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Zwanzig Jahre später

Innerer Monolog zum Thema Entscheidung


von Quoth


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Während ich meine Alpenveilchen gieße, denke ich oft an Vergangenes, an meine vielen Schüler, und wie ich manchmal Schicksal gespielt habe in ihrem Leben. Z.B. als wir von der Aufführung der Norma zurückfuhren im Bus des Himmelsteiner Besucherrings … Wie Herbert sich da an mich oder vielmehr an meinen Rotfuchs kuschelte und schrecklich weinte … Er war so unglücklich verliebt in einen meiner Schüler, dem freilich sein Sport viel wichtiger war als die Musik, und mit einem Jungen, der ihn liebte, konnte er gar nichts anfangen. Herberts Vater freute sich, in Fräulein von Plunow eine für die Geschichte der Slawen interessierte Gesprächspartnerin gefunden zu haben, und war froh, als Herbert sich einen anderen Platz suchte. Und ich bilde mir ein, da habe ich ihm die Liebe unter Männern ausgeredet … Ich weiß nicht, ob man das kann, aber er war noch so jung, und ich sah ihn auf die Bahn kommen, auf der mein Bruder gescheitert ist. Stephan war Ministerialrat beim Land, hätte gern mit seinem Freund zusammengelebt, aber aus Karrieregründen musste er heiraten – eine Witwe mit drei Söhnen, an allen dreien hat er sich angeblich vergangen, ich kann es bis heute nicht glauben, wurde verurteilt, unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und hat Jahre im Knast verbracht, wo er verachtet und vergewaltigt wurde … Aber das ist es gar nicht, was ich Herbert gesagt habe. Stephan hat mir von der Liebesraserei in manchen Clubs und Saunen erzählt, wo er die geschlechtlichen Kontakte gar nicht mehr zählen konnte, und als Begründung gab er an: Die Liebe unter Männern sei ziel-, wirkungs- und fruchtlos. Deshalb sei sie nicht schlecht, aber es fehle ihr eine bändigende Gegenkraft, die Gegenkraft von Schwangerschaft, Vaterschaft, Rücksichtnahme, Erziehung und Freude, das eigene Werk Kind gemeinsam heranwachsen zu sehen … Deshalb lechze der Gleichgeschlechtliche nach ständiger Steigerung, Bestätigung, nach Exzess … In der Liebe von Mann und Frau, und das sage ich dir jetzt, Herbert, ist hingegen ein Moment der Ewigkeit enthalten: So wie wir selbst nur leben, weil schon vor Tausenden von Jahren Männer und Frauen sich liebend miteinander vereinigten, so können noch in Tausenden von Jahren Menschen existieren, in denen etwas von dir, Herbert Eisenpflicht, lebt, du gibst dein Erbgut in die Ewigkeit, überlebst dich selbst in deinen Nachfahren! Natürlich kann auch die Liebe von Mann und Frau von der Fortpflanzung abgekoppelt und allein der Lust wegen ausgeübt werden – dann gibt es auch hier Orgien oder denke nur an den Bordellbetrieb. Aber das ist eine Verarmung der Liebe, Aaron, mein Kölner Liebster, hat mir gestanden, mehrfach mit Huren gegangen zu sein – es habe ihn jedes Mal todtraurig gemacht, er habe sich vor sich selbst geschämt. Während Herbert mir zuhörte, hat er sich immer fester an mich gedrückt, er hat mich unter Tränen zuerst dankbar, dann immer glühender geküsst, uns beiden ging die Arie „Casta Diva“ durch den Kopf, gesungen von dieser unglaublichen Griechin, die ihre Töne mit den schönen Händen förmlich knetet – geküsst hat er mich, bis ich ihm Einhalt gebieten musste, weil mir die Zahnprothese verrutschte, ja, die hatte ich damals schon. Ach, vielleicht beruht alles auch nur darauf, dass ich L’air du temps von Nina Ricci aufgelegt hatte, das mit seinem Geruch nach Nelke und Sandelholz wohl jeden Mann um den Verstand gebracht hätte. Aber warum habe ich es getan? Hatte ich mich in Herbert verliebt? Nein,  aber seine Orientierungslosigkeit hat mich gerührt, und die hat er, an meiner Seite im Bus des Besucherrings durch die Nacht schaukelnd, überwunden. Habe ich ihm wirklich was erspart? Sicherlich Einiges – aber wie unglücklich ist er mit seiner Frau geworden! Doch das ist eine andere Geschichte. Jetzt gehe ich Stephan besuchen und bring ihm das pinke Alpenveilchen. Das hätte ihm gefallen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (17.06.2021)
Alpenveilchen kann man sich im Garten ziehen?
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Lluviagata meinte dazu am 19.06.2021:
Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (17.06.2021)
Ich empfinde diesen Text als angenehm, weil die männlich wirkende Stilistik Quoths hier authentisch wirkend homosexuelle Figuren darstellt. Dadurch entsteht im Leser die Vorstellung "Homosexualität ist etwas so Natürliches wie Gutes" und das wäre, so es auch für andere Leser zutreffen sollte, äußerst sinnvoll für Individuen und gesamtgesellschaftlich.
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Quoth antwortete darauf am 19.06.2021:
Ein sehr komplexes Lob, Dieter Wal, das hoffentlich auch von anderen Lesern geteilt wird. Vielen Dank für Empfehlung und Kommentar! Gruß Quoth
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Willibald
Kommentar von Willibald (17.06.2021)
Ach, ist das ein feiner Text, im Stil an solche Sekundärlitersatur erinnernd, in der man dann später im Studium fand, wie unsere Lehrer den "Tod in Venedig" behandelten.

Und die Callas. Ja!

Kommentar geändert am 18.06.2021 um 12:53 Uhr
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Quoth schrieb daraufhin am 19.06.2021:
Da habe ich ja fast das Gefühl, Willibald, unfreiwillig eine Satire auf die 50er geschrieben zu haben ... Vielen Dank für Empfehlung und Kommentar! Gruß Quoth
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Willibald äußerte darauf am 19.06.2021:
Ach ja, der "Rotfuchs".

Vale
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Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (19.06.2021)
Hallo Quoth,

mein erster Gedanke, der mir beim Lesen kam, war der an Farrokh Bulsara. Eine ebenfalls tragische Lebensgeschichte voller Esprit und dem strengen Geruch nach Verderbnis und Tod.
Die poetische Erklärung, dass der wahre Zweck der Liebe zwischen Menschen zwar der der Fortpflanzung ist, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass es auch hier Verderbnis und Tod gibt.
Wirklich geschockt hat mich die verrutschende Zahnprothese ....

Toller Text, in dem sich wie immer ein kurz aufblitzender Schalk finden lässt.

Sonnengrüße
Llu ♥
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Quoth ergänzte dazu am 19.06.2021:
Vielen Dank, Lluviagata, für Empfehlung mit Kommentar. Habe mich über den von Dir Genannten informiert: Wahhaftig, was für ein Leben! Gruß Quoth
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Kommentar von gobio (19.06.2021)
Was mich immer wieder erstaunt, ist der Fakt, dass Homosexualität nicht nur im Alltagsleben, sondern auch im Literarischen immer noch Stellenwerte einnimmt, die doch eigentlich gar keine sind.

Gewiss, es ist immer schon nicht nur für einen selbst, sondern auch für die umgebende Gesellschaft interessant gewesen, wer sich an wem oder welcher wann und wie die primären ebenso wie die sekundären Geschlechtsmerkmale gerieben und dabei etwas geseufzt hat oder nicht.

Aber ich gebe mich dem Wahn hin, dass Menschen, gleich welchen Alters und welcher Sexualität, nicht immer so ohne weiteres auf ihre sexuelle Präferenz zu reduzieren sind, wie dies vor allem im literarischen Bereich immer wieder geschieht. Als ob Menschen nicht aufeinander zugehen könnten, sondern nur deren Schamlippen, Schwänze und Zungenspitzen sich einander zu begegnen wüssten.

Dass unser wesentliches, gesellschaftliches Leben nur aus Fressen, Saufen und Vögeln bestünde, mag für einen Teil unserer ZeitgenossInnen ja zu allen Zeiten gegolten haben und gelten. Aber ich bilde mir ein, dass man mit ebenso vielen homo- wie heterosexuellen Menschen enge Beziehungen eingehen kann, auch ohne dass man die Finger in der Moese oder am Schwanz der anderen haben müsste.

Man zupft dir den Blinddarm ja nicht mit den Schamlippen heraus, du streichst deiner Geige nicht mit dem Penis, sondern mit dem Bogen über die Saiten, wenn Du im Sinfonieorchester als Stimmführer sitzt, und wenn du Applaus spenden möchtest, klatscht du in die Hände, nicht deine Brüste oder deine Eier gegeneinander.

Ob dein Haus von einem Schwulen oder einem Hetero gebaut worden ist, ob dir eine Lesbe oder eine Bipolare den Zahn gezogen hat und ob dein Steuerberater sich geschlechtlich umwandeln hat lassen, spielt für das Ergebnis, mit dem Du hinterher leben darfst oder musst, überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger ist doch, ob sich der Mensch, dem du dich anvertraut hast, als Pfuscher, als Idiot, als unerträglich herausstellt oder nicht.

Ich wage die Behauptung, dass der Prozentsatz der Klugen ebenso wie der Arschlöcher in allen menschlichen Geschlechtergruppen der gleiche ist und es folglich keinerlei Sinn machte, mit deren Spielarten zu kokettieren, zu entlarven, zu provozieren oder irgendein andersgeartetes G’schäfterl zu machen.

Un trou est un trou et la queue est aveugle …

Heiter

gobio

Kommentar geändert am 19.06.2021 um 11:06 Uhr
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Willibald meinte dazu am 19.06.2021:
Von irgendeiner Kiketterie des Autors finde ich hier kaum etwas. Voller Genuss: Eine weibliche Figur im inneren Monolog memoriert unfreiwillig komisch eine heterosexuelle "Liebesbegegnung" im Opernbus mit Rotfuchs .

Feine, feinste Struktur.
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gobio meinte dazu am 19.06.2021:
Ich weiß auch nicht, liebster Willibald, woher ich die Rezeptoren habe, die mir immer wieder Gänsehaut macht, wenn das Publikum über den "Dummen August" zu lachen beginnt.

Das hindert mich natürlich nicht, Dir und allen neben Dir in der Vorstellung Sitzenden den vollen "unfreiwilligen" Humorgenuss zu gönnen.

Aber es sollte, sintemal in der Jetztzeit, noch erlaubt sein, den Atem kurz anzuhalten, auch wenn der ganze Saal herzlich lacht. Es ist halt nun mal nicht jeder des Gemüths, das der jeweilige Zeitgeist gerade favorisiert.

Gleichwohl heiter

gobio

Antwort geändert am 19.06.2021 um 12:26 Uhr
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Willibald meinte dazu am 19.06.2021:
AhA (heiter)
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Willibald meinte dazu am 20.06.2021:
Die Rezeptoren in allen Ehren, im Junktim mit genauer Textlektüre sind sie nicht genug zu preisen.
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Dies ist ein Episode des mehrteiligen Textes Blüthner.
Veröffentlicht am 16.06.2021, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.06.2021). Textlänge: 608 Wörter; dieser Text wurde bereits 117 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 27.07.2021.
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