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Der ultimative Heimatkrimi XVI - Roman einer Erpressung und Verbrechen wider Willen

Erzählung zum Thema Abrechnung


von pentz

Die Befragung

Der Arzt wurde ins Büro des Untersuchungsbeamten von einer Polizistin geführt.
„Wie geht es der Familie?“
Die Angesprochene streckt ihren Ehefinger mit Goldriing nach vorne gestreckt, als wollte sie jemanden verhexen oder abwehren.
„Gut, gut, wie immer. Und selber? Die Gemahlin schon übern Berg?“
„Ja, mittlerweile schon. Bei der exzellenten Betreuung!" Damit meinte sich der Kriminaler selbst.
Die Polizistin zeigte ein aasiges Lächeln, bevor sie schnell verschwand.
Der Arzt ist daraufhin noch deprimierter als sonst. Er mußte an seine eigen Ehe denken. Seine Gemahlin würde so schnell nicht über den Berg sein, egal, wie sehr er anschob, was er in den letzten Tagen unermüdlich getan hatte. Die verkorktesten Entschuldigungen brandeten an einer schweigenden Mauer oder einem aufschreiendem Schwall von Gezeter ab.
Der Kollege begann damit: „Wir stehen vor einem Rätsel. Es sind so viele Fragen offen, daß wir gar nicht wissen, wo anfangen? Wüßten wir nur das Motiv?“
Der Arzt schaut verschämt in eine Ecke.
Ja, die Suche nach dem Motiv zur Entführung – nur zu gerne würde er helfen, das Rätsel zu lösen. Damit müßte er von dem Schwarzgeld erzählen, das Anstoß zur Entführung bildete, berichten, er bekomme Geld des griechischen Mieters seines Verwandten Hauses jeden Monat schwarz zugesteckt und diesen Betrag hatte er an jenem Entführungsabend wieder einmal in der Tasche stecken gehabt, worauf die dahergelaufenen Gauner gestoßen sind und somit der Stein ins Rollen gekommen ist – nein, das ging nicht!
Er saß ganz schön in der Zwickmühle!
Wovon der Arzt ausging, daß der Kriminaler wußte: Der Entführer hatte (nur) den Videomitschnitt der sexuellen Handlung zwischen ihm und der Krankenschwester auf eine Internetseite geladen, die für die Öffentlichkeit zugänglich war.
Das war jedoch ein Irrtum.
Denn was weder der Arzt noch der Kriminaler bislang wußten: Blondy hatte nicht nur die sexuelle Handlung aufgezeichnet, sondern. weil der Camcorder weitergelaufen ist, das anschließende Gespräch zudem, das zu offenbarte, daß 1000 Euro Schwarzgeld im Spiel waren und es befeuerten. Daß die Ermittler momentan noch nichts davon wußten, lag daran, daß der Computer von Blondy, der diesen Videomitschnitt dort aufgespielt hatte, noch nicht ausgewertet worden war.
Zum Glück des Arzt freilich.
Des Kommissars haarsträubende Gedanken und Vermutungen zeigten sein Tappen im Dunkeln von Sackgassen. 'Stecken Arzt, Polizist und dieser Ernst unter einer Decke? Ein Familienkomplott sozusagen. - Oder wollte der Arzt allein seine Familie erpressen, indem er sich entführen ließ von zwei gedungenen Gaunern? Diese haben ja die Dienstpistole von des Polizisten-Neffe gehabt, die ihnen in diesem Fall der Arzt hat zukommen lassen, weil der Polizist sie ihn entweder geliehen hat oder vom Arzt beklaut worden ist? Wo? Bei ihm Zuhause? Der Arzt ist davon ausgegangen, daß er die Pistole nach der Entführung wieder klammheimlich zurücklegen kann. Hm... Oder steckt auch der Polizist mit dahinter?'

Der Polizist schaut verschämt in eine Ecke – nachdem ihn der Ermittler noch kollegial begrüßt hat. Zwar ist dieser von der Kripo und er bei der Verkehrspolizei, und persönlich kennen tun sie sich auch nicht, aber es verbindet sie der Umstand, daß sie in der gleichen Gesellschaft, beim Staat und zudem privilegierte Beamte sind, die aber besondere Pflichten besitzen.
Das befeuert eben das Problem. Der Polizisten kriegt das Gefühl nicht los, er habe die Berechtigung zum Kollegiatentum verspielt, was ihn um so mehr schmerzt, als er sich bislang immer als mit Haut und Haaren ehrbarer Polizist gesehen hat.
„Du weißt Kollege, ich muß Dir unangenehme Fragen stellen!“, kommt es zunächst im vertraulichen Tonfall. Er nickt schweigend dazu. Als ob er nicht wußte, was auf ihn zukäme. Aber er weiß nur zu gut und hält es sich stets vor Augen: Familie ist das eine, Beruf das andere.
Ein lächerliches Licht würde auf ihn fallen zu berichten, er habe sich den Cabrio einen Tag vor der Geldübergabe auf eigene Faust angeschaut und so unvorsichtig dämlich verhalten, daß er eine über die Birne gekriegt und ein Niemand von Kleinkrimineller ihm mir nichts dir nichts die Dienstpolizei entwendet hat.
Schlimmer aber noch war eben diese Verheimlichung. So fühlte er es immer mehr. Er schaute verloren in des Hauptkommissar Gesicht, wandte wieder den Blick schnell woandershin, zum Fenster hinaus.
Durch diesen sieht er eine Taubenschar auf dem Dach des gegenüberliegenden Haus. Sie verschissen dort die Balkone, daß es zur wahren Landplage geworden war. Der Hygiene wegen hatten die Mieter ihre Balkone mit Eisendraht vernetzen müssen, was zwar die Kacke abhielt, aber die Sicht mit einem Gitternetz verunzierte. Von daher mussten sich die Mieter wie eingesperrt vorkommen – wie im Gefängnis.
Seine Brust fühlte sich an wie ein Zentner Betonsack. Wer weiß, was die Ermittler nicht alles im Hintergrund hatten oder noch herausfinden würden? Aber noch wichtiger war ihm die Aussicht, ob er sich wie im Gefängnis vorkommen will, verwoben und verstrickt in Lügen, Halbwahrheiten und Vertuschen.
„Wie kommt es nur, daß die Gauner Deine Dienstpistole hatten, als man sie aus dem Autoblech zerren mußte?“
Er zuckt die Schultern. Noch kann er Widerstand leisten, ein Trotz gegen die Preisgabe der Lächerlichkeit. Andererseits denkt er aber, wenn ich nicht das Übel an der Wurzel packe, packt es mich.
„Kann es vielleicht sein, daß...“
Es war doch idiotisch, sich Gitternetze vor das Fenster zu hängen, um sich selbst einzusperren. In solch einem Fall hilft nur eins, meint der Polizist-mit-Haut-und-Haaren: Reduktion der Überzahl, sprich Tauben vom Dach schießen oder seinethalben auf eine andere, etwas humanere Weise, jedenfalls gab's nur eins: Eliminierung einiger Tauben.
So beisst er schließlich in den sauren Apfel.
„Am Sonntag, vor dem Tag der Geldübernahme, die war ja am Montag...“
Der Kriminaler schwieg, um den Polizisten Zeit zu lassen, reinen Wein einzuschenken.
„Als ich also am Sonntag zu dem Fahrzeug gefahren bin, um die Umstände der Geldübergabe noch einmal abzuchecken...“
„Natürlich!“ Das ist aber eine schwere Geburt.
„Na, da hat mich einer der Ganoven hinterrücks...., also, solch ein Schmalspurganoven, meine Dienstpistole entwendet.“
"Entwendet, so, so!"
Schlimm, schlimm das erzählen zu müssen. Der Kriminaler konnte beim besten Willen aber nicht ernst, verständnisvoll und jovial reagieren, dazu war der Hammer zu groß.
„Warum aber hast Du nicht alles der zuständigen Stelle gemeldet?“
„Die Familie...“
Der Kriminaler zuckt nervös mit den Augenbrauen.
Was glaubt denn der Kriminaler überhaupt, Mensch. So einfach ist die Sache auch wieder nicht gewesen!
Der Poliotizisten-Neffe sitzt da mit dem Gefühl, nicht Ernst genommen zu werden.

Ernst schaute hier nicht verschämt in die Ecke, denn er war in seinem Element, wie ein Politiker, der voll im Rampenlicht der Gesellschaft steht. Er blickte dem Kriminaler direkt und unverwandt, auf Augenhöhe und quasi Face-to-Face ins Gesicht.
Und der Kriminaler ist zunächst geblendet von Ernst. Von dem, was jener sehr gut konnte im ersten Augenblick einer neuen Situation, nämlich sonor, solide und strait aufzutreten, als ein Macher, Einer-der-die-Dinge-anpackt, ein Strippenzieher, dem nichts entgeht. Voll kompetent eben! Mochten die Tabletten ihren Anteil daran haben, daß sie ihn aufrechterhielten, aufbauten und geradezu stählern erscheinen ließen.
Nun, etwas Merkwürdiges wurde doch allmählich in seinem Ansehen deutlich. Seine Augen.
Diese fielen wegen der dichten, buschigen, nicht geschnittenen, struppigen Brauen zunächst deshalb nicht sofort auf, weil Ernst ein blonder Typ war und auch diese Haare weiß, aber auch schon grau waren.
Es ist irritierend, kann man jemanden nicht in die Augen blicken. Unsicherheit macht sich breit. 
Deswegen macht der Kriminaler einen taktischen Fehler: er beginnt sofort mit dem Verhör.
„Wie kommen eigentlich die Verbrecher in den Unfallwagen? In den Wagen, den Sie dienstlich gefahren haben? Stecken Sie mit Ihnen unter einer Decke? War am Strandparkplatz die Übergabestelle, wo sie das Fahrzeug den Fliehenden zur Verfügung gestellt haben? Sie haben mit diesen kooperiert, da sie sich im Transporter befanden, als sie nach dem Verkehrsunfall aus dem verbeulten Fahrzeug gezogen worden sind?“
Ein kühner Zusammenhang, der sehr plausibel klang, dachte Ernst. Aber total daneben. Er konnte dem Polizisten nicht erzählen, was wirklich hinter all dem steckte. Daß er den Helden spielen wollte und gescheitert war, sonst wäre seine politische Karriere frühzeitig, noch vor seinem Einzug in Berlin, gestoppt. Übrigens hatte Ernst noch nicht die Zeitung gelesen heute.
„Wenn ich nur erst in Berlin wäre...“, murmelte Ernst dabei. Sein Gegenüber schaut auf.
Was hatte der da gesagt und was hatte es zu bedeuten, wenn er erst in Berlin war?
Zufällig liegt die örtliche Presse aufgeschlagen auf dem Tisch: Ernst, ein Held. Seine Partei konnte auf einen solch couragierten, jungen Mann stolz sein. Berlin wartet auf Dich, Ernst!
Aha, jetzt, wo er in aller Munde als Held dastand, würde er nach Berlin kommen... und?
Das bestätigte hinwiederum des Kriminaler Vermutung der Entführung als familiäre Verschwörung!
„Was würde dann sein, wenn Sie erst in Berlin sind?“
Ernst zögert, vermutet eine Falle und schweigt.
Killerinstinkt! Politikerroutine: sagen, ohne etwas auszusagen. Aber das heißt nicht nichts zu sagen!
Leichter gesagt als getan.
'Mensch, was sag ich jetzt?'
Er überlegte krampfhaft, wie aus dieser Sackgasse herauskommen? Banales, Plausibles, aber Unwahres entging ihm. Aber das war's doch, was Politiker so sehr konnten.
Er merkte, das hier war seine Taufprobe, Feuerprobe als Politiker, jetzt und hier nahm seine Politikerkarriere den Anfang oder das Ende.
Inzwischen rotierte der Polizistenschädel.
Mensch, von woher wehte der Wind?
Ihm wurde gesteckt,  daß Ernst das schwarze Schaf der Familie sei und jahrelang arbeitslos gewesen war und mit einem Schmunzeln hatte dieser Kollege noch angedeutet, daß er bei der Firma des Freundes seines Bruders als Mädchen-für-Alles untergekommen war. Die Familie empfand Ernst insgesamt als Klotz am Bein.
Ging man von einem abgekartetem Spiel aus, Bruder und Polizistenneffe wußten Bescheid, dann war alles inszeniert, um Ernst in die Schlagzeilen zu bringen und ihn somit nach Berlin zu katapultieren. Der Bruder der Lockvogel, der Polizistenneffe der Steigbügelhalter und Ernst der Held. Klang logisch.
Aber das war auch wieder irritierend.
Betrachtet man nur mal die Entführer.
Was, wenn die Entführer nicht eingeweiht gewesen waren?
Wenn es sich um einen Zufall handelte, daß die Entführer an dem Abend, während sich Arzt und Krankenschwester im Cabrio liebten, vorbeikamen und sie filmten? Und daraus dann die Erpressung sich ergab? 
Nein, das war zu unwahrscheinlich.
Dann waren vielleicht alle eingeweiht? Entführer, Krankenschwester, Arzt, Polizist und Ernst – zum Zweck? Um Ernst einen Aufwind für seine politische Karriere und berlinerische Kandidatur zu vermitteln? Dafür sprach auch, daß nur sie involviert waren und die Polizei außen vorgelassen worden ist; sie waren unter sich und konnten es so hinstellen, daß alles so aussah, als ob die zwei jetzt toten Drogenabhängigen zur Entführung verleitet worden sind.
Der Polizist rümpfte die Nase.
Da blieb nur die Krankenschwester übrig. Sie konnte doch keinen Vorteil aus dem Komplott ziehen. Ihr konnte es außerdem egal sein, ob Karl nach Berlin verschwand oder weiterhin so herumwurschtelte wie bisher.
„Schaun ma mal, was sie zu sagen hat!“

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Veröffentlicht am 15.09.2021, 9 mal überarbeitet (letzte Änderung am 30.09.2021). Textlänge: 1.757 Wörter; dieser Text wurde bereits 23 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.10.2021.
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