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Kein Thema

Sonntagskolumnen


Die Kolumne des Teams "keinThema.de"



Samstag, 22. Januar 2011, 15:44


Wahre Liebe II

von tausendschön


Inzwischen muß ich mir eingestehen, daß ich ein verhaustierter Mensch bin. Nicht auf die Art zwar, wie Konrad Lorenz das meinte. Es ist eher dieser Verlust an Schamgefühlen bezüglich der artübergreifenden Zuneigung: daß ich mich selbst als Katzenmama bezeichne und dabei so vor mich hinlächle. Ich liebe meinen Kater. Und seine Persönlichkeit erleichtert unsere Liebesbeziehung enorm. Man könnte nämlich sagen, daß er ein vermenschlichtes Haustier ist. Nicht auf die Art zwar, daß ich ihm menschliche Gefühle unterstelle. Es ist eher seine freudige Anpassung an menschliche Lebensgewohnheiten: Er schläft unter der Bettdecke, möchte den ganzen Tag menschliche Gesellschaft (wenn möglich nahe der Bettdecke), und andere Katzen sind ihm sehr suspekt. Mir geht es ja genauso mit der Bettdecke und dem Argwohn gegenüber Artgenossen. Abends erzähle ich ihm von meinem Tag und nachts darf ich ihn als Kopfkissen benutzen. Käse essen wir immer gemeinsam. Wir sind die perfekte Symbiose.

Meine Freundin Marie sucht in ihren Paarbeziehungen immer nach der Bestätigung, die sie von ihrem narzißtischen Vater nie bekommen hat. Meistens jedoch hat sie keine Paarbeziehung, weil sie sich gar nicht so nah herantraut. Deshalb hat sie vor einer Weile einen Kater zu sich genommen. Er heißt Filou. Ich habe Marie in der Katzenanfangszeit häufig besucht, und ich habe zweifelsfrei diagnostiziert: Filou ist eine narzißtische Schönheit. Bei meinen Besuchen saß er am liebsten ganz oben auf dem Küchenschrank und blickte herrschsüchtig auf die verachtenswerten Menschen herab. Angefaßt werden mochte er nicht. Er war berechnend und arrogant bis zur Bösartigkeit. Natürlich war Marie vom ersten Tag an in Filou verliebt.

Diese Kolumne hat ein Happy-End. Für Marie. Denn Marie hat Filou gezähmt. Filou ist heute manchmal anschmiegsam, nähebedürftig, und er schläft freiwillig in ihrem Bett. Das ist für Marie die Bestätigung, die sie von ihrem Vater nie bekommen hat. Marie ist glücklich.

Ja, es ist wahr: Ich beneide Marie. Verglichen mit ihrer absoluten Liebe fühlt sich unsere Symbiose manchmal so austauschbar an. Aber die Wahrheit ist dem Menschen ja zumutbar. Deshalb werde ich meinem Liebsten von meinen Zweifeln erzählen. Vielleicht morgens, an einem Sonntag, wenn wir gemeinsam unter der Bettdecke liegen und Käse frühstücken. Er wird mir dann sanft und tröstlich in die Hand beißen, und mich so intensiv ansehen mit seinen großen grünen Augen, lange, lange, bis ich alle Zweifel vergessen habe.


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


Kommentar von wortverdreher (36) (23.01.2011)
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wupperzeit
Kommentar von wupperzeit (25.01.2011)
Es gibt Menschen, die leben mit Katzen zusammen wie mit Lebenspartnern. Katzen mögen keine verschlossenen Türen, also haben sie Vorhänge in ihrer Wohnung, Katzen mögen keinen Lärm, als hören sie Musik nur über Kopfhörer und das Telefon ist auf niedrigstem Pegel eingestellt, kaufen sie sich ein neues Handy, spielen sie ihrem Kätzchen die Klingeltöne vor, um den für das Tier angenehmste zu finden. Überall liegen Decken…Sie rennen meilenweit durch den Regen, um ihrem Freund das Lieblingsfutter einkaufen zu können, und kurz: Wenn die Katze glücklich ist, sind sie es auch.

Solche Menschen soll es geben…

Ich habe Deine Kolumne sehr gerne gelesen, Andreas
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Ephemere
Kommentar von Ephemere (08.08.2011)
"die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." - und Mut zur Wahrheit, zur Überwindung von Argwohn und zum Verlust von Schamgefühlen lohnt sich meist, bei Menschen wie bei Katzen :-)
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