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Der ultimative Heimatkrimi - Roman einer Erpressung III.

Protokoll zum Thema Gewalt


von pentz

3 Die Armen wollen auch ihren Anteil...

„Mensch, der Medizinmann verbirgt doch etwas!“ Und schon griff er dem Arzt an die Hose. Dabei umpackte er die Börse. „Männchen, rück mal mit den Piepen raus! Aber dalli!“ Er ließ los und machte eine flache Hand. Der Arzt reichte ihm seinen Geldbeutel.
„Schau''n wir mal, was Ärzte so verdienen!“ Und zu seinem Erstaunen fischte er den 1000 Euroschein mit spitzen Fingern heraus,. „Nicht schlecht, nicht schlecht!“ Das einzige, was er wußte, daß dies ein Schein war, der ihm noch nicht untergekommen war. Als er ihn sich genauer anschaute, langte er sich vor Ungläubigkeit an den Kopf.
Dann hob er ihn triumphierend: „Schau Dir das mal an!“, sagte er völlig erstaunt in Richtung des düsteren Kerls auf der anderen Seite des Fahrzeugs, der sich nur ein müdes Lächeln abrang, gar nicht richtig hinschaute und darauf konzentrieren konnte angesichts dieser milchig-gelben Hautfarbe, die die Schulterpartie freigab, um die über die Achseln verlaufenden BH-Trägern der Krankenschwester. Und dann ihre Referenz, ihr bester Leumund, dieser ihr hingebungsvoller Blow-Job, mit dem sie sich vorgestellt hatte. Nein, der düstere, dunkelhäutigere Typ war viel zu erstaunt und tief beeindruckt von anderen Eigenschaften als Euroscheinen höheren Kalibers.
Gleichfalls nicht beruhigen konnte sich Blondie über seinen Fund. „Weißt Du, wie lange ich hierfür Flaschen sammeln muß?“ Und ein drohender Blick fiel auf dem unter ihm sitzenden Arzt. Kurze Stille – zum Nachdenken – zum Nachrechnen. „Jahre, Jahre, kann ich Dir sagen, Jahre!“
Er drehte sich jetzt um sich selbst und tanzte um diesen Schein, bis er abrupt innehielt und wieder drohend und bohrend auf den Arzt niederblickte und verkündete: „Das kommt mir jetzt gerade Recht. Nachdem ich ins Krankenhaus eingeliefert worden bin und pro Tag 10 Euro zu zahlen habe. Mann. Ja, das habe ich. Trotz hochgelobten Sozialstaat. He, wo bleibt er, wenn man krank ist? Dann zeigt er seine Fratze, he: bezahlen mußt Du fürs kranksein, he! In ihrem verfickten Krankenhaus pro Tag 10 Euro! He.“ Der Chefarzt fühlte sich natürlich zurecht gedemütigt und erniedrigt. Aber es war ihm vor allem peinlich. Nicht weil es etwa wahr war? Sondern wegen des Geldbetrages von 10 Euro. Was ist das schließlich schon? Was sind schließlich schon 100 Euro für einen Krankenhausaufenthalt in 10 Tagen? Was sind denn schon...
Nein, so viel Armut war ihm hochnotpeinlich. Da es sich noch mit einer unbestimmten Drohung verband, dieses Verlegen-Sein-Müssen und Sich-Schämen-Müssen suchte er unbestimmt Halt in den Augen seines nächsten. Vielleicht bei der Krankenschwestern? Wenn, dann bestimmt nur zufällig, denn bei ihr fand er keine seelische Zustimmung und Aufnahme, höchstens guten, sterilen Sex.
Er fühlte sich in diesem Moment als alleiniger Angeklagter, dem niemanden zur Seite stand. Allein stand er am Pranger. Seine Hilflosigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben.
„Na, los Daktari, sprich. Wie stehst Du dazu?“, schnauzte der ihn jetzt direkt an.
„Tja, ich weiß auch nicht!“ Was sollte der Arzt auch sagen, für den 10 Euro pro Tag nicht der Rede war und sich kein Bild davon machen konnte, was dieser Betrag für andere bedeuten konnte an Einschränkung, Mühe und Not. Das Wort finanzielle Einschränkung kannte er nur vom Wort her.
„Hört Euch den Daktari da an.“ Daktari war übrigens ein Ausdruck aus einem Kinder- und Jugendfilm aus den 60zigern, 70zigern. „Sahnt ab von den Kranken Gelder, was das Zeug hält, und wenn man ihn darauf anspricht, meint er: ich weiß auch nicht!“  Der Blonde wurde jetzt richtig wild und bewegte sich in einer unerwartet aggressiven Geste und Neigung seines Kopfes über den Volant ins Coupé hinein, mit seiner Nase und seiner bedrohlichen Stirn kurz vor des Doktors Kopf verharrend. „He, Doktor, warum?“
„Ich, ich bin auch nur ein kleines Rad im Getriebe.“
Dem Arzt kamen dabei die Schweißperlen aus der Stirn, Zeichen dafür, daß seine Souveränität und gute Wochenendstimmung allmählich aber sicher verloren ging.
„Pah, das sagen sie alle!“ Der Blonde zog sich wieder zurück in aufrechte Körperhaltung, schaute aber zum Dunkleren hin und sagte: „Da schau mal, wie dem Arzt jetzt zumute ist? Reichlich schwindlig, was!“ Und triumphierend über seine Macht über den hochmächtigen Arzt steckte er sich wieder eine Zigarette an.
Aber es genügt ihn noch nicht. Noch mehr auf seinem Herzen mußte sich Bahn brechen. Dabei wendete er sich abwechselnd zum Arzt und zu seinem Begleiter.
„Und letzthin. Einweisung ins Klinikum. Krankenkasse hat mir die Fahrkosten zugesagt. Ich also ein Taxi genommen, dem Taxifahrer die Erlaubnisschein von der Krankenkasse gegeben und ab in die Klinik. Danach das selbe Spiel. Nun kommt heute ein Schreiben vom Taxiunternehmer, daß ich die volle Kosten der Fahrt von 140 Euro zu zahlen habe. Die Krankenkasse weigert sich, weil sie keine Verordnung zur Fahrt herausgegeben haben will. Da hast Du den Salat!“
Der Dunkelhäutige schüttelt weise, wissend und betroffen den Kopf. „Mann, da bist Du nicht allein!“
Der Arzt weiß auch nichts dazu zu sagen, denkt, daß der Patient gutgetan getan hätte, eine Kopie von der Verordnung anzufertigen, aber solche Leute haben a) keinen Kopierer und b) stehen sie derartig unter Druck und leiden meist derartig, daß ihnen die Kopiererei unerträgliche Umstände bereitet, so daß sie es sein lassen. Wenngleich sie ohnehin meist so vertrauensselig sind, daß sie nicht daran denken, sich durch eine Kopie abzusichern. Und dann rechnen sie nicht mir der Kleinlichkeit, den Neid und der Engstirnigkeit der meisten Verwaltungsangestellten. Vielen tun so, als ginge es bei den Zuwendungen und Verfügungen um ihren eigenen Besitz und Eigentum, als seien sie selbst der „Staat“.
Er schüttelt ratlos den Kopf, wenn auch sehr verhalten. Er wagt keine Antwort zu geben.
Aber der Blonde ist etwas an dem Arzt aufgefallen.
„Und woher hast Du eigentlich die 1000 Euro, Mann!“
Der Arzt entscheidet sich, nicht mehr zu antworten, so wenig wie möglich eben. Mit denen zu diskutieren hatte letztlich eh keinen Zweck.
Blondie gibt ihn die Antwort: „Bakschisch, gib's zu, Mann. Du hast eine Sonderbehandlung eingelegt, beim einem Geldsack-Patienten, he. Der hat Dir dann für die Extrabehandlung dieses Geld zugesteckt, ist es nicht so?“
Der Angesprochene rührt keine Wimper, keine Lippe und kein Glied.
„Mir brauchst Du nichts vorzumachen, mir ist klar, was mittlerweile falsch läuft im Staate Dänemark!“
Der Dunkle mischt sich ein: „Dänemark?“
„Das sagt man halt so!“
„Hä?“
„Statt Deutschland sagt man Dänemark. Irgendetwas ist faul im Staate Dänemark, so sagt man!“
„Hä?“
„Ist ja egal!“ Und er wendet sich wieder zum Arzt und was er von dessen Ausdruck lesen kann, nämlich daß die Mauer wacklig und brüchig geworden ist, gegen die er geprescht ist, ist er befriedigt und es genügt ihm vorerst. .
Er zieht zufrieden an seiner Zigarette wie an einem Lutscher, dann kommt es aus ihm herausgesprudelt voller Wut und Ärger: „Seitdem wir in der Scheißmaloche stecken, hat man uns gesagt: Sozialbeiträge fürs Alter entrichten. Wofür? Für den Sozialstaat. Wozu? Damit jeder, wenn er in Schwierigkeiten kommt, abgesichert ist. Und nun stellt sich heraus, bist Du in der Bredouille, hilft Dir keine Sau. Bezahlen heißt es jetzt wieder. Bezahlen, daß man krank sein darf, daß man ärztliche Versorgung erhält, daß man in einem Krankenhaus behandelt und operiert werden darf. Aber wehe, Dir fehlen die Penunzen und Du bist krank, dann überlegst Du Dir es zweimal: lass ich mich nun ins Krankenhaus einweisen oder besser kann ich's mir überhaupt leisten? So sieht's aus!“ Und wieder nuckelt er an seiner Zigarette, fischt sich gleichzeitig aus seiner Tasche eine Schachtel mit Pillen und schluckt sie.

Der Dunkle war jetzt um das Gefährt gelaufen, stand hinter ihm und flüsterte Blondie etwas ins Ohr.
„Wenn der 1000 Euro so locker vom Hocker mit sich herumträgt, ist bei dem mehr zu holen! Denk nur mal an die Fotos, die wir haben. Hä! Kapierst!“
Grinsend nickte der Blonde bedächtig. Aber klar, diese Fotos sind Gold wert. Und klar, es ist kaum anzunehmen, daß diese geile Schwanzlutscherin seine Ehefrau ist. Wo gibt es das, daß Ehepaare in ihren piekfeinen Autos Sex miteinander haben? Dazu haben sie ihre flächigen Schlafzimmerbetten!
Beide handeln jetzt schnell.
Der Blonde fordert den Arzt auf, herauszutreten und als geschehen, dreht er ihn um und biegt ihm die Hände nach hinten, wobei der Arzt vor Schmerz kurz aufschreit. Der Dunkle nimmt sich die Frau vor. Bevor sie gehen, fragt der Blonde noch, wo man drücken muss, damit das Verdeck zugeht. Dann wird es in Bewegung gesetzt. Zudem wird der Wagen verschlossen. Die Schlüssel behalten die neuen Besitzer.
Daraufhin marschieren sie zu viert los. Es geht quer durch den Wald, einen Weg entlang, der nach unten führt, durch einen kleinen Tunnel, der unter den Bahngleisen hindurchführt.
„Jetzt müssen wir uns die Hände geben, sonst könnte einer verlorengehen“, verkündet Blondie zum Spaß und mit einem ekligen Lacher. Aber das mit dem Handreichen ist durchaus ernst gemeint, denn im Tunnel scheint es stockdunkel und dadurch der Gänsemarsch schon einmal hilfreich zu sein.
„Macht Euch jetzt ein bißchen kleiner!“, ist die nächste Verkündigung, kurz bevor es ins schwarze Loch hineingeht und die anderen mit den Händen hinterhergezogen werden. Die Gefahr, sich den Schädel anzuhauen, ist wegen der Enge der Tunnelröhre durchaus gegeben.
„Passt auf, daß ihr nicht auf der Kacke ausrutscht!“, warnt Blondie noch, allerdings zu spät und vielleicht nicht so ernst gemeint, während sie sich bereits mittendrin befinden und der Gestank nach Urin und Fäkalie bestialisch-beißend in der Nase beißt. Noch gefährlicher aber sind die schwarzen, kohle- und granitartigen, feuchten Gesteinsbrocken, die außen die Bahndämme und hierinnen den Boden des kleinen Tunnels belegen und da zudem die Wände vor Feuchtigkeit zu tropfen scheinen, kann man leicht ausrutschen und sich ernsthaft verletzen.
Die starke Dämmerung schützt die Entführer danach vor unliebsamen Fragen von Fußgängern, sollten sie welchen begegnen. Aber es ist Freitagabend, die Leute sitzen jetzt am Abendtisch, vor den Abendnachrichten und versuchen sich von der Arbeitswoche zu entspannen. Folglich treffen sie auf niemanden. Aber das alte Familienhaus aus den 40ern liegt fast direkt an den Bahnschienen und außerdem keine 50 Meter entfernt vom kleinem Tunnel.
Es ist umgeben von einem Garten, der mit ungepflegten Hecken von der Außenwelt abgeschottet ist. In den Eingang des kleinen Familienhauses verschwinden die vier. Man sieht in dem Garten eine alte Hundehütte, einen alten Geräteschuppen, ein verfallenes Treibhäuschen aus Plastik und verwahrloste, ungepflegte Beete. Allerlei nicht entsorgtes Gerümpel, ausrangierte Möbel und undefinierbare Gegenstände stehen oder liegen verstreut herum. Alles scheint hier keine Eile zu haben. Eine bleierne Stagnation hat dieses Haus im festen Griff.
Man geht nicht fehl, vom Außen aufs Innere zu schließen. Es war nicht besonders gemütlich, oder wenn man so will, durch das Durcheinander von verschiedensten nicht zusammenpassenden Möbelstücken war es unwirtlich und unheimlich im Innern. Wenn nur nicht das verkrustete ungewaschene Geschirr gewesen wäre; und die benutzten, nicht entsorgten Pizzaschachteln; und die bis über den Rand herausquellenden Entsorgungstonnen für Papier, Bioabfall und Sondermüll, dann wäre es ja noch gegangen, so aber...


© Werner Pentz

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (16.05.2021)
Eklig-abstoßende Geschichte mit ein paar RS-Fehlern (z.B. Die hereingebrochenes Dämmerung, 40ziger usw.)
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pentz meinte dazu am 16.05.2021:
lieber Dieter-Rotmund,

die RS-Fehler habe ich hoffentlich weitestgehend ausgemerzt und korrigiert, weil ich alles noch einmal durchgelesen habe. "40ziger" - habe ich nicht kapiert, was da falsch sein soll.

daß es eine eklig-abstoßende Geschichte ist, ist beabsichtigt und ich fasse diese feststellung demnach als kompliment auf.

vielen dank
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Dieter_Rotmund antwortete darauf am 16.05.2021:
"40ziger" würde ausgesprochen ja "Vierzigziger" heissen - korrekt ist "40er".
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