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Monteurzimmer

Parabel zum Thema Verlust


von Quoth

Früh am Morgen betrat ich das Haus in der Eigergasse, in dem ich hoch oben unterm Dach ein Monteurzimmer gemietet hatte. Im Eingang trat mir ein Herr im Ulster und mit Hut entgegen, der eine schwarze Tasche trug, die etwas Schweres enthielt, denn sie war in der Mitte nach unten ausgebeult. Hätte ich ihn mir doch genauer gemerkt, denn jetzt werde ich gebeten, sein Gesicht zu beschreiben – und kann es nicht! Ich rannte die Treppen zu meinem Zimmer hinauf, es war unverschlossen, aber alles war in Ordnung – nur meine Remington-Reiseschreibmaschine fehlte – und ich wusste jetzt, was die Reisetasche des Herrn im Ulster so ausgebeult hatte. Aber ich war nicht allein! Ein etwa zwölfjähriges Mädchen stakste auf meterhohen Stelzen durchs Zimmer, die an Schuhen befestigt waren, lachte und kicherte dabei so selbstverständlich, dass ich gar nicht auf die Idee kam, sie könne hier nicht hergehören. „Toll, wie du das machst, das könnte ich nicht!“, sagte ich bewundernd, sie schüttelte ihre rote Mähne und sagte: „Das kannst du auch!“ Und ehe ich mich versah, stand ich auf den Schuhstelzen und stakste durchs Zimmer, das Mädchen lachte schallend von meinem Bett, auf das es sich geworfen hatte, zu mir empor, ich genoss die ungewohnte Perspektive, hatte den Verlust der Remington verschmerzt und bin froh, dass ich der Polizei bei der Suche nach dem Täter nicht helfen kann.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Willibald
Kommentar von Willibald (20.07.2021)
Muss ich grinsen, ein Text, kafkaeskig-komisch. Die Erzähldistanz zum Ereignis ist sehr gering. Möge es dem Storchenbeinigen weiterhin gut gehen.
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Quoth meinte dazu am 22.07.2021:
Vielen Dank fürs Grinsen, Willibald! Gruß Quoth
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Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (20.07.2021)
Es geht die Mär, dass kein Mensch sich das Gesicht einer nackten Frau, die in der Fußgängerzone Aufsehen erregt hatte und nun erkennungsdienstlich ermittelt werden sollte, gemerkt hatte. Daran musste ich gleich denken. Worauf schaut man zuerst? Gute Frage, gute Geschichte, obwohl mich die Stelzen dann doch eher an einen Traum denken lassen.

Liebe Grüße
Llu ♥
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Quoth antwortete darauf am 22.07.2021:
Ja, mein Erzähler hat sich vom Ulster und vom Hut ablenken lassen ... Wo ist die Grenze zwischen Traum und Phantasie? Ich erkenne sie nicht. Vielen Dank für den Kommentar. Gruß Quoth
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Parabeln.
Veröffentlicht am 20.07.2021, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 20.07.2021). Textlänge: 225 Wörter; dieser Text wurde bereits 62 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.09.2021.
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