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Anklage /Scene 1

Einakter zum Thema Täter/Opfer


von Anu

Bild 1/ Richter/ Wärter/ Angeklagte E. (Erika)



Richter: So, das wärs.

Wärter: Es liegt noch ein Fall vor.

Richter: Noch? Ich dachte das wären alle, ich hab hier nichts mehr. Warten sie, ach ja.
Ja,mmh,, gut, gut,  eine rechtschaffene Bürgerin wie es aussieht. Das darf ich ja nicht  mehr sagen, Volksgenossin...lachen sie nicht, ihnen passiert es auch noch häufig genug. Die Akte ist in Ordnung, keine Auffälligkeiten. Mitglied des Volks Chores, spendet immer für die Waisen der Revolution. Schnelle Sache. So was lob ich mir, diese machen  nie  Scherereien. Ich dachte schon, ich  käme nie mehr hier raus. Führen sie sie herein.

Erika: Wo bin ich?

Richter: Sie sind hier nicht, um irgendwelche Fragen zu stellen.  Nun, ich möchte es für uns alle kurz werden lassen. Erklären sie sich schuldig?

Erika: Schuldig- wozu?

Richter: Ich bin nicht dazu da, Aufklärung zu betreiben. Eigentlich sind sie auch viel zu spät dran, ich bin nicht mehr verpflichtet sie zu befragen, ich will es ausnahmsweise noch tun.
( Merken sie sich für das nächste mal, nicht mehr so spät zu kommen.) So, kommen wir zur Sache. Dass sie verhaftet wurden wissen sie ja.

Erika :  Es sieht so aus. Warum denn? Ich meine, entschuldigen sie, aber es ist doch ganz natürlich
zu fragen, oder?

Richter: Sicher. 

Erika: Und, entschuldigen sie Herr Richter, wenn es natürlich ist, ist es auch normal, das ich mich wundere.

Richter: Das ist es.

Erika:  Herr Richter, was wird mir denn vorgeworfen? Ich war doch immer eine gute Bürgerin, Genossin, Dienerin des Staates. Ich habe immer gespendet,...

Richter: Für die Waisen der Revolution, den Wochendienst geleistet etc. das wissen wir.  Darum
geht es hier nicht.

Erika: Worum denn? Wie lautet die Anklage? Die wird doch sonst immer vorgelesen. Meine Personalien, nehmen sie ersteinmal meine Personalien auf.

Richter: Das brauchen wir nicht. Sie bestehen auf eine alte Rechtsform, die hier nicht mehr zum Tragen kommt. Wir haben das alte Recht, das einen zu übertriebenen Wert  auf die Individualität des Einzelnen legte und dabei das Wohl der Allgemeinheit vernachlässigte, ersetzt durch ein  Recht das dem Wohl der Allgemeinheit mehr Platz einräumt als dem Wohl des Einzelnen. Dadurch kommt auch das Wohlergehen des Einzelnen zum Tragen, da er in der Menge aufgehoben ist und seine Bestimmung findet. Können sie mir folgen?

Erika:  Ja, nein. Ich soll zum Wohle aller Schuldig sein?

Richter:  Das habe ich nicht gesagt.

Erika: Sagen sie mir doch, euer Ehren, Genosse Richter, wie die Anklage lautet.

Richter: Nichts, hier ist nichts in den Akten.

Erika: Dann habe ich also nichts gemacht.

Richter: Nichts Falsches.

Erika: Dann können sie mich doch frei lassen.

Richter: Es tut mir leid, das Verfahren ist nun einmal eingeleitet, da kann ich nichts machen.

Erika: Aber, sie sagten doch selbst, dass ich eine gute Genossin bin,..

Richter: Sagte ich das?

Erika: Die eine Ausnahme.

Richter: Zu was wollen sie mich hier überreden? Zu einer Gesetzesüberschreitung?

Erika: Nein, nein wirklich nicht. Ich dachte nur, weil ja nichts vorliegt. Dann bin ich doch unschuldig, euer Ehren.

Richter : Sie denken antirevolutionär, sie denken immer noch als Individuum. Was wäre denn, wenn ich sie hier einfach freiließe, ohne Befragung, ohne Urteil? Denken sie weniger an sich, denken sie auch einmal an das Gericht. Machen sie nicht solchen Lärm mit dem Gefühl ihrer Unschuld, es stört den nicht gerade schlechtem Eindruck, den sie übrigens machen.

Erika: Ich wollte dem Gericht wirklich nicht schaden. Nur, ich verstehe nicht, wie kann ich denn
verhaftet und angeklagt sein?

Richter: Nun fangen sie sie wieder damit an, solche Fragen beantworte ich nicht. Zuerst dachte ich, sie seien eine vorbildliche Frau, eine die ihre Strafe auf sich nimmt und dann geklärt wieder zurück in die Volksgemeinschaft geht. Aber sie sind ja eine Resistente! Dann ist bei ihnen wohl alles nur Tarnung. Eine echte Revolutionärin hätte freudig ihre Chance genutzt ihre Zugehörigkeit zur Allgemeinheit zu beweisen und ihre Strafe auf sich genommen. Vielleicht hätte sie im Lager noch was Nützliches gelernt!

Erika: Das ist doch nicht so, wie sie denken, Genosse Richter. Ich bin nützlich! Hier mein Paß, da
sehen sie, ich bin verheiratet, gehe täglich acht Stunden arbeiten, sogar samstags. Am Sonntag reinige ich den vollkseigenen Park. Ich habe mein Sparkonto aufgelöst und mein Geld in den allgemeinen Fond eingezahlt. Ich bin eine gute Revolutionärin, was bekomme ich denn?

Richter: Als sie hier hereinkamen, war es ein halbes Jahr.

Erika: Ein halbes Jahr?

Richter: Standard, darunter geht es nicht. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.

Erika: Sechs Monate, ich hab doch kleine Kinder.

Richter: Davon steht nichts in der Akte.

Erika: Hier im Paß, da steht's: 1,4. Wie für den Durchschnitt vorgeschrieben.

Richter: Komma, vier?

Erika: Im vierten Monat schwanger. Das geht nicht Herr Richter.

Richter: Sie überzeugen mich nicht, sie stellen zu viele Fragen. Jetzt appellieren sie an mein Mitleid. Sie sind suspekt. Ich werde sie zur weiteren Befragung hier behalten. Sie haben sich ein richtiges Verfahren eingebrockt . Geben sie nicht mir die Schuld, wenn am Ende mehr dabei herauskommt. Abführen.

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