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Wie Sektfrühstück zu keinVerlag.de fand

 

Das Schiff der Wisente strandete; mit einem dumpfem Knirschen wurde der Bug eingedrückt – so morsch war er auf der langen Reise geworden. Dies würde die letzte Reise dieses alten Gefährts gewesen sein.
  Wir hatten so lange nichts anderes als Meer gesehen, dass wir schon fast an der Existenz von festem Land zu zweifeln begonnen hatten. Die Möglichkeit, plötzlich darauf zu stoßen, hatte erst recht niemand mehr in Betracht gezogen. Dementsprechend unvorbereitet traf uns der ungeheure Ruck. Ich kam noch am besten weg, da ich als einziger liegend schlief. Die Wisente aber verloren ausnahmslos den Stand und wurden wüst durcheinandergewürfelt. An Deck brach ein wildes Durcheinander los.
  Es legte sich jedoch recht schnell wieder, mit jedem, der sich aufrappelte, ein Stück mehr. Ungläubig sahen wir, dass es nur wenige Meter bis zum Ufer waren. Dahinter erstreckte sich, grau in der frühen Dämmerung, nicht enden wollend das Land. Ungeahnt fremd war uns dieser Anblick geworden. Schließlich sprangen wir von Deck und wateten schweigend zum Strand. Keiner traute sich, den erhabenen Moment zu stören.
  Als sich alle ein Stück weit oberhalb der Wasserlinie versammelt hatten, ließen wir uns im Kreis nieder und hielten Rat. Die Wisente reizte weiterhin das Reisen, so kamen sie schnell überein, ihren Weg zu Lande fortzusetzen. Zuerst würde man aber noch einige Tage beim Wrack campieren, um zu ergründen, was von der Ladung noch zu gebrauchen sei.
  Ich hielt mich während der Gespräche im Hintergrund; die Wisente benötigten meinen Rat nicht mehr. Zudem begann in mir ein eigener Entschluss zu reifen. Wir hatten das Ende unseres gemeinsamen Weges erreicht.

Also paßte ich Lustra ein paar Nächte später auf dem Deck des Wrackes ab. Sie hatte ihre alte Gewohnheit, im Sternenlicht darauf auf und ab zu wandern, trotz der Strandung nicht abgelegt. Ihr wollte ich mein Vorhaben mitteilen, bevor die anderen davon erfuhren. Ich war mir einigermaßen sicher, bei ihr auf Verständnis zu stoßen. Anders verhielt es sich mit Nim, ihrem Gatten. Für ihn zählte vor allem anderen, die Gemeinschaft zusammenzuhalten. Er hätte meinen Wunsch, die Wisente zu verlassen, wohl als Verrücktheit abgetan und mit allen Mitteln versucht, mich umzustimmen. Was ihm, wie ich befürchtete, vielleicht sogar hätte gelingen können. Nim konnte überzeugend sein wie kein anderer. Von Lustra aber wußte ich, dass sie mir im Wesen sehr ähnlich war, und dass sie einen subtilen aber unwiderstehlich Einfluß auf Nim hatte.
  Ich fand sie am Heck stehend, ihren Blick gedankenverloren über das Wasser schweifen lassend. „Wenn man nur das Meer betrachtet, könnte man annehmen, wir befänden uns immer noch mitten darauf, und unsere Fahrt dauerte noch an“, sprach sie ohne sich zu mir umzuwenden. Durch das Trittgeräusch auf den Holzplanken war ich immer leicht von den Wisenten zu unterscheiden. „Sie konnte nich ewig so weitergehen“, antwortete ich, wohl wissend, wie außerordentlich knapp wir der Ewigkeit einmal nur entronnen waren. Lächelnd drehte sie sich nun doch zu mir um. Ihr feines Fell glänzte im Mondlicht, dass man es für silberfarben hätte halten können. „Wir müssen uns wohl damit abfinden“ sagte sie und ließ mich so wissen, dass sie mich verstanden hatte. „Wie wir uns wohl auch mit dem Ende anderer Dinge werden abfinden müssen.“ – Sie hatte also noch bedeutend mehr verstanden, als ich dachte in meine Worte gelegt zu haben.
  „Vergänglichkeit kann durchaus etwas Tröstliches haben.“ – „Das ist wahr,“ stimmte sie mir zu, „und dank Dir können das jetzt auch wir Wisente verstehen. Aber leicht fällt es uns immer noch nicht.“ – „Wenn es leicht fiele, würde sich alles und jedes sofort in dieser Tröstlichkeit auflösen. Das Universum hätte sich schon lange dem Nicht-Sein hingegeben.“ Darauf musste sie lachen. „Vielleicht ist das Universum ein alter Wisent.“ Wir sahen zu den Sternen auf. Die hiesigen Konstellationen kannten wir noch nicht lange.
  „In welche Richtung wirst Du Dich wenden?“ fragte sie mich nach einer Weile. Die Wisente hatten beschlossen, nach Süden zu gehen. „Osten“, sagte ich, „dort habe ich Wälder gesehen“. Sie nickte nur. Die Enge eines Waldes schien den Wisenten nach der langen Seereise bedrückend, so zumindest hatten sich einige geäußert. Ich hingegen sehnte mich nach diesen uralten lebenden Gewölben, nach ihrem Geruch, nach ihrer Kühle und ihrem Zwielicht, nach ihren Geräuschen und der Aura von Geheimnis, die sie atmeten, und die so völlig anders war als die des Meeres. „Ich werde mit Nim reden“ versprach sie mir. Dann ließen wir noch eine Weile Erinnerungen an einige Stationen der zurückliegenden Reise aufleben, bis ich müde wurde und mich an Land zurückzog.

Am nächsten Morgen redete Nim wie erwartet aufs Heftigste auf mich ein, doch man merkte ihm an, dass er den Kampf bereits verloren wusste. Ich versuchte nicht, es ihm zu erklären – meine Beweggründe waren seinem Wesen zu fremd, als dass ich damit etwas anderes als Unverständnis hätte erzeugen können. Also berief ich mich auf meine offensichtliche Andersartigkeit, und das akzeptierte er schließlich, was vermutlich Lustras Vorarbeit zu verdanken war.
  Kaum drei Stunden später verabschiedete ich mich von den Wisenten, von jedem einzelnen persönlich, und wünschte ihnen Glück auf ihrer fortgesetzten Reise. Als ich schließlich ging, stimmten sie wieder den Gesang an, der mich seinerzeit zu ihrem Schiff geleitet hatte, vor so langer Zeit, inmitten eines Meeres von kosmischer Unermeßlichkeit.
  So ließ ich damals die Wisente hinter mir und wandte mich den Wundern zu, die mich in den Wäldern und jenseits davon erwarten sollten. Und so kam ich, wenn auch auf Umwegen, zu kV.





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