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Kein Thema

Sonntagskolumnen


Die Kolumne des Teams "keinThema.de"



Sonntag, 11. März 2012, 09:58


Warum die Hoffnung vielleicht zuerst stirbt

von MagunSimurgh


In einem meiner Lieblingslieder heißt es:
"Wenn du sonst keinem glaubst, würdest du glauben, wenn sie sagten: 'Schau, wir fixieren deine Schrauben.', wenn sie sagten: 'Wir nehmen dir deine Krücken.'? Sag: Würdest du tanzen oder dich danach bücken?" (Wir sind Helden: Alles)

Die Anspielung, - der Fachbegriff dafür ist Allusion -, auf die Bibel und Jesu‘ Heilungswunder ist ziemlich eindeutig. Vielleicht erscheint dieses Zitat gerade in diesem Kontext im ersten Moment widersinnig. Müsste man nicht tanzen wollen in so einer Situation? Oder nach vielen aussichtslosen Situationen alles daran setzen, ein Unglück, das sich offenbar vermeiden lässt, zu verändern? Müssten beispielsweise Menschen, die einmal Mobbingopfer waren, sich nicht gegen zukünftige Ereignisse dieser Art viel früher und entschiedener wehren? Oder sollten Menschen, denen in ihrer Kindheit häusliche Gewalt widerfahren ist, diese Situation nicht entschieden vermeiden? Vielleicht ist gerade das nicht der Fall:

In den späten 1960ern führten Martin E.P. Seligman et al. eines der sogenannten klassischen Experimente der Psychologie durch. (Dazu gehört unter anderem auch das Milgram-Experiment zum Gehorsam, falls das jemandem etwas sagen sollte.) Seligman und seine Kollegen setzten drei Gruppen von Hunden in einer Box unterschiedlichen Bedingungen aus.
Die erste Gruppe erhielt im ersten Durchgang Elektroschocks und konnte diese durch entsprechendes Verhalten (z.B. Betätigen eines Hebels) beenden. Die Tiere in dieser Gruppe lernten ziemlich schnell, den Stromfluss gleich nach dessen Einsetzen zu beenden. Eine zweite Gruppe bekam ebenfalls Elektroschocks, wann immer die erste welche erfuhr, konnte diese jedoch nicht unterbrechen. Ihr Verhalten hatte keinerlei Einfluss auf den aversiven Reiz. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle und verbrachte einfach dieselbe Zeit wie die anderen beiden Gruppen in der Box, ohne Strom und ohne Hebel.
Im zweiten Durchgang wurden die Bedingungen verändert. Es gab nun zwei verbundene Boxen. Dieses Mal gab es für alle Gruppen Stromschläge, denen die Tiere durch Wechseln der Box entkommen konnten. Die Unterschied zwischen den Gruppen waren frappierend: Die Hunde der ersten Gruppe, denen die Stromstöße schon vertraut waren, lernten schnell, dem Reiz nicht nur in die andere Box zu entkommen, sondern ihn ganz zu vermeiden, indem sie bereits vor Eintreten des Stromflusses wechselten. Aufgrund der fehlenden Erfahrung mit der Situation lernte die Kontrollgruppe wesentlich langsamer als die erste.
Nun das Erstaunliche: Die Hunde der zweiten Gruppe, deren Verhalten im ersten Durchgang keinen Einfluss auf die Elektroschocks hatte, zeigten fast gar kein Lernverhalten. Wenige lernten sehr langsam ein Flucht- und Vermeidungsverhalten zu zeigen, die meisten ließen die Stromschocks jedoch lethargisch über sich ergehen. Seligman prägte für dieses Phänomen den Begriff „erlernte Hilflosigkeit“. Erlernte Hilflosigkeit ist eine Hypothese zur Erklärung des Experiments. Sie besagt, die Hunde hätten quasi gelernt, dass ihr Tun auf die Umwelt keinen Einfluss ausübt, konkret auf diesen aversiven Reiz, deswegen tun sie einfach nichts, um die Situation zu verändern, obwohl sie dazu rein objektiv in der Lage wären. Seligman nutzte das als Ausgangspunkt für seine Theorie zur Depressionsentstehung beim Menschen und gründete darauf seine eigenen Therapieansätze.
Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass der Umgang mit Tieren in diesem Experiment äußerst fragwürdig ist, und dass in der Psychologie auch andere Ansätze zur Erklärung des Experiments existieren als „erlernte Hilflosigkeit“. Davon abgesehen ist die schlichte Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen auch erkenntnistheoretisch nicht ganz sauber. Schieben wir diese Bedenken jedoch einen Moment beiseite, denn ich möchte bei der Kernaussage des Experiments bleiben.
Scheinbar gibt es ein grundlegendes Phänomen: Menschen können sich nicht immer selbst helfen, wenn sie es eigentlich (objektiv) könnten. Aussagen wie „Der ist doch selbst Schuld, er hätte es doch anders machen können.“ sind mit äußerster Vorsicht zu tätigen und sollten den gesunden Widerspruchsgeist erregen. Kennen Sie in Ihrem Umfeld Menschen, bei denen Sie sich fragen, warum sie ihre Probleme einfach nicht in den Griff bekommen, obwohl es doch „ganz einfach“ wäre? Denken Sie mal drüber nach.

Menschen neigen dazu, den Einfluss von Individuen zu überschätzen und den der Situation auf das Individuum zu unterschätzen. Haben Sie schon öfter mal gedacht: „Wenn ich in der Situation wäre, würde ich viel besser damit klarkommen!“? Bestimmt. Das nennt man übrigens den fundamentalen Attributionsfehler. Aber genug gefachsimpelt. Einen schönen Sonntag.


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


thomas
Kommentar von thomas (11.03.2012)
Ein interessantes Thema, kenntnisreich und gut lesbar beschrieben.
Besonders gefällt mir deine Idee, dieses Thema vom Liedtext einer angesagten Band abzuleiten. Genau das macht es zwar erst zu einer Kolumne, aber warum nicht?!?
Für mein Verständnis schwächelt das schwierigste an dem Text, die Brücke (der 2. Absatz), dorthin ein wenig. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Wort "Situation" mit einem konkreten Beispiel aufzulösen.

vg thomas
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MagunSimurgh
Kommentar von MagunSimurgh (11.03.2012)
Hallo Thomas,

vielen Dank für dein Feedback, ich habe versucht, es gleich umzusetzen, ich stimme dir vollkommen zu. Ich war beim Schreiben so in das Thema vertieft, dass ich gar nicht merkte, dass es an dieser Stelle fehlte.

Mir war mit dieser Kolumne einfach ein Anliegen, ins Bewusstsein zu rufen, dass Menschen manchmal weniger Einfluss haben, als man denkt.

Es ist insofern eine Kolumne, als dass man das Thema aus wissenschaftlicher Sicht nicht so einfach abtun kann. Es gehört viel mehr dazu, als diese einfachste Schlussfolgerungskette. Es ist viel komplexer und es gibt für alles Theorien und Gegentheorien und dafür jeweils Evidenz.

Dennoch kann dieses Experiment in meinen Augen diese resignierte Hilflosigkeit veranschaulichen und sensibel dafür machen.
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