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Markus_Scholl-Latour


Status Autor, angemeldet seit 02.10.2019. Markus_Scholl-Latour ist zur Zeit offline offline; zuletzt online am 05.12.2019, 19:49. Letzte Veröffentlichung am 15.11.2019. Kontaktmöglichkeiten Kontaktmöglichkeiten: Kontaktformular Gästebuch
Diese Seite: www.keinVerlag.de/markus_scholl_latour.kv
Markus_Scholl-Latour wurde 1974 geboren. Er ist von Beruf Grafiker. Markus_Scholl-Latour kommt aus Deutschland. Seine Muttersprache ist Deutsch.

    Über sich selbst schreibt Markus_Scholl-Latour:
Ein Wort an junge Schriftsteller

Was ihr jungen Schriftsteller braucht, ist nichts als das Leben selbst, nichts als die Schönheit und Verkommenheit der Erde; das ist der Acker meines Vaters und die unerhörte Ausdauer meiner Mutter, das ist der Kampf eurer Seele, in den euch der eigene Hunger und die eigne Verkommenheit hinein treiben muß, das ist der Durst nach Ruhm, der einen Verlaine und Baudelaire auf den »elysischen Feldern« quälte. Was ihr haben müßt, das sind nicht Krankenversicherungen und Stipendien, Preise und Förderungsprämien; es ist die Heimatlosigkeit eurer Seele und die Heimatlosigkeit eueres Fleisches, die tägliche Trostlosigkeit, die tägliche Verlassenheit, der tägliche Frost, die tägliche Umkehr, ein nur tägliches Brot, das einst so herrliche und erbärmliche Kreaturen wie Wolfe, Dylan Thomas und Whitman hervorgebracht hat, Städte, Landschaften, Errungenschaften also gegen den Staub, die Botschaft eines gequälten, unverbesserlichen Daseins, das sich von Stunde zu Stunde auffrißt für die Erschaffung neuer, gewaltiger Poesien. Was ihr braucht, ist überall, wo einer aufsteht und abstirbt, wo der Regen den Stein wäscht und wo die Sonne zur Qual wird.

Wo aber seid ihr, die sich so gern als die Dichter unseres Volkes verhätscheln lassen, die als die künftigen Gesammelten Werke über den platzenden Asphalt gehen? Wo seid ihr? Was treibt ihr mit der Zeit, die nur einmal für euch, nur einmal für uns alle da ist, und die auf der Zunge zergeht, ehe ihr sie geschmeckt habt?

Ich sehe euch nicht dort, wo das heftige streitbare Leben ist, sondern als saubere Kartothek-Aufseher verbitterter Offizials, als Handlanger gut honorierter Räte der Naturschutzbehörde oder eines ländlichen oder städtischen Kulturreferats. Ihr hockt im Kaffeehaus, ohne Träne und ohne Humor, euch selbst und die Umwelt hassend, weit weg vom Leben, von den Wäldern, von den Bergen, von der Nachbarschaft, weit weg von aller Poesie ... Ihr habt euren Charakter verkauft und eine unbändige Furcht vor der Not, Furcht vor euren Gedanken, Furcht vor eurer Bösartigkeit, Furcht vor Acker und Tenne, Krampen und Schaufel, Furcht vor der Wahrheit, vor der eigenen Minderwertigkeit und vor der eigenen Größe. Ihr kapituliert vor der Kleinheit, vor dem Doktortitel und vor der Partei, heute auf dem städtischen Magistrat, morgen in der Kulturredaktion eurer Landeszeitung; eure Bücklinge sind unbeschreiblich; vor jedem Haderlumpen, der »Einfluß« hat, macht ihr den Kratzfuß. Und so habt ihr sie geschaffen, die große Zeit der Lyrikkonzerne und Prosatruste, die auch die Zeit der Versicherungen und Pragmatisationen ist. Was aber kann man von pragmatisierten Dichtern erwarten? Von euch pragmatisierten Lyrikern, die mit den Blättern P. und L. in eine Aktiengesellschaft eingegangen sind und die ein Abkommen mit der Industrie in der Tasche haben, das ihnen alle Preise zwischen den Akademien garantiert?

Die Bücher, die ihr schreibt, sind langweilig, sie sind aus Papier, eure Sprache ist erlogen (ihr seid nicht mehr fähig, zu reden, wie es eurer Herkunft entspricht), sie brüskiert die Sprache Hölderlins, Whitmans, Brechts; eure Bücher sind aus Allerheiligenkranzpapier, und eure Verse schmecken nach dem Schreibtischholz. Es ist, als hättet ihr gar nichts erlebt, als lebtet ihr nur aus den Büchern der alten Vetter, als stopftet ihr euch zum Frühstück Mittagessen und Nachtmahl mit den schwindsüchtigen Rilkes und seiner bleichen Verwandtschaft den Magen voll, als wären eure Großväter nicht Bierbrauer, Selcher, Getreidehändler, Krieger, Marktfahrer, Zigeuner – und wahre Dichter gewesen.

Eure Prosa hat weder Frühling noch Sommer, nicht Herbst und nicht Winter, sie ist weder schwarz noch rot; sie rinnt wie eine ungesalzene Haferschleimsuppe in den Magen. Aber weil ihr nicht lebt wie die Bierbrauer, Selcher, Marktfahrer und Zigeuner, weil ihr Angst habt vor dem Krückstock der Zeit und vor der eigenen Verzweiflung, darum habt ihr nichts mehr zu sagen.

Die Zeit, in der ihr den eigenen Hunger rühmtet, die Zeit, in der die jungen Schriftsteller gegen die Präsidenten aufstanden, die Zeit, in welcher ihr Revolution machtet, ist vorbei! Die Zeit ist vorbei, da Hamsun durch New York streunte, in welcher Sillanpää seinen Nobelpreis nicht abholen konnte, weil er, der lebte, zwar sieben Kinder, jedoch keinen Reisegroschen im Mantelsack hatte. Und vorbei ist die Zeit, da ihr eure Verse zur Laute heruntergesungen habt. Aus dem Volk der Dichter und Denker ist ein Volk der Versicherten, ein Volk der Beamten und Parteiangehörigen geworden, eine Gegend der Schwächlinge, eine Landschaft leidenschaftsloser Aktenträger. Aus dem Volk der Schwärmer wurde ein Volk der Agenten!

Gewiß, es geht keiner mehr zugrunde an den Ecken der Erde! Keiner verkommt mehr zum Ruhme der Dichtung. Aber es kennt auch keiner mehr das Gras und die Flüsse! Und wenn ihr weiterhin seelenruhig eure Versicherungsprämien einzahlt, bis zum sechzigsten Jahr, und den Kratzfuß macht vor den Hanswursten des Hausfrauen- und des lyrischen und philosophischen Blattes, wird aus euch kein Lorca und kein Gottfried Benn und kein Charles Péguy und niemals ein Whitman werden. Die Schilling-Zuschüsse, auf die ihr wartet, werden euch vernichten.

Quelle: Thomas Bernhard 'Der Wahrheit auf der Spur'/Suhrkamp 2011
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