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Der Stau - Kap. 7InhaltsverzeichnisDer Stau - Kap. 9

Der Stau - Kap. 8

Geschichte zum Thema Ausweglosigkeit/ Dilemma


von Manzanita

Seine Uhr ist stehen geblieben. Er steht sowieso schon längst. Seinen Job verliert er sowieso auch, wenn er so ewig lang braucht. Nichts ist kostenlos. Deswegen hat er den Motor ausgemacht.

Aber ohne Motor fühlt er sich so alleine. Warum fühlt er sich so alleine? Weil er so alleine ist. Ganz alleine auf der Autobahn. Ganz alleine unter so vielen Autos. Große Autos auf der linken Spur. Normale Autos auf der mittleren Spur. LKWs auf der rechten Spur. Ein bunter uralter VW auf dem Standstreifen. So alleine. So viele Leute, die er alle nicht kennt. So viele Leute, mit denen er nichts zu tun haben möchte. Aber, bleibt ihm überhaupt noch eine Wahl?

Der VW hat den Warnblinker an. Er blinkt rechts und links gleichzeitig. Er warnt rechts und links gleichzeitig. Wovor warnt er? Warnt er vor ihm? Oder vor ihm? An, aus, an aus. Er mag keine blinkenden Lichter. Sie geben ihm die Zeit vor. Und wenn ihm jemand die Zeit vorgibt,  kann sie nicht stehengeblieben sein. Dann kommt er zu spät. Wenn er zu spät kommt, kriegt er Ärger. Wenn er viel zu spät kommt, wird er entlassen. Er will nicht entlassen werden.

<Niemand will entlassen werden>, denkt er sich. Da hat er natürlich Recht. Aber was bringt es, dass zu wissen. Das weiß auch sein Chef. Oder etwa nicht? Doch, natürlich weiß er das. Natürlich. Jeder weiß das. Oder? So sicher ist er sich jetzt doch nicht mehr. Denn, wenn sein Chef weiß, dass er nicht entlassen werden soll, warum entlässt ihn dann sein Chef? Genau, warum? Warum ist die Welt so ungerecht? Warum?

„Warum ist die Welt so ungerecht?“, schreit er. Eigentlich wollte er gar nicht schreien. Er wollte flüstern, aber das ist ja sowieso egal. Obwohl, wenn er noch ewig hier stehen bleiben wird, sollte er mit den anderen Fahrern klar kommen. Wo er wieder bei der Frage mit der Zeit ist, ist sie nun endlich stehengeblieben?

Nichts geschieht. Er hat etwas geschrien, aber nichts geschieht. Keine Reaktion. Es ist allen egal. Alles ist allen egal. Wie in einem Computerspiel, nur du existierst halbwegs wirklich, alle anderen sind computergeneriert. Ist er auch computergeneriert? Vielleicht. Und jetzt, wo er im Stau steht, hat ihn der Computer im Stich gelassen. Er ist wahrscheinlich ein altes Programm, hat längst einen viel besseren Nachfolger, Microsoft bietet für ihn längst keinen Support mehr an.

Er will es jetzt wissen. Er will jetzt sofort wissen, ob er ein altes, im Stich gelassenes Computerprogramm ist. Aber wie? Er ist ja schließlich sehr realistisch. Alles sieht aus wie ein Mensch. Aber gibt es Menschen überhaupt? Hat es jemals Menschen gegeben? Gibt es überhaupt eine Welt?

Alles sehr gute Fragen. Aber er ist kein Philosoph. Philosophen, hat er mal gehört, sind Leute, die nur von solchen Fragen leben. Sie sind den ganzen Tag damit beschäftigt. Sie müssten also wissen, ob es diese Welt wirklich gibt. Aber sie wissen es nicht, denn niemand weiß es. Obwohl sie den ganzen Tag darüber nachdenken, wissen sie es nicht.

Wenn Philosophen es nicht wissen, wird er es auch nicht wissen, denkt er sich. Und er hat Recht, das wissen wir alle ganz sicher. Aber wenn er nicht den ganzen Tag über Fragen wie den Sinn des Lebens nachdenken soll, womit kann er sich dann beschäftigen. Womit soll er sich beschäftigen? Womit? Ihm ist langweilig.

Er will sich hinlegen. Dazu klettert er auf die hinteren Sitze, wo er gerade so ein bisschen gekrümmt  hinpasst. Aber was ist das? Wieso sind die Sitze hart? Worauf liegt er? Was? Er steht auf. Er knallt gegen die Decke, nein, gegen den Himmel.

Ein paar Flaschen Bier. Er fängt an zu zählen. Sein Kopf tut weh. Er hat eine Beule.

Der Stau - Kap. 7InhaltsverzeichnisDer Stau - Kap. 9
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