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Eine archivierte Kolumne von IngeWrobel



Montag, 15. Februar 2010, 11:14


Partnerschaften fürs Leben


In meinem gesamten Bekannten- und Freundeskreis gibt es bei den Pärchen ein Ungleichgewicht: einer von beiden hat das Sagen – und der Partner folgt.
Schon oft fragte ich mich, wie DIESE Frau ausgerechnet an DIESEN Mann gekommen sei – und umgekehrt. Das Prinzip der sich anziehenden Gegensätze funktioniert, und ich weiß längst, dass das so ganz in Ordnung ist, weil die Menschheit sonst schon ausgestorben wäre. (... jeder gibt seine besten Gene ... und so weiter, und so fort ...)
Trotzdem bleibt die Frage offen, warum sich die Partner nicht, nachdem sie ihrem Fortpflanzungsauftrag nachgekommen sind, schnellstens wieder trennen. Besonders, weil es ständig zwischen ihnen „kracht“, und der Haussegen meistens schief hängt. Ist das nur die Macht der Gewohnheit, ein gewisses altersbedingtes Phlegma, oder vielleicht sogar eine depressive Ermüdungserscheinung?

Bei vielen dieser langjährigen Partnerschaften sehe ich eine Symbiose: sie brauchen sich – mit all dem täglichen Kleinkrieg und Gezänk, den sich wiederholenden Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man im Supermarkt die Waren ein- und auspackt, und wann eine Zahnpastatube wirklich leer ist.
Diese täglichen Adrenalinschübe sind vertraut, und mit denen können die Zwei umgehen. Mit anderen Partnern wäre alles anders, irgendwie ungewiss, unvorhersehbar – oder?

Wenn der Druck der Gewöhnung zu groß ist, wird man und frau empfänglich für außereheliche Reize. Manche wagen den Neuanfang mit einem neuen Partner. Der wohlwollende „Freund der Familie“ sieht bereits voraus, was die Betroffenen noch nicht sehen können: Man schliddert nach kurzer, spannender (weil doch manches ein wenig anders ist) Zeit in alte Verhaltensmuster zurück, will den Einkauf nach eigenem Gutdünken tätigen und verschließt die Zahnpastatube nach wie vor nicht richtig.
Dem Beobachter schwante gleich Bedenkliches, als er die „Nachfolger“ der alten Partner zu Gesicht bekam. Derselbe Typ Mensch wurde gewählt – ein wenig jünger und attraktiver freilich – halt die neue Ausgabe.

Was lernen wir nun daraus? Dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist?
Ich sage ein deutliches „Ja“ dazu – wobei ich es etwas anders formulieren möchte: Der Mensch braucht und liebt „seine“ Rituale. Die ständig gleichen Abläufe im Alltag festigen ihn für große Anforderungen außerhalb des Familienklüngels. Kreativität, vor allem die künstlerische, braucht eine zuverlässige Basis im bourgeoisen täglichen Trott. Wenn ich mich über meinen Partner ärgere, weil er zum wiederholten Male etwas „falsch“ macht, hab ich die nötige Initialzündung, um einen „glühenden“ Text zu schreiben.


 
 

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


IngeWrobel
Kommentar von IngeWrobel (16.02.2010)
Das habe ich mit Vergnügen gelesen, lieber Werner! Ich denke, Du wärst auch ein guter Kolumnenschreiber - möchtest Du nicht meine Nachfolge antreten? Ewig werde ich das nämlich nicht machen, und ich finde, Du kannst das bestimmt ebenso gut. *lächel*
Inge
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