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Kein Thema

Sonntagskolumnen


Die Kolumne des Teams "keinThema.de"



Montag, 17. Juni 2013, 16:40


Gute Lehre, schlechte Leere

von MagunSimurgh


Vom ABC-Schützen zum letztlichen Beruf dauert es heute in manchen Disziplinen über 20 Jahre – das wäre auch für manchen Whiskey eine ganz gute Zeit. Wie der edle Tropfen hängt auch eine akademische Ausbildung von guter Pflege ab – und man sieht in Puncto Lehrstil so einiges im Verlaufe einer "Bildungskarriere".

Einige Dimensionen, auf denen man das beurteilen könnte:


fachlich kompetent vs. 3 Lehrbuchseiten voraus
engagiert vs. eigentlich ist alles egal
auf der Höhe der Zeit vs. nutzt verstaubte Projektorfolien
schülernah vs. lebt in einer Blase
interessanter Unterricht vs. Schlafsaalbeschallung


Ich vermute, dass jedem das ein oder andere Beispiel dazu einfällt.

Dabei muss ein vernichtendes Urteil auf einer der Dimensionen noch kein Todesurteil sein für einen Lehrenden. Ich bin davon überzeugt, dass man gute Lehre lernen kann. (Mal von der Frage abgesehen, wie man gute Lehre genau definiert.) Dazu ist jedoch ein Mindestmaß an Akzeptanz von Kritik erforderlich – und die Fähigkeit, das eigentliche Problem zu erkennen. Denn Rückmeldungen können offen in verbaler Form gegeben werden (dabei natürlich sachlich und unsachlich) oder sehr subtil durch das Verhalten des Publikums zum Ausdruck gebracht werden.

An den meisten Universitäten gibt es dafür das Konzept der Evaluation – am Ende des Semesters werden die Studierenden gefragt, was sie von der Lehrveranstaltung halten. für viele Dozenten gehört es zum Grundsatz, zu versuchen, aufgekommene Kritikpunkte zu verändern – leider nicht bei allen. Einige Lehrveranstaltungen an deutschen Hochschulen sind immer noch derart miserabel, dass man schlussfolgern muss, dass die Evaluationsergebnisse gar nicht gelesen wurden.

Es ist nie schön, wenn am eigenen Stil kritisiert wird – vor allem nicht, wenn es um etwas wie Lehrstil geht, bei dem Dozenten oft das Gefühl haben, dass ihre ganze Person daran gebunden ist. Aber „Ihre Vorlesung ist langweilig.“ ist nicht gleichbedeutend mit „Sie sind langweilig.“ Andererseits ist „langweilig“ sehr unspezifisch – man müsste also auch auf Studenten-/Schülerseite etwas dafür tun, dass Kritik spezifischer und anschaulicher geäußert wird.

Man bräuchte also ein Konzept, was Lehrkräften ermöglicht, Probleme besser zu erkennen und Lernenden, die Probleme besser zu äußern. Was Schule betrifft, müsste man überhaupt einmal anfangen, die „Bildungskonsumenten“ in den Bewertungsprozess einzubeziehen. Denn mal ehrlich: Hospitationen? Ein richtiges Theaterstück dauert wenigstens länger als 45 Minuten.


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


wupperzeit
Kommentar von wupperzeit (16.06.2013)
Vielleicht würde es genügen, einem Lehrenden als höchstes Kompliment zu übermitteln: Ich habe von Ihnen gelernt, ich habe also etwas bei Ihnen gelernt …Denn nicht für die Schule, - usw.

Ich erinnere mich noch heute, über dreißig Jahre nach Beendigung meiner Schulzeit, - an die besonders guten und an die besonders schlechten Lehrer zurück, und an den Lehrstoff, den sie zu vermitteln versuchten: fast überhaupt nicht mehr. Als Schulwissen.

Nur in Verbindung an die Erinnerung an den Lehrenden selbst.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (16.06.2013)
Wieso die Beschränkung auf Whiskey? Verstehe ich nicht...
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MagunSimurgh
Kommentar von MagunSimurgh (17.06.2013)
Ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt – du erinnerst dich sehr wohl an das semantische Wissen, an die einige Fakten, die dir beigebracht wurden, nehme ich an. (Meinetwegen wie die menschliche Verdauung funktioniert oder so ;-))

Oder gewisse Fertigkeiten wie Rechnen kannst du sicherlich auch noch.

Allerdings fehlt die Verknüpfung zum episodischen Wissen (der Erinnerung an Ereignisse, Gefühle, ...) – bei sehr überlerntem Wissen (das man oft wieder erfährt) verlischt irgendwann die Erinnerung daran, wo man es gelernt hat. Ich weiß zum Beispiel, dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist, aber zu welcher Gelegenheit ich das gelernt habe, kann ich beim besten Willen nicht erinnern.

Insofern ist das Kompliment vielleicht eher, wenn man sich an bestimmte "Lektionen" noch erinnert, weil sie einen geprägt oder beeindruckt haben?
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