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Gegenschlag

Verstand vs Irrsinn


Eine Kolumne von Melodia



Montag, 06. November 2017, 19:01


Billige Götzen


Wer kennt das nicht: Man fährt auf einer öden Bundesstraße in den Abend hinein, es dämmert bereits leicht. Seit Stunden ist man unterwegs, ohne Pause und allmählich breitet sich ein dezentes Hungergefühl in der Magengegend aus. Und dann siehst man es, klar und aus der Ferne weithin strahlend, ja verheißungsvoll. Das goldene M.; Leuchtfeuer der Fettleibigkeit, heiliger Gral des Herzinfarktes! Ich für meinen Teil, schüttele mich kurz vor Ekel und fahre weiter, denn lieber würde ich elendig verhungern, als auch nur einen Bissen dieses sogenannten „Essens“ in meinen Rachen führen.

Wie man vielleicht merkt bin ich kein Unterstützer der weltweit bekannten Fast-Food-Kette. Genau genommen von keiner der Bekannten. Angefangen beim offensichtlichen Grund, dem Nahrungsangebot. Es muss doch schon jedem aufgefallen sein, dass Burger, Pommes, Chicken Wings und Co., die von Plakaten auf uns hernieder blicken oder uns aus dem Fernseher heraus ansprechen, in der Realität optisch um einiges erbärmlicher und unappetitlicher aussehen. Ich habe noch nie frischen Salat oder saftige Tomaten gesehen. Von anständigem Brot oder Fleisch ganz zu schweigen. Es sieht immer billig und lieblos hingerotzt aus.

Wo wir gerade beim Thema billig sind: Das ist vermutlich auch mitunter der einzige Grund, warum diese ganzen globalen Fast-Food-Ketten so erfolgreich sind. Das, sowie durch betrunkene Menschen, die um 5 Uhr morgens auf der verzweifelten Suche nach Kohlenhydraten sind. In Kombination mit einem flächendeckenden Netzwerk an Filialen ergibt das eine unheilige Allianz aus Hunger und Geiz. Eine denkbar ungünstige Vereinigung. Was dann folgt hat etwas von einem unglücklichen One-Night-Stand: Reue, Ekel und die vorwurfsvolle Frage an die Freunde gerichtet, wie sie das nur zulassen konnten. Aber die grassierende Geiz-ist-geil-Mentalität und eine geradezu religiöse Verehrung für den schnellen Imbiss verführt viele dazu, eher 1 Euro für einen „Burger“ auszugeben, als 7 Euro für einen frischen Salat in einem richtigen Restaurant. Da stimmt einfach grundlegend etwas nicht, wenn man sich lieber den Magen chemisch reinigt, als ein bisschen mehr Geld auszugeben.

Dabei übertreibe ich keineswegs. Es gibt mehrere Videos, Bilder und Berichte im Internet, die zeigen, dass Fritten und Burger solcher Ketten selbst nach 20 Jahren quasi noch exakt wie am Tag des Kaufes aussehen. Ungekühlt, wohlgemerkt! Das kann nicht gesund sein, geschweige denn noch irgendwas mit Nahrung zu tun haben. Es sind künstlich fabrizierte Massenprodukte zur Schnellabfertigung ignoranter oder ignorierender Menschen. Kein Wunder, dass selbst fünf Cheesburger nur kurzfristig sättigen, wenn überhaupt.

Hinzu kommen die zahlreichen Kooperationen mit anderen kulturellen Säulen unserer zivilisierten Welt. Zum Beispiel mit Coca-Cola, Disney, FIFA etc. Also alles illustre Unternehmen, die sich unter anderem durch Steuerhinterziehung, Kinderarbeit, Ausbeutung und der Zerstörung von Infrastruktur sowie landwirtschaftlicher Nutzflächen mit sozialen und ökologischen Folgen auszeichnen. Exquisite Gesellschaft, um es nicht die eigentliche Achse des Bösen zu nennen.

Dem aufmerksamen Leser ist aufgefallen, dass ich kein großer Freund von Fast-Food-Ketten dieser Kategorie bin. Doch nun gibt es ein kleines Geheimnis: ich habe noch nie in meinem Leben irgendetwas bei einer dieser Ketten gegessen. Weder bei McDonald’s, noch Burger King oder KFC, sowie Subways. Wenn es deswegen ist noch nicht mal Starbucks! Und darauf bin ich durchaus stolz. Vermutlich denken jetzt einige von euch: wie kann man ohne persönliche Erfahrung über etwas schreiben? Es geht, wie ihr seht. Man muss absolut nichts von diesem „Essen“ versuchen, um zu erkennen, dass da etwas Wahres dran ist. Aber es mag kulinarische Masochisten geben.

Ansonsten sollten wir vielleicht alle versuchen bewusster zu essen. Wenn dann Staat, Restaurants und Fast-Food-Ketten sich auch noch ein paar sinnvolle Gedanken dazu machen würden, wäre allen geholfen.

Bis dahin, guten Appetit!


 
 

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


toltten_plag
Kommentar von toltten_plag (06.12.2017)
(Huch, schon einen Monat nicht gesehen. Ich dachte irgendwann dann, auch diese Kolumne wäre mittlerweile sanft entschlafen und klickte gar nicht mehr rein.)

Dieses McDonald's- und "ungesundes Hamburger-und-Fritten-Essen" Bashing war doch das große Ding in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ich erinnere mich da an ganze Sendungen von Dieter Hildebrandt oder irgendwelche Talkshow-Sequenzne mit Eckehard Witzigmann, Alfred Biolek oder Vincent Klink. Wie alt bist du denn? Auf den Fotos sahst du immer so einigermaßen jung noch aus.

Also. Dass Fettigendste und Infarkteste von McDonald's liegt wohl in dem Prinzip, dass mehrere recht fett-, zucker- und kohlenhydratereiche Essensteile wie "notwendig" kombiniert werden. (Die ganzen Spar-Menüs geben es schon vor.) Weder das Fleisch noch das Brötchen ist das wirklich Problematische am Viertelpfünder (Royal heißt er jetzt, glaube ich), sondern die leckere Sauce, die ihm erst seinen unverkennbaren Geschmack gibt. Die ist viel und fettig. Und dazu nun immer Pommes, die sowieso immer und überall und auch im besten Cuisine-Restaurant zu fettig (für den Herzarzt) sind. Und dazu dann noch Mayo, die ... Oder Ketchup, was eine Zuckersauce ist. Und dazu dann noch einen halben Liter Cola, die ... Und dann noch einen McSundae-Eisbecher (der ...) getopggt mit Karamell-Topping (das nur aus Zucker, Verdickungsmitteln, Aromen besteht).

Und dann aber erst, dass die Leute, das immer wieder und wieder machen. Ein so ein Menü ist doch gar nichts im Leben. Aber 35 Jahre lang alle zwei Wochen eins, das schon.

Nun musste da natürlich die Gemüse-ja- und Fett-nein-Gegenbewegung irgendwann aber auch kommen. Der Knackpunkt ist aber auch, da, dass es total durchtaylorisiertes (das Fließband wie bei Henry Ford) Essen zu sein hat. Sonst kommnt man nicht auf die "nötigen" Gewinne. Nicht bei den Mieten, die in den meist recht guten Toplagen (am Bahnhof, am größten Platz der Stadt, im Huckepack des größten Stadtrandshoppingareals der Region) zu zahlen sind.

Es stimmt übrigens keineswegs, dass McDonald's billig ist. (Billig ist vielleicht ein einzelner Cheesburger für 2 €, der Cheeseburger gehört zur Budget-Linie, die sie eingeführt haben.) Das ist den meisten Leuten aber egal. Du kannst dich auf jeden Fall bei jedem Türkenimbiss sicherer und billiger pappsatt essen als bei McDonald's. Oder auch mit diesen wagenradgroßen Pizzen, auf die viele der Italiener setzen. (Ist in der Herstellung relativ günstig, fast alles nur Weißmehl und Wasser und Salz und Tomatenpaste aus dem Kanister.) Der Preis ist nicht der Knackpunkt. Das Erlebnis, und dass man im Lauf der Jahre an es heran-erzogen wurde, ist der Punkt.

Das Erlebnis ist zum Beispiel, dass es laufend etwas gratis dazu gibt und Gutscheine und Gewinne und Spielzeuge. Und das Erlebnis ist, dass irgendwie die ganze Welt da ist. All diese Neger und indischen Geschäftsleute mit offenem Laptop und deutschen Kinderbanden und alte Omas und Porsche-fahrende Familien (äh, na ja, Cayenne vielleicht) ... Und dabei ist es so absolut friedlich und sicher. Du kannst zu Jause sterben, aber nicht bei McDonald's. (Na ja, in München vielleicht.) Du kannst in deutschen Restaurants trantütige und wenn du dich beschwerst, deswegen dann hinterfotzig und von oben runter bedient werden und vermittelt bekommen, dass du nicht die Klasse für so ein Restaurant hast. Nicht so bei McDo. Es ist immer alles sauber und effizient und freundlich zu jedermann. Und es dudelt immer fürchterliche Popmusik. Gewisse Menschen lieben so was. Und so weiter.

Okay, die Gegenbewegung war dann, dass so Läden wie KFC (Chicken) mit ähnlichen Belegt-Broten kommen, die aber "fettreduziertes", also "gesundes" Geflügelfleisch" enthalten. Und dann erst recht Subway (wo nun ich noch nie war, ich hab nur schon paar mal in die Filialen geblickt). Dort ist der Hauptact jeder Mahlzeit, angeblich, immer der Salat, das frische Gemüse, das auf wirklich jedem Brötchen zu Hauf liegt. Wenn ich da aber genau sehe, dann sind die Sattmacher zu einem großen Teil dieselben Weizbrotmehle wie beim Wagenradpizzaitaliener und wie bei McDonald's. Und eine leckere (fette, gezuckerte) Sauce ist auch dazwischen. Und die Soft Drinks sind auch dieselben. (Wobei das ein Epochensprung war, als McDo vor vielen Jahren die Gleichberechtigung von Apfelschorle und Mineralwasser mit Cola und Fanta zugelassen hat.)

Jetzt sagst, der Salat, die Tomate ist NIE frisch und knackig bei McDonald's. Sagst aber, du hast da nie gegessen. Und es stimmt halt auch nicht. Was du bekommst, ist nie in der Filiale geputzt und geschnitten und sortiert worden. In den Filialen werden immer nur vorgefertigte Komponenten von ungelernten Mitarbeitern kombiniert. (Das ist Essen wie Fordmontage.) Aber du irrst dich doch total, wenn du denkst, in gewöhnlichen Restaurants deutscher Wirte wäre das inzwischen irgendwie anders. Dir muss erst mal klar werden, dass in üblichen deutschen Lokalen auch mehr oder weniger alles vorgefertigt angeliefert wird - wie bei McDonald's. Das nennt sich Convenience und es wird von allen Wirten so was von planmäßig verschwiegen, runtergespielt und geleugnet. Ist aber so.

Woher willst du überhaupt wissen, dass die von dir für 6.70 bestellte Gemüsesuppe mit Meerrettichsahnhaube des Tages wirklich von Hand hier in der Küche entstanden ist. Und nicht etwa auch industriell vorgefertigten Portionsplastibeuteln kommt, die erwärmt werden, wenn man sie bestellt? Schmeckst du das wirklich?

Oder dass die Spätzle irgendwo noch handgeschabt im Haus werden. (In Württemberg hat man das zum Teil wirklich noch. Aber keineswegs überall.) Oder die Kroketten aus hier gestampften, vorher hier geschälten Kartoffeln geformt werden. Nee, das Zeug wird alles aus der Industrie angekauft. Die Pommes sowieso.

Der Salat? Der übliche deutsche Bergesalat mit Putenbruststreifen und Balsamico samt Kresschen, der besteht zu 80 Prozent aus fein frisch und supersauber geliefertem Grünzeug aus der Plastikhülle. Für so was gibt es längst die Zulieferwerke. Das ist bei McDo so, bei deinem Schwarzwaldwirt aber auch!

Ich würde mal schätzen, wirklich aktuell im Haus von dort handwerklich tätigen Menschen zubereitete Mahlzeiten kriegst du inzwischen nur noch ab einem Preisniveau von gegen 50 € das einzelne Gericht, oder 70 € das Menü. Für dich in Freiburg: vielleicht bei in der Zirbelstube. (Aber wer von uns soll dort öfter als einmal in zehn Jahren essen gehen?)

Gemüse, wenn es gewaschen und geschnitten ist, wird relativ schnell lappig, wässrig, braun, welk, verschimmelt. Und das ist die Tomate auch bei McDonald's niemals. Oder das Salatblatt im kleinen Menüsalat. Ich weiß das, ich habe oft genug dort gegessen.

Überhaupt sind die Grün- und Kaffee-Anteile vom McDo-Essen gar nicht übel im Vergleich mit der Konkurrenz. Das Problem ist eher, dass der Rest so total durchrationalisiert und effektiviert ist, dass man faktisch jedes Mal, wenn man geht, nur zwischen vier, fünf Geschmäckern wählen kann. Rindfleischburger, Schweinefleisch mit Sauce, schauerlicher Fisch, Geflügel, Salat ...

Ich kann so was also nicht alle zwei Wochen machen. Es hängt mir dann zum Hals raus. Da koche ich lieber selbst was zusammen. Aber viele Menschen können das inzwischen, haben es gelernt, essen jede zweite Mittagspause von Mo bis Fr dort, die anderen bei dem Türken. (Ich habe das gesehen.)

Es ist nun - und das machte immer schon die Beschränktheit des Hildebrandt'schen McDonald's-Bashing aus, einigermaßen deppisch, etwas, das man selbst nicht mag und auch nie macht, dass aber 56 andere Millionen irgendwie ziemlich mögen und dauernd machen, basht, weil man eben weiß, was dem Menschen guttäte. Das ist wie Pfarrer, die vor Selbstbefriedigung und Pornomagzinen warnen. Oder früher Lehrer, die vor Kinderfernsehen warnten, man könne ja auch spielen und Geschichten erzählen. (Darum fragte ich, wie alt du wohl bist.)

Versuche das aber mal, ökonomisch zu betrachten!

Es muss eine industrialisierte Nahrungsproduktion einfach geben, wenn sie technisch möglich ist, alle Menschen einigermaßen Geld haben, aber bei Weitem nicht alle Multimillionäre sind. Also eine Welt, in der mit einem Mal jeder sich Hirschschnitzel und Austern und Beef tartare und Zabaione leisten kann. (Das war ja 1877 noch nicht so.) Wo aldi und Lidl das reichen. Das können wie, weil die Agrarproduktion durchindustrialisiert wurde. Es ist natürlich klar, dass es immer eine Nischenproduktion geben wird, die nicht so vorgeht und dass dort dann die Waren viel besser schmecken, viel nachhaltiger und viel gesünder sind. Aber eine solche Welt wäre die von 1877, wo einige es haben und 99,8 Prozent eben leider nicht.

Okay, jetzt gibt es das Industrieessen. Dann muss notwenigerweise irgenwann auf die Idee kommen, dass man die Abgabe dieses Essens durch Gastronomiebetriebe durchrationalisieren kann. Wenn wir nicht nur hier, sondern überall sind. Wenn wir überall dasselbe machen, sodass überall die Leute lernen, wie es bei uns schmeckt. Wenn wir die Karte rücksichtslos auf Produkte zusammenstreichen, die wir das ganze Jahr, die wir ziemlich schnell, die wir ziemlich einfach vom Aufwand her reichen können. Du kannst keine Ketten für Salzburger Nockerl aufmachen, weil diese nur frisch gemacht, stehen bleiben, sonst fallen sie zusammen und die Mikrowelle bringt sie nicht mehr hoch.

McDo hat nun eben geshreddertes Rindfleisch. Und die Kissen, die zwischen die Brötchen kommen, werden ja nicht in der Filiale geshreddert (wodurch Tierabfälle und Mascheinenreinigungsprobelem entstünden). Also werden sie tiefgefroeren angefahren, damit sie "frisch" bleiben. Die McDo-Burgers schmecken nicht "schlecht". Sie schmecken, wie geshreddertes und gefroren gewesenes Rind schmeckt, wenn man es im Fett ausbäckt. Und sowieso, oben gesagt, hängt alles letztlich am Saucen-/Dressing-Geschmack (so auch beim Salat, ist beim Knorr-Dressing des Schwarwaldmichels aber genauso).

Wenn du das überlegst: Es ist klar, es kann eine Kettenrestaurants für Langustenteller geben. Es gibt keine maronenbrustgefüllte Turkey-Brust im Schnellimbiss, da Putenfleisch nur frisch gemacht gut ist und wieder und weider gewärmt, immer scheußlicher wird.

Aber wenn du mal hinsiehst: Auch die gut-deutschen Wirte haben alle die Karten lange nicht mehr, die sie in meiner Kindheit noch hatten. (ca. Jahrgang 1960) Wo findest du überhaupt noch einen Schweinbraten? Da Schnitzel kannst du vorpanieren und jeweils einzeln nach Bestellung in die Pfanne hauen. Ähnich das berühmte Rumpsteak, das Putenschnitzel, das jede deutsche Gaststätte hat. Aber den Schweinebraten musst du en bloc machen und dann zügig verbrauchen, sonst schmeckt er nicht mehr. Woher aber weißt du, dass du ihn an diesem Werktag wirklich wegkriegst oder an diesem Sonntag, wenn es Scheißwetter hat?

Unter den Bedingungen, unter denen McDo oder Subway oder BurgerKing wirtschaften, können sie nur so sein, wie sie sind. Die Industrialisierung ist die Wurzel, aus der sie wurden. DAS sagen sie ihren Kunden natürlich nie. Wieso sollten sie auch. Würdest du das tun, wenn dir so was gehören würde?

Was ich ja nun interessant finde, ist, dass erst diese Ketten im Verein mit den Türken und Pizzen fast alle dt. Provinzwirtschaften ausradiert haben. (den Chinesen und Woks natürlich auch noch) Guck dir an, wie viele Dörfer längst kein Gasthaus mehr haben! Gut, um Freiburg wohl viele noch, hier bei mir kaum noch eines. Und nun passiert, dass man wieder Restaurants aufmachen kann, wenn man sie als Ketten oder Frenchises führt und wenn man den Leuten bieten, was sie bei McDonald's eine Kindheit lang gelernt haben.

Klick mal  das! Burgerheart nennt sich das, gibt es mehrfach in Süddeutschland, Publikum ist ohne Kinder, ohne Alte, ohne Tiere, ohne Hartz, ohne Ausländer (also, diese Arbeitsamtausländer halt). Jedes Essen, das sind große, gut gefüllte Teller mit viel Salat, enthält eine Portion gebratenen Rindfleischburgers. Nur kostet halt hier der Burgerteller allein so viel wie bei McDo das gesamten Spar-Menü, wo ja noch Cola und Pommes dabei sind.

Dergleichen Burgerlokale sehe ich inzwischen überall aufpoppen. Im Sommer aß ich in Landau in der Pfalz bei einem arabischen Halal-Restaurant. Ich hatte bereits die Karte in der Hand, bevor mir klar wurde, dass Halal auch ohne Alkohol heißt und ich hatte gerade soooo eine Lust auf ein Weizen. Gut, bestellte ich eben Apfelschorle. Jedenfalls, in dem Lokal war alles, was es gab mit Rinderburger im Zentrum. 7000 Variationen von Burger, immer auf dem normalen Porzellanteller. Burger mit Nachos. Burger mit Guacamole. Burger mit Sardellen. Burger mit Spargel. Burger mit Ketchup. Burger mit Kresse. Und so weiter.
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MissAvocet (33) meinte dazu am 06.12.2017:
"wenn man sich lieber den Magen chemisch reinigt, als ein bisschen mehr Geld auszugeben"

Das ist ein Mythos. Die Anbieter nehmen immer soviel wie sie kriegen können. Bei denen heisst es "Gier ist geil". Wenn du mehr bezahlst, heisst das nicht, dass du besseres bekommst.
Denke mal an Fairtrade. Da zahlen Leute freiwillig mehr für Kafee und Tee, vor Ort bekommen es aber nicht die Erzeuger, diese vegetieren nach wie vor unter verheerenden Bedingungen, vergiften sich und die Produkte mit Pesstiziden. Den Mehrpreis stecken unterwegs andere ein, die Verbraucher werden mit falschen Versprechungen geködert.
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