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Die Schneeelfen

Märchen zum Thema Krankheit/ Heilung


von tastifix

Elfen kennt Ihr aus den Märchen und Sagen, jene reizenden, zierlichen Naturgeister mit ihren wunderschön Flügeln, deren Ränder mit zarten Farben geschmückt sind. Jeder denkt sofort an den feinen Gesang und die anmutigen Tänze, in deren sie in charmantem Reigen über kunterbunte Blumenwiesen schweben.  Sie sind Wesen, die guten Menschen sehr zugetan sind ...

Auch im Winter sind Einige unterwegs, anstatt sich in ihrem gemütlich warmen Elfenschloss tief im Berg aufzuhalten und dort dann sehnsüchtig auf den Frühling zu warten. Nein, es sind Schnee-Elfen, die eben Kälte sehr mögen und ganz besonders für den Schnee schwärmen. In winzigen Schneeflockenanoraks und mit weißen Stiefelchen an den Füßen tanzen sie schwebend durch die verzauberte Landschaft und erfreuen sich genauso wie wir Menschen an dem schönen Anblick. Ab und an unterbrechen sie ihren Tanz, erheben sich hoch in die Luft bis zu den Wipfeln der Bäume, ruhen sich dort auf der glitzernden weißen Decke eines Astes aus und schauen derweil vbon dort oben den Menschen zu.   

So auch an jenem Tage, von dem ich Euch nun erzählen möchte: Überall tollten Kinder übermütig im Schnee, rodelten die Anhöhen hinunter,veranstalteten Schneeballschlachten oder bauten fantasievolle Figuren. Manchmal entstanden ganze Schneefamilien: Mütter mit breiten Strohhüten auf dem Kopf, einem weiten Kleid und ab und an sogar ein buntes Perlenarmband um den Arm, Väter mit schwarzen Zylindern und Krawatten aus Stöcken, dazu noch einen langen Wanderstab in der einen Armbeuge. Dem Schneenachwuchs modellierten die Kinder entweder Kleidchen für die Mädchen und Hosen für die Buben. Auch die Erwachsenen freuten sich an dem lustigen Treiben. Der Alltag war vergessen.
In einem Haus am Fuße einer solchen Anhöhe ging es dagegen eher traurig zu. Die Tochter der Besitzer des Häuschens lag seit Wochen krank danieder und war gar zu schwach, um an das breite Fenster treten und sich die weiße Pracht auch einmal ansehen zu können. Geknickt lauschte Elli dem fröhlichen Lachen der anderen Kinder draußen.
´Ach, wäre es schön, wenn …`
Aber, woran sie dabei dachte, behielt sie für sich.

Gegen Nachmittag schlief die Kleine erschöpft ein. Inzwischen hatten sich die Schnee-Elfen genügend lange ausgeruht und setzten ihren wirbelnden Ausflug über die Wiesen fort. Dabei kamen sie auch an jenem Haus vorbei. 
„Schaut mal!“, lugte eine von ihnen durch Ellis Fenster. „Dort, die Kleine! Wie süß sie ausschaut. - Aber sie ist bestimmt sehr krank, dass sie bei diesem tollen Wetter im Bett bleiben muss!“
„Die Arme!“, seufzte ihre Schwester.
„Ich kenne sie. Sie ist ein ganz besonders liebes Kind!“, erzählte eine andere. „Wenn ich daran denke, wie gehorsam sie stets ist und wie fürsorglich sie mit allen Tieren und Pflanzen umgeht … Also, ich meine, wir sollten ihr eine Freude machen!“
Die Schneeelfen steckten flüsternd die Köpfe zusammen und überlegten.
Dann ließ sich eine Elfe auf dem schmalen Sims vor dem Fenster nieder und klopfte an die Scheibe. Zunächst nur ganz leise, aber, weil das Kind im Bett sich nicht rührte, dann lauter und lauter. Schließlich erwachte Elli, guckte umher und rieb sich, noch halb benommen, die verblüfft die Augen. Vor dem Fenster tanzten tatsächlich niedliche Elfen, das lockige Haar unter schneeweißen Kapuzen versteckt und in den süßesten Anoraks, die die Kleine je gesehen hatte.
„Oh, sieht das schön aus!`
Sich umschlungen haltend, sangen die Elfen mit glockenreinen Stimmen ein fröhliches Lied über die leise rieselnden Schneeflocken und tanzten so anmutig wie nur selten zuvor.

Als das Lied geendet hatte, schauten sie das kleine Mädchen zärtlich an. Im nächsten Moment öffnete sich wie von Zauberhand das Fenster. Die Elfen schwebten herein und stellten sich vor das Bett.
„Komm mit uns!“
Elli fasste sofort Zutrauen zu ihnen, versuchte unsicher, auf die schwachen Beine zu kommen und die Elfen stützten sie. Obwohl doch das breite Fenster weit offen stand und die Kälte ins Zimmer drang, begann Elli in ihrem Nachthemd nicht zu frieren. Doch die Elfen waren bei dem, was sie vor hatten, sehr besorgt um sie. Lieb lächelnd reichten sie ihr solch einen Schneeflockenanzug, wie sie ihn selber trugen und noch die passenden Stiefelchen und Handschuhe dazu. 

Sie nahmen sie beschützend in ihre Mitte und führten sie ans Fenster. Auf einmal fühlte sich Elli leichter und leichter. Ja, sie schwebten nach draußen und begannen zu tanzen. Je länger sie sich im Kreis drehten, umso mehr gefiel es der Kleinen. Jedoch wollten die Elfen nicht, dass Elli sich etwa überanstrengte und brachten sie nach diesem Tanz bald zurück bis vor das Fenster. Das Mädchen zog den hübschen Anorak, die Stiefel und auch die Handschuhe wieder aus, bedankte sich bei den Elfen mit einem Knicks und kletterte ins Zimmer. Derweil passten die Elfen gut auf, dass sie dabei ja nicht hinfiel: Als Elli wieder ins Bett stieg, schloss sich das Fenster genauso leise, wie es sich vordem geöffnet hatte. Draußen standen noch immer die Elfen, schauten sie zum Abschied strahlend an und Elli lächelte zurück.

Am nächsten Morgen, als Elli aufwachte, fühlte sie sich so ganz anders als in den Wochen zuvor, so beschwingt. Munter setzte sie sich auf, sah zum Fenster, freute sich über den immer noch in der Sonne glitzernden Schnee und sprang flink aus dem Bett.
Ja, es war das Geschenk der Elfen an sie: Sie war wieder gesund!
„Danke!! Ich werde Euch nie vergessen!“, murmelte Elli glücklich.

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