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Das Azubizimmer

Erzählung


von Mondsichel

Montag, 6 Uhr morgens. Gerade hatte ich noch in tiefen Träumen geschwelgt und jetzt grölte mein Radio in voller Lautstärke sein allmorgendliches Hallo. Nur langsam gewöhnte ich mich an den Gedanken das jetzt Aufstehenszeit war. Plötzlich öffnete sich die Durchgangstür zur Küche, meine Mum kam herein und stellte eine frisch gebrühte Tasse Tee auf mein kleines Tischchen. „Guten Morgen“ murmelte ich noch halb verschlafen unter meiner Bettdecke. „Wird Zeit das Du aufstehst, sonst kommst Du noch zu spät.“ Meine Mum lief hinüber zum Fenster und öffnete die Jalousie ein wenig, so das einige Lichtstrahlen mein Zimmer erhellten. Dann ging sie wieder in die Küche und schloss hinter sich die Tür... Ich döste noch ein wenig in der Düsternis und lauschte der Musik, dann stand ich auf und öffnete die Jalousie vollständig. Der plötzliche Lichteinfall blendete mich und ich kniff die Augen zusammen. Es dauerte einige Momente bis ich mich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Ich ging ins Bad und machte mich für die Arbeit fertig. Inzwischen hatte meine Mum einen Teller mit einem belegten Brötchen auf mein Bett gestellt. Ich setzte mich auf mein Bett, schminkte mich und aß nebenbei das Brötchen. Das Radio spielte noch immer sein morgendliches Hallo. Ich begann meine Sachen zusammenzusuchen, überprüfte noch mal ob ich auch alles eingepackt hatte. Dann plauschte ich noch kurz mit meinem Dad und mein kleiner Dackel gab mir einen stürmischen Begrüßungsschmatzer auf die Wange... Schließlich wurde es Zeit zu gehen. Innerlich war ich überhaupt nicht begeistert, schließlich würde ich eh nur in dem kleinen Azubizimmer rumsitzen und Däumchen drehen. Das Radio ging aus, es war 7 Uhr 10 als ich die Wohnung verließ und zur U-Bahn stiefelte. Es war warm, schon zu diesen frühen Morgenstunden brannte die Sonne erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Meine schwarze Kleidung tat das übrige dazu. Was für ein Morgen! Ich überquerte die Straßen und die Leute starrten mir wortlos hinterher. Ich muss zugeben, meine Erscheinung hinterließ einen gewissen Eindruck... In Wuhletal stieg ich in die S-Bahn um. Die Bahn war ziemlich leer, doch je weiter sie fuhr, um so voller wurde sie. An jedem Bahnsteig stiegen mehr Leute ein als aus und so platzte die Bahn bald aus allen Nähten. Am Alexanderplatz und am Bahnhof Friedrichstraße leerte sich die Bahn fast vollständig. Bellevue stieg ich aus und lief die lange Straße zu meiner Arbeitsstelle entlang. Ich betrat das Haus um punkt 8 Uhr und irgendwie hatte ich ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, das war sonst nie so gewesen. Schon die Pförtner waren so merkwürdig und blickten mich mit leeren Augen an. Ein wenig irritiert lief ich zu den Fahrstühlen. Als sich die Türen öffneten kamen mir ein paar schwarz gekleidete Herren entgegen, auch sie hatten diesen schauderhaften, leeren Blick. Wortlos gingen sie an mir vorbei, eine seltsame Gruppe. Sie verschwanden ohne auch nur ein Geräusch zu fabrizieren aus diesem Haus. Unheimlich. Doch ich machte mir keine weiteren Gedanken mehr und trat in den Fahrstuhl. Im zweiten Stock stieg ich aus, irgendwie war alles anders... Äußerlich sah alles aus wie immer, aber trotzdem war irgend etwas anders als sonst. Es war unglaublich still, ganz ungewöhnlich für diese Zeit. Normalerweise liefen die Leute jetzt durch die Gänge zu ihren Zimmern, kochten in der Küche Kaffe, rauchten oder schwatzten mit ihren Kollegen. Doch heute herrschte unheimliche Stille in den fahlen Gängen...

Alle Türen standen offen und die Mitarbeiter saßen mit starrem Blick vor ihren flimmernden Computerbildschirmen. So etwas hatte ich noch nie gesehen, es machte mich nervös. Ich spürte wie die Panik ihre kalte Hand um mein pulsierendes Herz schloss und mich langsam aber sicher in die Abgründe der Angst zog. Egal was ich auch tat, ich konnte dieses Gefühl nicht abschütteln. Ich riss mich von dem Anblick der starren Menschen los und ging weiter durch die Flure in Richtung Azubizimmer... Plötzlich erschienen mir die Gänge so düster, als wären sie in dunkles Licht gehüllt. Ich glaubte eine Art Nebel aufsteigen zu sehen, in meinem Kopf flüsterten Stimmen. Sie wollten mich davon abhalten weiter zu gehen, als würden sie ahnen das mich etwas Schreckliches erwarten würde. Ich versuchte meinen Kopf klar zu bekommen, aber die Stimmen ließen sich nicht verdrängen. Ihr Flüstern wurde zu einem Rufen und schließlich zu einem Schreien, es machte mich halb wahnsinnig. Trotzdem lief ich weiter. Mein Herz pochte bis zum Hals, mein Körper zitterte, meine Schritte wurden langsamer und meine Augen waren voller Angst. Schließlich stand ich vor dem Azubizimmer... Ich wunderte mich, die Tür war als einzige zu. Zitternd legte ich meine Hand auf die eiskalte Klinke, doch ich zog sie gleich wieder zurück. Denn kaum hatte ich die Klinke berührt, durchfuhr mich ein tiefer Schmerz. In der Ferne schwollen die flüsternden Stimmen zu einem extremen Kreischen an. Sie machten mich fast besinnungslos, ich schwankte und lehnte mich an die Wand. Noch immer herrschte diese düstere Atmosphäre und die gespenstische Stille in den Gängen. Vor meinen Augen begannen sich die Flure zu verändern... Die weißen Wände nahmen eine schwarze Färbung an und es schien so, als würde die Zeit in rasendem Tempo vergehen. Ein modriger Geruch von Tod und Fäulnis zog auf. Antike Kerzenhalter schoben sich aus dem Mauerwerk und die elektronischen Lampen wurden von der Schwärze verschluckt. Spinnweben tauchten aus dem Nichts auf und schwebendes Feuer entfachte die Kerzenhalter. Die Gänge waren wieder erleuchtet, doch jetzt sah alles anders aus als vorher... Statt des Teppichs war nun ein Boden aus Marmor unter meinen Füßen. Die hölzernen Türrahmen waren schmuckvoll mit Gold und Silber verziert, die Türen selbst waren verschwunden. Vorsichtig lief ich ein Stückchen weiter und blickte in eines der Zimmer. Im Innern war es dunkel, dort war nichts. Es herrschte nur Schwärze, wie in einer Höhle ohne Licht. Erstaunlicherweise verstummten die Stimmen in meinem Kopf und mein Herzschlag wurde ruhig. Langsam gewöhnte ich mich an die düstere Umgebung und fühlte mich irgendwie frei. Vorher war mir alles so unheimlich vorgekommen, doch jetzt genoss ich die Dunkelheit die mich umgab. Erneut ging ich auf das Azubizimmer zu... Die Tür war blutrot und in der Mitte prangte ein seltsames Ornament das mich irgendwie faszinierte. Ich glaubte es würde mich rufen, ich glaubte ich wäre nach Hause gekommen. Ein seltsames Gefühl. Ich strich sanft mit meiner Hand über das seltsame Zeichen und ein fröhliches Lachen schallte in meinen Gedanken. Bilder aus längst vergangenen Tagen tauchten vor meinen Augen auf und verschwanden. Ich erinnerte mich an früher, ich vergaß die Zeit. Und ich bemerkte nicht einmal den dichten Nebel der mich langsam einhüllte. An meinen Händen klebte die Farbe der Tür, ich wusste, es war Blut. Aber es beunruhigte mich nicht. Ganz im Gegenteil, mein Interesse wurde immer mehr geweckt. Erneut berührte ich die Tür und eine seltsame Macht durchströmte meinen Körper. Es wurde Dunkelheit vor meinen Augen und ich verfiel in düstere Träume. Ich hatte das Gefühl in Unendlichkeit zu fallen...

Ganz langsam öffnete ich die Augen. Ich lag am Boden und blickte hinauf zur Decke, wo die Glühwürmchen wie kleine Sterne funkelten. Vorsichtig richtete ich mich auf und blickte auf meine Uhr, es war 12 Uhr. Das Blut an meinen Händen tropfte noch immer, als ob ich die Tür vom Azubizimmer gerade erst frisch angefasst hätte. Ich fühlte mich so ausgelaugt und mir war furchtbar kalt. Nur mühsam kam ich auf die Beine, mir war ganz schwummerig vor Augen. Das Ornament in der Mitte der Tür erstrahlte mit einem blauen Licht, es zog mich in seinen Bann. Meine blutige Hand legte sich wie von selbst auf die Türklinke, Stille... Knarrend öffnete sich die Tür in eine Welt voller Dunkelheit. Die kleinen Glühwürmchen flogen in das Zimmer und machten mir ein wenig Licht. Eigentlich sah alles aus wie sonst, doch es herrschte tiefste schwärze im Innern des Raumes. Langsam übertrat ich die Schwelle und versuchte mehr zu erkennen. Ich erblickte Körper von jungen Menschen die auf Stühlen um den Tisch in der Mitte herum saßen. Das schwebende Feuer flog über mich hinweg und entzündete einen Kerzenhalter auf dem Tisch. Ich erkannte meine Mitazubis, doch ihre Augen waren dunkel und starrten in die Flammen der Kerzen. Sie sagten kein Wort, sie bewegten sich nicht. Ich hatte den Eindruck, dass diese Welt aufgehört hatte sich zu drehen. Die Umgebung und die Menschen wirkten wie eingefroren... Ich starrte kalt auf dieses Bild und bemerkte erst gar nicht, dass sich noch jemand in diesem Raum befand. Als ich die glühenden Augen in der Schwärze sah, dachte ich erst es wären zwei Glühwürmchen. Aber als sie immer näher kamen, bemerkte ich meinen Irrtum. Ich stand wie festgefroren im Raum und hinter mir schloss sich langsam die Tür. Doch ich blieb völlig ruhig, all meine unguten Gefühle waren von mir gewichen. Diese Augen flößten mir keine Angst ein, nein, sie weckten mein Interesse im höchsten Maße. Ich war fasziniert, ich war gespannt was passieren würde... Eine kalte Hand legte sich auf meine Schulter und eine andere strich durch mein Haar. Plötzlich umarmte mich ein Gefühl von unendlicher Traurigkeit und von tiefstem Schmerz. Tränen traten in meine Augen, ich wusste nicht einmal warum. Ich blickte stumm in das Licht der Kerzen und dachte nach. Dieses seltsame Wesen vor mir schien es zu spüren, es trat in den Schein des Lichtes. Was ich sah waren Augen voller Melancholie und Traurigkeit, ein bleiches Gesicht gezeichnet von Schmerz und Dunkelheit. Schwarze Haare die bis zum Boden zu reichen schienen, umrahmten den jungen Mann im Kerzenschein. Und doch schien er, der das Gesicht eines einsamen Menschen trug, ein Geheimnis zu behüten. Ich blickte nur noch schweigend in diese tiefen Augen, Zeit war bedeutungslos geworden... Träume zogen vorbei, Einsamkeit erhob sich und Nebel hüllte die Körper der Menschen ein. Mich störte weder die Kälte, noch die Dunkelheit. Ich suchte nach einem Namen für dieses seltsame Wesen, dem ich noch immer stillschweigend in die Augen blickte. Und dann wusste ich was ich tun musste... Langsam lief ich auf die Mitte des Raumes zu und meine Hand voller Blut funkelte geheimnisvoll im Kerzenlicht. Nun stand ich direkt vor ihm, er blickte in meine Gedanken und lächelte. „Darken“ flüsterten die Stimmen in meinem Kopf. Seine Augen leuchteten im Licht der Kerzen, als er sanft über mein Gesicht strich. In diesem Moment wusste ich ganz genau, dass ich keine Chance gegen ihn hatte. Aber ich genoss diese unglaublichen Gefühle die er mir schenkte und ergab mich seinem dunklen Wesen. Seine tiefe Leidenschaft ließ mein Herz endlos rasen. Liebevoll drangen seine Zähne in mein williges Fleisch. Es war 16 Uhr, als ich in seinen Armen meine Augen für immer schloss...

(c)by Arcana Moon

Anmerkung von Mondsichel:

Diese Story kam mir damals in den Sinn als ich mit den anderen Mädelz viele Tage im Azubizimmer saß, weil es für uns keine Stelle gab, in die man uns einteilen konnte. Sie beschreibt auf fast natürliche Art den Beginn eines neuen Tages, der jedoch nicht besonders alltäglich endet. Nun ja, überzeugt Euch selbst... :)


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Brazos (48) (16.03.2005)
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Mondsichel meinte dazu am 16.03.2005:
Diese Geschichte ist schon über 3 Jahre alt und ich habe sie nie wirklich überarbeitet gehabt, da ich sie so trotzdem sehr mochte. Ich habe auch schon Sachen in der ungefähren Richtung geschrieben die Du meintest. Ich kann Dir ja per Mail mal was aktuelles schicken, damit Du Dir ein Bild davon machen kannst, was ich zwischenzeitlich an meinem Stil geändert habe. "Die Eisprinzessin" (auch hier) ist ja auch mit eines der aktuellsten Sachen die ich geschrieben habe (wenn auch kein Horror). Ich denke der Stil festigt sich mit der Zeit. Ich habe früher nie wirklich großartig Geschichten, mehr Gedichte geschrieben. Inzwischen habe ich aber auch mein großes Interesse für Geschichten gefunden... ;)
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Mondsichel
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Veröffentlicht am 16.03.2005, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.03.2005). Textlänge: 1.754 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.977 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 31.07.2020.
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