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1 -2 -3

Text


von Willibald

(1)
Ein Lufthansa-Pilot, ein einäugiger griechischer Rotschopf und eine  graue Katze  betreten eine Bar.
Der Barkeeper sagt: "Was soll  das werden? Ein Witz?"

(2)
Graeculus, Willibald und Bluebird  sind auf einer touristisch-religionsgeschichtlichen Exkursion („Studiosus“) in Jerusalem an der Klagemauer angekommen. Die Reiseführerin, eine lebhafte, emeritierte Professorin, erzählt, dass ein älterer jüdischer Mann sieben  Jahre lang jeden Tag an der Klagemauer gebetet habe. CBS hat eine Reporterin vor Ort, die eine  interessante Geschichte vermutet, also geht sie zur Mauer und dem  alten Mann. 'Wofür beten Sie?', fragt sie. Er antwortet: 'Ich bete, dass die Juden, die Muslime und die Christen eines Tages in Frieden leben und unsere Kinder gemeinsam in Sicherheit aufwachsen können.' Die Reporterin hakt nach: 'Wie fühlen Sie sich nach sieben  Jahren?' Der alte Mann sagt: 'Als ob  ich mit einer Wand  spräche.'

Die Reisegesellschaft, auch alles Akademiker, schweigt. Dann aber nimmt Graeculus das Wort: „Warum“,  sagt er, „dieser Konjunktiv mit ‚spräche‘ und dem ‚als ob‘? Er spricht ja wirklich mit einer Wand. Und er ahnt oder weiß  inzwischen jedenfalls, dass ....“

Willibald unterbricht ihn, weil ihn zeit seines Lebens das Konjunktivproblem interessiert hat. „Hör mal“, sagt also Willibald, „Du willst darauf hinaus, dass der fromme Greis wirklich nur mit einer Wand spricht und dass von Gott, wenn es ihn denn gibt, keinerlei Bitten erhört werden. Darüber zu diskutieren scheint mir sinnarm. Wohl aber dürfte es interessant sein, dass der Konjunktiv gar nicht unbedingt einen irrealen Fall signalisiert. Wenn ich sage, dass Bluebird so aussieht, als ob er gleich etwas sagte - äh ... doch besser - sagen würde, dann ist es gar nicht ausgeschlossen, dass er gleich wirklich etwas sagt …“

„Ja, ist schon gut", sagt  Bluebird, „natürlich gibt es Gebetserhörungen und Wunder. Ich war einmal mit meinem Freund Jürgen in einem Auto unterwegs, einem Agnostiker oder gar Atheisten, wir wollten den Schlosspark besuchen, konnten aber bei diesem entsetzlichen Regen nicht aussteigen.

Ich konzentrierte mich für einige Sekunden lang und dann begann ich laut zu beten: ‚HERR, du siehst, dass Jürgen und ich einen Spaziergang im Schlossgarten machen wollen. Für dich ist es ein Leichtes, den Regen zu stoppen und uns besseres Wetter zu schenken. Und genau um dieses Wunder möchte ich dich jetzt - auch als ein Zeichen für Jürgen - bitten. Amen!‘ Und in diesem Moment sah ich etwas, was mir geradezu den Atem verschlug: Mit meinem Finger zeigte ich in Richtung des Himmels, meinen Augen kaum trauend. Über dem Park, und nur über ihm, war die dunkle Wolkendecke aufge…“
„Halt“, sagt  Graeculus, „ich erzähle jetzt auch eine wunderbare Geschichte, dann rundet sich das hier alles besser."

(3)
René Descartes, das ist der  mit  dem  cogito ergo sum , also dem Ich denke, folglich  bin ich, saß in einer Bar und trank ein Bier, nachdenklich, versteht sich. Als er fertig war, fragte der Barkeeper, ob er noch eins wolle.
Descartes sagte: ‚Ich denke nicht‘, und verschwand schlagartig aus dem Blickfeld.. (Logisch.)

In diesem Augenblick sah Willibald die graue Katze aus (1), sie schritt  sanft weißpfotig durch ein Zeit-Raum-Loch. Von rechts nach links.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (08.05.2021)
Schön, sehr schön - obgleich ich darin vorkomme.
Und ja, der Konjunktiv: "... als ob ich mit einer Wand spräche."

An die Vorstellung, mit Bluebird nach Jerusalem zu reisen, müßte ich mich noch gewöhnen.
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Willibald meinte dazu am 08.05.2021:
Salute, Graeculus,

ja, das mit dem Konjunktiv II und der "würde-Form", das ist im Text ein wenig mitbedacht, vgl.

"Wenn ich sage, dass Bluebird so aussieht, als ob er gleich etwas sagte - äh ,doch besser - sagen würde, dann ist es gar nicht ausgeschlossen, dass …“

gratias für deine wohlwollende Anmerkung.

ww
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AchterZwerg antwortete darauf am 09.05.2021:
@ Graeculus:

Denk einfach an das beliebte Kinderspiel "Die Reise nach Jerusalem"; darin finden nicht alle Platz.

Antwort geändert am 09.05.2021 um 18:03 Uhr
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Willibald schrieb daraufhin am 09.05.2021:
Höre, Graeculus, hochgeschätzter Philologe,

auf der Reise nach Jerusalem verfransen wir uns in einem Gespräch über den Konjunktiv:
a) würde-Formen sind inzwischen akzeptiert als Ersatz für hochsprachlichen Konjunktiv I!, wer sagt schon heute noch, " ich empföhle Dir...
b) die Klagemauer steht metonymisch für Gebet und Gebetserhörung. Ausserdem hat sie hier kontextuell eine Beziehung zur Redensart "auf jemanden wie auf eine Wand einreden", also so etwas, wie "keinerlei Antwort kriegen".
c) Eine Konstruktion mit "als ob + Konjunktiv II" muss nicht unbedingt ein irrealer Vergleich sein. Es kann sich auch um eine plausible Vermutung handeln: "er ist knallrot im Gesicht, als ob er sich sehr ärgern würde".
d) liest man die Greisenantwort als von ihm, dem Greis, naiv gemeint, dann sagt er wohl nur, dass er sieben Jahre lang betet, aber die Hoffnung nicht aufgegeben hat.
e) Ein aufmerksamer Leser findet eine nichtnaive Lesart: Es gibt keine Reaktion von Gott, die Gebetsmetonymie hat ihre Geltung verloren es geht um die Nutzlosigkeit von Gottesanrufen. Da ist nur eine Wand.
f) ob ich nun den Konjuntiv II als Irrealis (a)oder als plausible Vermutung (b) lese: das Gottvertrauen ist auf jeden Fall geschwächt. Denn es gilt: Es ist (b) vermutlich (nur) eine Mauer. Es ist in Wirklichkeit keine (a) (Gebets)Mauer.
g) Bei solchen Diskussionen ist dir vielleicht Bluebird als Alternative gar nicht ein unlieber Reiseteilnehmer, weil Willibald lästig wird? Oder Bluebird ist an den Rand gerückt und stellt sich perennierend nicht der Aussage "Theologen beben oft vor Optimismus. Warum eigentlich?"
vale
ww

Antwort geändert am 10.05.2021 um 08:36 Uhr
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (10.05.2021)
Bildwärts macht es sich der junge Willibald bequem - und liest.
Was sollte er auch sonst tun (die Fertigkeit des Umblätterns ist ihm gleichsam in die Wiege gelegt worden)?
Er liest also, indes draußen das Leben tobt, ein strammer Spürhund das Ei des Kolumbus erschnüffelt und dem Licht am Ende des Tunnels folgt, Hierfür haben ihm die Götter eine extra breite Regenbogenautobahn angelegt. Nicht ganz in Deutschlandfarben - aber immerhin.
Der gealterte W. schäut diesem Treiben mäßig interessiert zu: "Das soll ich sein?" fragt er sich, zumal das Buch noch immer das Gleiche ist, eines der Heiligen Schriften.

Kurzfassung: Gutes Bild, guter Text.
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Willibald äußerte darauf am 10.05.2021:
Hach, gleich noch ein Snoopy, möge er Dir wieder munden.



vale und gratias
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