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Epikurs Garten

Akademie der Lockerheit


Die Kolumne des Teams "Epikurs Garten"



Mittwoch, 23. Mai 2018, 11:48


Platonischer Dialog

von Graeculus


Gastkolumne von autoralexanderschwarz

S: Nun, mein lieber Glaukon, ist es aber an dir zu sprechen: die Leute auf den Feldern sagen nämlich, du hättest ein Problem, sie sagen: du hättest alles verloren.

G: So ist es, oh Sokrates, die Leute sagen die Wahrheit. Es stimmt, dass ich alles verloren habe.

S: Wohlan, ich hörte es bereits und da wir nun beide – ich, Sokrates und du, Glaukon – gehört haben, dass du alles verloren hast, schlage ich vor, dass wir uns dieses 'alles', von dem du meinst, ja überzeugt bist, es verloren zu haben, einmal genauer anschauen. So wie der heilkundige Arzt sich ein genaues Bild des Körpers verschaffen muss, um ihn heilen zu können, müssen auch wir uns ein genaues Bild des Verlustes machen, um herauszufinden, ob nicht auch er heilbar ist, ist es nicht so, Glaukon, dass dies der einzig gangbare Weg ist?

G: So ist es, Sokrates, ich sehe keinen Fehler in der Abfolge eurer Gedanken. Vielmehr beeindruckt mich ihre Folgerichtigkeit.

S: Die Dinge, aus denen jenes 'alles' zusammengesetzt ist, das du meinst verloren zu haben: hast du diese Dinge etwa schon immer besessen oder bist du nicht wie jeder andere Bürger Athens nackt und ohne jegliche Güter geboren worden?

G: Ich verstehe wohl die Worte, die du wählst, nackt wie die anderen Bürger Athens wurde ich geboren, oh Sokrates, doch das macht den Verlust nicht besser: eine Feuersbrunst griff auf mein Heim über und tötete mir über Nacht Weib, Kind und Sklaven. Nichts ist mir geblieben und so sage ich, dass ich alles verloren habe.

S: So scheint es wohl, aber an dieser Stelle ist es wichtig und von besonderer Bedeutung, nicht zu schnell mit den Gedanken voranzuschreiten. So wie der heilkundige Arzt den Körper bis in den Knochen hinein kennen und untersuchen muss, dürfen auch wir uns nicht mit der Oberfläche des Problems zufriedengeben. Denk noch einmal genau nach, lieber Glaukon, ist es wirklich ein 'nichts' mit dem du geboren wurdest und wie kann es sein, dass aus diesem 'nichts' irgendwann ein 'etwas' und schließlich ein 'alles' geworden ist, denn du wirst zugeben müssen, dass jeder mögliche Weg vom 'nichts' zum 'alles' über ein 'etwas' führt.

G: Es ist so wie du sagst, Sokrates, doch ich vermag es nicht dieses Rätsel zu lösen. Umso gespannter bin ich, wie du, Sokrates, diesen Knoten entwirren wirst.

S: Wohlan, Glaukon, so wie man immer am besten beim kleinsten der sichtbaren Teile beginnt, wollen wir zunächst den ersten Teil des Weges betrachten: ist es nicht so, dass jener Weg vom 'nichts' zum 'etwas' ein Weg ist, der allen Menschen gemein ist, auch wenn sich die Dinge, die jenes 'etwas' bilden, unterscheiden?

G: Wie könnte es anders sein.

S: Nun wollen wir den Kreis erweitern, Glaukon, indem wir von den Menschen hinüber zu den Tieren blicken: auch diese werden geboren mit einem 'nichts' und selbst wenn sie aus Eiern schlüpfen, sind sie nackt und schutzlos.

G: So ist es, Sokrates, also werden auch die Tiere mit einem 'nichts' geboren.

S: Nun, mein lieber Glaukon, sind wir an einem entscheidenden Punkt und ich verspreche dir, wenn wir jetzt fest und unbeirrbar voranschreiten, dann liegt das Ziel bereits in greifbarer Nähe.

G: Ich bin sehr gespannt, Sokrates.

S: So frage ich dich, Glaukon: Kann denn ein Welpe, der mit einem 'nichts' geworfen wird, kann dieser Welpe einmal ein Haus bauen und Weib, Kinder und Sklaven besitzen?

G: So etwas habe ich bislang noch nicht gesehen. Nein, oh Sokrates, das kann ich mir nicht vorstellen.

S: Und wie ist es mit der Feldmaus, dem Rebhuhn, der Dohle oder dem Grashüpfer? Werden sie einmal ein Haus leiten oder den Sklaven mit dem Stock züchtigen?

G: Nein, Sokrates. Dies wäre wahrlich ein wundersamer Anblick.

S: Du siehst also, lieber Glaukon, dass sich das 'nichts' der Tiere vom 'nichts' der Menschen unterscheidet.

G: Dies verwundert nun doch sehr. Ein 'nichts' kann sich doch nicht von einem 'nichts' unterscheiden.

S: Nun sind wir fast am Ziel, denn die Lösung, lieber Glaukon, kann nur in der Antwort liegen, dass das 'nichts' mit dem der Mensch geboren wird, bereits ein 'etwas' enthält, nämlich die Fähigkeit aus dem 'nichts' Dinge zu erwerben, die ein 'etwas' bilden.

G: Ich sehe keinen anderen Weg.

S: Und nun pass auf, Glaukon, denn diese Fähigkeit hast du nicht verloren, vielmehr ließe sich behaupten, dass diese Fähigkeit durch dein Alter und deine Erfahrung noch gewachsen ist. Wir müssen also, lieber Glaukon, bereits an dieser Stelle festhalten, dass der Satz „ich habe alles verloren“ auf dich, Glaukon, nicht zutreffen kann, da du noch über die Fähigkeit verfügst, Dinge zu erwerben, die dem Tier naturgemäß unerreichbar sind.

G: Dem lässt sich nicht widersprechen, Sokrates. So gesehen habe ich nicht alles verloren.

S: So folge mir noch einen letzten Gedanken weiter, Glaukon: was erscheint dir nun kostbarer? Die Fähigkeit etwas zu erwerben, die du wieder und wieder einsetzen kannst oder aber ein Erworbenes selbst, das nur ein einziges Mal zur Verfügung steht.

G: Die Antwort ist einfach, Sokrates. Die Fähigkeit ist das kostbarere, da man sie immer wieder einsetzen kann.

S: So siehst du nun, Glaukon, dass nicht nur der Satz 'ich habe alles verloren' falsch war, sondern dass du dir das Kostbarste sogar erhalten hast.

G: Wie immer sind deine Gedanken folgerichtig, oh Sokrates, doch sie vermögen es nur für den Moment zu trösten. Ich habe kein Dach mehr, das mich vor dem Regen schützt und man sieht bereits den tobenden Sturm in der Ferne. Würdest du, Sokrates, es mir, Glaukon, gestatten, diese Nacht in einem deiner Häuser zu verweilen?

S: Das, mein lieber Glaukon, ist eine gänzlich andere Frage, die ich an diesem Tage nicht mehr erörtern möchte, da sie noch verwickelter ist als die vorige. Heißt es nicht, dass der Schmied niemals zwei Schwerter an einem einzigen Tage schmieden soll, da sonst die Schärfe des einen die Schärfe des anderen beeinträchtigt? Anders als du habe ich Weib, Kind und Sklave, die der Führung und der Weisheit des Hausherren bedürfen, dir aber rate ich: nutze die nasse und kalte Nacht, um über das Gesagte nachzudenken: so lange du noch lebst, hast du nicht alles verloren. Wenn du morgen klarer siehst, können wir unser Gespräch an dieser Stelle fortsetzen.

G: Ich danke euch, oh Sokrates.

S: Die Wahrheit bedarf keines Dankes.


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