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Der ultimative Heimatkrimi - Roman einer Erpressung II.

Protokoll zum Thema Gewalt


von pentz

2. Wenn man sich allzu sicher fühlt...

Er machte sich die Mühe, seinen großen Mercedes-Benz-Cabriolet in die äußerste Linke Ecke des Parkplatzes zu fahren. Dort war dicht dran der Wald, in dem man den Parkplatz hineingeschoben und -gebaut hatte. Der Blick auf den etwa 200 Meter entfernten Wiesengrund ging von hier ungehindert durch etliche Lichtungen, besser Lücken, da es sich um künstliche Räume handelte, die  entweder durch abgestorbene oder durch abgehauene Bäume für neue zu bebauende Flächen hervorgerufen worden waren. Am Fuße des Hügels, auf dem sich der Wald oder das, was davon  übriggeblieben war, hinaufzog, befand sich eine Bahnlinie, deren romantische Geräusche bis hierherauf zu hören waren. Leider gingen die Geräusche mit den immer schneller werdenden Zügen mittlerweile nahezu in Knalls und tosendem Lärm über. Wahrscheinlich hat es so am Ende des Zweiten Weltkrieges hier ausgesehen und es sich so angehört, als sich hierher immer wieder ein paar Bomben verirrt hatten.
Während er etwas warten musste, nur ein-, zwei Minuten, kam ihm das, was ihn am Unverständlichsten an der Krankenschwester ankam, ins Gedächtnis. Ihre Straightness, Starre, ihre Ziellinig- und Zielstrebigkeit, ihr Ohne-Wenn-und-Aber, ihre Bäuerlichkeit.
Wenig wußte er über sie, war doch nur karg ihre Red- und Gesprächsseligkeit.
"Man hat sich nicht viel um mich gekümmert. Während meine Eltern den ganzen Tag auf dem Feld ackerten, mußte ich mit Puppen, Hasen, Hunden und Katzen spielen. Meine Kindheit ist eine einzige leere Zeit gewesen."
Genauso verhielt sie sich, ohne zu fragen nach Sinn und Zweck ihres Handelns, ihrer beiden Situation zu hinterfragen, auf ihr Verhältnis miteinander zu kommen, auch wenn sie seit mittlerweile zwei Jahren regelmäßig miteinander schlafen mochten, oder sollte man besser sagen „Sex hatten“. Sex – das war kein Thema, nur ein Fakt.
Soviel Geradlinigkeit konnte er manchmal nicht fassen. Oft fürchtete er, daß sie ihn vielleicht, wie das viele Geliebte von Ehemännern forderten, eines Tages dazu drängen würde, an ehelicher Scheidung zu denken oder so etwas in dieser Richtung.
Nicht ein Wort.
Seitdem er sie herumgekriegt hatte, wurde ein Minimum, wirklich ein absolutes Minimum an Worten, Sätzen, Gedanken zwischen ihnen ausgetauscht. Allenfalls mal auf ein Vorkommnis aus dem Krankenhaus kamen sie zu sprechen, aber da mußte schon etwas sehr Außergewöhnliches passiert sein, sonst nichts. Absolut nichts.
Es lief meist so ab wie jetzt kommen würde...
Er beobachtete sie fasziniert im Rückspiegel, wie sie gerade straight vom Krankenhausgebäude aus auf den Wagen zukam. Weder schaute sie nach links noch rechts.
Was wußte er eigentlich über ihr Privatleben, ihren sozialen Hintergrund, ihre Hobbys? Sie nähte gerne, machte daraus ein Nebengeschäft, tingelte auf Künstlermärkten oder heimischen Kunstmärkten herum, um ihre selbstgenähten Mützen, Fliegen und Weiß-der-Himmel-welchen-Krusch-und-Krempel noch zu verscherbeln. Die Arbeit als Krankenschwester genügte ihr nicht, oder das Gehalt davon. Soviel er wußte oder vermutete versorgte sie zudem noch Privatpatienten mit Diabeteserkrankungen, worauf sie sich weitergebildet und spezialisiert hatte. Daneben machte sie noch Seminare in Arztpraxen.
Aber eigentlich interessierte ihn dies nicht weiter.
Ein wahres Arbeitstier! Einfach eine Bäuerin! Wenn er an sie dachte, dachte er nur in diesem Bezug und in dieser Hinsicht. Beinahe als ob er an ein Tier dachte. Eine Existenz, die man nicht verstand, die aber so war, wie sie war, auch wenn es nicht wahr sein konnte.
Aber wozu arbeitete sie derart viel?
Wenn nicht für Kinder, Mann und Familie, die sie nicht besaß? Er kam letztlich nicht hinter das Geheimnis dieser Frau. Aber das spielte ohnehin keine Rolle. Denn er mußte dies ja auch nicht. Wozu? Völlig überflüssig. Weiß Gott, er hatte genug Sorgen um den Hals! !
"Wo fahren wir hin?", fragte er. Ein Scherz. Sie reagierte mit keinem Wort, keinen Muckser, keiner Miene darauf. Sie machte nicht viel Federlesens, sogar noch außer Atem, öffnete sie ihm den Reissverschluß der Hose und beugte sich darüber. Er stand auch schon bereit. Als operiere sie gerade am offenen Herzen, welches pulsierend auf und ab und ab wippte. Sie stülpte den Mund über seinen Pickel und er sah, wie er ein Endoskop in den Mund eines Patienten führte, jetzt saugte sie schon und pumpte, was das Zeug hielt, und er fuhr mit dem langen Schlauch durch die Windungen des Körpers, bedächtig, rücksichtsvoll, aber zielgerichtet, während er seinen Kopf gegen die Rückenstütze des Autositzes beugte und sich entspannte, wie man sich nur entspannen konnte. Die ersten Handstreiche waren die anstrengendsten. Steckte man erst einmal drinnen, war es nur noch ein Kinderspiel, wenigstens keine aufregende Sache mehr, wie heißt das banale, wahre Wort: aller Anfang ist schwer!
Im Gegensatz dazu schien für sie nichts in der Hinsicht Sex schwer zu sein. Fast selbstverständlich, mindestens so wie Essen, Trinken, Schlafen.
Die Welt draußen war durch die getönten Scheiben in einer olivfarbenen Dämmerlicht getaucht, zumal jetzt auch der Tag zur Neige ging und die Dämmerung sich ausbreitete. Da sie sich inmitten es Kiefernwaldes befanden, in dem dieser Parkplatz hinein geschrammt worden war und die Bäume und das Unterholz mehr Feuchtigkeit absonderten als in anderen Regionen, zumal im Stadtinnern, war die Luft mehr diesig und milchig als durchsichtig. Scheiß drauf, der Blow-Job machte alles wett, selbst, daß heute schon wieder ein Tag zur Neige ging.
Noch immer ruhte sein Kopf hingebungsvoll mit geschlossenen Augen auf der Sitzstütze. Weiße Blitze erhellten das Dunkel vor seinen Augen, schob es aber, wenn überhaupt einen Funken Gedanken verschwendet, seinem fulminanten Orgasmus zu.
Plötzlich öffnete sich langsam das Verdeck des Capriolets. Sie mußte versehentlich an den Schalter gekommen sein. Aus dem tiefen Höhepunkts-Dunkel, den rot-dunklen Hintergrund, erklang das Geräusch des langsamen Öffnens des Verdecks. Egal, sollte es aufgehen, man konnte mit Zuschauern kaum rechnen zu dieser Tageszeit. Das war der eine Grund, nicht zu handeln, der andere, es musste ohnehin abgewartet werden, bis das Verdeck richtig offen stand, bevor es wieder zugefahren werden konnte. So rührte er sich nicht, unterbrach nicht die Bearbeitung seines Penis, was ihm wohl sowieso kaum möglich gewesen wäre, da er sich just in verzückten Zuckungen des Höhepunktes wand..
Aber er hatte sich getäuscht. Es wurde ihm erst später bewußt, daß diese weißen Blitze keine Begleiterscheinungen des Sex gewesen waren. Auch hinsichtlich, und damit löste sich das Rätsel mit den Blitzen auf, von Leuten war er im Irrtum: es standen Personen neben dem Wagen. Einer hielt eine rotblinkenden Kamera über das Innere des Wagen. So von oben herab in die Fahrgastzelle des Capriolet unverhohlen zu klotzen, Filmaufnahmen zu machen und mit dreckigen Lächeln, ja fast Lachen diese intime Szene zu entweihen, zu entwürdigen, zu pervertieren, war jenseits jeglicher normaler Vorstellungskraft. Aber verdammt, wildfremde Leute grinsten ungeniert und statt distanziert Abstand zu nehmen, freuten sich wie die Weihnachtsmänner über sie, den Mann, dem sein Penis aus dem Hosenlatz stand, der Frau, die noch gekrümmt und gebeugt darüber verharrte.
Die beiden haben nicht geplant, was sie hier machten, ein Liebespaar bei ihrem Treiben zu filmen. Es hat sich so ergeben. Sie haben sich nicht einmal an die beiden herangeschlichen. Sie waren hier die Wege entlanggeschlendert, nachdem sie sich vorher zu Hause vollgepumpt hatten. Die in der zwielichtigen Dämmerung besonders düsteren und verschlungenen Waldwegchen hatten sie verhüllt, niemand hatte sie gesehen und niemand war in begegnet. Sie fühlten sich von daher unbeobachtet und wie allein auf der Welt und als sie an den abseits stehenden Wagen vorbeikamen, etwas darin sich bewegen sahen, war es ganz natürlich, hier mal ein bisschen voyeuristische Zaungäste zu spielen. Der Blonde hatte die Situation als erster erfasst, schnell seinen Camcorder gezückt und in das Auto hineingefilmt und gezoomt. Daß dann das Verdeck plötzlich aufgegangen ist, wer hätte das ahnen können. War es vorher bloß ein harmloses Spaß und spießbürgerliches Vergnügen gewesen, änderte sich damit natürlich die Voraussetzung und es wurde schlagartig zu einem ersten Spiel. Jemanden bei einer solchen Sache, beim Geschlechtsverkehr zwei Personen, wie sie so blank, unverhüllt und offen nackt beobachtet wurde, bedeutete nachgerade einen erheblichen Eingriff in die Würde dieser. Daran änderte auch nichts der Umstand, daß es nicht schicklich war, so etwas in der Öffentlichkeit, wenn auch halbprivat, wie so ein geschlossen Wagen als Privatraum zu bewerten ist, zu tun. Als nun aber die Schranken aufgehen und der Vorhang fällt, wird es mit einem Schlag todernst. Aus Zufall, Nicht-Planung und Es-hat-sich-so-ergeben eröffnet sich für die beiden eine Perspektive, mit unabsehbaren schlimmen Konsequenzen für alle Beteiligte.
Als ob es hätte so kommen müssen, wie es kam.

"Schaut'der mal die an. Was treiben die da?" Der das sagte, auf schwankenden Beinen stehend, deutete mit seinem Finger in obszöner Weise direkt auf die beiden. Der Mann davon hebt jetzt hastig den Schoß nach oben, um seinen Reißverschluss zuzubekommen. Seine Gespielin nimmt ein Taschentuch und reibt sich hastig den schleimigen Mund ab.
Die Spanner biegen sich vor Lachen. Raue Kerle. Einer ist blond, hat dünne strähnige Haare, die ihm ungekämmt in Stirn und Gesicht hängen. Der andere ist ein stark bärtiger, schwarzer Typ, dessen dunkle Dreitagebart sein ganzes Gesicht überzieht. Er macht weniger offensichtliche amüsierte Bewegungen wie sein Partner, scheint zudem weniger angetörnt zu sein, vermittelt dafür eben einen düsteren, gefährlicheren Eindruck. Er scheint abzuwarten, lauerte einen Meter weiter hinter dem Blonden. Er steht dabei im Grenzbereich zwischen Beleuchtung von Camcorder und Düsternis des Waldes. Der Blonde im Vordergrund zieht immerfort an einer Zigarette im Mundwinkel.
Vielleicht Drogenabhängige? Hier in diesem Krankenhaus, einem Bezirkskrankenhaus, gab es auch eine Abteilung für Drogenentzug und Rehabilitation. Hatten die Ausgang? Wenn nicht und sie waren stiften gegangen, weil sie vielleicht die Belastungen des Drogenentzugs hatten aushalten können, konnte es noch sehr unangenehm werden. Die fühlen sich jetzt womöglich in einer Sackgasse. Von einer Behörde, Drogenberatungsstelle, zum Entzug hierher eingewiesen worden, brachen sie diesen ab und weil sie Repressalien erwarten mussten, griffen sie zu ungesetzlichen Mitteln. Raubten vielleicht Passanten mal schnell aus.
Unwillkürlich dachte der Arzt an seine 1000 Euro, die er im Geldbeutel in seiner vorderen Jeanstasche hatte und griff reflexartig danach. Das hätte er nicht tun sollen! Das war unvorsichtig, gedankenlos, leichtsinnig. Er lockte damit Geister, die er nicht mehr los bekam.
Tatsächlich, der blonde, wie ein Hund, der sofort reagiert, wenn sein Gegenüber Angst hat, schien es zu merken, verzog die Nase als nähme er Koks und seine Lider schienen zu zucken. Dieser hatte wohl den Richter eines Illegalen für die die Unsicherheiten seines  Gegenübers, da er oft genug in Situationen gesteckt hatte, wo es um die Wurst ging, wo jede falsche Bewegung das Todesurteil bedeuten konnte und von daher jede geringfügige Gestik und Mimik argwöhnisch taxiert werden mußte. Was macht der hier, woran ist man mit ihm, inwieweit darf man den anderen trauen? Passte man nicht auf, konnte schnell die Situation eskalieren und der Gegenüber eine Knarre ziehen, ein Messer oder Dergleichen.
Aber hier schien es sich offensichtlich um etwas sehr, sehr Angenehmes zu handeln. Der Weiße leckte sich ahnungsvoll die Lippen. Er roch förmlich die Kohle.
Nun stolzierte er ostentativ drohend mit einem hin und her pendelndem Messerchen mit Anhänger wie ein Tiger um seine erlegte Beute um den Wagen mit offenen Verdeck
"Ei, was haben wir denn da?"
Es klang sehr doppeldeutig, bezog sich diese Aussage auf sein martialisches Etwas in der Hand oder die beiden beim Fellatio ertappten Unschuldslämmer im Mercedes Benz Capriolet, die wie die begossenen Pudel und die geschorenen Lämmer darin saßen und nun nicht wußten, wohin mit ihren Händen und sich selbst? Normalerweise hatten zwar solche Maskottchen nur südländische Typen, das er da in seiner erhobenen Hand kreiseln ließ, aber wer wusste schon, aus welcher Region einer kam. Phänotyp und Rasse entfalteten oft Überraschungen.
Sowie er an die andere Seite kam, der Fahrerseite, blieb er abrupt stehen und schwieg plötzlich. Sein  Blick war des Arztes Hosentasche gerichtet. Eindeutig. So klar, erschien es dem Arzt. Klar minus paranoider Angst.
Ihm fiel die Klappe herunter vor Angst. Er versteifte sich, verharrte starr und still in seiner Haltung und wartete mir Argusaugen auf das, was da unvermeidbar auf ihn zukam. Denn das etwas kam, war nicht mehr zu leugnen, die Situation war schon zu weit fortgeschritten, als daß man sie als harmlose Störung betrachten konnte. Diese Eindringliche, diese Zaungäste, diese Wanderer hier hatten sich bereits zu lange schon an diesem Anblick der entdeckten öffentlichen Schweinerei geweidet, als dass es nicht zu noch weiteren peinlichen Situationen kommen müßte.

© Werner pentz

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