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Eine archivierte Kolumne von Wupperzeit



Sonntag, 18. Februar 2007, 19:57


Zeit der Narren


von  Kindermund

Heute im Supermarkt sind uns zwei erwachsene Männer in Tutus begegnet. „Die haben eine Wette verloren“, sage ich zu meiner Ma, sie schüttelt den Kopf: „Das ist die Wette“.
Karneval ist die Zeit der Narren.

Abgedrehte Leute laufen bei uns zu genüge rum. Jetzt tragen sie auch noch Kleidchen oder schlimmeres.
Es heißt, wenn man sich verkleidet, kommt das wahre Ich mal raus. (Wie viele Männer dieses Jahr umherlaufen, deren Kindheitstraum es gewesen sein muss, Ballerina (oder eher: Ballerino) zu werden!)
Noch dazu denke ich: wer betrunken ist, der lässt auch sein wahres Ich raus.
Demzufolge ist der Karneval die ehrlichste Zeit des Jahres, denn fast alle sind verkleidet und fast alle sind betrunken.

Zum Schulfasching vergegenwärtigte ich mir das. Es wäre viel zu pauschal für mich, als Hexe zu gehen, von mehreren Seiten bekam ich auch das Kompliment, dass ich mich da ja gar nicht mehr verkleiden müsse. Also entscheide ich mich für den Gestiefelten Kater. Doch auch das ist mir dann zu blöd – bei dm Wetter in Dreiviertelhosen rum zu laufen (damit man meine Stiefel sieht), das muss nicht sein. Ich ziehe meinen langen Rock an und binde mir ein Teufelsschwänzchen um den Bauch. Sogar Papphörner bringe ich mir mit.
Auf der Feier dann stören die Hörner beim Tanzen und ich drücke sie meinem Kumpel in die Hand, damit er sie weg steckt. Nachdem mir sieben Leute am Schwanz gezogen und mich dabei obszön angegrinst haben, lasse ich auch den verschwinden und bin plötzlich doch als Hexe/ich da.

Der Schulfasching war letztendlich eine Party wie jede andere. Nur: einen Vorwand braucht man immer.

So ist das wohl generell mit dem Fasching: ein weiterer guter Grund um zu feiern. Und ein guter Grund, um sich endlich mal zum Affen zu machen, ohne das Gesicht zu verlieren.
Nächstes Jahr gehe ich trotzdem lieber als Faschingmuffel. Oder doch als Hexe.


 
 

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


wupperzeit
Kommentar von wupperzeit (19.02.2007)
Wuppdika!, was aber ist mit denen, die sich gar nicht verkleiden, wollen sie die Narren sein, die wahren, die ganzjährigen und lebenslänglichen? Vielleicht, - vielleicht sind sie es auch… Andere verkleiden sich als großartige Kolumnenschreiberinnen, und sind es auch, vielleicht, ganzjährig, lebenslänglich, zumindest in diesem Beispiel. Besäufnis im Kostüm, so nannte eine junge Kollegin eine Karnevalsveranstaltung kürzlich, das Ende der Fastenzeit, so der ursprüngliche Sinn, und wie mich das an die Anekdote erinnert von den Mönchen erinnert, die zur Fastenzeit Schweinefleisch vor dem Verzehr mit den Worten weihten: „Ich taufe Dich auf den Namen „Fisch“.“, denn der war erlaubt: Trick 17, aber ob Gott darüber gelacht hat: ist nicht überliefert. „There`s someone on everybody`s toes“, wie es in dem alten Lied heißt, Grüße und Smiley, Andreas
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