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InhaltsverzeichnisTodesschlaf

Die Eisprinzessin

Märchen zum Thema Liebe und Tod


von Mondsichel

Wo die schneebedeckten Hügel in die Wolken ragten, da lebte vor unendlichen Zeiten die Königin der Naturgewalten. Sie herrschte über jedes Lüftchen das sich über den Wiesen erhob, über jedes Unwetter das sich über die Welt begab, über jeden Sonnenstrahl und jedes Tröpfchen, das die Wolken der Erde schenkten.
Sie war eine mächtige Königin, aber sie war auch vor allem Mutter vieler Kinder. Eines ihrer Kinder waren die kleinen Schneeflocken die stets im Winter vom Himmel fielen. Obwohl sie so kalt wie das Eis in den Wintertagen waren, hatte die Königin sie doch am Liebsten von allen. Das Leuchten und Glitzern das von ihnen ausging erfreute ihr Herz und sie entsandte die kleinen Schneeflocken so gerne zu den Menschen.
Mit einem lächelnden Herzen blickte sie oft im Winter auf die Erde und beobachtete die Kinder wie sie im kühlen Weiß tollten. Wie sie Schneemänner bauten und Schneeballschlachten machten. Das alles erwärmte die Seele der Königin, auch wenn es sie schmerzte das ihr Kind ihre innige Liebe stets nur mit Kälte erwiderte...
Eines schönen Wintertages fiel der Schnee einmal wieder verspielt vom Himmel herab. Die Flocken tanzten ihren Reigen und schmückten die Welt mit ihrem weißen Leuchten. Die Pflanzen schlummerten warm und geborgen unter der weißen Decke, die sie vor dem Frost beschützte.
An jenem besagtem Tage trat ein junger Mann aus seinem Hause und blickte verträumt hinauf zum Horizonte, von dem die Flocken hernieder schwebten.
Sein Herz war voller Freude und er lief fröhlich durch die schneebedeckte Landschaft. Die Schneeflocken sahen ihn, wie er durch ihre tanzenden Reigen rannte und sich von den zerschmelzenden Kristallen küssen ließ.
Sie verstanden seine Freude nicht, sie verstanden diese Wärme nicht die sie sonst nur im Frühling verspürten, wenn das Tauwetter begann...
Für einen kurzen Moment wurde eine neblige Gestalt im tanzenden Schneegewirbel sichtbar, wie ein Geist der unruhig und unendlich traurig durch die Weiten streift.
Der junge Mann hatte sie im ersten Moment nicht bemerkt, doch auf einmal erblickte er die neblige Gestalt vor sich. Er wagte nicht zu atmen.
Es waren nur zwei kristallene Augen die nachdenklich in die Ferne schauten. Doch sie faszinierten ihn, sie hielten ihn in ihrem Bann. Und langsam begann es in seinem Herzen unendlich warm zu werden, sein Atem begann zu zittern. Wie in fernen Sphären blickte er immer nur in diese Augen, diese Augen die ihm den Verstand zu rauben schienen...
Er wollte seine Hand nach der Gestalt ausstrecken, die unmittelbar vor ihm schwebte. Sie schreckte vor ihm zurück, denn die Wärme brannte unangenehm auf ihrer eisigen Gestalt. Beiden schauten sich nur an, keiner wagte ein Wort zu sagen. Plötzlich erhob sich ein Wind und sie war seinen Augen wieder entschwunden.
Ein Dolch traf tief sein Herz, es war als würde ihm ein Teil seiner Seele aus dem Innersten gerissen. Er verweilte für eine ganze Weile noch im Tanz der Schneekristalle, die sanft seine Wangen küssten. Die Schneeflocken umwirbelten ihn und begannen nachzudenken.
Noch lange Zeit nachdem der junge Mann längst wieder in seinem Haus verschwunden war, konnten sie nicht aufhören sich Gedanken zu machen. Schließlich hörte es auf zu schneien...

Die Königin der Naturgewalten machte sich große Sorgen um ihr Kind als sie dies bemerkte und fragte schließlich die Schneeflocken warum sie denn nicht mehr vom Himmel fallen würden.
Sie erzählten schließlich was sie an diesem Tage erlebt hatten und das sie nicht verstehen würden was diese Wärme zu bedeuten hätte.
Die Königin lächelte und sprach: „Das ist das Herz und die Seele die in jedem Menschen wohnen. Diese Wärme die ihr spürtet sind die Gefühle die ganz tief in jedes Menschen Herz und Seele innewohnen. Es ist das pulsierende Blut das ihren Körper erwärmt. Dieser Mensch liebte Euch genauso wie ich es tue.“ Die Schneeflocken wirbelten wild umher und der Umriss einer Gestalt die durchsichtig war wurde erkenntlich.
„Was sind Gefühle? Wie ist es zu lieben Mutter?“ Leuchtende kalte Augen blickten die Königin fragend an. Aus dem Schneegewirbel trat ein junges Mädchen hervor, das so eisig war, das man selbst in ihrer unmittelbaren Nähe fror.
„Gefühle kann man nicht beschreiben, man muss es einfach in sich spüren. Auch wie es ist zu lieben muss man erfahren um es zu verstehen. Doch die Liebe würde Dich schmelzen lassen, denn sie ist so warm, das jedes Eis zerfließt.“
Leer blickte das Mädchen die Königin an, zögernd fragte sie: „Dann ist diese Wärme die in ihm war also Liebe gewesen?“ Die Königin nickte.
„Ich bitte Dich Crystal, komm den Menschen nicht zu nahe. Ich will Dich nicht verlieren. Du bist die Prinzessin des Schnees und des Eises, die Liebe wäre Dein sicherer Tod...“

Schließlich kam der Frühling über das Land und die Eisprinzessin schlief längst in den bergigen Höhen. In ihren Träumen erinnerte sie sich immer wieder an den jungen Mann der fröhlich durch ihr Schneegestöber gelaufen war. An sein Lächeln, das sich wie die Sonne in ihr eisiges Herz geschmolzen hatte.
So floh die Zeit dahin, Frühling, Sommer und Herbst waren gegangen. Es war wieder Winter geworden und der Königin liebstes Kind malte die Welt in leuchtendes Weiß. Schnee und Eis hatten wieder ihren Weg zurück gefunden, so wie in jedem Jahr.
Es war Weihnachten, seit langem wieder ein weißes Weihnachten, wie die Menschen sagten. So viele tummelten sich fröhlich lachend durch die weiße Pracht. Doch die Schneekristalle warteten nur auf den jungen Mann...

Crystal hatte der Blick dieses Sterblichen nicht mehr losgelassen und so lief sie oft unsichtbar vor dem Haus hin und her, aus dem er damals getreten war. Und tatsächlich öffnete sich eines Tages wieder die Türe und er trat in das Schneegestöber hinaus.
Die Eisprinzessin ließ besonders dicke Flocken vom Himmel fallen, die unentwegt sein Gesicht küssten und durch die Wärme dahinschmolzen. Auch er gedachte dieser Augen die ihm im letzten Winter erschienen waren. Versunken in seinen Gedanken streifte er durch die weiße Landschaft.
Als er eine Weile gelaufen war blieb er stehen, schloss er seine traurigen Augen und ließ die leuchtenden Flocken auf sein Gesicht fallen. Er schien es zu genießen, diese Kühle auf seinen Wangen zu spüren.
Das Mädchen nahm wie damals erst eine neblige Gestalt an, doch dann entschloss sie sich ihm in ihrer wahren Gestalt zu zeigen. Eine Eisprinzessin muss sich nicht verstecken, auch nicht vor den Menschen...

Sie war bleich, ihre Augen hellblaue Kristalle, ihr Haar war weiß wie der Schnee und gekleidet war sie in ein langes weißes Kleid, das mit vielen kostbaren Diamanten und leuchtenden Eiskristallen bestickt war. Um ihren Hals war ein weißes tüllenes Tuch gewickelt, das in zwei langen Bahnen zum Boden reichte. Sie trug kostbaren silbernen Schmuck, der einem die Augen mit seinem Leuchten verblenden konnte. Und mit ihren Kristallaugen blickte sie den jungen Mann interessiert an.
Als der junge Mann die Augen wieder öffnete und Crystal erblickte, schien sein Herz für einen kurzen Moment stehen zu bleiben. Sein Atem stockte vor Überraschung. Doch schon legte sich ein warmes Lächeln auf sein Gesicht...
Als er sie in ihrem dünnen Kleid das stehen sah fragte er: „Ist Dir nicht kalt Mädchen?“ Sie schüttelte den Kopf, wagte keinen Ton zu sagen. Sie blickte ihn nur unentwegt an. Sein braunes Haar umrahmte das freundliche Gesicht, die leuchtenden, feurigen braunen Augen, den lächelnden Mund der sie gebannt hielt.
„Wer bist Du und woher kommst Du?“ Jetzt lächelte sie ihn nur stumm an. Doch ihr Schweigen faszinierte ihn, ihre ganze mysteriöse Gestalt hielt ihn in ihrem Bann. Dann erhob sie ihre Stimme.
„Ich muss gehen.“ Oh welch zauberhafter Glockenklang schien ihn da zu verlocken. Solch eine angenehme Stimme hatte er noch niemals gehört...
Sie war nicht so kalt wie sonst, wenn sie mit ihrer Mutter sprach. Es schwang eine gewisse Liebkosung in ihren Worten, die den jungen Mann in ihren Bann zogen.
„Bitte, geh nicht!“ Flehend blickten seine Augen sie nun an.
„Es tut mir leid, doch ich kann nicht bei Dir bleiben.“ Ein Wind kam auf und Millionen Schneekristalle wirbelten auf, vernebelten ihm die Sicht. Er hielt die Hand vor Augen um sie zu schützen und als der Wind nachließ war sie verschwunden...

Eine Träne aus Eis lag in ihren Händen, eine gewisse Traurigkeit legte sich über ihr eisiges Herz. Und zum ersten Mal in ihrem Leben spürte sie die Einsamkeit, die ihr sonst immer so egal gewesen war.
„Eine Träne aus Deinen Augen? Oh was tust Du nur Crystal?“ Die Königin der Naturgewalten blickte sie fragend an. Sie ahnte was geschehen war.
„Du darfst ihn niemals wieder sehen! Liebe schafft nur Leiden für Dich. Einer von Euch beiden würde sein Leben lassen müssen. Ich könnte es nicht ertragen wenn Du fort wärst, hörst Du? Vergiss ihn.“ Die Eisprinzessin schaute zu ihrer Mutter hinauf.
„Aber es tut so weh in meinem Herzen Mutter, es tut so weh!“ Die Königin streichelte über das eiskalte Haar ihrer Tochter.
„Ich weiß. Ich hätte Dir das so gerne erspart meine Kleine. Gefühle sind ein Sturm aus so vielen Emotionen. Und die Traurigkeit ist eine davon.“ Die Prinzessin blickte leer vor sich hin.
„Schlaf jetzt Crystal. Schlaf und vergiss ihn. Es ist besser für Euch beide.“
Die Prinzessin legte sich nieder und die Königin entschwand. Doch sie schlief nicht, sie blickte mit traurigen Augen in die Leere. Und sie wünschte sich nichts mehr als ihn wieder zu sehen, diesen Menschen. Dann schloss sie die Augen und träumte davon mit ihm durch die wirbelnden Schneeflocken zu tanzen und seine Umarmung zu spüren...

Der junge Mann lief jeden Tag hinaus in den kalten Schnee, er wollte das Mädchen wieder sehen. Doch sie kam nicht wieder zurück. Es schmerzte ihn sehr, diese Augen, er hatte sie sofort erkannt. Es waren dieselben Augen die er schon ihm Jahr zuvor im Schneegestöber gesehen hatte.
In seinem Herzen war die tiefe Liebe entbrannt, diese Sehnsucht nach diesem Mädchen, wer immer sie auch war. Je länger er auf sie wartete, desto schmerzhafter war es für ihn. Und als der Winter gegangen war, da zerriss es ihm das verliebte Herz...

Die Eisprinzessin hatte nicht lange geschlafen, viel zu unruhig war es in ihrem Innersten. Auch sie hatte die Sehnsucht ergriffen und so erwachte sie früher als sie es eigentlich sollte aus ihrem tiefen Schlafe. Sie wollte ihn wieder sehen, auch wenn es noch lange nicht ihre Zeit war. So stahl sie sich schließlich heimlich aus dem Palast.
Die Königin merkte von alledem nichts, sie war viel zu sehr damit beschäftigt am anderen Ende der Welt die Stürme zu besänftigen.
Auf der Erde war Frühling, so strengte sie all ihre Kraft an und rief den kalten Winter auf diesen Teil der Welt zurück. Sie ließ die Flocken tanzen und schickte eisige Kälte über das Land. Bald war die Landschaft in Schnee und Eis getaucht.
Die Menschen waren verwirrt, die Sonnenstrahlen beleidigt, doch Crystal wollte ihn unbedingt wieder sehen. Und so kam sie auf die Erde, klopfte vorsichtig an der Tür des Hauses an in dem er wohnte.
Als sich die Tür öffnete kam ihr eine Wärme entgegen die sie ängstlich zurückweichen ließ. Doch schon blickten ihr diese faszinierenden Augen entgegen, die sie nicht vergessen konnte. Er erkannte sie sofort und bat sie hinein in die warme Stube. Doch sie lehnte ab. So nahm er sich einen Mantel und trat vor die Tür.
Gemeinsam gingen sie ein Stück, dann hielt er sie am Arm fest. In ihren kristallenen Augen schien die Sehnsucht zu funkeln, doch sie war noch immer kalt wie der Winter. Er zog seine Hand rasch zurück als er diese Kälte spürte.
„Meine Güte, Du bist ja kälter als Eis. Man könnte denken das man erfriert wenn man Dich berührt.“ Sie blickte ihn traurig an. In diesem Moment begriff sie warum ihre Mutter sie so gewarnt hatte. Ihre Kälte war tödlich für ihn, er würde erfrieren und sterben. Dann würde sie ihn niemals wieder sehen. Nein, das wollte sie nicht. Niemals...
„Ich hätte nicht kommen dürfen, es tut mir leid.“ Crystal wollte davonlaufen, doch er hielt sie an ihrer Hand fest, auch wenn die Kälte ihm durch Mark und Knochen ging.
„Bleib bitte bei mir. Ich will nicht dass Du mich schon wieder verlässt. Wie oft habe ich den Rest des Winters gehofft Dich wieder zu sehen! Wie oft war ich da draußen und habe auf Dich gewartet! Doch ich wartete vergeblich. Diese Einsamkeit hat mich verrückt gemacht, hat sich durch meine Seele gefressen und mich in Traurigkeit versinken lassen. Nun bist Du wieder da und willst auf einmal so schnell wieder gehen. Nein. Ich kann Dich nicht gehen lassen.“ Sein Blick war voller Sehnsucht, die in warmen Wellen ihr Herz umschlang.

„Auf diesen Moment habe ich so lange gewartet, ich will ihn nicht verschenken. Ich weiß nicht wie Du heißt oder woher Du kommst. Aber das ist auch egal. Für mich zählt nur dieser Moment und die Liebe die ich in meinem Herzen trage, seit dem Augenblick wo ich Dich zum ersten Mal sah im Schneegestöber des vorletzten Winters. Ich habe Deine Augen wieder erkannt, jetzt will ich Dich nie wieder gehen lassen. Egal wie schwierig es sein sollte, ich möchte für immer bei Dir sein.“ Crystal atmete stockend...
Diese Gefühle die auf einmal ihren eisigen Leib durchbebten waren so schön und doch auch so gefährlich. Sie blickte ihn flehend an.
„Das ist unmöglich. Einer von uns beiden würde sterben, wenn wir uns lieben würden. Ich kann nicht in der Wärme überleben die mir Deine Gefühle geben. Und Du kannst nicht in der Eiseskälte überleben die von mir ausgeht. Es ist eine hoffnungslose Liebe.“ Eisige Tränen traten aus ihren Augen.
„Es tut so weh in meinem Herzen“ schluchzte sie. „Es tut so verdammt weh. Warum nur? Sag mir warum nur? Das habe ich noch niemals gespürt. Es ist so kalt wie das Eis das mich umgibt und doch treibt es mir heiße Klingen durch mein Herz.
Ich will dass es aufhört und doch will ich es nicht. Ich will dass Du mich liebst und doch will ich es nicht. Ich will nicht dass Du stirbst und doch will ich nicht dass Du von mir gehst. Ich weiß nicht mehr was ich fühlen oder denken soll.“
In ihrem Kopf spukten millionenfach die Warnungen ihrer Mutter, doch sie wollte auch nicht wahrhaben das ausgerechnet ihr dies verwehrt bleiben sollte, was selbst ihre Mutter spüren konnte...
Er nahm all seinen Mut zusammen und umarmte die Eisprinzessin, hielt sie fest in seinen Armen, auch wenn die Kälte ihm schmerzhaft in die Knochen kroch. Ängstlich blickte sie in seine lächelnden Augen, die ihr verrieten das er sich keinesfalls davon abhalten lassen würde ihr seine unendliche Liebe zu schenken.
„Es ist mir egal ob ich sterben werde, wenn ich nur ein einziges Mal Deine Lippen auf den Meinen spüren könnte. Auf diesen Moment habe ich so lange gehofft, wie hoch der Preis auch sein mag.“ Sie verzweifelte im Inneren.
„Nein ich will nicht dass Du stirbst! Ich...“
In diesem Moment spürte sie seine warmen Lippen auf den Ihren und sie vergaß alles was um sie herum geschah. Sie erzitterte unter diesen neuen und schönen Gefühlen die sie nun erfüllten. Diese Wärme die sich wie ein heißes Feuer durch ihr Innerstes fraß war so schmerzhaft und doch so angenehm.
Seine Lippen spürten das Eis auf den Ihren, doch je leidenschaftlicher er sie küsste, desto weicher und wärmer wurden sie. Irgendwann spürte er die Kälte nicht mehr die von ihr ausging. Sie ließen sich in den Schnee fallen und flogen mit ihren Gefühlen davon. Eine Leidenschaft ergriff sie beide und das Herz der Eisprinzessin begann langsam aber sicher aufzutauen...

Die Königin spürte auf einmal einen tiefen und schmerzhaften Stich in ihrem Herzen. Hektisch rannte sie in das Zimmer der Eisprinzessin, doch sie war fort.
Die Königin ahnte Schreckliches und lief zu ihrem Spiegel der Welt um ihre Tochter zu finden. Als sie den Schnee auf einem Teil der Erde erblickte schlug sie die Hände vor das Gesicht. Welch ein Chaos! Schnee zum Ende des Frühlings, das konnte nur das Werk von Crystal sein! Immer wieder hatte sie Angst davor gehabt das dies geschehen könnte.
Sie entdeckte ihre Tochter mit dem jungen Mann im Schnee und musste erkennen, dass es bereits zu spät war. Die Gefühlsflut vernebelte der Eisprinzessin die Sinne und sie ergab sich allem was in ihr war. Das heiße Feuer der Liebe brannte lichterloh und der Schmerz war der Erfüllung gewichen. Sie vergaßen wo sie waren und welche Kälte sie umhüllte. Sie vergaßen die Grenzen die zwischen ihnen gezogen waren, sie waren vereint und verschmolzen mit ihren Seelen...
Die Sonne blickte wieder hervor und wärmte die beiden Liebenden, die in einem Rausche aus Leidenschaft und Hingabe die Welt vergessen hatten.
„Warum hast Du das nur getan Crystal? Warum nur? Du hättest hier so glücklich sein können. Du hättest ewig leben können. Du hättest niemals Schmerz fühlen, niemals leiden müssen. Oh Crystal, nun tut es mir in meinem Herzen weh.“ Die Königin weinte heiße Tränen. In ihren Schläfen pochte der Schmerz über diesen Verlust.
Ihre liebste Tochter war dem Tod geweiht, weil sie diesen Sterblichen liebte. Es zerriss sie innerlich, denn sie wusste dass die Liebe jedes noch so kalte Eis mit seinen Feuern der Leidenschaft zu schmelzen vermag.

Aus dem Schnee kämpften sich ein paar Blumen an die Oberfläche, um das Licht und die Wärme der Sonne auf ihren Blüten zu verspüren. Crystal war außer Atem, doch sie fühlte sich so glücklich wie niemals je zuvor. Fester umarmte sie den noch warmen Leib ihres Geliebten, streichelte über seine nackte Haut.
Sie wusste er war bereits tot, er hatte die Welt mit einem letzten geseufzten „Ich liebe Dich meine Eisprinzessin“ verlassen. Die Kälte hatte ihren Tribut gefordert. Sie wusste, dass sie ihm gleich folgen würde. Ihr Herz war schon dahingeflossen und der Rest ihres Körpers brannte noch immer im Feuer der Leidenschaft.
„Ich liebe Dich auch mein Engel der Liebe“ hauchte sie und ihre kristallenen Augen erloschen für immer. Die Sonnenstrahlen küssten die beiden Liebenden noch ein letztes Mal und dann entschwanden ihre toten Leiber den Augen dieser Welt...

Seit jenem Tage bringt die Königin der Naturgewalten die leuchtenden Schneekristalle selbst auf diese Welt. Und immer wenn der Winter beginnt denkt sie an ihr liebstes Kind, das ihr so schmerzhaft aus dem Herzen gerissen wurde.
Wenn sie die Menschenkinder so fröhlich und munter im Schnee spielen sieht, dann weint sie oftmals bittere Tränen der Erinnerung. Das ist auch der Grund, warum es selbst im Winter manchmal regnen kann. Es sind die Tränen der Königin, die um ihr verlorenes Kind weint...

(c)by Arcana Moon

Anmerkung von Mondsichel:

Sie hat zwar nur fünf Seiten, aber auch fünf Seiten können die Fantasie und die tiefsten Sehnsüchte entfachen. Ich finde sie passt sehr gut in die momentane Winterlandschaft. Es ist eine märchenhafte Sage geworden, die mir spontan einfiel, als ich über den bisherigen Winter nachgedacht hatte. Über die recht warmen Tage wenn es manchmal regnet, über die bitterkalten, wenn die Schneekristalle langsam von Himmel fallen. Und darüber was passieren kann wenn sich die Prinzessin des Eises am Feuer der menschlichen Liebe verbrennt...


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von pyrieth (53) (07.03.2005)
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Mondsichel meinte dazu am 07.03.2005:
Vielen Dank, es freut mich das Dir meine Geschichte gefallen hat
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Symphonie (73) antwortete darauf am 08.03.2005:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Mondsichel schrieb daraufhin am 08.03.2005:
Vielen Dank Ela. Ja die Schneesterne und Tschaikovskys Nussknackersuite haben mich doch sehr inspiriert zu dieser Geschichte.
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Kommentar von Gernot12 (26) (10.03.2005)
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Mondsichel äußerte darauf am 10.03.2005:
Dankeschön! Es freut mich das Dir die Geschichte so gefallen hat. *verlegen lächel*
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Kommentar von BEngel (52) (29.04.2005)
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Mondsichel ergänzte dazu am 30.04.2005:
Nunja, ich bin eben Tragikerin und selbst die Realität sagt mir immer wieder, das Eis schmilzt, wenn es die Körperwärme eines Menschen verspürt. Und da die Eisprinzessin aus Eis bestanden hat, kann sie auch kein Mensch werden und auch kein neues Leben beginnen... Außerdem hätte ich dann auch nicht das Ende begründen können, warum es im Winter manchmal regnet ;)
Lieben Dank für Deinen Kommentar
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franky
Kommentar von franky (19.11.2006)
Hallo liebe Arcy,
ich bin auch dahingeschmolzen wie das eis in der herzenswärme...
ich konnte nicht, mußte es zu ende lesen, ob wohl claudia schon zu tisch rief..
der schluß rührte mich zu tränen, das hast du schon mit deinem engel zu wege gebracht...
ein wunderschönes märchen mit tragischem ende, sehr berührend.
liebe grüsse von
Franky
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Mondsichel meinte dazu am 08.12.2006:
*lächel* Ganz lieben dank für Deine Worte lieber franky. Es bedeutet mir sehr viel wenn meine Texte solche Emotionen auslösen. Denn diese Texte sind Teil meiner tiefsten Melancholie, die ich selber oft gespürt habe. Das der Zauber sich auch auf anderen überträgt, dass freut mich so sehr, dass ich keinerlei Worte dafür finden kann. Übrigens habe ich jetzt eine neue Kurzgeschichte in der Art geschrieben. Sie heißt "Der verlorene Traum", ist ganz aktuell. Schau mal vorbei wenn Du Zeit hast

Liebe Grüßle
Deine Arcy
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InhaltsverzeichnisTodesschlaf
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Dies ist ein Erzählung des mehrteiligen Textes Als die Welt zu Eis wurde....
Veröffentlicht am 07.03.2005, 4 mal überarbeitet (letzte Änderung am 21.01.2007). Textlänge: 3.069 Wörter; dieser Text wurde bereits 5.060 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.01.2020.
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