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Ein Aufzug

Text zum Thema Abgrenzung


von wupperzeit

Den kennst Du doch,den kennt doch jeder, den kannte doch jeder, als sich die Fahrstuhltür öffnete, hatte ich ihn sofort erkannt, Franz M., oder Fritz M., Sozialdemodings, Demosozialdings, Minister, ich glaube, oder jetzt schon Kaiser, wer weiß, oder Papst oder Frau. Mir egal, aber er sieht komisch aus ohne Leibwächter, und ohne die dicke Frau, mit der er  neuerdings um die Häuser und Parlamente zieht, aber die Frisur, daran erkennt man ihn sofort. Komisch, denke ich noch, dass sich so einer keinen Friseur leistet, oder einen eigenen Aufzug, aber ich stand schon mitten drin.

Blick zu Boden, aber: zu spät, er drückte schon alle Knöpfe, keine Ahnung, warum er das tat, vielleicht weil er eben ein Macher ist, oder weil es keinen Stillstand geben darf, oder weil er keine Ahnung von der Mechanik von Aufzügen hatte, oder weil er meinte, wenn man alle Knöpfe drückt, wird schon der richtige dabei sein, sich durchsetzen, sozusagen, irgendwann, oder es war ihm egal, wohin die Fahrt ging oder gehen sollte, oder diese dämlichen Allmachtsphantasien, dass er glaubte, Dinge steuern zu können, die nicht zu steuern sind, nicht so, und nicht von ihm oder von dicklichen Frauen.

Und er drückte auf alle Knöpfe, er konnte anscheinend einfach nicht damit aufhören. 

„Wir müssen die Unternehmer entlasten“, sagte ich schließlich, um ihn zu beruhigen, wir würden abstürzen, wenn er so weitermachen würde, das hält ja kein Aufzug aus, die Elektronik ist zu sensibel und kompliziert dazu.

„Nur Heilige sind konsequent- und Verbrecher. Politik heißt: Kompromisse. Wenn man nur auf der grünen Wiese unterwegs wäre, könnte man sich natürlich das eine oder andere anders vorstellen. Aber die Richtung, die wir eingeschlagen haben, stimmt.“, und der Fahrstuhl knirschte und ächzte, während er das sagte, hielt an, fuhr nach oben, fuhr nach unten, schaukelte, und ich dachte, ich will nicht sterben, nicht in einem Aufzug, nicht zusammen mit diesem Typ.

Angst, ich bekam langsam Angst, und wenn die Angst kommt, kommt die Wut, langsam und immer schneller.

„Jetzt lassen Sie doch endlich die dämliche Drückerei sein“, sagte ich, „wir werden abstürzen, Frau Papst, das weiß doch jedes Kind, dass Fahrstühle abstürzen, wenn man so auf den Knöpfen herumhämmert. Oder sie bleiben stecken, und dann wird der Sauerstoff knapp in so einem kleinen Ding, wir werden dann langsam erfrieren.“

„Wir sitzen an den strategisch wichtigen Stellen. Wir bestimmen Richtung und Tempo. Wir sind nicht der Rotkreuzwagen, der hinterherfährt und die Menschen aufsammelt, denen die Schwarzen böse mitgespielt haben. Wir wollen das Land gestalten. Dafür muss man in den Maschinenraum und ans Steuerrad.“, schrie er, denn der Aufzug machte mittlerweile einen solchen Lärm, ich verstand ihn kaum noch, und das war mir auch egal, meine Wut war jetzt größer als meine Angst, ich stürzte mich auf ihn, oder er sich auf mich, auch egal, wer weiß das schon, wenn aus Wut langsam Angst wird, und aus Angst langsam Wut, und immer schneller, so wie Aufzüge immer schneller werden, wenn sie langsamer werden, und immer langsamer, wenn sie schneller werden.

Aber er war sehr stark, unglaublich, eigentlich ist er ja schon recht alt, zwanzig Jahre älter als ich, und mehr, wir kämpften verbissen, für einige Sekunden brachte ich aber seine Hände von den Knöpfen weg, und der Fahrzug stand still, die Tür öffnete sich und er stieg aus.

„Man hat mich auch schon gefragt, warum ich nicht mehr austeile. Aber wem sollte das nutzen? Es kommt nicht darauf an, dass wir uns gegenseitig verkeilen, sondern dass wir Lösungen finden. Wenn das still geht, ist das besser, als wenn wir uns öffentlich streiten. Wer jetzt nur aus Daffke Krach anfängt, gefährdet die Koalition – und schadet damit am Ende der eigenen Sache.“

Und dann drückte er von außen alle Knöpfe, das hätte ich mir ja denken können, dass er aussteigt, bevor alles abstürzt, oder stecken bleibt, natürlich, er hatte bestimmt doch einen eigenen Aufzug, auf den er jetzt zueilte, und dann sah ich auch die Leibwächter und Friseure und Päpste und Minister und Kaiser, und die nicht ganz schlanke Dame aus einer gegenüberliegenden Kabine winken, aber so war es besser, wenn man schon abstürzt, wohin auch immer, dann nicht mit solchen Typen, mit solchen Frisuren, nicht mit Ministern, Kaisern oder Päpsten, oder mit korpulenten Frauen, und immerhin hatte ich noch ein wenig gekämpft, vergeblich, zugegeben, aber das Ergebnis eines Kampfes ist doch nicht immer entscheidend am Schluss, und dass der Fahrstuhl jetzt in die Tiefe stürzte, hieß ja noch nicht, dass er am Ende irgendwo zerschellen musste, vielleicht hält und hielt er den Aufprall aus, und wir können alle unverletzt aussteigen, könnten, wenn er stecken bleibt, reicht der Sauerstoff vielleicht noch bis zu einer Rettung, reichte und würde reichen, durch wen auch immer,  und dann fahren wir eben nicht mehr mit solchen Dingern und mit solchen Leuten schon gar nicht, wir gehen dann nur noch auf grünen Wiesen spazieren, sind dort unterwegs, grüne Wiesen scheinen solche Typen nicht zu mögen, aber ich liebe grüne Wiesen, ehrlich gesagt, besonders dann, wenn ich dort nicht zugeschwätzt werde, dann kann es, meinetwegen, sogar regnen, ich genieße das, diese Stille, diesen stillen Lärm einer Natur, auch am Ende eines Kampfes oder mitten darin, falls Sie verstehen, was ich meine, dann danke ich Ihnen für das Gespräch.

Anmerkung von wupperzeit:

Originialzitate aus "Der Spiegel", Nr.11 / 13.03.06


 
 

Kommentare zu diesem Text


paradoxa
Kommentar von paradoxa (19.03.2006)
was mir spntan einfällt "guten morgen eure korpulenz...ähm...eminenz" ;) es bleibt offen ob der fahrstuhl nun nach oben oder nach unten gefahren ist, aber das war frau papst ja sowieso egal. was irgendwie noch fehlt ("wir sind papst" ist ja drin) wäre "du bist deutschland" ^^ ich bin zwar selbst immer recht unentschlossen, aber bei solch wichtigen dingen wie einer fahrt im aufzug, da bin ich mir eigentlich immer sicher welche richtung ich einschlag, auch wenn sie vielleicht nicht die richtige ist, aber wer weis das schon. nur sollte man vielleicht nicht pastlicher politiker werden, wenn man einfach so rumfahren will und darauf zufälliger weise vielleicht eine richtung zu bekommen. ein wundervoll wupperzeit'scher text, vielleicht etwas lang und deswegen kein klassischer wupperzeit, viel kommata, wenig punktata (ich bin mal gespannt ob aus der kommanta sich vielleicht irgendwann mal eine punktata entwickelt, oder ob sie nebeneinander in einem text existieren können). dein text zu lesen hat mir wie eigentlich immer freude bereitet, und er gefällt mir sogar ;) das seltsame ist nur, das genau diese personen doch eigentlich die wegweiser sein sollten, aber sie selbst vielleicht besser am boden bleiben sollten und gar nicht in gebäude mit aufzuügen gehen sollten, geschweige denn so ein ding zu betreten.
liebe grüße, biene
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wupperzeit meinte dazu am 19.03.2006:
Vielen Dank, ich stimme Dir da volständig zu, auch dem zwischen den Zeilen Gesagtem. "Wir sind Deutschland", "Ich bin Deutschland", oder wie der verlogene Schrott heißt, daran hatte ich auch gedacht, ich wusste aber nicht, wie ich es verwenden sollte, damit grüße ich Dich zurück, Andreas
(Antwort korrigiert am 20.03.2006)
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Kommentar von don.mombasa (27) (19.03.2006)
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wupperzeit antwortete darauf am 19.03.2006:
Ganz herzlichen Dank für Dein Lob, für das Favorisieren und empfehlen, ich fühle mich sehr geehrt. Deinem Komentar ist ja gar nichts hinzuzufügen, ich danke Dir, noch einmal, sehr, ich grüße Dich zurück, Andreas
(Antwort korrigiert am 19.03.2006)
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Sebastian (37) schrieb daraufhin am 28.05.2006:
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wupperzeit äußerte darauf am 29.05.2006:
Vielen Dank für Dein freundliches Lob, - eine große Ehre für mich, wie Du weißt. Ich kann es kaum noch ertragen, dieses Geschwätz der so genannten Politiker, ich weiß nicht mehr, wann ich da meine Gelassenheit verloren habe. Oft muss ich an ein Wort von Benn denken ("Wiehern auf der Galerie, während in der Szene die Herzen sterben.."), oder auch an ein Interview mit Horst Stern, der vor dem ewigen Lügen nach Irland geflohen ist. Sie lügen ja manchmal noch nicht einmal, sie wissen es nicht besser.. - Na ja. Ich grüße Dich ganz herzlich zurück, Andreas
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Rebekka
Kommentar von Rebekka (19.03.2006)
Wow, der Text gefällt mir wirklich gut, deinen Stil finde ich toll!
Obwohl alle über den deutschen Schilderwahnsinn reden sollte man vielleicht doch noch ein paar Richtungshinweise anbringen...
Aber egal, solange wir uns im Kreis bewegen können wir nichts falsch machen, schließlich kommen wir irgendwann wieder am Ausgangspunktman, dann können wir alles falsch äh, ich meine anders machen, also warum sich Gedanken machen?
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wupperzeit ergänzte dazu am 19.03.2006:
Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar, für das Favorisieren und Empfehlen, das bedeutet keine geringe Ehrung für mich und damit für meinen Text. Die Bewegung im Kreis, völlig sinnlos, das stimmt, es ist aber ein Verbrechen, so meine ich, einen Untergang nicht so zu nennen oder davor zu warnen, wenn man ihn denn wahrnimmt, auch, und gerade dann nicht, wenn man sich und Seinesgleichen in Sicherheit weiß oder wähnt, Andreas
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Kommentar von daniela (39) (25.03.2006)
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wupperzeit meinte dazu am 25.03.2006:
Vielen Dank für den lieben, diesmal euphorischen Kommentar und für die Empfehlung, keine geringe Ehre für mich. Was ich nisht wuste: Das man die beschriebenen Typen auch in Österreich kennt, aber sie sind wohl überall gleich, die gleichen Typen, Andreas
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Kommentar von Micchan (20) (31.03.2006)
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wupperzeit meinte dazu am 01.04.2006:
Ein Albtraum ist es für Dich, mit Herrn M. zusammen ein wenig Fahrstuhl zu fahren, aha, bestimmt nur wegen der Frisur, oder? Vielen Dank für Deinen Kommentar, für das Empfehlen und Favorisieren, Dir noch sehr viele, sehr schöne Tage, Andreas
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Micchan (20) meinte dazu am 01.04.2006:
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Kommentar von Lebenslust (63) (03.05.2006)
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wupperzeit meinte dazu am 05.05.2006:
Liebe Birgid, vielen Dank für Deinen,wieder, lieben Komentar, leider komme ich erst jetzt dazu, ihn zu beantworten, entschuldige bitte meine Unhöflichkeit, ich hatte sehr, sehr viel zu tun in letzter Zeit. Ein Albtraum, ja, das stimmt, oder doch schon Realität, wie ich oft finde, Dir auch einen sehr schönen Tag, Andreas
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Kommentar von zackenbarsch† (74) (15.05.2006)
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wupperzeit meinte dazu am 15.05.2006:
Vielen Dank für Deinen Kommentar, lieber Friedhelm, für das freundliche Lob, für die Empfehlung, - für die Wertung: "genial", solche Superlative glaube ich wenigen neben Dir, ich grüße Dich zurück, Andreas
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wupperzeit
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Veröffentlicht am 17.03.2006, 8 mal überarbeitet (letzte Änderung am 22.05.2006). Textlänge: 869 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.456 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 29.03.2020.
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