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Der ultimative Heimatkrimi - Roman einer Erpressung VI

Protokoll zum Thema Gewissen


von pentz

Der Krankenschwester hatte man übel mitgespielt. Abgesehen von den unsichtbaren Blessuren der seelischen Tortour einer Vergewaltigung, waren die offensichtlichen Körperlichen auch ganz schön beeindruckend. Beim Vom-Boden-Aufheben, In-den-Griffnehmen und den Keller-Hinunter-Schleppen hatten die zwei Kerle so fest zugegriffen, daß sie deutliche Schrammen, blaue Beulen und blutige Narben an Gesicht, Händen und Beinen hatte. Zudem tat ihr der Ellenbogen unmäßig weh, weil sie wohl an Ecken und Kanten gestoßen war.
Sie erhebt sich und kommt endlich hoch aus der äußersten Ecke dieses Raumes und begibt sich zum Gatter, zu den Holzlatten, die diesen Raum gestalten und umgreift aggressiv wie ein Gorilla seine Käfigstäbe. Tränen rinnen ihr sturzbachartig aus den Augen und ihr Gesicht ist verzogen zu einer aggressiven Fratze. „Ich habe immer auf alles verzichten müssen. Mein Lebtag lang. Jetzt habe ich die Schnauze voll. Zurückstecken, nachgeben, verzichten und noch einmal verzichten, und jetzt ist mein Leben zuende.“
'Die kriegt sich jetzt nicht mehr!', befürchtete der Arzt verdutzt und bestürzt. 'Die lässt sich doch nicht einfach gehen!', hofft er inständig.
Aber Tatsache, wie hart ihr Charakter, wie stark ihr Hang zum Schweigen und wie verhalten exorbitant auch immer sie bislang gewesen war, ihre Fassade bröckelt jetzt.
Das war eindeutig unterqualifiziert. Darf man die gesellschaftlichen Rollen und Abstände zwischen einem Chefarzt und einer Krankenschwester, egal in welchem Dilemma sie steckten, vergessen? Dieses Theater, Geschrei und seelischer Striptease löschte für den Arzt die flüchtigste Spur von emotionaler Verbundenheit auf.
„Nein, ich will nicht mehr, ich will nicht mehr! Ich will hier raus! Und Du, sag doch etwas! Mach doch etwas!“
Tatsächlich, die fängt jetzt an zu spinnen, durchzudrehen. Schnell etwas dagegen tun!
„Warten wir's ab. Noch ist nicht aller Tage Abend!“, sind die Worte des Arztes, die hohler nicht klingen könnten, was selbst ihm bewußt ist.
Was soll man schon sonst sagen und tun? Keinen Plan!!!
Natürlich empfindet er etwas Mitleid. Er weiß einiges über ihre Biographie. Daß sie es als Tochter in der Bauernfamilie schwer hatte. Der jüngere Bruder hatte den Löwenanteil an Hab und Gut geerbt, Hof, Ställe, Felder, Wiesen, Wälder und alles Drumherum. Sie wurde gerade mal mit einigen Tausend abgespeist, die zu nur zu einer Ausbildung reichte. Wennzwar zu einen helfenden Beruf, der in ländlich-religiösen Kreisen ein hohes Prestige innehatte, aber sie hätte Besseres verdient. Trotz ständiger Fürsprache des Lehrers, der felsenfest behauptete, sie bringe die Voraussetzung und Intelligenz fürs Gymnasium mit, durfte sie keine höhere Schule besuchen.
Am schlimmsten aber traf sie die Einstellung zur Zahnbehandlung seiten der Eltern. Die Fehlerkorrektur genetischen kariöser Zahnbildung prophylaktisch zu begegnen, hielt man nicht für notwendig. Schon in jungen Jahren mit einem teilweise künstlichen Gebiss litt ihre Eitelkeit schwer. Mit eigenen Kindern wurde es auch nichts, wurde sie von Kindesbeinen an dahingegen gehirngewaschen und geimpft, ja selbst keine eigenen in die Welt zu setzen, besaß sie schließlich keinen eigenen Besitz, wovon sollte sie da Kinder ernähren können? Es sei denn, dies verstand sich von selbst: „Du angelst Dir einen reichen Ehemann.“
Hatte sie im Arzt einen Kandidaten gesehen, ihren Zukünfigen trotz der anderen, der Ehefrau, der Gegnerin, des Pendant, schließlich konnte jene nicht frühzeitig sterben? Leider aber, nachdem, was jetzt kommen würde, sah es danach aus, dass sie als erstes an der Reihe war.
„Und Du wirst mich jetzt nicht mehr heiraten können. Nein, wir werden nicht mehr zusammenkommen. Da kommen wir niemals heraus. Die sind zu brutal. Die bringen uns um.“
„Da legst Dich nieder!“, flüsterte er. Vor Verlegenheit schaute er nach unten in eine Ecke. Solche Nähe hatte er noch nicht von ihr erfahren und diese an ihn herangetretene Emotion brachte ihn glatt ins Schwanken, zumindest machte sie ihn abgrundtief verlegen – die er schnell wegwischte.
Was übrig blieb für diese Frau war Mitleid. Aber ein verachtendes Mitgefühl für dieses Mauerblümchen. Zwar körperlich eine tolle Frau, entpuppte sie sich nun als Kretin. So hatte er sie noch nicht wahrgenommen, zumal nicht vermutet, daß solche Seiten in ihr steckten und um seine Verlegenheit darüber wegzuwischen, flüchtete er erneut in Phrasen, die ihn schützen sollten: 'Was in so einer grauen Maus alles versteckt ist, schlägt schon dem Faß den Boden aus?! Da schlummern Welten in unscheinbarsten Menschen und du ahnst es nicht.'
Er schüttelte den Kopf.
Allein schon das vertrauliche Du. Abstoßend. Das entbehrte jedem Grund. Freilich duzten sie sich, aber so distanziert wie bei einem Sie. Da gab es keinen gefühlsmäßigen Unterschied. Geradezu impertinent erschien ihm das Du, setzte es doch in diesem Zusammenhang eine Vertraulichkeit, Intimität und Nähe voraus, die überhaupt nicht gegeben war. Niemals vorhanden gewesen war. Niemals. Was sie übrhaupt verband, war letztlich und lediglich nur ein öffentliches Verhältnis. Gerade jetzt. Der Zufall hatte zwei fremde Personen zum Opfer einer Entführung gemacht, deren Wege unabhängig voneinander dahin geführt hatte. Sie wurden auf der Straße von einem Geiselnehmer gekascht oder von Flugzeugentführern in einem Flugzeug, – und nunmehr war das einzig Verbindende ein gesellschaftlich relevantes Ereignis, eine Entführung, dem sie sich beide stellen mußten. Jeder aber mußte für sich Rücksicht auf seine eigenen familiären Bande legen.
Der Arzt dachte jetzt an seine Familie. Damit wurde Distanz und Unterschied nur zu entfremdend bewußt.
'Mein Gott, ich habe Frau, Kinder und ein enges Netzwerk, in das ich eingebunden bin und diese Person hat das nicht, vielleicht gerade mal ihre Herkunftsfamilie, mit der sie ohnehin entfremdet und auf distanziertem Fuße verkehrte. - Nein, diese Person ist in keinster Weise mit mir vergleichbar und gleichzustellen! - Was heult die da vor mir? Was geht mir ihr Wehwehchen an? Ich muß meine eigene nackte Haut retten, koste es, was es wolle und egal, was aus der da wird. - Denk nur an deine Familie, verdammt! Familien brauchen Vater und ich bin ein Vater, hundsfotts!'
Wie nur kam er hier heraus?
Der Krankenschwester Flennen stieß an sein Ohr.
'Was, heiraten, diese fremde, schwächliche  Person dort? Unvorstellbar! So weit unter seiner sozialen Stellung und Stand mit einer bloß Krankenschwester verheiratet zu sein? Meine Damen und Herren, da ergäben sich hundert andere, bessere Möglichkeiten und Verbindungen.'
Er dachte an eine jüngst in die Familie Eingeheiratete, sogar eine Evangelische. Ja, aber mit einem satten Besitz, Vermögen und besten Familienstamm – wenn nicht gleiche religiöse Zugehörigkeit, dann zumindest Geld!
'Hm, ja wir haben seit sechs Jahren mittlerweile ein Verhältnis. Aber das? - Bei der hat sich mittlerweile diese Hoffnung aufgebaut, daß – lachhaft – sie vielleicht einmal zum Zug kommen könnte, unerwartet, schicksalsgegeben  – zum Beispiel bei dem frühen Tod meiner Frau?! - Hirnverbrannt! - Auf den Tod meiner Ehefrau zu hoffen? Weiß die nicht, daß diese wie die Made im Speck lebte? Woran sie sterben könnte, wäre höchstens Herzverfettung, adipöse Fettleibigkeit bei notorischer Bequemlichkeit und Trägheit, früher oder später. - Solche Hoffnungen haben nur schwache Menschen, impulsive, emotional und übermäßig gefühlsduselige Jungfrauen, Singelfrauen und Alleingelassene – nein, aber im Grunde ist das bedauernswert, ja, Mitleid sollte ich empfinden, mit ihr, dieser – erstaunlich, unverständlich, paradox - taff, hart erscheinenden Person. - Was ein Irre! - Eigenartig, dabei mußte sie doch über meine familiären Verhältnisse bestens unterrichtet sein. Wir leben hier auf dem Land, da wird geflüstert und getratscht, daß sich die Balken biegen. Jede weiß doch hier über jeden Bescheid. - Eben eine Bäuerin!'
Mitleiderregend stößt sie mit ihrem gesenkten Kopf auf die Gitterstäbe und weint und schluchzt bitterlich – ganz wie eine Waschfrau und Bäuerin.
'Igitt!'
'Mädchen, reiß Dich zusammen. Ich kann's nicht mit ansehen!'
Seine Wut wechselt zum Genervtsein!
„Kannst Du nicht endlich Dein Maul halten!“
„Aber ich will Doch Deine Ehefrau werden!“
„Du spinnst doch! Reiß Dich zusammen und überleg lieber, wie wir hier wieder rauskommen, verdammt und zugenäht!“
Die Krankenschwester wirft und lässt sich auf den Sessel in der dunklen Ecke fallen und verbirgt ihr Gesicht zwischen den Händen: „Was hab ich denn? Nichts. Gar nichts. Ganz und gar nichts!“
Heftiges Schluchzen schüttelt sie.
„Was hab ich denn gehabt. Nichts, gar nichts! Keine Jugend, keine richtige Familie, nichts, gar nichts!“ Und dann wimmert sie nur noch, die Schultern schütteln sich dabei.
Der Arzt rümpft die Nase und zerrt an der Halskrause.

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