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Reportage zum Thema Gewalt


von pentz

1 Ein Chefarzt wartet nicht gerne

Der Chefarzt wartet Freitag um 16 Uhr auf einen Patienten. Er wird unruhig. Er muss noch zu einer Art Notversorgung zum Rot-Kreuz-Zentrum, wo ein Schwall Flüchtlinge in Notquartiere untergebracht und zuvor ärztlich versorgt werden muß. Samstag sehr früh muss er aus dem Bett, weil eine Familienfeier bei seinem älteren Bruder angesagt ist, der Motorentriebwerke herstellt, die in Kriegsgebiete geliefert werden. Werden sie dazu verwendet, damit Einheimische in Drittländer flüchten müssen? Davon wird er heute einige verarzten müssen. Diese jungen Flüchtlinge wird man versuchen, in den Arbeitsprozess oder zu Ausbildungen zu drängen, die sie zur Herstellung von Motortriebwerden befähigt, mit dem Länder beliefert werden, die Kriege machen und Bevölkerungsteile zu Flüchtlingen. Einige Flüchtlinge hier werden es schaffen und sich halten können, indem sie sich erfolgreich an eine Einheimische heranmachen, sie anbaggern, schwängern und heiraten. Dann sind sie im deutschen System drinnen. Daraufhin kann kommen, was das wolle, sie haben es geschafft. Auch wenn sie nur einen weniger qualifizierten Job bekommen, Hauptsache Teil des deutschen Volkes sein, auf alles andere ist letztlich geschissen, auch auf gute Ausbildung, Integration und Bildung. Wie hieß doch dieses Zitat von Thomas Bernhard: "Demokratie und Pluralismus ist auch nur ein Spiel für diejenigen, die es am besten spielen!"
Er denkt dabei an die 1000 Euro, die er noch aus seiner kleinen Suite holen muss, bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. Es ist das Mietgeld des großen Elternhauses, die jüngst verstorben war. Von dem Griechen, der als Restaurantbesitzer an dieses Geld schwarz herkam und es ihm wieder heimlich und versteckt zusteckte. Nichts lief über Kontobewegungen, nur den gern in Kauf genommenen Umstand und Aufwand hatte er, dass er als einmal im Monat persönlich vorbeischauen musste. Dies hat er bereits am Montag getan, als die Woche begann und er hierher ins Krankenhaus fuhr, wo er eine kleine Suite besaß, in dem unter der Woche schlafen konnte, um nicht jeden Tag nach Hause zu fahren. Dies zu tun, war zwar kein großes Ding, keine 70 Kilometer Strecke nämlich, aber manchmal türmte sich die Arbeit so an, daß es besser war, gleich im Krankenhaus zu schlafen. Zudem bot es die Gelegenheit, persönlichen Dinge in einen extra Raum ablegen zu können. Wegen der beengten Schlafmöglichkeit des kleinen Appartements hatte es leider nur Platz für eine Person, so dass er leider nicht seine Freundin dorthin einladen konnte. War auch zu gefährlich, zu viele Bekannten frequentierten den Flur dieses Privattraktes.
Seine Gedanken kamen wieder auf die Flüchtlinge zurück.
Junge Flüchtlinge haben trotzdem noch so etwas wie eine Zukunft, denkt er, derjenige aber, auf den er wartet, keine. Rentner, vor kurzem, Herzprobleme bekommen, würde einige Zeit einen idealen Körper darbieten, mit dem man neue medizinische Prothesen erproben kann oder Glieder, Organe oder Geschwülste entfernen mit Operationen, die von den Krankenkassen gut bezahlt werden. Als Chirurg hatte man schon ein gutes Einkommen, so daß er nahezu so wohlhabend leben kann wie sein älterer Bruder, der versteckte Waffen schmiedete. Ja, auf ihre Familie konnten sie stolz sein, alle hatten es zu etwas gebracht, erreicht und stellten etwas dar: die ganze Mischpoke war in dieser Region bestens verwurzelt, sprich der Clan überall seine Kraken in Landratsämter, Stadtverwaltung und bis zum Bezirk hinauf. Hoch hinaus hatten sie es zwar nicht geschafft, will heißen keine Diplomaten, keine herausragenden Forscher oder Politiker, von Kunst und Literatur ganz zu schweigen - aber alle waren ziemlich wohlhabend geworden, reich, so daß es locker und leicht zu zweimal im Jahr Skiurlaube in der Schweiz und einen Flug auf tropische Inseln reichte, neben Mercedes- und BMW-Auto als Fahrzeuge für alle Erwachsenen; zu silbernem Tagesgeschirr; zu abgelegene, helle weitläufige Wohnungen mit Gärten, die imponierend waren. Bodenständig, wohlhabend, konservativ, traditionell, geachtet und einen guten Namen - was will man mehr?
Sein Blick fällt auf den Schreibtisch, auf dem ein silbern eingerahmtes Familienbild stand. Seine lächelnde attraktive Frau, umarmend ihre zwei zufrieden dreinschauenden Kinder, einen Jungen, ein älteres Mädchen, die perfekte Mischung eben. Daneben, auf den Hinterbeinen sitzend, Bluffy, der goldene Labrador und im Hintergrund, gepunktet von verschwommenen Farbkleckser der Frühlingsflora, ist leuchtend helle Tageswärme zu spüren.

Er überlegte einen Moment, ob er seine Krankenschwester, wie er sie nannte, anrufen solle. Sicherlich, sie war an sich von Beruf Krankenschwester, aber für ihn insofern, als er mit ihr nach Belieben Sex haben konnte.
Er fixierte sein Konterfeit in der sich spiegelnder Fensterscheibe. Die Haare standen wieder ab. Er drückte sie sich an die Halbglatze und sofort wieder ragten sie widerspenstig weg. Zeit und Zeichen, zum Frisör zu gehen. Lieber kurzgeschoren und platt als Geheimratsecken vertuschen zu wollen. Er seufzte und dachte daran, daß er am Wochenende würde keine Gelegenheit finden, privat einen Friseurtermin auszumachen – Mist!
Kurierte ihn dieser außereheliche Sex von seinem Unwohlsein, seinen Alltagsverspannungen, vom beruflichen Stress, zudem vom Zukurzkommen im ehelichen Bett, kurzum hatte Sex überhaupt diesen ihm nachgesagten seelisch-körperlichen Befreiungseffekt?
Fragen, die er sich selten stellte und jetzt gleich gar nicht.
Er hatte sie auf ihrem Privathandy anzurufen, und wenn er ihren Dienstplan richtig im Kopf hatte, müßte sie frei und genügend Zeit haben, bis er sich auf den Weg zu seiner Familie machen müßte. Es würde nicht allzu eng werden.
Er wählte ihre Nummer und griff sich an seinen Bauchansatz, nur ein schwabbliger Ansatz glücklicherweise, aber dennoch bedrohlich. Er schaute auf und im Fensterspiegel fiel sein Blick auf die untere Gesichtshälfte mit Ansatz Doppelkinn - es wird Zeit, sich wieder fit zu machen und am Wochenende mit dem Familybesuch das ländliche Umfeld zu nutzen, was hieß keine harten betonierten Wege, sondern natürlicher Boden, um zu jumpen, um einige Kilometer joggingmäßig abzurobben, um sich wieder fit zu machen...
Zudem ein bißchen Sex bräuchte es auch. Zu einem Quickie im scheibengetönten  Mercedes Benz am großen Klinik-Parkplatz nahe dem angrenzendem Wald. Wenngleich das mit ziemlichen Umständen, einer gewissen Hektik und Druck verbunden war , die er eigentlich nicht gebrauchen konnte.
Es ließ es nur einmal klingeln. Dann legte er wieder auf. Für sie war es das Zeichen, zurückzurufen. Sie wollte nicht, daß er sie am Handy abpasste, so daß sie ihn bei Anruf unvorsichtig mit seinem Namen ansprach in Gegenwart anderer Personen. Lieber in einer freien Minute in einem stillen Eckchen ihn anrufen.
Das war schon ein Gehuddle und Gebaggere gewesen, bis er diese Jungfrau herumgekriegt hatte. Hatte die sich vielleicht etwas gewehrt, von wegen sie habe in ihrer Ausbildung dazu hinreißen lassen, vor den anderen Krankenschwestern hoch und heilig zu schwören, sich niemals in ein Techtelmechtel mit einem Arzt einzulassen. Verschämte Ausbeuter-Romantik oder was? Davon konnte man nicht sprechen, schließlich hatten beide etwas davon, nicht wahr?
Monatelang hatten sie gemeinsam auf Intensivstation gearbeitet, wo er ist ihr immer wieder unmissverständlich nahe gekommen ist, was ihr nichts auszumachen schien, ja selbst als er sie eindeutig an ihrem Busen betatschte, tat sie so, als ob es nebensächlich, oberflächlich, nichtssagend wäre. Sie machte ganz einfach weiter mit ihrer Arbeit, als sei nichts geschehen. Er kapierte, daß dies tatsächlich für sie nichts bedeutete. So unempfindlich war sie. Unvorstellbar. Eine nicht leicht erregbare Frau, die nicht leicht zu befriedigen wäre, vermutete er und war gespannt, ob dies zuträfe. Tat es auch.
Der ausschlaggebende Moment war wahrscheinlich der gewesen, als sie beide sich in einer Situation befanden, die ihnen nahe gegangen war. Ein Patient starb, um dessen Leben sie so lange auf der Intensivstation gekämpft hatten. Das hatte sie einander in die Arme getrieben. Er, sie, alle Beteiligten waren so verzweifelt, und dann gab sie nach, denn er lauerte ständig, und so warf sie sich aus schierer Verzweiflung über die Endlichkeit dieses Erdenlebens in seine Arme.
Das Telefon klingelt.
Schwer definitiv zu sagen, wahrscheinlich aber war dies ihr Beweggrund gewesen, schließlich ihr Zaudern, ihren Widerstand, ihre Sprödigkeit aufzugeben.
Er hob den Hörer auf.
Sie war es. In einer halben Stunde am Parkplatz. Wenn man an den Teufel denkt... Wunderbar! Es passte ihm wunderbar. Aber halt, keine zu große Überschwänglichkeit, sie nicht als Geliebte sehen und einstufen, nein, dies darf nicht geschehen, sondern vielleicht eher als Ärztin, die ihm mit ihrem Zum-Willen-Sein  Pillen verschrieb, welche Leiden heilte...
Ursache nicht im geringsten hinterfragt!
So sah es aus!
Sie war ihm Arzt, die ihn wahrscheinlich vom Leiden mangelnder Sexualität heilte. Denn hätte er genügend, bräuchte er sie gar nicht. Oder sie war ihm Abwechslung im monotonen Leben?
Fragen, die er sich nicht stellte.
Doch er war froh, zufrieden und auch ein bißchen dankbar, daß er mit ihr guten Sex praktizieren konnte. Dankbar wie ein Patient seinem Arzt, mehr nicht. Wobei er wohl auch für sie so etwas wie ein Arzt war. Bestimmt mehr nicht. Obzwar schwer vorstellbar, da man ihre Art der Befriedigung nun nicht am Körperlichen, an Vagina und Orgasmus festmachen konnte. Diente sie ihm nur zu seiner Sexualbefriedigung? Wohl kaum. Jedenfalls nicht in dieser Ausschließlichkeit. Oder traf zu, was bei manchen Menschen, wenn auch selten zutraf, daß sie zufrieden sind, wenn sie andere zufrieden stellen können? Wie ungehemmt aber und direkt sie zum Blow-Job überging ohne Aufforderung, ja selbst andere Dinge, die er nicht einmal gewagt hätte, mit seiner Frau zu machen, ließ sie mit sich geschehen - das war schon außergewöhnlich. Ungewöhnlich. Nicht scharf, nicht geil, nicht pervers, sondern – etwas besonderes. Vielleicht auch wieder nicht so unnormal, wie man denkt, es gibt wohl Massen Menschen, die sich begegnen, nur um Sex zu machen. Alle Arten von Sex. Eigentlich war es nichts besonders, so gesehen, so gesehen, wenn zwei sich treffen einzig wegen des Sex. Da braucht man Stimulation, Fortschritt, Abwechslung, um den Begegnungen „Leben“ einzuhauchen.
Oder „unglaublich“ war es doch.
Dachte er an die Steifheit seiner Ehefrau. Niemals anders war es bei der gewesen. Außer Missionarsstellung - nichts. 'Das war auf Dauer höchst unzufriedenstellend.' Nicht, sich deswegen Schuldgefühle zu leisten, aber es erschien ihm als Fügung des Schicksals, daß er auf diese Krankenschwester getroffen war. Nichts besseres war ihm seit Jahren passiert.
Es klopfte an seiner Tür. Der Patient. Prima, lief doch alles wie am Schnürchen: nach dem Patienten den Quickie, nach dem Quickie das RKI-Zentrum, nach den Flüchtlingen Flucht aufs Land – alles nur eine Frage der Organisation!

© werner pentz

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (11.05.2021)
Ein Text, der der programmatischen Überschrift entspricht.
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pentz meinte dazu am 11.05.2021:
danke lieber ekkehartmittelberg,

nachdem ich herausgefunden habe, daß du lehrer bist, muß ich deinen kommentar so werten: das thema wurde nicht verfehlt.

naja, das ist ja auch immerhin etwas, denke ich mir.

lb grüße
werner

Antwort geändert am 11.05.2021 um 20:41 Uhr
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