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Jungautorin des Monats September 2011:

Dostojewskaja


Das Team JungautorIn des Monats hat sich im September 2011 für  Dostojewskaja entschieden. Eigentlich heißt sie Martina, ist 20 Jahre alt und stammt aus Esslingen (Neckar.)

Der französische Autor und Historiker  Pierre de la Gorce schrieb einst: „Sage mir, was du liest und ich sage dir, was du bist.“ Ich persönlich glaube, dass in diesem Satz etwas Wahres steckt – man ist bei der Wahl seiner Lektüre oft auf der Suche nach etwas, das dem eigenem Wesenskern in irgendeiner Hinsicht entspricht. Man sucht etwas Existenzielles darin.

„Wozu mein Geflunker? Nur damit sie mir meine Leere lassen, meine Nichtigkeit, meine Wirklichkeit, denn es gibt keine Flucht, und was sie mir anbieten, ist Flucht, Flucht in eine Rolle.“

(Max Frisch: Stiller)


Deswegen stelle ich den ausgezeichneten Jungautoren immer die Frage nach Autoren, die sie gerne lesen. Es hilft, die Aussagen, die sie über sich und ihr Schreiben machen, einzuordnen, ihnen vielleicht sogar passende Zitate zu geben. Die Jungautorin des Monats September liest gern Max Frisch. Sie findet es tröstlich, wie er die Menschen und ihre Suche nach Identität beschreibt und dabei immer wieder zu dem Schluss kommen muss, dass es kein festes Wesen gibt, das wir im Ganzen sind, sondern nur Rollen, die wir uns teilweise selbst aussuchen, in denen wir wahrgenommen werden. Die Grenzen von dem, was wir zu sein glauben, verschwimmen also – und dürfen das auch.

„Eine Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“
(Max Frisch: Stiller)


Von ihren eigenen Texten erwartet  Dostojewskaja Nüchternheit, von sich selbst beim Verfassen derselben nicht immer, wenn sie etwas schreibt. Man findet in ihrem Schreiben keine Befindlichkeitswerke – sie verschwendet keine Worte darauf, blumig zu beschreiben, wie genau sich ihre lyrischen Subjekte fühlen, sie stellt es einfach fest: „Seltsam, dass man manche Fehler mehrfach machen muss, um sicherzugehen, dass sie wirklich falsch sind.“ (Aus:  Nie vergessen) Gefragt, warum sie schreibt, erklärt sie, dass sie sich zum Aufräumen und Nachdenken bringen will, dass sie Ordnung sucht im Wirrwarr ihres Erlebens. Ihr Werk zeichnet sich durch einen unverblümten Umgang mit Sprache aus. Es wirkt deutlich, dass sie Sprache nur als Werkzeug betreibt, weil sie nicht zögert, auch den ursprünglichen Sinn der Worte aus den Angeln zu heben:
„Die Zigarettenstummel vergiften mich und bewerfen Tauben mit Liebespaaren, teeren und federn den Bahnhof und jagen ihn aus der Stadt, und das alles in der Juliabendsonne.“ (Aus:  Nirgendwohin)
Ein imposantes und unwirkliches Szenario, das Dostojewskaja sehr trocken aufschreibt, so als wäre es nichts Besonderes und genau diese Art zu schreiben, hat die Jury von ihrem Talent überzeugt.

So kann man ihr Werk mit einem weiteren Zitat von Max Frisch aus Stiller beschreiben: "Ich habe keine Sprache für meine Wirklichkeit" und sich hinzudenken: also muss ich mir manchmal eine erschaffen.
Sie selbst empfiehlt als Lektüre die Werke  Von der Unzulänglichkeit,  Blacksod Bay und  Nordwärts, weil sie in genau dieser Reihenfolge so etwas wie eine kleine Geschichte für sie ergeben.

Außerhalb von keinVerlag beschäftigt sich Dostojewskaja viel mit Politik und Malerei („Vor allem, wenn die Realität zu frustrierend wird.“).

In der Hoffnung, dass dies nicht zum frustrierenden Teil der Realität gehört, gratulieren wir Dostojewskaja ganz herzlich zur Auszeichnung „Jungautorin des Monats September“.

Mit herzlichen Grüßen,

Das Team der Arbeitsgruppe " JungautorIn des Monats"




Die Auszeichnung „Jungautor(in) des Monats“ wird seit Januar 2008 von der Arbeitsgruppe „Jugendtexte“ verliehen. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren im Alter zwischen 13 und 24 Jahren, deren Texte bei keinverlag.de durch ein außerordentliches Maß an Kreativität, Phantasie und literarischer Qualität bestechen.

Dem Verein keinverlag e.V. ist es ein besonderes Anliegen, junge Autorinnen und Autoren auf diesem Wege für ihre schriftstellerischen Leistungen zu ehren und ausdrücklich dazu zu ermutigen, ihren literarischen Weg fortzusetzen.

Die Auszeichnung „Jungautor(in) des Monats“ ist mit einem Sachpreis dotiert, der vom Verein keinverlag.e.V. zur Verfügung gestellt wird.
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