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Kein Thema

Sonntagskolumnen


Die Kolumne des Teams "keinThema.de"



Sonntag, 24. Juni 2012, 20:05


Postkartengrüße und Portraitmalereien aus Krakau

von bookishasearlgrey


Max Goldt hat einmal, wie es seine Art ist, liebevoll und spöttisch über deutsche Mädchen geschrieben, die sich in europäischen Metropolen im Städteurlaub von Portraitmalern zeichnen lassen, die etwas teureren, künstlerisch anspruchsvollen schwarz-weiß Postkarten kaufen, um sie an ihre Freundinnen zu verschicken, und anschließend sanft und taktlos die Hüften zu den Klängen der Straßenmusiker wiegen.

Er entwirft eine Sommerpittoreske, einen Boulevard, wie wir ihn kennen, waren wir schon einmal StadttouristInnen, oder leben in einer Tourismusstadt. Können Sie diese Mädchen denn nicht auch jetzt vor Ihrem inneren Auge sehen? Muss man nicht Spott und Liebe zugleich empfinden, bei diesem Anblick?
In der europäischen mittelgroßen Stadt, die ich manchmal geneigt bin, als Metropole zu bezeichnen, und manchmal auch nicht, in der ich mich gerade befinde, gibt es auch solche Mädchen, ich zähle sie zu den harmlosen TouristInnen hier. Sie sind in Krakau, von der die Rede ist, weil es eben eine mittelgroße europäische Stadt ist, eine, in die nicht jeder unbedingt reist, weil es hier ein bisschen Kultur gibt, und das beste Eis in Mitteleuropa, sowie nette Gässchen zum Flanieren und Relaxen. Manche mögen sie einfältig nennen, geschichtsblind und ignorant, weil sie sich angeblich der Eigentümlichkeit der Geschichte dieser Stadt entziehen.

Nun, ich gebe zu, diese Touristinnen gehen mich nicht sonderlich viel an, mit ihnen habe ich alltäglich selten zu tun.
Es sind doch tatsächlich die Stereotyp-Touristen-Deutschen, die mir auf und auf die Nerven fallen. Ich dachte, ich sei so einiges gewöhnt, studierend in Sanssouci, wo man sich ohne Sorge an den zu preußischen Ehren gefällten Bäumen entlang hangelt, an deren Stelle Eichen gepflanzt werden sollen, um die Studierenden im Campus schamlos zu begaffen und zu fotografieren.
Aber ich hatte nicht mit den "Schindlers Liste" und Auschwitz TouristInnen gerechnet. Begleiten Sie mich einmal zur Arbeit, im "jüdischen Bezirk" Kazimierz in einem jüdischen Museum in der Stadt, die dank des Films "Schindlers Liste" und der Nähe zur Auschwitz-Gedenkstätte den Großteil der BesucherInnen anlockt. Diese makabere Attraktivität war mir nicht bewusst, bevor ich herkam. Diese Wissenslücke in puncto Eventourismus wird jedoch schnell geschlossen. So kommt man nicht vorbei an Golfwägelchen, die beschriftet sind mit "Old Town- Jewish Ghetto- Schindlers Factory-Auschwitz." Fragt man sich für einen Moment, ob man mit einem Golfwägelchen tatsächlich die knapp 50 Kilometer zwischen Krakau und Auschwitz zurücklegen kann, kommt einem die bittere Erkenntnis schnell, dass der Reiseveranstalter nur die Fläche für passende Werbung nutzen wollte, Touristen mit einem weiteren, ihnen bekannten historischem Ereignis anlocken. Auschwitz-Geschichtstourismus on Advanced Level, wem das Jewish Ghetto zu lame erschien. Dass diese Karren größtenteils von johlenden, trinkenden Männern mittleren Alters frequentiert sind, könnte ich vielleicht noch eher ignorieren, als den Fakt, in enttäuschte und ungläubige Gesichter zu blicken, wenn ich an der Rezeption unseres Museums Auskunft gebe: "Nein, die "Schindler Fabrik" ist nebenan." "Ja, da ist ein Museum über den zweiten Weltkrieg drin, nicht so viel über den Film selbst." "Waren sie enttäuscht? Oh, das tut mir leid." "Ja, wir haben Material zum Holocaust, aber es geht uns auch um jüdische Geschichte vor dem zweiten Weltkrieg, und die bestehende jüdische Community." "Nein, wir sind nicht das Holocaustmuseum." "Schade, auf Wiedersehen." "Nein, das was sie sehen konnten, war Teil der Ghettomauer, nicht der Stadtmauer." "Ja, eine Mauer gibt es auch in Berlin, hahahahaha"
Warte mal, was? AAAAAAAAAHHHHHHHHH.

Beruhigen wir uns. Zurück zur Pittoreske. Hören Sie nicht auch diesen einzigen guten Coldplay-Song? Wir sind wieder in der Innenstadt. Wir fingen an mit Postkarten und Portraitmalern. Begleiten sie mich auf einen Spaziergang zu den tatsächlichen Stadtmauern. Hier werden eine Menge Ölgemälde angeboten. Wer kauft eigentlich all die Judenpuppen, die Portraits von Geld zählenden Juden, oder schickt seinen Lieben eine "Arbeit macht frei"-Postkarte? Die selben Gesichter, die enttäuscht sind, dass es in unserem Museum auch um weitere reale, historischen Ereignisse, die Lebenswelt der polnischen Juden und Jüdinnen vor und nach dem zweiten Weltkrieg geht, um polnische Geschichte im Allgemeinen?
Ich weiß es nicht. Ich fürchte, als Stadtführerin habe ich an diesem sonnigen Sonntag mehr Fragen als Antworten für Sie parat. Wissen Sie, was ich Ihnen empfehlen würde, kämen sie nach Krakau? Schleichen Sie sich einmal in das "Galizisch-Jüdische Museum" in ein Überlebenden-Treffen mit einer Schulklasse, ganz gleich woher. Ignorieren Sie die stumpfen, begleitenden GeschichtslehrerInnen mit ihren mitleidigen Fratzen, den Floskeln und Umständlichkeiten. Sehen Sie in diese jungen Gesichter, die alles fragen, was ihnen auf der Seele liegt, sensibel, überlegt, doch nicht zensiert. Die unmütig ihre PädagogInnen zusammenscheißen, wenn sie zur nächsten Stadttour geschleift werden sollen, während eine Überlebende gerade die Wichtigkeit dieser Begegnung betont.
Und wenn Ihnen das zu wenig Spaß bringt, Ihnen Ihren Urlaub versaut- gleich um die Ecke, hier in Kazimierz, gibt es tatsächlich das beste Eis in Mitteleuropa.


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (24.06.2012)
"....studierend in Sanscoussi, wo man sich ohne Sorge..."

Ja, eben, aber offenbar kein Französisch studierend. "Ohne Sorge", also sans souci, folglich Sanssouci. Wenn das der alte Fritz läse!
Nichts für ungut!
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bookishasearlgrey
Kommentar von bookishasearlgrey (24.06.2012)
Noe! Aber danke, Dieter! So sparen wir uns den Lektor!
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bookishasearlgrey
Kommentar von bookishasearlgrey (24.06.2012)
Ich finde nicht, dass eine Tyrannei der pc exisitiert, im Gegenteil, aber Recht hast Du hier, danke für den Hinweis. Das Ladys first Ding finde ich nicht so wichtig.
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bookishasearlgrey
Kommentar von bookishasearlgrey (24.06.2012)
Danke, ich freu mich. (Trotz?) Sternchen.
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