannst! Die Urteilsverkündung ist vertagt!»
Und Büddenpuhl fiel.
Er schwebte aus dem Gerichtssaal hinaus und fiel.
Hörte die Stimmen, die ihm hinterhertönten, die ihn einzuholen drohten, und er fiel.
«Versuch es mit mir!» rief eine Stimme. «Oder mit mir!» eine andere.
Und Büddenpuhl fiel. Tiefer und tiefer.
«Dein Leben wirst du noch eine Weile aushalten müssen», wurde ihm nachgerufen.
Und wieder läutete es.
Und Büddenpuhl fiel und fiel und schreckte auf, rieb sich die Augen und sah sich um. Er saß auf der Parkbank. Und wieder läutete es. Eine Kuh stand vor ihm. Die Kuh hatte ein Bündel Blumen im Maul. Eine Frau stand neben der Kuh. Die Rothaarige. Sie hielt die Kuh mit beiden Händen an einer Leine. Die Kuh schüttelte sich, und die Glocke um ihren Hals bimmelte. Die Frau lächelte. «Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!» sagte sie. – Büddenpuhl erschrak. Der Schrecken durchfuhr ihn wie ein Blitzschlag. Er wusste auf einmal, wer sie war. «Sie sind …», er hörte den Klang seiner Stimme, «Sie sind? … Du bist es? … Woher kommst du?» – Die Frau lächelte. – «Setz dich doch zu mir, Rosa Helene, alles wird gut, wir starten das Leben noch einmal von vorn, so ist es im Himmel beschlossen, wir beide können noch die ganze Welt erobern!» – Die Frau lächelte. Und sie band die Kuh an der Parkbank fest. Setzte sich neben Büddenpuhl. Dann hielt sie eine Cognacflasche hoch und sagte: «Den letzten Schluck aus deiner Flasche hab ich schon mal auf unsere Gesundheit gekippt! Aber, wie du siehst: Für Nachschub aus dem Supermarkt ist gesorgt!»

 
 

Kommentare zu diesem Text


IngeWrobel
Kommentar von IngeWrobel (02.05.2021)
Ein versöhnliches Ende - wie schön!
Die Unterlassungssünden schmerzen am meisten, so meine Erfahrung, und um das zu kompensieren, schreibe ich.
Einen schönen Sonntag Dir!
Inge : )
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klausKuckuck meinte dazu am 02.05.2021:
Die Unterlassungssünsden, oh ja! Bei Wilhelm Busch finden sich dazu die Zeilen:
Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
Der von vergangnen Zeiten träumt,
An die Gelegenheit zum Laster,
Die er versäumt.
Danke für den Kommentar und Gruß,
Klaus.
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IngeWrobel antwortete darauf am 03.05.2021:
Ach wie schön, dass Du Wilhelm Busch zitierst!
Er war der Altmeister für mich - noch vor Morgenstern, Ringelnatz, Tucholsky & Co. zeigte er Humor mit Tiefe in gereimter, knapper Form. Ein nie erreichbares Vorbild.
Danke - und Grüßle in die Nacht!
Inge
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LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (02.05.2021)
Ein Ende, wie es der Titel verspricht.

Sonnentrunkene Grüße ;)

Lotta
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klausKuckuck schrieb daraufhin am 02.05.2021:
Das ist mir gerade wieder bewusst geworden: Der Titel einer Erzählung ist ein Versprechen.
Schön, Lotta, dass du durchgehalten hast. Die Veröffentlichung war für mich formal auch ein Test: Was kann ich dem Forum an Textmenge zumuten?
Gruß Klaus
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