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Der Sinn des Lebens

Short Story zum Thema Sinn/ Sinnlosigkeit


von Ephemere

Der Sinn des Lebens ist es, einmal sturzbesoffen vorm Ballermann halbverdauten Sangria aufs Trottoir zu kotzen. Das verriet mir neulich der Laplacesche Dämon auf der Herrentoilette am Bahnhof Baden-Baden. „Doch seit einiger Zeit geht das ja nicht, wegen Corona“, merkte er missmutig an, während er abschüttelte und dabei ungesund rötliche Flecken am Urinal hinterließ. So lange, meinte er, sei unsere Existenz notwendiger Weise sinnlos. Er wirkte darüber nicht sonderlich glücklich und ich überlegte, ob ich ihn darauf ansprechen sollte. Zunächst aber musste ich etwas loswerden, das mich brenender beschäftigte: „Bedeutet das dann, dass die einzigen legitimen Haltungen Existentialismus und Nihilismus sind, so lange die Welt im Pandemiemodus bleibt?“

Im Gegensatz zu meinem Wasserlassen, das unwillkürlich die Schuhspitzen gesprenkelt hatte, ließ die Präzision dieser Frage nichts zu wünschen übrig. Er schien mich plötzlich ernst zu nehmen, blickte mich zum ersten Mal richtig an (was sich ziemlich seltsam anfühlt bei einem Dämon) und hob an, dass genau das ja gerade das Problem sei. Doch ehe er zum Kern der Sache kommen konnte, betrat ein dritter Mann das WC – Typus Versicherungsvertreter inklusive lederbespannter Aktentasche – und wartete, dass wir abtreten mögen, damit er nicht eines der beiden Urinale zwischen uns benutzen müsse, was eine Unterschreitung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes bedingt hätte. Während ich mich schon halb mit dem Frust abgefunden hatte, die Antwort wohl nicht mehr zu erfahren, drehte sich mein Nachbar einfach nur um, starrte den Neuankömmling an und fragte: „Was?“. Mit einem nervösen Seitenblick auf mich begann der Mann herumzustottern und wir verstanden, dass er den Bitcoin-Kurs von morgen 15 Uhr New Yorker Zeit wissen wollte. „41.842,90 Dollar“ antwortete der Laplacesche Dämon gelangweilt und gab mit einer unmissverständlichen Kopfbewegung Signal, dass der Preis dieser Antwort sei, sein Urin gefälligst woanders zu verspritzen.

Als wir wieder unter uns waren, fragte ich einigermaßen verdattert, wie solche Vorhersagen in einer sinnlosen Existenz denn noch möglich seien. „Deine Naivität nervt mich echt an“, murrte er und ließ einen übelriechenden Wind fahren, während er seinen Hosenstall wieder schloss. „Seit wann ist Sinn eine notwendige Voraussetzung für Determinismus?“

Wie es so oft ist, wenn einem die wirklich wichtigen Dinge offenbart werden, konzentriert sich das überrumpelte Gehirn erstmal auf unmittelbar greifbare, aber gänzlich unbedeutende Details. So wurde ich gewahr, dass mein Schwanz immer noch unmotiviert aus der Hose baumelte und auf die Gucci Loafer abtropfte. Beim Muster dachte ich über Fraktale nach, denn das schien mir irgendwie mit der Sache selbst zu tun zu haben. „Du meinst, es gibt – zwei verschiedene Arten von Sinn?!“ Jetzt grinste der Dämon dankbar und das Licht im Bahnhofsklo bekam dabei einen leichen Touch von Regenbogen, ganz wie bei Zaubereinhörnern. „Gar nicht mal so dämlich für einen Typen, der sich die Nobelschuhe vollpisst“, bekundete er wohlgefällig. Und kam zurück zum Thema, bei dem wir vorhin von dem Krypto-Zocker unterbrochen worden waren.

So erfuhr ich, wie es mit dem Sinn des Lebens wirklich war. Da gab es einmal die Ballermann-Kotzerei. Und die ist absolut – eine Konsequenz des mathematischen Universums. „Frag mich nicht warum, es ist einfach ein Freak Accident, eine unweigerliche Nebenwirkung von Quantenfluktuationen in der Berechnung für Eure Spezies“, meinte die übermenschliche Kreatur beiahe entschuldigend. Dass derzeit dort nicht gereihert werden könne, brächte die ganze Wahrscheinlichkeitsfunktion ins Ungleichgewicht und könnte noch unabsehbare Folgen für die Naturgesetze haben. Doch leider seien die Mathematiker und Physiker, die nach Konsultation mit ihm diese Argumente gegenüber den führenden europäischen Regierungen vorgebracht hätten, aus den Beraterstäben verbannt worden. Der Grund dafür läge an der zweiten Art von Sinn: „Ihr Menschen seid ja meist zu blöd, den universellen, notwendigen Sinn zu erkennen“, lautete des Dämons wenig schmeichelhaftes Urteil. Die meisten, die da kotzten, wüssten gar nicht, wieso sie das täten – und so sei das ja auch okay. Schließlich müsse man in einen Sinn nicht eingeweiht sein, um ihn zu erfüllen. Das Problem seien vielmehr die wenigen Leuchten, denen es doch gelingt, diesen Teil der Weltformel zu knacken. „Die können das nicht akzeptieren,“ mockierte sich mein Latrinengenosse. „Zu borniert und zu narzisstisch. Außer Einstein, Bohr und Bohm. Mann, die waren ERLEUCHTET. Die sind lachend nach Malle geflogen und haben ihren Teil beigetragen, ohne jemandem davon zu erzählen.“ Leider seien das aber absolute Ausnahmen. Der große Rest der Gekränkten erfände stattdessen lieber eigene Sinnhaftigkeiten und quake diese ex cathedra in die Welt.

Nun sei es ja aber leider so, dass Meme noch hartnäckiger seien als Gene. Was geglaubt werde, werde befolgt, und was befolgt werde, entfalte Wirkmacht. „So hacken die Wichser den Code“, ereiferte sich der Laplacesche Dämon untypisch heftig und trat mit einem seiner Pferdefüße (es waren mehrere, doch so genau wollte ich nicht nachzählen) kurzerhand den Handdesinfektionsmittelspender von der Wand. Wieso ihn das denn so anfechte, wollte ich wissen. Schließlich habe er den Code ja nicht geschrieben und müsse vielmehr nur alles wissen, quasi buchhalterisch. Doch schon beim zweiten Teil des Satzes wurde mir klar, wie dämlich meine Frage gewesen war und ich schob diese Einsicht direkt hinterher, um zumindest den Handtrockner zu retten. Der Weltenbuchhalter ließ sich gegen die Eingagstür sacken und blickte mich aus jenseitig müden Augen an (was sich noch seltsamer anfühlt, als überhaupt von Dämonaugen angeblickt zu werden). Es war darin eindeutig ein unerfüllbarer Wunsch nach Erlösung zu sehen. „Weißt Du, was das jedes Mal für ein Aufwand ist, völlig abstruse, aber in sich geschlossene Denkmodelle zu berechnen und in das Weltformelsystem zu integrieren? Die Dinger sind ja selbstreferentiell und neigen dazu, immer mehr von ihrer eigenen Art hervorzubringen, wie ein Computervirus“. Je mehr Menschen instinktiv fühlten, dass ein absoluter Sinn der Existenz gerade nicht verfügbar sei, desto mehr Arbeit käme in dieser Hinsicht auf ihn zu. „Am heftigsten sind so völlig verkopfte Spinnereien wie QOnan", meinte er mit einem gewissen Respekt. „Das geht mathematisch schon ziemlich ans Limit, das mit der Welt irgendwie zusammenzubringen.“ Deshalb könne er gar nicht erwarten, dass endlich wieder unbesorgt gefeiert und gereihert werden könne, doch leider dauere das ja noch ---

Um ein Haar hätte er mir das genaue Enddatum der Pandemie vorhergesagt. Aber da ging in einer Kabine, in der es bisher mucksmäuschenstill gewesen war, die Klospülung und ein dicklicher Herr mit schweißüberströmter Stirn verließ mit dankbarem Gesichtsausdruck den stillen Ort. Ich weiß nicht wieso, doch in genau diesem Moment hatte sich der Laplacesche Dämon ohne einen weiteren Kommentar aufgelöst. Muss seine innere Notwendigkeit gehabt haben, im Sinne der Weltformel.

Es bleiben der schwabbelige Schwitzer und ich zurück und blickten ostentativ unbeteiligt umher. Während wir uns die Hände wuschen fragte er mich beiläufig, mit einem Anflug von Hoffnung in der Stimme: „Ist das eigentlich Absicht, dass Ihr Schwanz noch aus der Hose hängt?“

Ephemere
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Veröffentlicht am 01.08.2021, 9 mal überarbeitet (letzte Änderung am 01.08.2021). Textlänge: 1.097 Wörter; dieser Text wurde bereits 64 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.09.2021.
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